Offene Hardware-Spezifikationen, Open Source Software, eigene Chipsets und KI in allem

Huawei Connect verdeutlicht Emanzipation von der US-Technik

| Autor: Ulrike Ostler

Vom 18. bis zum 20. September 2019 fand in Shanghai die Konferenz „Huawei Connect„“ statt, Treffen von 25.000 Teilnehmern und Schauplatz zahlreicher Vorträge, Ankündigungen, Use Cases und strategischen Überlegungen.
Vom 18. bis zum 20. September 2019 fand in Shanghai die Konferenz „Huawei Connect„“ statt, Treffen von 25.000 Teilnehmern und Schauplatz zahlreicher Vorträge, Ankündigungen, Use Cases und strategischen Überlegungen. (Bild: Ostler)

Die jährliche Hausmesse „Huawei Connect“ ist die Veranstaltung des ICT-Konzerns, die sich mit den Enterprise-Infrastrukturen und -produkten beschäftigt. Zum Event in Shanghai vergangene Woche gab es jede Menge entsprechende Produktankündigungen - von den General Purpose- und KI-Chipsets „Kunpeng“ und „Ascend“ bis zu Networking- und Storage-Devices über offene Hardwarespezifikationen bis zu Open-Source-Software „Open Euler“ und „Open Gauss“. Außerdem im Portfolio: Erläuterungen zu Unternehmensstrategien.

Seit 2011 gibt es die „Enterprise“-Abteilung bei Huawei, vergangenes Jahr änderte sich die Strategie von „Huawei liefert Lösungen“ auf „Huawei inside“ – Lösungen entstehen durch das Zutun von und mit Partnern. In seiner Eröffnungs-Keynote räumt Ken Hu, der derzeitige CEO von Huawei und dessen stellvertretende Vorstandsvorsitzende, ein, dass die meisten Huawei zwar mit Connectivity in Verbindung brächten- „von Festnetzen über Mobilfunk, von 2G, 3G und 4G bis hin zu 5G haben wir in der Branche einige Fortschritte gemacht“ – immerhin habe der Konzern in den vergangenen 30 Jahren ununterbrochen darin investiert.

Doch fügt er direkt an: „Wenn es unser Ziel ist, eine intelligente Welt aufzubauen, sind sowohl Verbindungen als auch Computer entscheidend … Wo immer also eine Verbindung besteht, gibt es auch Computer. Und wo es Computer gibt, bestehen Verbindungen.“

Ken Hu, der derzeitige Ken Hu CEO von Huawei und dessen stellvertretender Vorstandsvorsitzende, erläutert die Computing-Strategie.
Ken Hu, der derzeitige Ken Hu CEO von Huawei und dessen stellvertretender Vorstandsvorsitzende, erläutert die Computing-Strategie. (Bild: Huawei)

Heute seien sich zudem Menschen und Computer näher denn je und damit meint er nicht nur Laptops, Smartphones und Wearables. „In der Tat sind Computer zu einer Erweiterung von uns selbst geworden, unserer Fähigkeiten.“ Und basierend auf diesem Trend sei klar, dass die Computerbranche ein grenzenloses Potenzial hat.

Im Jahr 2018 hat das so genannte Enterprise Business von Huawei einen Umsatz von rund 10 Milliarden Dollar erreicht bei einer Wachstumsrate von 40 Prozent seit 2011. Die Vorhersagen von Gartner wird sich das ICT-Wachstum alleine in China zwischen 2019 und 2022 um 15 Prozent nach oben bewegen, bevor es auf rund 2 Prozent abflaut. Weltweit wachsen die ICT-Ausgaben, die der Digitalen Transformation geschuldet sind, derzeit um 42 Prozent, so das Marktforschungsunternehmen IDC. Laut Gartner wird der globale Computermarkt bis 2023 ein Volumen von mehr als zwei Billionen Dollar haben

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Zugleich aber ändert sich der Anspruch ans Computing – von regelbasiertem zu statistischem. Regelbasiert ist, wenn ein Computer eine Gleichung bekommt, also: ein Satz an Regeln und Parametern, und der Ergebnisse liefert. Das reicht für die Analyse von Zensusdaten oder die Berechnung der Trajektorie eines sich bewegenden Objekts, nicht aber für Spracherkennung, Bilderkennung oder Echtzeitübersetzung, wo keine klaren Regeln und Parameter definiert werden können. Dafür braucht es statistische Rechenmodelle, der Grundstein für Künstliche Intelligenz (KI).

Hu sagt: „Statistische Datenverarbeitung wird bald Mainstream sein. Wir schätzen, dass KI-Computing in fünf Jahren mehr als 80 Prozent der gesamten weltweit verbrauchten Rechenleistung ausmachen wird.“

Die drei Prinzipien für ein künftiges Computing, nicht nur bei Huawei
Die drei Prinzipien für ein künftiges Computing, nicht nur bei Huawei (Bild: Huawei)

Die Herausforderungen

Damit aber stehen die Herausforderungen für die IT fest: Zunächst braucht es Rechenkapazität: „Statistische Datenverarbeitung ist im Wesentlichen eine Form des Brute-Force-Computing; sie frisst Computerressourcen auf.“

Sodann werden Computing und Intelligenz allgegenwärtig - nicht nur in der Cloud, sondern in allem, von Ihren Kopfhörern und Smartphones bis hin zu speziellem Edge Computing für Dinge wie Gensequenzierung. Diese drei Arten von Computing - On-Device-Computing, spezialisiertes Edge-Computing und Brute-Force-Computing in der Cloud - bilden die Computerlandschaft der intelligenten Welt.

Schließlich muss die Computerlandschaft kooperativ verwaltet werden. In der Cloud sollte nach Hus Darstellung nur allgemeines Modelltraining erfolgen sowie Unterstützung für personalisierte On-Device-KI und spezialisiertes Edge-Computing stattfinden.

Die Huawei-Strategie

„Da Vinci“ ist die bezeichnung der Huawei-eigenen Architektur, die der Entwicklung von Prozessoren zu Grunde liegt, die in allen Szenarien zum Einsatz kommen sollen - vom smarten Endgerät bis zur Cloud-Hardware.
„Da Vinci“ ist die bezeichnung der Huawei-eigenen Architektur, die der Entwicklung von Prozessoren zu Grunde liegt, die in allen Szenarien zum Einsatz kommen sollen - vom smarten Endgerät bis zur Cloud-Hardware. (Bild: Huawei)

Die globale Entwicklung mündet für Huawei in vier Disziplinen:

1. Architekturinnovation

In einer Zukunft, in der Computer und Intelligenz überall sind, wird die Rechenleistung das Fundament für alles sein. Die von Huawei entwickelte „Da Vinci“-Architektur ist laut Hu „die einzige Prozessorarchitektur“, die Szenarien-übergreifend und über Geräte-, Edge- und Cloud-Umgebungen hinweg funktioniert. „Wir wollen Computer und Intelligenz so leicht verfügbar machen wie Sauerstoff, daher war die Entwicklung dieser Architektur der nächste Schritt.“

Denn die Bereitstellung von Computern hänge von der Prozessorleistung ab. Und wo die Grenzen des Moore'schen Gesetzes erreicht seien, müssen Durchbrüche in der Prozessorarchitektur erzielt werden. Da das Huawei-Portfolio ohnehin Netzwerke, Geräte und Public Cloud Services umfasse, sei die Fähigkeit, nahtlos Informationen über Geräte, Edge und Clouds hinweg bereitzustellen, ohnehin ein Kernbestandteil des Geschäfts.

Die zwei Huawei-eigenen Prozessoren für die Compute-, Storage- und Netzwerk-Devices im Rechenzentrum heißen „Kunpeng“ und „Ascend“ nach hohen chinesischen Bergen. Verkauft werden sie als System on a chip (SoC) oder verbaut in Huawei-eigener Hardware oder in solchen von Partnern. Insofern plant Huawei kein eigenes Chip-Business.
Die zwei Huawei-eigenen Prozessoren für die Compute-, Storage- und Netzwerk-Devices im Rechenzentrum heißen „Kunpeng“ und „Ascend“ nach hohen chinesischen Bergen. Verkauft werden sie als System on a chip (SoC) oder verbaut in Huawei-eigener Hardware oder in solchen von Partnern. Insofern plant Huawei kein eigenes Chip-Business. (Bild: Huawei/ Ostler)

2. Die Prozessoren

Die Prozessoren sind bei Huawei ein sensibles Kapitel. Traditionell arbeitete Huawei wie alle anderen Hardware-Hersteller auch mit Intel zusammen – und will das auch weiter tun. Doch das Auf und Ab der US-Regularien, lässt einmal die Belieferung von Huawei mit x86-Technik zu und dann wieder nicht. Nun gibt es eine Vereinbarung mit ARM – geltend ab ARM v8. An Rückwärtskompatibilität wird gearbeitet. Die künftigen Huawei-Rechner sollen also hauptsächlich ARM-basiert sein und auf eigenen Chipsets laufen; „Risc V“ wird zusätzlich evaluiert.

Die Leistung des General-Purpose-Chip „Kunpeng“ brauacht sich ganz und gar nicht verstecken.
Die Leistung des General-Purpose-Chip „Kunpeng“ brauacht sich ganz und gar nicht verstecken. (Bild: Huawei/Ostler)

Tatsächlich verfügt Huawei nun bereits über mehrere Prozessor-Familien und zwar für verschiedene Szenarien. Die „Kunpeng“-Prozessoren sind für traditionelles Computing gedacht, die „Ascend“-Prozessoren für Anwendungen Künstlicher Intelligenz, die „Kirin“-Prozessoren für intelligente Endgeräte und die „Honghu“-Prozessoren für intelligente Bildschirme. Darüber hinaus hat Hu zusätzliche Prozessoren für weitere verschiedene Szenarien angekündigt - pro Jahr eine neue Generation.

3: Die Geschäftsstrategie

Die Prozessoren will Huawei nicht direkt verkaufen, sondern in Form von Cloud Services und als System on a Chip beziehungsweise Einsteckkarten, etwa vergleichbar mit Nvidia-GPUs Partnern in zur Verfügung stellen. Dabei will Huawei auch Support für integrierte Produkte und Anwendungen priorisieren. Zugleich soll es offene Hardware-Spezifikationen geben und zwar für KI-Server, Beschleunigerkarten und Module für diese Partner.

Eine Ausführung des Referenzdesigns „Taishan von Huawei“. Hardware-Partner, die selbst Kunpeng/Ascend-basierte Server bauen wollen, wie Tongfang, Chinas zweitgrößter Computerhersteller.
Eine Ausführung des Referenzdesigns „Taishan von Huawei“. Hardware-Partner, die selbst Kunpeng/Ascend-basierte Server bauen wollen, wie Tongfang, Chinas zweitgrößter Computerhersteller. (Bild: Ostler)

So hat Huawei unter anderem die jüngsten ARM-Kunpeng-basierten Rechner „Taishan“ vorgezeigt, ein Referenzdesign für Hardware-Partner. Der „Taishan X6000“ etwa ist ein High-Density-Server hat auf zwei Höheneinheiten 4 Knoten und sowie 64-Bit Kunpeng-Prozessoren von Huawei verbaut, der bis zu vier Serverknoten mit zwei Steckplätzen aufnehmen kann. Das Modell eignet sich für Computing- und Speicheranwendungen, Anwendungen mit geringem Platzbedarf und konvergentes Management zugeschnitten für anspruchsvolle Arbeitslasten wie HPC- und Web-Anwendungen.

Der Serverknoten „Taishan XR320 V2“ ist indes ein Rechner auf einer Höheneinheit mit halber Breite und 2 Steckplätzen für den Taishan X6000. Der Serverknoten basiert auf den 64-Bit-ARMv8-Prozessoren Kunpeng 920 von Huawei und verfügt über insgesamt 128 Kerne mit einer Taktrate von 2,6 GHz. Alle Rechner dieser Serie können luft- und wassergekühlt laufen.

Auf der Huawei Connect hat das erste von Huawei vorgestellte Server-Board mit Kungpeng viel Aufmerksamkeit erregt, zumal die Hardware-Spezifikationen für Partner frei zugänglich sind.
Auf der Huawei Connect hat das erste von Huawei vorgestellte Server-Board mit Kungpeng viel Aufmerksamkeit erregt, zumal die Hardware-Spezifikationen für Partner frei zugänglich sind. (Bild: Huawei/Ostler)

Auf der Veranstaltung Huawei Connect hat Huawei zudem das erste Kunpeng-Server-Board vorgestellt mit für die Partner offenen Hardware-Spezifikationen.

4. Die offene Software

Für ein chinesisches Unternehmen ist es neu, seine Entwicklungen als Open Source zur Verfügung zu stellen, für Huawei nicht. Zum einen gehört der Konzern etwa zu den größten Kontributoren von OpenStack und ist Mitglied in der Linux Foundation. Zum anderen ist etwa das AI-Entwicklungs-Framework bereits frei zugänglich und im Dezember dieses Jahres soll das Huawei-Betriebssystem „Euler“ als „Open Euler“ folgen. Im Juni 2020 schließlich will der Hersteller seine erst im Mai dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellte Datenbank „GaussDB“ als Open Source zur Verfügung stellen.

GaussDB beziehungsweise künftig „Open GaussDB“ ist eine verteilte Datenbank, die von Haus aus mit Selbstoptimierungsfähigkeiten ausgestattet ist. Sie soll sowohl in den Bereichen Online Analytical Processing (OLAP) und Online Transaction Processing (OLTP) als auch Hybrid Transaction/Analytical Processing (HTAP) Selbstbedienung, Selbstoptimierung, Selbstdiagnose und Selbstheilung ermöglichen.

Die Datenbank lässt sich auf x86-, ARM-, GPU- und NPU-Computing-Plattformen nutzen. Im TPC-DS-Benchmark-Test belegt GaussDB in puncto Performance den ersten Platz und liegt damit derzeit 50 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Die Datenbank lässt sich lokal oder in privaten oder öffentlichen Clouds bereitstellen.

Was heißt quelloffen?

Noch ist allerdings unklar welche Lizenzierungsvorschriften diese geplante Open-Source-Lizenz beinhaltet. Im August dieses Jahres kündigte Huawei an, mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um Chinas erste Open-Source-Software-Stiftung zu gründen. Diese könne voraussichtlich in ein oder zwei Monaten ihren Betrieb aufnehmen.

Der Plan entstand, nachdem Github, der weltweit größte Quellcode-Host, im Juli Benutzer im Iran und anderen von der Regierung der Vereinigten Staaten sanktionierten Nationen daran gehindert hatte, auf Teile seines Dienstes zuzugreifen.

Wang Chenglu, Präsident der Softwareabteilung der Huawei Consumer Business Group, sagte: „Wenn China keine eigene Open-Source-Community hat, die diese Open-Source-Codes verwaltet, verwaltet und hostet, wird die heimische Software-Industrie angesichts unkontrollierbarer Faktoren verwundbar sein.“

Die GaussDB optimiert sich selbst.
Die GaussDB optimiert sich selbst. (Bild: Ostler)

Die erste Open-Source-Stiftung in China soll wie etwa die Linux Foundation auch gemeinnützig und offen für alle Unternehmen und Software-Entwickler sein. Jim Zemlin, Vorsitzender der Linux Foundation, ist zwar auf der Veranstaltung Huawei Connect mit Werbung für seine Organisation aufgetreten, doch einen Hinweis, ob eventuell eine Zusammenarbeit mit der geplanten chinesischen Organisation geplant ist - oder auch nicht - ließ er nicht erkennen.

Abgesehen davon beschäftigt Huawei rund 1.000 Techniker in der Weiterentwicklung von Euler und noch einmal dieselbe Anzahl in der Weiterentwicklung von GaussDB. Schließlich sei die Hardware die Basis aller künftigen Entwicklungen, die Prozessoren das Herz, die Software aber die Seele.

Entwicklung eines Ökosystems

Ohnehin kann keine Hardware, keine Infrastruktur ein Erfolg sein ohne ein entsprechendes Ökosystem. Die Prozessoren werden auch von unabhängiger Stelle gelobt, die Hardware zaubert unglaubliche Performance, die Huawei-Cloud sehr smarte Chancen … und doch hängt alles von den Anwendungen ab, die darauf laufen sollen und damit entwickelt werden.

Wenn es Unsicherheiten in den Aussagen der Huawei-Manager gibt, dann hier. Denn rund um die Huawei-Systeme muss sich ein Ökosystem entwickeln. Das aber sei schwer, so alle Verantwortlichen unisono.

Ascend und Kunpeng - Beide Prozessoren können für KI-Anwendungen beutzt werden. Doch während auf Kunpeng 70 Prozent der Transtor-Kapazität für Regeln und Chache genutzt wird und 30 Prozent für AI-Power, gehen im Ascend 70 Prozent ins Computing und 30 Prozent zu Lasten von Cache und Controling.
Ascend und Kunpeng - Beide Prozessoren können für KI-Anwendungen beutzt werden. Doch während auf Kunpeng 70 Prozent der Transtor-Kapazität für Regeln und Chache genutzt wird und 30 Prozent für AI-Power, gehen im Ascend 70 Prozent ins Computing und 30 Prozent zu Lasten von Cache und Controling. (Bild: Huawei/ Ostler)

Was dazu beitragen kann, will Huawei bereitstellen. So sagt Hu beispielsweise: „Wir ermöglichen die Anwendungsentwicklung und Portabilität. Wir werden keine Anwendungen selbst entwickeln, aber Werkzeuge und Teams bereitstellen, die unseren Partnern helfen, ihre Anwendungen effizienter zu entwickeln und zu portieren.“

Das schließt auch Partnerschaften mit Wettbewerbern ein. Es wird beispielsweise Hardware mit Nvidia-Grafikkarten und mit Intel-Prozessoren geben, sofern Intel diese liefern darf, und Handys mit Samsung-Displays . Hu sagt: „Computing war schon immer eine offene Branche. Kein einzelnes Unternehmen kann die gesamte Branche allein stützen; gesundes Wachstum erfordert ein offenes Ökosystem und globale Zusammenarbeit. Indem wir klare Grenzen ziehen zwischen dem, was wir tun und dem, was wir nicht tun, hoffen wir, die Geschäftsentwicklung unserer Partner besser zu unterstützen.“

Unterstützung für Entwickler und solchen, die es werden wollen

Seit 2015 gibt es zudem das „Huawei Developer Program“. Mit diesem habe der Konzern rund 1,3 Millionen Entwickler und 14.000 ISVs auf der ganzen Welt unterstützt. Doch das reiche nicht, insbesondere nicht im Bereich Künstlicher Intelligenz. Hier fehle es Huawei aber auch der gesamten Branche an klugen Köpfen.

Insgesamt will Huawei in den kommenden fünf Jahren weitere 1,5 Milliarden Dollar in sein Entwicklerprogramm investieren. Ziel ist es, das Programm auf fünf Millionen Entwickler auszuweiten und es den weltweiten Partnern von Huawei zu ermöglichen, die nächste Generation intelligenter Anwendungen und Lösungen zu entwickeln.

Die Pilotprojekte

Shenzhen Power und Huawei setzen eine Cloud-basierte Plattform mithilfe Atlas, dem Kunpeng Computing Industry Ecosystem, 5G- und IoT-Technologien auf, bei der verschiedene Dienste des Strom-Anbieters digitalisiert werden, wie die Inspektion der Stromleistungen und Masten. Diese Tätigkeit ist für die Mitarbeiter schwer und gefährlich. Ein einzelner Techniker legt dabei eine Strecke von einmal rund um den Äquator zurück. Die Digitalisierung dieser Arbeit beruht unter anderem auf Sensoren und auf Bilderkennung, von Film und Fotos, die per Drohne gemacht werden. Das Training und die Auswertung erfolgt im Rechenzentrum.

ABB hat binnen zwei Monaten zusammen mit Huawei einen Roboter entwickelt, der Müll sortiert. Razmit Rizwan Hussain, CTO Industrial AI bei ABB ist vor Ort gewesen. Er erläutert: „Wir benötigen keine Systeme, die das tun was wir ihnen beigebracht haben, sondern das, was die Situation erfordert.“ Darüber hinaus ließ er die Konferenzteilnehmer an seinen Ideen zur „Minen der Zukunft“ teilhaben. Die bekommen einen digitalen Zwilling, in dem die Sicherheitsmaßnahmen, der Maschineneinsatz, das KI-trainierte Erkennen des Output, die Platzierung von Sensoren … geplant und dauerhaft überwacht und verbessert werden.

Auch der ohnehin schon rein äußerlich „spacey“ anmutende Flughafen von Shenzhen ist eines der Vorzeigeprojekte, aus mehreren Gründen: Zunächst sollen sich mithilfe von KI rund 30 Prozent der Risiken identifizieren und mit Versicherungen kombinieren lassen. Sodann sollen die Flugzeuge weniger Zeit auf dem Flugfeld verbringen zu 85 Prozent pünktlich starten können, etwa durch geringere Zubringerzeiten. Schließlich soll es auch den Passagieren besser gehen durch 15 Prozent kürzere Wartezeiten und eine 30prozentige Erhöhung der selbständigen Gepäckaufgabe.

Weitere Leuchttürme

Außerdem sollen die Autobahnen, auf die bisher mehr oder minder manuell Gebühren kassiert werden, smarter funktionieren. Mithilfe von High-Resolution und intelligenten Kameras sowie KI-trainierten Backends können Nummernschilder auch noch bei 120 Kilometern pro Stunde zu mehr als 99 Prozent fehlerfrei gelesen werden. Bezahlen per Smartphone ist schon wieder out, übrigens an Huawei-bestückten Automaten zahlt der smarte Anwender per Gesichtserkennung, nicht mit einem Smartphone-System.

Die Überwachung in U-Bahnhöfen oder sonstigen neuralgischen Punkten soll es ermöglichen, etwa anhand der Erkennung von auffälligen Bewegungsmustern, einzugreifen, wenn Strafdelikte passieren, nicht erst im Nachhinein, wenn die Kamerabilder ausgewertet werden.

An diesen Leuchtturmprojekten sollen Huawei-Mitarbeiter und Partner lernen, unter anderem, was möglich ist. Sie dienen aber auch der Vervielfältigung, der Ausweitung des Ökosystems und damit der Vergrößerung des Marktplatzes für Huawei-Technik. Allein im Jahr 2018 hat Huawei rund 300 Projekte repliziert. In diesem Jahr hat sich der Konzern auf 120 Lösungen konzentriert und hofft, mehr als 500 Projekte übertragen zu können.

Rund 17,8 Millionen Dollar will Huawei in diesem Jahr für das Training und Schulungen seiner Partner ausgegeben haben. Die Zahl der Partner soll sich in den kommenden drei Jahren auf 2000 erhöhen. Für diese stehen auch finanzielle Mittel bereit. 2,23 Milliarden Dollar Kapital und 1,93 Milliarden per Kredit für die Finanzierung deren Wachstum.

Anne Theresa Jetta, Director for UNESCO Regional Office for Eastern Africa, auf der Veramstaltung Huawei Connect, bekommt vom Hersteller Unterstützung für den „Digitruck“.
Anne Theresa Jetta, Director for UNESCO Regional Office for Eastern Africa, auf der Veramstaltung Huawei Connect, bekommt vom Hersteller Unterstützung für den „Digitruck“. (Bild: Ostler)

Soziales Engagement

Darüber hinaus haben einige Non-Profit-Organisationen ihre durch Huawei gestützten Projekte vorstellen können: Anne Theresa Jetta, Director for UNESCO Regional Office for Eastern Africa, etwa ging es um die Unterstützung bei der Verbesserung der digitalen Fähigkeiten von Lehrern durch den Einsatz vom mobilen „Huawei Digitruck“. Dabei geht es darum Lehrern die Nutzung digitaler Technologien beizubringen, IKT in den Unterricht zu integrieren und den Schülern den Umgang mit digitalen Technologien beizubringen, etwa durch:

  • Förderung der Einführung von KI und Cloud Computing im Bildungswesen durch das Angebot modernster IKT-Ausbildung in den Bereichen KI und Cloud Computing für weitere Bildungseinrichtungen
  • Zusammenarbeit bei der Erforschung digitaler Fähigkeiten, um das Wissen über den Stand der digitalen Fähigkeiten in Ostafrika zu verbessern.
  • Förderung der Bedeutung der digitalen Kompetenz durch die Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Interessengruppen.

Jetta unterzeichnet auf der Konferenz einen entsprechenden Vertrag, so dass der Digitruck noch in diesem Monat seinen Betrieb aufnehmen kann.

„Bis zu 60 Prozent der Kinder, die erblinden, sterben innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre“, führt Ärztin Victoria Pueyo, aus. Rund 19 Millionen Kinder sind auf mindestens einem Auge blind, obwohl 70 Prozent von ihnen geholfen werden könnte. Das Problem: In vielen Fällen gibt es zu wenig Fachkräfte, die erkennen können, dass eine Erblindung droht. Zusammen mit Huawei arbeitet Pueyo ein System aus, dass dabei unterstützen kann.

Der Medienstar unter den „Tech4All“-Referenten war jedoch Topher White und seine Rainforest Connection. Zusammen mit Huawei arbeitet er an einem Projekt, das mithilfe von Solarzellen-gespeisten Handys und einem geräuscherkennenden System in der Cloud den Urwald retten soll.

Topher White stellt auf der Huawei connect das Projekt Rainforest Connection vor.
Topher White stellt auf der Huawei connect das Projekt Rainforest Connection vor. (Bild: Ostler)

Die Endgeräte werden als Sensoren in den Bäumen versteckt. Nach und nach lassen sich einzelne Tiere, aber auch Motorgeräusche identifizieren und interpretieren. So reagierte eine Affenart mehr als aufgeregt auf ein Erdbeben und die Ureinwohner werden gewarnt, wenn ein Fahrzeug zur Waldrodung anrückt.

Die AI-Technik in der Huawei-eigenen Hardware

Doch zur Verbreitung von KI made by Huawei dürfte nicht unwesentlich beitragen, dass die eigenen Produkte die entprechenden Komponenten bereits integriert haben. Grundlage der jüngsten ICT-Produkte, die auf der Konferenz vorgestellt worden sind, ist eine dreistufige KI-Architektur, die auf der Produktreihe „Engine AI Turbo“, dem autonomen Fahrnetz-Management- und Steuerungssystem „iMaster NCE“ und der branchenweit ersten KI-Plattform „iMaster NAIE“ basiert, der All-Flash-Speicher „Oceanstor Dorado“ auf Basis von Kunpeng und Ascend-Prozessoren sowie „Optixtrans DC908“, das erste Rechenzentrumsswitch mit KI.

Sun Fuyou, Vice President and CTO of Huawei Enterprise Business Group, ist Mr. 123456.
Sun Fuyou, Vice President and CTO of Huawei Enterprise Business Group, ist Mr. 123456. (Bild: Huawei)

Sun Fuyou, Vice President und CTO der Huawei Enterprise Business Group, sagt: „Die Produktstrategie von Huawei Enterprise trägt den Spitznamen 123456“: eine intelligent vernetzte Welt, zwei Serviceszenarien - Campus und Rechenzentren -, drei „Intelligent OptiX-Network-Produktreihen, vier intelligente IP-Netzwerk-Engine-Serien sowie 5G, Wi-Fi 6 und Huawei Oceanstor Dorado V6.

Somit integriert Huawei Enterprise Schlüsseltechnologien über mehrere Produktbereiche hinweg, eben IP und optische Netzwerke, 5G und Wi-Fi 6, IP und Storage sowie Hardware-gestützte Netze und Software Defined Networks. Darüber hinaus hat das Unternehmen KI-Fähigkeiten in verschiedene Schichten von IP-Netzwerken integriert und die Netzwerkentwicklung beschleunigt, um autonomes Fahren zu unterstützen.

Die Optix-Produkte sind für die Glasfasernetze gedacht - für den Camous, für die Übertragung und für das Rechenzentrum. Zu den neu eingeführten Produkten gehören:

  • Ausgestattet mit speziellen Chips und Algorithmen ist „Huawei Optixtrans DC908“ das erste quasi `intelligente` DCI-Produkt der Branche. Es ist auf die Bedürfnisse globaler Rechenzentrumskunden zugeschnitten, die eine reibungslose Verbindung zwischen Rechenzentren benötigen.
    Dieses Produkt basiert auf einer vereinfachten Architektur und unterstützt die Bereitstellung von Diensten per Mausklick ohne professionellen Betrieb. Die Bereitstellung dauert weniger als acht Minuten.
    Mit einer 48T Übertragungskapazität über eine Glasfaser kann sie die Anzahl der Glasfaserverbindungen um 90 Prozent pro Standort reduzieren.
  • „Huawei OptiXtrans E9600“, dagegen ist das erste `intelligente`volloptische Übertragungsgerät, das speziell für Unternehmen entwickelt wurde. Es soll in Branchen eingesetzt werden, die für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes von Bedeutung sind, wie Energie, Strom und Elektrizität, Transport, Bildung und Finanzen. Die Sicherheit auf Industrie-Ebene gewährleistet Zuverlässigkeit der Datenübertragung im Langstreckenbetrieb.
  • „Huawei Optixaccess“ und „Optixstar“ sind Produktreihen für Unternehmen, die darauf abzielen, traditionelle Campusnetze mit Glasfasern umzugestalten und die betriebliche Effizienz zu steigern.

Die Storage-Neuen

Huawei bringt eine neue Generation des intelligenten All-Flash-Speichers „Oceanstor Dorado“ auf den Markt (Oceanstor C-Serie). Dabei handelt es sich um eine End-to-End-Hochgeschwindigkeitsplattform, die auf Basis der Kunpeng 920 und Ascend 310 entwickelt wurde.

Oceanstor Dorado ermöglicht 20 Millionen I/O-Operationen pro Sekunde (IOPS) und reduziert die Latenzzeit auf 0,1 Millisekunden. Die „Smartmatrix“-Architektur gewährleistet den reibungslosen Betrieb der Kerngeschäfte auch bei Ausfall der Steuerung. Basierend auf den maschinellen Lernfähigkeiten des Ascend 310 wird zudem die Trefferrate des Lese-Cache um 50 Prozent verbessert.

Durch Nutzung der Cloud-basierten AI-Konnektivität ermöglicht das System ein intelligentes Management über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Zum Beispiel kann sich die Lebenszeit einer SSD-Komponente verlängern.

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