Arbeiten, wo das Internet wohnt Rechenzentren sind als Arbeitgeber der Zukunft unterschätzt. Warum?

Ein Gastbeitrag von Carsten Schneider* 4 min Lesedauer

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Ob Digitalisierung oder KI-Anwendungen: Rechenzentren sind die Grundlage vieler digitaler Dienste und bieten gleichzeitig unterschiedliche Karrieremöglichkeiten. Welche Perspektiven bietet die Rechenzentrumsbranche Einsteigern und Fachkräften?

Co-Location-Anbieter Equinix hat Kinder gebeten zu malen, wo in ihren Vorstellungen das Internet wohnt und aus den Einreichungen einen 2026er Jahreskalender erstellt. Das Mai-Bild stammt von Lucyna, 7 Jahre alt. Das Mädchen lebt in Olawa, Polen. (Bild:  Equinix)
Co-Location-Anbieter Equinix hat Kinder gebeten zu malen, wo in ihren Vorstellungen das Internet wohnt und aus den Einreichungen einen 2026er Jahreskalender erstellt. Das Mai-Bild stammt von Lucyna, 7 Jahre alt. Das Mädchen lebt in Olawa, Polen.
(Bild: Equinix)

Wo lebt eigentlich das Internet? Es ist allgegenwärtig und doch unsichtbar. Jede Nachricht, jedes Video, jeder Klick wird über unsichtbare Leitungen transportiert und landet schließlich an Orten, die die meisten kaum kennen: den Rechenzentren.

Diese hochmodernen Einrichtungen bilden das Herzstück der digitalen Welt. Sie sorgen dafür, dass Datenströme rund um die Uhr fließen, Apps funktionieren, Streaming-Dienste liefern und Online-Dienste reibungslos laufen.

Rechenzentren sind unsichtbar aber zukunftssichernd

Eine Umfrage von Cyrusone untersucht, wie Menschen Rechenzentren wahrnehmen und was ihre Akzeptanz in Europa beeinflusst. 48 Prozent der Befragten in Deutschland, erkennen, dass Rechenzentren für digitale Dienste relevant sind.

Dabei zeigt sich, dass zwar fast alle Befragten verstehen, dass alltägliche Online-Aktivitäten wie Shopping oder Banking auf Internet-Verbindungen angewiesen sind, doch nur knapp die Hälfte weiß, dass Rechenzentren dafür notwendig sind. Darüber hinaus können sich viele Menschen kaum vorstellen, wie ein Rechenzentrum aussieht.

Rechenzentren werden heutzutage häufig als hohe Energieverbraucher wahrgenommen und dafür kritisiert. Doch in der Umfrage wird deutlich, dass die meisten Menschen sie grundsätzlich positiv wahrnehmen: 70 Prozent der Befragten sehen in ihnen eine Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen und die Gemeinschaft zu unterstützen und fast acht von zehn wären bereit, ein Rechenzentrum in ihrer Nachbarschaft zu akzeptieren.

Den Monat März im Equinix-Kalender 2026 ziert ein Bild von Róisin, 10 Jahre alt, aus Meath in Irland. (Bild:  Equinix)
Den Monat März im Equinix-Kalender 2026 ziert ein Bild von Róisin, 10 Jahre alt, aus Meath in Irland.
(Bild: Equinix)

Diese Ergebnisse zeigen, dass Rechenzentren als Arbeitgeber großes Potenzial haben: Sie verbinden Technik, Innovation und Nachhaltigkeit und bieten Arbeitsplätze in einer Branche, die für die digitale Gesellschaft unverzichtbar ist. Zudem setzen viele Betreiber bereits auf nachhaltige Lösungen, um Ressourcen zu schonen. Mit Lösungen wie effizienten Kühlungssystemen, Ökostrom und innovativen Technologien senken sie den Energie- und Wasserverbrauch deutlich.

Neue Chancen für Professionals und Auszubildende

Rechenzentren sind weit mehr als Lager für Server, sie gehören zu den dynamischsten Wachstumsbranchen und prägen nahezu alle Lebensbereiche: Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz, Streaming oder Online-Shopping funktionieren nur dank dieser Infrastruktur. In Deutschland wird der Ausbau digitaler Infrastruktur derzeit durch begrenzte Stromkapazitäten gebremst, dennoch es ist in naher Zukunft mit einer Zunahme an Rechenzentren zu rechnen.

Zudem zeigt sich bereits, wie schwierig es ist, qualifiziertes Personal zu finden. Es ist davon auszugehen, dass der Wettbewerb um Fachkräfte mit entsprechenden Kenntnissen über Rechenzentren in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird.

Für Professionals in diesem Bereich eröffnen sich daher attraktive Karrieremöglichkeiten. Neben klassischen IT-Positionen wie Systemadministratoren oder Netzwerkingenieuren gewinnen Experten für Energie- und Kühltechnik, Datensicherheit und Automatisierung zunehmend an Bedeutung.

Unbekannter Künstler aus Bayern hat dieses Bid für den Monat April beigesteuert. (Bild:  Equinix)
Unbekannter Künstler aus Bayern hat dieses Bid für den Monat April beigesteuert.
(Bild: Equinix)

Die Branche sucht Professionals ebenso wie Nachwuchskräfte und Auszubildende, die technisches Wissen und Innovationskraft einbringen. Für Auszubildende ergeben sich vielfältige Einstiegsmöglichkeiten in IT, Elektrotechnik oder Facility Management.

Dabei ist die Arbeit in Rechenzentren stark interdisziplinär: Fachkräfte aus Technik, IT, Energie- und Umwelt-Management arbeiten zusammen, um Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Wer in dieser Branche tätig ist, steht an der Schnittstelle modernster Technologien und gestaltet aktiv die digitale Transformation.

Gleichzeitig rücken Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit immer stärker in den Fokus: Energie-effiziente Kühlung, klimaschonende IT und nachhaltiges Facility Management sind zentrale Aufgaben. Viele Betreiber setzen bereits auf nachhaltige Maßnahmen, zum Beispiel im Rahmen des Climate Neutral Data Centre Pact, eine freiwillige Initiative der europäischen Rechenzentrumsbranche, um ihre CO2 Emissionen zu senken. Als führender Rechenzentrumsbetreiber zählt Cyrusone zu den Unternehmen mit besonders niedrigem Wasserverbrauch, ein Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit und moderne digitale Infrastruktur Hand in Hand gehen können.

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Ausbildung & Nachwuchsförderung: Das Beispiel CyrusOne x Provadis

Bisher gibt es in Deutschland keine standardisierten Ausbildungsweg für Rechenzentrumstechniker, der gezielt auf die komplexen Anforderungen von Rechenzentren wie, Kühlung, Stromversorgung, oder Gebäudetechnik vorbereitet. Unternehmen müssen ihren eigenen Weg finden Ihre Mitarbeiter auf die Anforderungen vorzubereiten. Die Kooperation zwischen Cyrusone und Provadis ist ein prägnantes Beispiel für moderne Nachwuchsförderung in der Rechenzentrumsbranche.

2024 haben die Unternehmen in Deutschland erstmals zusammengearbeitet, um junge Menschen als Rechenzentrumstechniker auszubilden. Angesichts des steigenden Fachkräftemangels in diesem Sektor haben die beiden Partner ein Ausbildungskonzept auf Basis des Elektriker-Lehrberufes entwickelt, das Theorie und Praxis optimal miteinander verbindet.

Während Provadis die schulische und theoretische Ausbildung übernimmt, lernen die Auszubildenden die praktischen Abläufe direkt in den Rechenzentren von Cyrusone kennen. Dazu gehören technische Kompetenzen wie Stromversorgung und Kühlung ebenso wie Gebäudetechnik und IT-Infrastruktur.

Mit dieser neuen Ausbildung, entsteht erstmals ein klarer Rahmen, der definiert, welche Kompetenzen in Rechenzentren künftig gefragt sind, indem bestehende Lehrberufe gezielt weiterentwickelt werden. Das hilft nicht nur den Unternehmen, die dringend qualifizierte Fachkräfte suchen, sondern macht diesen Beruf auch greifbarer und attraktiver. Zudem entsteht ein Referenzrahmen, der Fähigkeiten standardisiert, die Qualität der Arbeit steigert und so auf lange Sicht der gesamten Branche zugutekommt.

*Der Autor
Carsten Schneider ist Vice President und Managing Director Germany bei Cyrusone. Es sagt: Die Rechenzentrumsbranche birgt ein enormes Potenzial nicht nur für Innovation, sondern auch für Bildung und gesellschaftliche Wahrnehmung. Sie bietet mehr als nur Technik.
Die Kooperation von Cyrusone und Provadis zeigt beispielhaft, wie Nachwuchskräfte gezielt gefördert werden können. Rechenzentren beweisen damit, dass sie moderne, sinnstiftende Arbeitsstellen mit echten Perspektiven sind. Zudem verdeutlicht dieses Beispiel, dass es an der Zeit ist, das Image der Branche zu verändern und ihr Potenzial als innovativer und zukunftsweisender Arbeitgeber sichtbar zu machen.

Bildquelle: Cyrusone

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