Auf der „Cloud Native Conference 2026“ der Vogel IT-Akademie in Frankfurt haben Teilnehmer „Waf++“ vorgestellt: Das offene Framework soll Architekturbewertungen über Cloud-Grenzen hinweg vereinheitlichen und somit Multicloud- sowie Hybrid-Cloud-Strategien unterstützen.
Ganz nach dem Motto „Gemeinsam die Cloud Exzellenz neu definieren“ präsentieren die Mitglieder (v.l.) Sebastian Meyer, Sascha Lewandowski, Artem Lajko und Tim Urlaub ihr Waf++-Framework.
(Bild: Vogel IT-Medien)
Das Well-Architected FrameworkWaf++ hat seinen Ursprung auf der „Cloud Native Conference“. Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die viele Cloud-Teams teilen:
Zwar verfügen die großen Hyperscaler über eigene Well-Architected Frameworks, doch diese orientieren sich jeweils an den eigenen Plattformen. Für Unternehmen mit Multicloud-Strategien oder hybriden Infrastrukturen entstehe dadurch zusätzlicher Aufwand, weil Architekturprinzipien, Compliance-Vorgaben und Betriebsmodelle mehrfach bewertet werden müssen. Auf dem diesjährigen Event stellen die Mitglieder Sascha Lewandowski, Artem Lajko, Tim Urlaub und Sebastian Meyer das Framework erstmals vor.
Waf++ verfolgt einen cloud-agnostischen Ansatz. Das Framework soll unabhängig von einzelnen Anbietern funktionieren und sowohl öffentliche Clouds als auch „Open Stack“-basierte Umgebungen und andere Infrastrukturplattformen berücksichtigen. Ziel ist ein gemeinsamer Satz von Architekturprinzipien, der über verschiedene Betriebsmodelle hinweg anwendbar bleibt.
Open-Source-Modell statt Herstellerbindung
Die Initiatoren verstehen Waf++ ausdrücklich als Community-Projekt. Sämtliche Inhalte, Controls und Quellcodes sind offen bei Github zugänglich. Anwender können Erweiterungen einreichen, neue Compliance-Anforderungen ergänzen oder bestehende Kontrollen anpassen.
Die Governance orientiert sich dabei an Modellen aus dem Umfeld der Cloud Native Computing Foundation. Geplant sind Maintainer-, Contributor- und Advisory-Strukturen, die künftig von der Community besetzt werden sollen.
Parallel zum Framework entsteht mit „Wafpass“ ein Analysewerkzeug, das Infrastrukturdefinitionen etwa aus „Terraform“ und „Cloud Development Kit“ (CDK) auswerten könne. Die Plattform ordne technische Konfigurationen den definierten Architekturkontrollen zu und visualisiere Ergebnisse in Form von Compliance- und Reifegradanalysen. Damit soll sich laut Initiatoren nachvollziehen lassen, wie gut Cloud-Umgebungen die Anforderungen des Frameworks erfüllen.
Nordex zeigt Transformationsarbeit
Einen Einblick in die Umsetzung Plattformarchitekturen hat Carsten Forstner geliefert, Lead Enterprise Architect der Nordex Group. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen aus Refactoring- und Replatforming-Projekten, mit denen bestehende Anwendungen modernisiert und für neue Anforderungen vorbereitet werden.
Dabei hat Forstner verdeutlicht, dass Architekturmodernisierung weniger ein einmaliges Migrationsprojekt als vielmehr ein langfristiger Veränderungsprozess ist. Forstner hat dafür plädiert, Zielarchitekturen ganzheitlich zu betrachten, die Umsetzung jedoch in überschaubaren Schritten vorzunehmen. Gerade bei der Einführung neuer Plattformmodelle sei ein klar definiertes Zielbild entscheidend.
Künstliche Intelligenz und Souveränität prägen die Debatte
In der Abschluss-Keynote verbindet Sebastian Kister, Chief AI Architect und Acting Lead Open Source Program Office der Volkswagen Group, unter dem Titel „The Agentic Enterprise“ Themen wie Künstliche Intelligenz, Cloud Native, digitale Souveränität und organisatorische Transformation.
Kister verweist dabei auf die zunehmende Bedeutung offener Technologien und warnt vor einem inflationären Gebrauch des Souveränitätsbegriffs. Nicht jedes als souverän vermarktete Angebot erfülle automatisch die Anforderungen an Kontrolle, Transparenz und Unabhängigkeit.
Moderiert und organisiert wurde die Veranstaltung von der Vogel IT-Akademie gemeinsam mit Maximilian Hille. Neben den Fachvorträgen wurden auch die „Cloud Native Rockstar Awards“ vergeben. Der Company Award ging an Phil Korte, der Provider Award an Lucas Araujo Mariano von Infomotion.
Die „Cloud Native Conference 2026“ hat auch in diesem Jahr Anwender, Architekten und Plattformteams in Frankfurt am Main zusammen gebracht.
Auf dem Programm haben Praxisberichte aus Transformationsprojekten gestanden sowie Diskussionen über Souveränität, Plattform-Engineering und Künstliche Intelligenz. Außerdem stehen nun auch die Gewinner der „Cloud Native Rockstar Awards“ fest. Das Schwerpunktthema in diesem Jahr ist das Waf++-Framework.
Inhaltlich zeigt die Cloud Native Conference 2026 vor allem eines: Viele Unternehmen suchen nach Orientierung jenseits einzelner Anbieterplattformen. Mit Waf++ entsteht derzeit ein Community-Projekt, das genau diese Lücke schließen und Architekturprinzipien für Multicloud- und Hybrid-Cloud-Umgebungen in einem gemeinsamen Framework bündeln soll.
Stand: 08.12.2025
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