Mit Gas zum „US-Sieg im KI-Rennen“ OpenAI plant Pacht von 10-GW-Rechenzentrum in Ohio mit Nvidia-Bürgschaft

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

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OpenAI verhandelt einen 20-jährigen Pachtvertrag für ein 10-Gigawatt-Rechenzentrum in Ohio. Entwickler ist SB Energy, eine Softbank-Tochter. Nvidia soll Hardware liefern und zugleich finanzielle Bürgschaften übernehmen. Das sich bereits im Bau befindende Projekt ist auch ein zentrales geopolitisches Statement der Trump-Regierung.

Das Gelände der ehemaligen Urananreicherungsanlage in in Pike County, Ohio.(Bild:  DOE)
Das Gelände der ehemaligen Urananreicherungsanlage in in Pike County, Ohio.
(Bild: DOE)

Bemerkenswert an der Konstruktion ist nicht nur die schiere Größe, sondern die geplante doppelte Rolle von Nvidia: Der GPU-Hersteller soll die GPUs für den Campus liefern und gleichzeitig als finanzieller Garant sowohl für Pachtzahlungen durch OpenAI als auch für die Projektfinanzierung von SB Energy einspringen. Damit wäre Nvidia nicht mehr reiner Lieferant, sondern Träger eines erheblichen Kreditrisikos: eine neue Rollenverteilung im Wettbewerb über KI-Rechenleistung. Über die laufenden Verhandlungen berichtete zuerst The Information, übereinstimmenden Medienberichten zufolge sind die Verhandlungen weit fortgeschritten, aber ein unterzeichneter Vertrag liegt noch nicht vor.

Warum Nvidia bürgen würde

Aus Nvidia-Perspektive kann eine solche Bürgschaft als strategische Absicherung gelesen werden: Das Unternehmen hätte ein direktes Interesse daran, dass der mutmaßlich größte Abnehmer seiner Beschleunigersysteme solvent bleibt und ein Projekt dieser Größenordnung überhaupt zustande kommt.

Das Kreditrisiko, das Nvidia dabei eingehen würde, ist dennoch erheblich: Bei einem Projektvolumen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar und einem Pachtvertrag über 20 Jahre geht es um Summen, die die Bilanz selbst eines Unternehmens mit Nvidias Marktkapitalisierung spürbar belasten könnten. Ob der Bürgschaftsplan finalisiert wird und in welchem konkreten Umfang Nvidia entsprechende Bürgschaften tatsächlich übernehmen wird, bleibt offen.

Maßstab: 10 Gigawatt

Wo selbst große Hyperscaler-Anlagen oft in Größen von 100 bis 500 Megawatt gebaut werden, geht es in Ohio um eine ganz andere Größenordnung: Ein Campus mit 10 Gigawatt, dem 20- bis 50-fachen eines großen Hyperscaler-Standorts.

Dies bedeutet bei Dauerauslastung 87,6 Terawattstunden Stromverbrauch pro Jahr. Öffentlich angekündigte Projekte vergleichbarer Größenordnung sind rar, so wie das ebenfalls noch nicht gebaute 9-Gigawatt-Vorhaben in Utah. Die Gesamtkosten werden auf bis zu 500 Milliarden US-Dollar geschätzt, was dem Rahmen des ganzen Stargate-Programms entspricht.

SB Energy ist Entwickler eines geopolitischen Statements

Das Gelände befindet sich bereits in Entwicklung durch SB Energy. Das Unternehmen wurde 2019 als Tochtergesellschaft der japanischen Softbank Group gegründet und fokussiert sich auf Energie- und Digitalinfrastruktur im Gigawatt-Bereich. Softbank und OpenAI haben nach eigenen Angaben 2026 gemeinsam eine Milliarde US-Dollar in SB Energy investiert, um das Unternehmen als Ausführungspartner für Datacenter zu positionieren. Softbank-Gründer Masayoshi Son gehört zu den prominentesten Fürsprechern der Stargate-Initiative und hat öffentlich die Rolle japanischen Kapitals beim Aufbau von US-KI-Infrastruktur betont.

Das Projekt besitzt zudem eine geopolitische Dimension, die es von anderen Großbauten unterscheidet. Im Rahmen einer US-japanischen Handels- und Investitionsvereinbarung investiert Japan 33,3 Milliarden Dollar in 9,2 Gigawatt US-amerikanische Gaserzeugung in Ohio. Ein Teil dieser Kapazitäten wird auch das neue Rechenzentrum speisen. Zudem investiert SB Energy 4,2 Milliarden Dollar in den Ausbau der Strominfrastruktur in Ohio.

Das US-Energieministerium (DOE) betont, dass das japanische Unternehmen die Strominfrastruktur alleine finanziert und so „Ohio-Einwohner vom Tragen der Kosten schützt“. Insgesamt soll das Gelände dazu „beitragen, dass die USA das KI-Rennen gewinnen“.

Standort: Ehemaliges Urananreicherungswerk

Das Gelände liegt auf bundeseigenen Flächen des DOE im Pike County, Ohio. Hier war das Portsmouth Gaseous Diffusion Plant (eine Urananreicherungsanlage mit Einsatz von Gasdiffusion) von 1954 bis 2001 in Betrieb. Das DOE vergibt das rund 3.700 Acres große Gelände, das sich noch in der Dekontaminierungsphase befindet, im Pachtmodell an private Entwickler, darunter auch die 640 Acres der Anreicherungsanlage. Die Bauten der ersten Ausbauphasen des Rechenzentrums sollen auf dem Areal des bereits abgerissenen X-326-Prozessgebäudes entstehen. Das Ministerium erhofft sich, dass Pachteinnahmen die laufende Altlastensanierung mit bis zu 200 Millionen US-Dollar beschleunigen.

Die erste Bauphase umfasst 800 Megawatt Rechenzentrumskapazität in vier bis sechs Hochleistungsgebäuden, die für Flüssigkühlung ausgelegt sein sollen, mit einem angestrebten PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von 1,04. Bauarbeiten sollen im März 2026 bereits begonnen haben, der erste Baublock soll 2028 abgeschlossen werden, ein Netzanschluss über den Versorger AEP Ohio ist für 2029 geplant.

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Frühere Stargate-Pläne für ein Rechenzentrum in Lordstown in Ohio scheiterten, nachdem die Gemeinde dort 2025 neue Rechenzentrumsprojekte per Beschluss untersagte. Das Lordstown-Gelände soll nun stattdessen für die Fertigung von Datacenter-Equipment genutzt werden. Das Portsmouth-Projekt ist insofern auch ein Ausweichstandort.

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