Das Paket der EU-Kommission zur Stärkung digitaler Souveränität Beschleunigte EU-Ausbauzonen für innovative und grüne Datacenter

Von Daniel Schrader 5 min Lesedauer

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Mit einem neuen Maßnahmenpaket, darunter der „Cloud and AI Development Act“, ein „Chip 2.0 Act“ und eine Open-Source-Strategie, will die EU-Kommission Europas digitale Souveränität stärken. Bitkom begrüßt das Paket, die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen warnt vor Überregulierung.

Symbolbild: Die EU-Komission will mit beschleunigten Ausbauzonen für Datacenter, der Förderung europäischer Chips und KI, einer Open-Source-Strategie und einem speziellen Fokus auf den Energiesektor Europas digitale Souveränität stärken.(Bild:  GPT Images 2.0 / KI-generiert)
Symbolbild: Die EU-Komission will mit beschleunigten Ausbauzonen für Datacenter, der Förderung europäischer Chips und KI, einer Open-Source-Strategie und einem speziellen Fokus auf den Energiesektor Europas digitale Souveränität stärken.
(Bild: GPT Images 2.0 / KI-generiert)

Die Europäische Kommission stellt ein Maßnahmepaket zur Stärkung digitaler Souveränität Europas vor. Ein „Chips Act 2.0“ soll die europäische Halbleiterindustrie stärken, unter anderem mit günstigeren Strompreisen. Genehmigungsverfahren sollen beschleunigt und ein gemeinsames Ökosystem aus europäischen Rechenzentren, KI-Gigafabriken und Cloud-Anbietern gestärkt werden.

Ein Gesetz zur Weiterentwicklung von Cloud- und KI-Kapazitäten soll Forschungen und Innovationen in diesen Bereichen fördern, den Bau von Rechenzentren in Europa vereinfachen und ein unionsweites Regelwerk für die Bewertung von Cloud- und KI-Souveränität schaffen. KI-Ambitionen und Klimaverpflichtungen sollen sorgfältig balanciert werden, so dass „der Schwerpunkt auf höchst nachhaltigen und innovativen Einrichtungen in der Größenordnung liegen wird, die für den grünen und den digitalen Wandel erforderlich ist“, so die Ankündigung.

CADA: Beschleunigte Ausbauzonen für innovative, nachhaltige und netzdienliche Rechenzentren

Eine Kommissionsvorlage des „Cloud and AI Development Act“ (CADA) verpflichtet dabei Mitgliedstaaten zur Einrichtung mindestens eines Gebiets für den beschleunigten Datacenter-Ausbau („data centre acceleration zones“). Bei der Auswahl sollen Platz-, Strom- und Netzwerkkapazitäten entscheidend sein.

Insbesondere sollen Möglichkeiten zur Produktion emissionsarmer Energie und ihrer Speicherung vor Ort, zur Abwärmenutzung sowie zur Umwidmung bestehender Industriegebiete berücksichtigt werden, genauso wie das Potenzial für einen emissionsarmen und nachhaltigen Datacenter-Betrieb am Standort. Die Genehmigungsverfahren für Rechenzentren in solchen Beschleunigungsgebieten sollen deutlich vereinfacht werden.

Rechenzentren in, aber auch außerhalb beschleunigter Ausbaugebiete sollen über eine Entscheidung der EU-Kommission zu strategischen Projekten erklärt werden können. Zu den Kriterien für die Akzeptanz als strategisches Projekt gehören die Schaffung einer Infrastruktur für den öffentlichen Sektor, besonders nachhaltige oder innovative Technologien, Beiträge zur Sicherheit und Stabilität des öffentlichen Stromnetzes, die Integration europäischer Prozessoren und Beschleuniger und die Behebung eines regionalen Mangels an Datacenter-Kapazität. Mindestens zwei dieser Kriterien muss ein Kandidaten-Rechenzentrum erfüllen.

Mitgliedstaaten sollen dabei sicherstellen, dass Rechenzentren in den beschleunigten Ausbaugebieten Anforderungen an Energie-Effizienz, Wassernutzung und andere Kennzahlen im Sinne der Delegierten Verordnung (EU) 2024/1364 erfüllen. Konkrete Mindest- und Maximalwerte scheinen dabei weiterhin in der Hand der einzelnen Mitgliedsstaaten zu liegen. Dabei sollen Mitgliedstaaten für die Ausbaugebiete im dreijährlichen Rhythmus die Auswirkungen des Strombedarfs in den beschleunigten Ausbaugebieten auf Emissionen und die Netzinfrastruktur überprüfen.

Genau die Kernthemen des europäischen Maßnahmenpakets – Kennzahlen für Datacenter, europäische Chips und nachhaltige Rechenzentrumsentwicklung – besprechen DataCenter-Insider-Chefredaktuerin Ulrike Ostler und Rechenzentrumsexperte und Eco-Vertreter Béla Waldhauser in der Folge #66 der DataCenter Diaries „Dr. Béla Waldhauser über die Meilensteine in der Datacenter-Entwicklung, die jetzigen und künftigen Herausforderungen“. Die Folge ist vor Publikation des europäischen Maßnahmepakets erschienen.

Die Podcast-Folge #66 der DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und Amazon Musik.

Open-Source-Strategie und KI für Energiesektor

Als dritter Teil des europäischen Maßnahmepakets soll eine Open-Source-Strategie einen zentralen Baustein digitaler Autonomie bilden, auch in öffentlichen Verwaltungen, verbunden mit Investitionen in Startups und digitale Infrastrukturen. Damit soll auch das Training großer KI-Modelle in europäischen Rechenzentren vorangetrieben werden.

Der vierte Schwerpunkt des Kommissionsvorhabens ist die europäische Energiewirtschaft. Das Maßnahmepaket soll sicherstellen, dass europäische Rechenzentren in das europäische Stromnetz stärker integriert werden. Zudem sollen speziell für den Energiesektor souveräne und sichere KI-Modelle entwickelt werden.

Für die Initiativen soll primär privates Risikokapital angeworben werden. Das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union werden über diese Gesetzgebungsvorschläge verhandeln, laut Medienberichten wird erwartet, dass die Verhandlungsphase bis 2027 andauert. Zumindest hinter dem Chips Act 2.0 stünden die europäischen Mitgliedstaaten aber geschlossen.

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Reaktionen: (vorsichtiges) Lob...

Der Digitalverband Bitkom begrüßt das Maßnahmepaket. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont so, das Paket setze „wichtige Akzente“ für digitale Souveränität: „Wir begrüßen, dass die EU-Kommission nicht nur einzelne Technologien in den Blick nimmt, sondern die gesamte digitale Wertschöpfungskette von Halbleitern und Rechenzentren über Cloud- und KI-Infrastrukturen bis hin zu Open Source und besseren Investitionsbedingungen. Entscheidend ist nun, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt. Europa braucht Tempo.“

Die Förderung von Chip- und Cloud-Angeboten sei laut Wintergerst ein wichtiger Schritt. Zugleich stellt er heraus: „Mehr Förderung allein macht Europa aber noch nicht souverän. Genauso wichtig sind schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Regeln. Die Unternehmen rufen nicht nach mehr Geld, sondern nach weniger Komplexität.“

Andreas Nauerz, Chief Product Officer des europäischen Cloud-Anbieters Ionos, zelebriert „eine der ambitioniertesten digitalpolitischen Initiativen, die Europa je gestartet hat“. Entscheidend sei insbesondere, die Nutzung europäischer Cloud- und KI-Angebote durch die öffentliche Hand anzukurbeln. Denn an einem europäischen Angebot mangele es nicht.

Der Open-Source-First-Beschaffungsgrundsatz im Rahmen der neuen Open-Source-Strategie sei hier ein potenter Ansatz. Souveränität könne und solle dabei nicht bedeuten, alles selbst in Europa zu bauen. Nvidia-GPUs und „Frontier“-Modelle von OpenAI, Claude und Google würden noch jahrelang zum europäischen digitalen Alltag gehören, sollten diesen aber nicht allein bestimmen.

…und Kritik an Kennzahl- und Standortvorgaben

Die unter dem Dach des Verbands für Internetwirtschaft Eco gegründete Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen reagiert auf das Maßnahmepaket in einer Stellungnahme mit einer Warnung: Europa dürfe den Ausbau von Rechenzentren nicht durch neue Regulierungen selbst ausbremsen. Kritikpunkt sind dabei primär die Effizienzkriterien in den Plänen der EU-Kommission.

Praxisferne Effizienz- und Standortvorgaben würden neue Investitionsrisiken statt digitaler Souveränität schaffen. Entscheidend für die Eco Allianz seien hingegen „schnellere Genehmigungen, planbare Netzanschlüsse und ein Labeling, das Standortrealitäten berücksichtigt“. Hingegen würden

Aus der Perspektive des Verbands bestehe eine akute Gefahr einer „regulatorischen Fehlsteuerung beim Ausbau von Rechenzentren“. Diese stünde dem Ziel der EU, Datacenter-Kapazitäten bis 2032 zu verdreifachen, entgegen. Zudem sei ein einheitliches Labeling für Datacenter-Kennzahlen bislang noch nicht umgesetzt worden.

Zwar unterstütze die Allianz die Heranziehung von „Kennzahlen wie Power Usage Effectiveness, Water Usage Effectiveness und Renewable Energy Factor“ für Vergleichbarkeit und Nachhaltigkeit. Doch Voraussetzung dafür seien „klar harmonisierte Definitionen, einheitliche Berechnungsmethoden und eine realistische Abbildung regionaler Unterschiede“.

„Wer aus freiwilligen Kennzahlen schrittweise faktische Pflichten macht, verschiebt die Debatte vom Ausbau zur Verhinderung“, meint dazu Volker Ludwig, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen. Insbesondere müssten Standortbedingungen berücksichtigt werden, die maßgeblich darüber entscheiden würden, welche Effizienzwerte lokal möglich sind. Hingegen sei eine „One-Size-fits-all-Lösung kontraproduktiv“.

Zudem sieht die Allianz mögliche Anforderungen an Herkunftsnachweise für den Strombezug kritisch. Entsprechende Zertifikate seien nur begrenzt am Markt verfügbar und könnten Strombeschaffungskosten deutlich erhöhen.

Auch sei es kontraproduktiv, Rechenzentren zur Abwärmenutzung und zur Unterstützung des öffentlichen Stromnetzes zu verpflichten. Auch hier seien verfügbare Möglichkeiten standortabhängig. Dabei seien „Rechenzentren auf einen kontinuierlichen, unterbrechungsfreien Betrieb ausgelegt und können Lasten nicht beliebig verschieben, ohne Servicequalität oder vertragliche Verpflichtungen zu gefährden“.

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