Das Rechenzentrum zu teuer, ein Hyperscaler zu unsicher Was tun, wenn die VMware-Preise explodieren?

Von Sebastian Pauls 5 min Lesedauer

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Die eigene private Cloud auf der Basis von VMware/Broadcom ist die teuerste Alternative, die Unternehmen heute wählen können, so Simon Zass, Director Presales Infrastructure Services bei Syntax. Ist die Virtualisierungsoftware auszutauschen? Prinzipiell ja, aber aufwändig. Was wären die Vorteile einer „Syntax Enterprise Cloud“?

Die Kosten für eine private Cloud mittels VMware-Tools, wachsen seit der Broadcom-Übernahme für viele in den Himmel. Vor allem für Mittelständler ist das ein Problem. (Bild: ©  Maksym - stock.adobe.com)
Die Kosten für eine private Cloud mittels VMware-Tools, wachsen seit der Broadcom-Übernahme für viele in den Himmel. Vor allem für Mittelständler ist das ein Problem.
(Bild: © Maksym - stock.adobe.com)

Die Übernahme von VMware durch Broadcom hat die IT-Abteilungen vieler Unternehmen kalt erwischt. Lizenzpfade wurden eingestampft, Preise sind in die Höhe geschossen – und plötzlich steht das eigene Rechenzentrum auf dem Prüfstand. Wie dramatisch ist die Lage tatsächlich?

Simon Zass ist Director Presales Infrastructure Services bei Syntax.(Bild:  Syntax)
Simon Zass ist Director Presales Infrastructure Services bei Syntax.
(Bild: Syntax)

Simon Zass: Für Unternehmen mit eigenen Rechenzentren ist das ein ernstes Problem, das muss man so deutlich sagen. Wer heute eine 'vSphere'-Umgebung betreibt, sieht sich mit einem grundlegend neuen Bezugsmodell konfrontiert.

Dauerlizenzen gibt es nicht mehr. Stattdessen muss pro physischem CPU-Kern abonniert werden. Auch Renewal-Pfade, die über Jahre gewachsen sind, und schlanke Einstiegspakete hat Broadcom weitgehend gestrichen. Das trifft vor allem den Mittelstand und kleinere Datacenter-Landschaften, denen damit ein gutes Stück Gestaltungsspielraum verloren geht. Und dann sind da die Kosten, die das eigentliche Problem darstellen.

Über welche Größenordnungen sprechen wir hier?

Simon Zass: Die kursierenden Zahlen schwanken stark. Constellation Research veranschlagt Mehrkosten von 50 bis 400 Prozent.Das European Cloud Competition Observatory beziffert sie sogar auf 800 bis 1.500 Prozent.

Ob nun das untere oder obere Ende stimmt, ist fast zweitrangig. Die Dimension ist in jedem Fall enorm. Und vergessen wir nicht: Virtualisierung hat bislang ohnehin mindestens ein Zehntel des Softwarebudgets verschlungen. Wenn sich dieser Posten vervielfacht, ist das ein handfester betriebswirtschaftlicher Einschnitt.

Rechnet sich das eigene Rechenzentrum dann überhaupt noch?

Simon Zass: Genau das ist die Frage. Viele Unternehmen haben bewusst auf den eigenen Betrieb gesetzt, weil sie nicht abhängig sein wollten – nicht von einem Hyperscaler, nicht von US-Recht, nicht von intransparenten Strukturen. Diese Haltung hat plötzlich einen sehr hohen Preis.

Was als sicherer Hafen gedacht war, entwickelt sich zur Kostenfalle. Deshalb sehen wir aktuell, dass selbst Unternehmen, die ihre IT-Strategie für die nächsten Jahre eigentlich festgezurrt hatten, jetzt noch einmal grundsätzlich neu überlegen, wie sie weitermachen wollen.

Welche Möglichkeiten haben diese Unternehmen?

Simon Zass: Im Kern sind es drei Optionen.

Erstens: im eigenen Rechenzentrum bleiben und VMware gegen einen anderen Hypervisor austauschen.

Zweitens: Workloads zu einem Hyperscaler in die Public Cloud verlagern.

Drittens: der Weg in die Private Cloud eines deutschen IT-Dienstleisters. Das ist beispielsweise unser Modell mit ausschließlich deutschen Rechenzentren, die nicht der US-Gesetzgebung unterliegen.

Bleiben wir zunächst bei Variante eins. Wie realistisch ist es, VMware im eigenen Haus durch eine Alternative zu ersetzen?

Simon Zass: Technisch ist das durchaus machbar, und es gibt am Markt ebenbürtige Hypervisoren. VMware mag der Platzhirsch sein, aber kein Monopolist.

Die Krux liegt im Aufwand. Gartner geht bei größeren Migrationen von Zeiträumen zwischen 18 und 48 Monaten aus, mit entsprechend hohen Projektkosten, die sich erst einmal amortisieren müssen. Wir bei Syntax haben das deutlich schneller hinbekommen und betreiben in unseren Rechenzentren heute ein diversifiziertes Portfolio an Hypervisoren.

Aber das ist nicht der Normalfall. Und ehrlich gesagt sollte sich jedes Unternehmen die Frage stellen: Will ich meinen IT-Betrieb wirklich auch in fünf oder zehn Jahren noch selbst stemmen?

Damit sind wir bei der eigentlichen strategischen Weichenstellung?

Simon Zass: So ist es. Der VMware-Schock ist im Grunde nur der Auslöser. Dahinter steckt die Frage nach dem mittel- und langfristigen Geschäftsmodell der eigenen IT. Will ich Infrastrukturanbieter im Nebenberuf sein? Oder will ich mich auf das konzentrieren, was meinen Wettbewerbsvorteil ausmacht?

Und der Sprung zum Hyperscaler. Wäre das nicht die einfachste Lösung?

Simon Zass: Theoretisch ja. Praktisch sehe ich da bei den Unternehmen mit eigenen Rechenzentren betreiben, eine deutliche Skepsis; und die ist nicht kleiner geworden, sondern größer. Das eigene Rechenzentrum ist schließlich das Ergebnis bewusster strategischer Entscheidungen. Wer schon vorher Bedenken hatte wegen Compliance, geistigem Eigentum oder einem möglichen Vendor Lock-in, der wird jetzt erst recht zurückhaltend sein.

Die Debatte um Datensouveränität hat in den letzten Monaten ja eher an Schärfe gewonnen. Ein Wechsel in die Public Cloud kann der richtige Weg sein, um VMware zu umschiffen, keine Frage – aber er löst eben nicht jedes Problem, sondern verschiebt es nur in andere Abhängigkeiten.

Bleibt der dritte Weg: die private Cloud eines deutschen Dienstleisters. Warum sehen Sie darin für viele Unternehmen den Königsweg?

Simon Zass: ... weil sich genau hier zwei zentrale Bedürfnisse verbinden lassen. Auf der einen Seite die Befreiung von der operativen Last und den eskalierenden Lizenzthemen. Auf der anderen Seite die Sicherheit, dass die eigenen Daten in einem deutschen Rechtsrahmen bleiben, dass kein fremder Gesetzgeber Zugriff erzwingen kann und dass man nicht plötzlich aus seiner eigenen Umgebung ausgesperrt wird. Mit einer Platform-as-a-Service-Lösung wie unserer 'Syntax Enterprise Cloud' bekommen Unternehmen das Komfortmodell des Hyperscalers, allerdings im souveränen deutschen Rahmen. Lizenzverhandlungen, Bezugsquellen, technische Tiefen. All das nehmen wir den Kunden ab.

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Wie verteilen sich dabei die Verantwortlichkeiten?

Simon Zass: Wir übernehmen den Betrieb der geschäftskritischen Systeme – SAP-Landschaften, Datenbanken, alles, was den Laden am Laufen hält. Der Kunde behält dabei aber die volle Hoheit über seine Daten.

Unsere Plattform erfüllt entsprechend Standards: ISO 27001, TISAX Level 3, ISO 9001, ISO 20000 und ISAE 3402 beziehungsweise SOC 1 Type II. Das ist das Fundament, ohne das man in diesem Geschäft heute gar nicht mehr antreten kann.

Werden trotzdem manche Unternehmen einfach weitermachen wie bisher?

Simon Zass: Sicher, „never change a running system“ ist ein mächtiger Reflex. Und es wird Unternehmen geben, die selbst die Kostensteigerungen schlucken und bei VMware bleiben, um nichts anfassen zu müssen. Auch das mag manchmal die richtige Lösung sein, Patentrezepte gibt es sowieso nicht.

Weil die Veränderungen rund um VMware jedoch erheblich sind, halte ich es für wichtig, dass jedes betroffene Unternehmen sich aktiv positioniert: Bleibe ich – und wenn ja, bewusst – oder ändere ich etwas? Nicht-Entscheiden ist auch eine Entscheidung, nur eben die teuerste.

Was wäre Ihr abschließender Rat an die IT-Verantwortlichen, die jetzt vor diesen Fragen stehen?

Simon Zass: Sehen Sie die Sache nicht nur als Ärgernis, sondern auch als Gelegenheit. Manchmal braucht es Störungen von außen, um die eigene Komfortzone zu verlassen und einen Kurs einzuschlagen, der einen am Ende wirklich voranbringt. Welcher der drei Wege der richtige ist, hängt vom Einzelfall ab, wobei aus meiner Sicht die externe Private Cloud meist die beste Variante darstellt.

Grundsätzlich sind aber alle drei gangbar. Wichtig ist nur: Schieben Sie die Entscheidung nicht auf die lange Bank. Die Rechnung dafür wird mit jedem Quartal höher.

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