Mit 100 Prozent erneuerbaren Energien, Wasserstoff-Backup und KI-Orchestrierung sind weitgehend autonome KI-Rechenzentren im Megawatt-Bereich nicht nur bereits machbar. Die DTM Group arbeitet vielmehr schon an solchen Projekten in Deutschland, erklärt der Geschäftsführer Jan Moll im Gespräch.
Bei gesicherter Solar- und Windenergieversorgung mit einem hohen Teil Eigenproduktion sowie mit Wasserstoff als sekundärer Energiequelle, Abwärmeabgabe und umfassendem KI-gestützten Monitoring lässt sich auch ein großes KI-Rechenzentrum in Deutschland 220 Tage im Jahr autonom betrieben, so Jan Moll.
(Bild: Gemini / KI-generiert)
Wenn „wir große Innovationspotenziale sehen“, seien marktgängige Fertigkomponenten oft unzureichend. Stattdessen setze die DTM Group in solchen Fällen auf eine interne „Forschungsplattform“, um innovative Ansätze eigenständig zu entwickeln, erklärt der Geschäftsführer Jan Moll gegenüber DataCenter-Insider. Dies sei eine langjährige Geschäftsphilosophie, helfe aber dem Rechenzentrenplaner und -Betreiber insbesondere im Wirbel der KI-Revolution dabei, grüne Datacenter auch für aktuelle KI-Anforderungen innovativ zu gestalten.
Ein solches Innovationsthema, an dem DTM schon früh geforscht habe, sei das Spannungsfeld von KI und Effizienz. „In Schweden haben wir ein Forschungsrechenzentrum aufgebaut“, wo es um die Fragen gegangen sei: „Wie kann ich KI nutzen, um das Rechenzentrum sehr effizient zu gestalten? Wie kann ich sie nutzen, um Energie einzusparen? Wie kann ich Resilienz im Rechenzentrum abbilden?“
Der Podcast live auf der Data Centre World Frankfurt auf dem Eco-Stand: Jan Moll, Geschäftsführer von Dtm Datentechnik und Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider.
(Bild: Paula Breukel)
In der Folge #67 der DataCenter Diaries „Jan Moll über die Resilienz in und für Rechenzentren“ nehmen Jan Moll und Chefredakteurin Ulrike Ostler das Konzept eines nachhaltigen KI-Rechenzentrums im Gigawatt-Bereich ausführlich auseinander. Zudem geht darum,
wie Crypto Mining, HPC und Energieeffizienz zusammenhängen,
welche Praxiserfahrungen die DTM Group mit Immersionskühlung gemacht hat und ob eine Kombination aus Flüssigkeitskühlung am Chip und Immersionskühlung die Zukunft für Rechenzentren darstellt,
ob Rechenzentren auch selbst als Energie- und Wärmeversorger agieren werden müssen,
welche Verfügbarkeitsklassen Betreiber für welche Art von Workloads anpeilen sollten,
die notwendigen politischen Rahmenbedingungen, um ein attraktives Investitionsklima für große grüne Datacenter in Europa zu schaffen,
und wie sich ein Rechenzentren trotz einem beschleunigten Wechsel von Hardware-Generationen für Jahrzehnte eines nachhaltigen Betriebs gestalten lässt.
Auch Megawatt-Datacenter können nachhaltig resilient sein
Gerade bei Rechenzentren im Megawatt-Bereich sei es entscheidend, sich Gedanken um das Thema nachhaltige Energie zu machen. „Wo kommt diese Energie her? Wie kann ich selbst Verantwortung dafür tragen, dass ich Teil der Energieerzeugung bin?“ Die Einbindung von Photovoltaik und Windkraft sei ein Schritt; eine nachhaltige Verwendung der produzierten Energie, etwa über Abwärmekonzepte, der andere. Konsequent gedacht bedeute das auch für DTM den „Anspruch, Verantwortung beim Betreiber des Rechenzentrums“ zu verorten, also auch etwa Brennstoffzellen selbst zu betreiben, statt sich auf Dienstleister oder Energieversorger zu verlassen.
Bei dem enormen Energieverbrauch von (KI-)Rechenzentren können allerdings eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oder plakativ platzierte Windräder als reine Schönfärberei erscheinen, als ein nachhaltiges Aushängeschild, hinter dem es weiter wie bisher läuft. Geht es für Moll auch anders? „Wenn man die unterschiedlichen Gewerke richtig dimensioniert, schaffen wir es in Deutschland, ein Rechenzentrum 220 Tage autonom ohne zusätzliche Energie aus dem Stromnetz zu betreiben“, antwortet der DTM-Geschäftsführer. Gewiss brauche man bei einem Megawatt-Rechenzentrum dann „einen Überbau von 2,5- bis zum 3-fachen an Photovoltaik“ und genügend groß dimensionierte Batteriesysteme (BESS, Battery Energy Storage Systems). Beides sei aber machbar.
Wasserstoff schützt vor der Dunkelflaute
Und bei einer Dunkelflaute, bei Windstille? Was bleibt dann von dem grünen Anspruch? Moll zufolge gibt es hier mehrere produktive Wege. Auch wenn das Rechenzentrum seinen Netzstromverbrauch nur einen Anteil des Jahres lang reduziere, erhöhe dies bereits Resilienz. Darüber hinaus arbeite DTM „momentan auch an Konzeptionen eines Inselbetriebs, [sodass] wir unter dem Nachhaltigkeitsaspekt zum Beispiel Wasserstoff als zweite Energiequelle erschließen“. Eine „auf mein Datacenter-Design von den Dimensionen her abgestimmte Brennstoffzelle“ könne man dann bei einem genügend groß dimensionierten Überbau „Wasserstoff erzeugen und den rückverstromen in einer Dunkelflaute“.
Schon aus wirtschaftlichen Überlegungen mache es dabei Sinn, sich für solche Phasen „nicht auf das Stromnetz zu verlassen, weil wir ja in Deutschland nicht bekannt sind für günstige Strompreise.“ Ein so betriebenes Rechenzentrum könne dann tatsächlich „365 Tage“ im Jahr autonom funktionieren. Es schaffe auch Planungsicherheit angesichts unvorhersagbarer Strompreise: „Wenn ich die Stromerzeugung selbst übernehme, [dann] habe ich klare Kostenparameter, mit denen ich kalkulieren kann.“
Ein 10-MW-KI-Rechenzentrum mit Eigenproduktion-PPA-Kombi
Moll betont, dies sei bereits technisch realisierbar und teils schon in der Umsetzung. Er begleite in Mecklenburg-Vorpommern etwa das Projekt eines KI-Innovationsparks für 10 Megawatt IT-Kapazität in Kombination mit einer Bezugsquelle von erneuerbaren Energien mit 30 Megawattstunden BESS-Kapazität.
Stand: 08.12.2025
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Der Netzanschluss diene da primär als Backup, man generiere „90 Prozent des Strombedarfs" über Sonnenenergie aus einem Solarpark und über Windenergie aus PPAs. Da man „Containerlösungen“ einsetze, könne das Design vervielfältigt, skaliert oder künftig modernisiert werden. Allerdings arbeite man noch gemeinsam mit dem Solarunternehmen des Architekten Hadi Teherani an den Projektdetails.
Rechenleistung zu Energieressourcen bringen statt umgekehrt
Das „Leuchtturmprojekt“ sei auch ein Bekenntnis dazu, „Compute dorthin zu bringen, wo wir Überschusskapazitäten an Strom haben“, und eben nicht in Frankfurt zu bauen. Das habe DTM auch in Schweden bereits so gemacht. Zudem würden sich Rechenzentren seit einiger Zeit zu verteilten Rechenclustern entwickeln. Je nach Workload bestehe hier durchaus Spielraum bei Latenzzeiten.
Immer stärker würde dabei KI selbst als „Orchestrator“ agieren und die Workloads je nach Ressourcenverfügbarkeit zwischen den Rechenzentren verteilen. In Schweden setze DTM einen solchen KI-Dirigenten in Zusammenarbeit mit Viking Data Centers bereits seit fünf Jahren ein und übertrage die Software nun auch auf neue Projekte in Deutschland.
Umfassendes und integriertes Monitoring ist die Grundlage
Entscheidend, um ein Großrechenzentrum nachhaltig zu betreiben, seien laut Moll zudem nicht nur energetische Redundanz und passende KI-Plattformen, sondern die Integration sämtlicher Komponenten und ein umfassendes Monitoring. „Aus meiner Sicht ist dieser vollumfängliche Ansatz der Wichtige, sodass ich alle Daten gemonitort habe, dass ich zu 100 Prozent weiß, was nicht nur im Rechenzentrum geschieht, sondern was macht meine Energieerzeugung, mein Batteriesystem und der Forecast für morgen.“
Dies müsse stets auch konkret bezogen werden auf die „Power-, Cooling- und Netzwerk-Infrastruktur“ im Rechenzentrum. Erst dann könne man auch „einen Schritt weiter“ gehen, sodass in jedem Rechenzentrum „die KI auch darüber entscheiden kann, welche Server aktiv oder inaktiv sind, welche Ressourcen ich in einer Stunde und welche ich morgen nutzen kann“.