Open Hybrid & Multi-Cloud

IBM will mit Red Hat Marktführer im Hybrid- und Multicloud-Markt werden

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Ulrike Ostler

Ob Red Hat oder ein blauer IBM-Hut - die Hybrid- und Multicloud-Kunden stehen im Fokus.
Ob Red Hat oder ein blauer IBM-Hut - die Hybrid- und Multicloud-Kunden stehen im Fokus. (Bild: VIT)

Durch die Anfang August abgeschlossene Übernahme von Red Hat sieht sich IBM in einer guten Position, nicht nur um Marktführer im Hybrid- und Multicloud-Computing zu werden, sondern auch, um mittelfristig intelligentes Enterprise Cloud Computing auf einer offenen Plattform aus Linux und Kubernetes zu ermöglichen. Das wäre ein Billionenmarkt, schätzt IDC.

IBM hat einen sechzigprozentigen Aufschlag auf den Aktienwert von Red Hat gezahlt. Die Summe von 34 Milliarden Dollar hätte Big Blue nach Meinung der Experten nicht ohne ein paar sehr gute Gründe auf den Tisch geblättert. Den ersten nennt Ralph Demuth, Vice President IBM Cloud Technical Executive, Europe: „Wir positionieren uns jetzt im Open Hybrid & Multi-Cloud Markt.“

Das bedeute aber nicht, dass IBM nun in Konkurrenz zu den Big Five wie Amazon, Google oder Apple trete, die die Public Cloud beherrschen. Nein, IBM bleibt sich laut Demuth treu und konzentriert sich auf den Enterprise-Markt.

Die Größe dieses IT-Marktes ist beträchtlich. Das RHEL-Ökosystem, berichtet IDC in einer Marktstudie, setzt 2019 rund 82 Milliarden Dollar um und dieser Umsatz wird bis 2023 auf 119 Milliarden Dollar wachsen, was einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 11,5 Prozent entspricht. „Für jeden Dollar Umsatz, den Red Hat macht, verdient sein Ökosystem 21,74 Dollar“, hat IDC-Analyst Cushing Anderson berechnet.

Die Enterprise-Kunden fest im Fokus

Berücksichtigt man den IBM-Faktor, dann werde dieser Ökosystem-Umsatz sogar auf 150 Milliarden Dollar steigen. Es geht also nicht um Peanuts, im Gegenteil: Der wirtschaftliche Wert, der mit Software und Anwendungen, die auf Red Hat laufen, erzielt wird, beläuft sich 2019 auf zehn Billionen Dollar und wächst doppelt so schnell wie die (US-) Wirtschaft.

Der Nutzwert von RHEL für die Kunden bei der Unterstützung ihrer Geschäfte belaufe sich auf mehr als eine Billion Dollar. „Die Nutzung von RHEL in IT-Organisationen wird diesen Organisationen helfen, dieses Jahr 7 Milliarden Dollar einzusparen.“

Ralph Demuth sieht sein Unternehmen für diesen Markt gut aufgestellt. „Die Cloud Provider (s.o.) hätten erkannt, dass man für Enterprise Workloads nicht nur die Public Cloud brauche.“ Inzwischen gebe es mehr Use Cases für eine Hybrid Cloud - von Disaster Recovery über Scaling und Optimierung bis hin zu Edge Computing Umgebungen.

Während aber Amazon und „MS Azure“ eine „Hybrid Mono Cloud“ anböten, die im Rechenzentrum lediglich repliziert werde, wünschten sich die Enterprise-Kunden eine „offene, hybride Multi-Cloud“. Sie basiere auf den Kubernetes-Containern, deren Verwaltung „Red Hat Openshift“ erlaube. „Das bedeutet, dass der Kunde Anwendungen mithilfe von offenen Standards auch über Cloud Provider hinweg umziehen kann“, so Demuth.

Potenzial für Wahlmöglichkeiten

IBM sage seinen Kunden, wenn sie jetzt ihre Applikationen für die Cloud neu schreiben (also Cloud-native machen), dann sollte die Anwendung nur einmal neu geschrieben oder angepasst werden, aber dann sollte sie die nächsten Jahre frei portierbar sein. „Hinsichtlich der Migration seiner Kunden in die Cloud bietet IBM nicht Vendor-Lock-in an, sondern Wahlfreiheit und Flexibilität.“ Die IBM Cloud unterstütze Bare Metal, VM's, Kubernetes und Cloud Foundry Workloads.

Die betreffenden Kunden sieht Demuth in jenen 80 Prozent aller Unternehmen, die ihre geschäftskritischen Anwendungen noch nicht in die Cloud migriert haben. Die neue IBM-Strategie soll ihnen nicht nur erlauben, Cloud-native-Applikationen neu zu schreiben, sondern auch zu migrieren. Dabei läuft der Original Source Code beziehungsweise Teile des Sourcecodes in einem Middleware-Container in der Cloud ab. So lässt sich das Lift-and-Shift von VMs in die Public Cloud vermeiden. Beide Ansätze seien mit Risiken hinsichtlich Sicherheit und Investitionen verbunden.

Ermöglicht wird diese positive Seite durch zwei mit Red Hat eingekaufte Technologien: „Linux und Kubernetes werden zum neuen IT-Standard für Open Hybrid Multi-Cloud.“ Red Hat Openshift sei sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal für die IBM Cloud: „Jegliche Workload wird auf Kubernetes produziert, und das ist bei anderen Providern nicht der Fall“, erläutert Demuth. Basierend auf diesen Erfahrungen könne IBM dem Kunden beste Beratung zum Thema Workloads auf Kubernetes bieten.

Die Cloud Paks

Das Middleware Portfolio der IBM sowie Red Hat Openshift werden mithilfe von fünf „Cloud Paks“ auf jeder Plattform ablauffähig verfügbar gemacht. Darauf könne der Kunde seine Enterprise Applikationen betreiben. Gleiches gelte auch für eine Datenbank oder einen „MQ“-Server.

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Die 5 Cloud Paks sind:

  • Multi-Cloud Management: Erlaubt es, eine Workload während des Betriebs zu einem anderen Cloud Provider zu verlagern.
  • Applications (inklusive Runtimes, Modernisierungs-Tools)
  • Data (Analyse und KI): eine Toolchain, zum Beispiel für das Bauen von Container-basierten Modellen, die skalierbar sind
  • Integration (API Management)
  • Automation, zum Beispiel für automatisches Billing, Logging und Monitoring

IBM hat angekündigt, Red Hat Openshift als Managed Service auf der IBM Cloud anzubieten, ebenso wie auf der „Z“-Plattform und „Linux One“, auf der „Power“-Plattform und im Storage-Bereich. „Wir stellen OpenShift auf der IBM Cloud mit einem Enterprise SLA und mit einem SLA Manager zur Verfügung. Das wird ein One-click-install von Openshift auf IBM Cloud“, führt Demuth aus. Der Kunde wähle etwa Cloud Pak für Applications und die Plattformen, um eine gewisse Redundanz zu erhalten.

„Auf System Z und Linux One wird diese Plattform laufen, um größere, kritische als auch Legacy-Workloads in der gleichen physischen Hardware wie die alten Anwendungen betreiben zu können“, erläutert Demuth. „Das hat Implikationen auf Security und Antwortzeiten.“

Security ist Trumpf

Apropos Security – wie hält es IBM mit der Diskrepanz zwischen US-amerikanischen und europäischen Datensicherheitsgesetzen? „Wir können erstklassige Security gewährleisten“, versichert Demuth. „Wir haben dafür in der IBM Cloud beispielsweise unseren Support geändert, damit wir europäischen Support gewährleisten können, so dass nicht aus Nordamerika auf die Server zugegriffen wird.“ Ein europäischer Support ermögliche die Kontrolle und Beschränkung von Zugriffen auf die Public Cloud von außerhalb Europas.

Datenbanken wie etwa für Patientendaten würden in der Public Cloud und Private Cloud verschlüsselt. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir diesbezüglich sehr viel investiert und unsere Cloud Plattform (Public Cloud) mit zahlreichen neuen Fähigkeiten und Technologien ausgestattet, die unsere Enterprise-Kunden benötigen, um ihre Transformationen besser umzusetzen.“ Es ist bekannt, dass auf der neuesten Mainframe-Generation „z15“ die Verschlüsselung an die Dateien gekoppelt ist.

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Neben der offensichtlichen Ausweitung des Zielmarktes peile IBM aber noch ein weiteres Ziel an, sagt der Analyst Addison Snell, der CEO der Beratungsfirma Intersect 360 in der Publikation „Enterprise AI“. Dieses Ziel rechtfertige den Aufschlag, den IBM für Red Hat zahlte.

Seine Hypothese lautet: Der Zusatznutzen, den Red Hat OpenShift bietet, schlägt sich in den Workloads und Workload-Daten nieder, die von den Red Hat-Nutzern generiert werden. Diese Nutzungsdaten könnten wiederum als Trainingsdaten herhalten, um eine auf KI beziehungsweise Watson basierte Steuerung einer „intelligenten Enterprise Cloud“ zu ermöglichen.

Eine „intelligente Enterprise Cloud“ jedoch würde dem Cloud-Admin eine Infrastruktur bereitstellen, die ihm fundierte Empfehlungen liefert, welche Arten von IT-Ressourcen das Unternehmen benötigt, und ob diese Kapazitäten besser on-premise oder in einer Cloud platziert werden sollten. Zudem könnte diese Cloud-KI empfehlen – oder selbst handhaben -, an welcher Lokation Workloads zu welcher Uhrzeit terminiert werden sollten, und vieles mehr. Die „intelligente Enterprise Cloud“ würde als Infrastruktur oder Quasi-Betriebssystem die Strategie des Unternehmens stützen, und das wäre nach Snells Ansicht ein enormer Wert.

* Michael Matzer ist freier Autor aus Stuttgart.

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