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Auf dem Weg zum „richtigen“ Produkt Ussuri, die jüngste Version von OpenStack

| Autor / Redakteur: Jürgen Höfling / Ulrike Ostler

Die herstellerneutrale („freie“) IT-Infrastruktur „OpenStack Ussuri“ kommt auf dem Weg von einer leistungsfähigen Technologie-Suite zu einem echten Produkt gut voran, zumal die jüngste Version 21 auch schon in einschlägigen kommerziellen Distributionen enthalten ist.

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Die große IT-Infrastruktur-Freiheit ohne Hersteller-Knebelung hat die OpenStack-Community immer im Blick.
Die große IT-Infrastruktur-Freiheit ohne Hersteller-Knebelung hat die OpenStack-Community immer im Blick.
(Bild: Andreas Hermsdorf_pixelio )

Die offene IT-Infrastruktur als Service lebt: Für die aktuelle (21.) Version der quelloffenen Cloud-Infrastruktur-Software OpenStack Ussuri haben 1003 Entwickler aus 188 verschiedenen Organisationen in mehr als 50 Ländern insgesamt 24.000 Code-Änderungen eingereicht. „Die OpenStack Foundation ist neben dem Linux-Kernel und Chromium unter den drei aktivsten Open-Source-Projekten weltweit“, so Allison Price, Senior Marketing Manager der Organisation anlässlich einer Video-Pressekonferenz zur Vorstellung von OpenStack Ussuri Version 21.

Kein Zweifel: die weltweite Entwicklergemeinde für eine „freie“ (das heißt Hersteller- und Architektur-neutrale) IT-Infrastruktur im Großrechenzentrumsmaßstab arbeitet hart daran, dass OpenStack Ussuri nicht bloß eine Suite interessanter Technologien ist, die in erster Linie etwas für leidensfähige Nerds ist, sondern ein echtes Produkt wird, das sich in endlicher Zeit in großen Produktionsumgebungen handhaben lässt.

OpenStack, Version 21, Ussuri
OpenStack, Version 21, Ussuri
(Bild: OpenStack Foundation )

Mit der neuen Version 21 gibt es deutliche Verbesserungen, Automatisierungsfortschritte und Stabilisierungen. Diese betreffen unter anderem den Support für zellenübergreifende kalte Migration innerhalb der OpenStack-Komponente „Nova“ (Verwaltung virtueller Maschinen), die Unterstützung von Hardware außerhalb des Datacenter (zum Beispiel FPGA oder GPU-Bausteine) durch die Komponente „Ironic“ und die Zusammenführung des „Open Virtual Networking“ (OVN)-Treibers mit dem Repository der Netzwerkebene „Neutron“ zu einem modularen ,in tree´-Neutron-Layer-2-Treiber.

„Zeitkritisch“ wird zur Maßgabe

Im Vergleich mit dem herkömmlichen Open vSwitch (OVS)-Treiber lassen sich mit OVN virtuelle Netzwerke in einer Art und Weise darstellen, dass die Steuerungsschicht besser von den Daten getrennt werden kann. Das klingt erst einmal sehr kryptisch, bedeutet aber ganz konkret, dass zum Beispiel auf einer Software-definierten Netzwerk-Plattform (SDN), die auf OpenStack-Basis aufgebaut ist, auch zeitkritische Workloads ausgeführt werden können.

Jonathan Bryce, CEO der OpenStack Foundation
Jonathan Bryce, CEO der OpenStack Foundation
(Bild: OpenStack Foundation )

„OpenSource muss darauf hinarbeiten, alle heute üblichen Infrastruktur-Komponenten integrativ zu steuern, sprich: von reinen Hardware-Systemen bis zu Edge-Anwendungen und von der Implementierung automatisierter Server und Beschleuniger bis zu Sicherheitsverbesserungen bei der Lastverteilung und beim Container-Management“, erklärte Jonathan Bryce, CEO der OpenStack Foundation auf der virtuellen Pressekonferenz.

Als Beispiel für die Leistungsfähigkeit und Funktionsvielfalt von OpenStack nannte Bryce den OpenStack API Service Magnum, den das OpenStack-Container-Team für die Einbindung von Container-Orchestrierungs-Maschinen wie Docker oder Kubernetes entwickelt hat und das beispielsweise das Europäische Kernforschungszentrum CERN in Genf nutzt, um die Kubernetes-Komponenten zu provisionieren.

Das CERN ist einer der europäischen Stars der OpenStack-Community

CERN ist einer der großen OpenStack-Community-Mitglieder im mitteleuropäischen Raum. Was speziell deutsche OpenStack-Community-Mitglieder angeht, nennt die OpenStack Foundation unter anderem die Autobauer Volkswagen und BMW sowie das Privatbahn-Unternehmen Metronom, das vor allem in Norddeutschland aktiv ist.

Und natürlich gibt es im DACH-Raum auch eine größere Zahl von IT-Dienstleistern, die Cloud-Infrastruktur auf Basis von OpenStack anbieten. Der größte dürfte die Deutsche Telekom sein, die unter dem Produktnamen Open Telekom Cloud eine von T-Systems entwickelte Public Cloud-Lösung auf Basis von OpenStack-Technologie anbietet.

Ussuri 21-Features in Ubuntu-Distribution integriert

Die neuen OpenStack-Funktionen finden auch schnell Eingang in andere OpenSource-Aktivitäten. So meldet der Ubuntu-Spezialist Canonical Ltd., dass die Ussuri 21-Features ab dem 20. Mai in der hauseigenen „Charmed OpenStack-Distribution“ enthalten ist. „OpenStack Ussuri auf Ubuntu 20.04 LTS wird mit fünf Jahren kommerziellem Support und zehn Jahren Sicherheitsupdates „out of the box" bereitgestellt, sagt Tytus Kurek, Produktmanager bei Canonical, und er fügt hinzu: „Canonical beteiligt sich weiterhin an OpenStack und unterstützt Unternehmenskunden zusammen mit führenden weltweit tätigen Systemintegratoren.“

Der Ubuntu-Spezialist wird laut eigener Aussage OpenStack Ussuri auf Ubuntu 20.04 LTS bis 2025 unterstützen. Weitere fünf Jahre lang sind Sicherheitsupdates für Unternehmenskunden als Teil der Extended Security Maintenance (ESM) im Rahmen des Ubuntu Advantage for Infrastructure-Abonnements verfügbar. Auf Ubuntu 18.04 LTS wird OpenStack Ussuri bis 2023 unterstützt, sodass Kunden bis zum Upgrade des zugrundeliegenden Betriebssystems noch drei Jahre Support erhalten.

Virtuelle Trainings und (vielleicht) ein Summit in Berlin im Oktober

Zurück zur OpenStack-Pressekonferenz. Als letzten Part der Vorstellung von Ussuri Version 21 wurden die verschiedenen Schulungstermine und Tagungen erläutert, allesamt wegen Corona als virtuelle Events.

Allison Price, Senior Marketing Manager der OpenStack Foundation
Allison Price, Senior Marketing Manager der OpenStack Foundation
(Bild: OpenStack Foundation )

So ist ein Online-Treffen („Project Teams Gathering“) vom 1. bis 5. Juni vorgesehen. Diese Treffen sind entscheidend für die Erstellung der nächsten Softwareversion jedes Projekts. Dabei wird nicht nur die Kernfunktionalität verbessert, sondern es werden auch die Zusammenarbeit projektübergreifend optimiert und komplexe Probleme gelöst.

Betreiber, Entwickler und andere aktive Mitwirkende werden dabei diskutieren, wie sie ihre Ziele erreichen, eine Einigung erzielen, Vertrauen aufbauen, Arbeitsaufgaben zuweisen und die Arbeit erledigen können. (Weitere Informationen über das PTG-Programm und die Teilnehmeranmeldung.)

Darüber hinaus gibt es eine virtuelle OpenDev-Veranstaltungsreihe, durch die in der offenen Infrastrukturgemeinde die Diskussion darüber in Gang gehalten und strukturiert werden soll, wie man die aktuellen Herausforderungen in der Cloud-Infrastruktur am besten angeht. Die dreiteilige Reihe beginnt im Juni mit folgendem Programm:

  • Nutzung offener Infrastruktursoftware in großem Maßstab: 29. Juni bis 1. Juli
  • Hardware-Automatisierung: 20. bis 22. Juli
  • Container in der Produktion: 10. bis 12. August

(Weitere Informationen sowie Anmeldelink)

Ob der im Oktober in Berlin geplante „Open Infrastructure Summit“ (19. bis 23. Oktober 2020) als Präsenzveranstaltung stattfinden kann, steht noch in den Corona-Sternen.

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