Rechenzentrumsprojekte müssen jetzt diese Maßnahmen anstoßen Wenn die Liefermengen schrumpfen und die Preise klettern .... und es noch nicht zu spät ist

Ein Gastbeitrag von Oskar Lampe* 3 min Lesedauer

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Projektteams werden derzeit mit E-Mails von ausführenden Bauunternehmen überhäuft und zwar zu zu laufenden Projekten. Es geht um Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent für Materialien, und darum, dass Liefermengen drastisch reduziert werden, manchmal auf ein Viertel der ursprünglich bestellten (und benötigten!) Menge. Was tun?

Bei den aktuellen Kostensprüngen für Datacenter-Bau und-Ausstattung müssten die Rechenzentrem schrumpfen. (Bild:  Canva / KI-generiert)
Bei den aktuellen Kostensprüngen für Datacenter-Bau und-Ausstattung müssten die Rechenzentrem schrumpfen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Der Auslöser ist bekannt: Der Iran-Krieg hat die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls fließen, zur geopolitischen Engstelle gemacht. Ölbasierte Baustoffe werden knapper und teurer. Weil die Herstellung von Stahl, Aluminium und Zement gleichzeitig sehr energieintensiv ist, zieht der gesamte Materialmarkt nach.

Für den Rechenzentrumsbau ist das eine Zäsur. Wir beobachten diese Entwicklung seit Kriegsbeginn in unseren Projekten und haben intern sowie mit unseren Kunden analysiert, wo die größten Hebel liegen, um Projekte trotz dieser starken Herausforderungen zum Erfolg zu führen.

Denn die Lage wird sich wohl nicht schnell entspannen. Die strukturellen Ursachen, unterbrochene Transportrouten, steigende Energiepreise, volatile Rohstoffmärkte und ausgedünnte Lieferketten, könnten die Branche noch eine Weile begleiten. Projektteams sollten unbedingt fünf Maßnahmen einleiten.

1. Langläufer bestellen, bevor es offensichtlich ist

Unter 'normalen' Bedingungen betragen die Lieferzeiten für Kühlgeräte, Transformatoren, Notstromaggregate und andere kritische Ausstattung zwischen 5 und 38 Monaten, je nach Komponente. Der aktuelle Druck auf die Logistik und die bereits hohe Nachfrage erhöhen die Lieferfristen. Die Preise für Stahl, Kupfer und Aluminium steigen, was die Kosten für Ausstattung in die Höhe treibt. Wer den Beschaffungsprozess erst startet, wenn es der Projektplan vorschreibt, bestellt zu einem höheren Preis und wartet länger.

Das Gebot der Stunde: Bestellentscheidungen für kritische Langläufer so früh wie möglich treffen, auch wenn der Planungsstand das noch nicht zwingend erfordert. Dafür braucht es Lieferantenkontakte, die bereits bestehen. Wer sie erst jetzt aufzubauen beginnt, ist zu spät dran.

2. Ausschreibungen an volatile Märkte anpassen

Festpreisangebote mit 90-tägiger Gültigkeit sind derzeit kaum realistisch einzufordern. Wer es trotzdem versucht, bekommt entweder Absagen oder eingepreiste Risiko-Aufschläge, die am Ende teurer sind als eine flexiblere Lösung.

Sinnvoller ist eine Ausschreibungsstruktur mit kürzeren Gültigkeitsperioden und klar definierten Indexierungsklauseln. Entscheidend ist dabei zu verstehen, wie Generalunternehmer ihre Angebote aktuell kalkulieren, welche Materialgruppen mit welchem Aufschlag abgesichert werden und wo Verhandlungsspielraum besteht.

3. Risikobudgets der Realität anpassen

Was nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs zu beobachten war, sollte als Warnung dienen: Die Preise für kritische Anlagen und Ausstattung stiegen damals stark an und haben sich bis heute nicht normalisiert. Eine ähnliche Entwicklung ist diesmal realistisch, bei einer noch breiteren Materialpalette.

Risikobudgets, die nach alten Erfahrungswerten kalkuliert sind, reichen für diese Lage nicht aus. Preissteigerungen von 10 bis 20 Prozent in einzelnen Materialgruppen, unplanmäßige Lieferausfälle und steigende Energiekosten über die gesamte Projektlaufzeit müssen finanziell betrachtet werden, bevor es zum Vertragsabschluss kommt.

4. Verträge mit klaren Preiseskalationsregeln ausstatten

Fehlen in einem Bauvertrag Klauseln für außerordentliche Preisentwicklungen, entstehen bei steigenden Materialkosten schnell Konflikte zwischen Bauherrn und Generalunternehmer. Das aber hat direkte Auswirkungen auf Termine und die Zusammenarbeit auf der Baustelle. Preisanpassungsklauseln, definierte Eskalationsprozesse und eine saubere Dokumentationspflicht für Materialpreisveränderungen sind heute kein Nice-to-have mehr, sondern sollten als Standard betrachtet werden.

5. Lieferketten diversifizieren und Alternativen kennen, bevor man sie braucht

Die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten war schon vor diesem Krieg ein strukturelles Risiko und kann heute Projekte ernsthaft gefährden. Es braucht bekannte Alternativen, und zwar nicht erst dann, wenn der Hauptlieferant ausfällt.

Für mehrere ölbasierte Materialien existieren technisch gleichwertige, nicht-ölbasierte Varianten. Potenziell teurer in der Beschaffung, aber verfügbar und in vielen Fällen bereits auf kommende Nachhaltigkeitsanforderungen ausgerichtet, was sie mittelfristig ohnehin zur sinnvolleren Wahl macht.

*Der Autor
Oskar Lampe ist Regional Director bei BCS Consultancy, einem global agierenden Beratungsunternehmen für Rechenzentren. Gegründet im Jahr 2016, unterstützt BCS seine Kunden bei Planung, Ausführung und Betrieb skalierbarer, nachhaltiger Projekte und sorgt so für Überblick, Klarheit und Vertrauen über den gesamten Lebenszyklus von Rechenzentrumsprojekten hinweg.
Lamape zieht folgendes Fazit: Projekte, die jetzt richtig aufgestellt werden, lassen sich erfolgreich abschließen.
Was das erfordert, ist keine neue Technologie und kein neues Methodenhandbuch. Es ist Erfahrung, Marktnähe und ein gut gepflegtes Netzwerk in den Beschaffungsmärkten. Aufgebaut über Jahre, nicht über Nacht. Projektverantwortliche, die das nicht vollständig aus eigener Kraft mitbringen, sollten frühzeitig Partner einbinden, die genau das haben. Frühzeitig bedeutet: bevor die nächste E-Mail mit einer Hiobsbotschaft vom Lieferanten kommt.

Bildquelle: BCS Consultancy

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