Interne Datenschutzvorschriften nach der DSGVO genehmigt

Equinix kauft Bare-Metal-Cloud-Anbieter Packet

| Autor: Ulrike Ostler

Mit Packet bekommen Equinix-Kunden viele Hardware- und mit dem DSVGO-Zertikikat viele Business-Optionen.
Mit Packet bekommen Equinix-Kunden viele Hardware- und mit dem DSVGO-Zertikikat viele Business-Optionen. (Bild: Annalise Batista auf Pixabay)

Das New Yorker Startup Packet kann Cloud-Infrastrukturen mit mehr kundenspezifische Hardwarekonfigurationen anbieten, als die gängigen Infrastrukturanbieter wie AWS und Azure. Mit dem Aufkauf ändert Co-Location-Anbieter Equinix sein Geschäftsmodell. Zudem sind die verbindlichen internen Datenschutzvorschriften des Unternehmens nun nach der DSGVO genehmigt.

Laut Gartner entwickeln sich alle Firmen zu digitalen Unternehmen. Dabei gehe es um die Schaffung neuer Geschäftskonzepte durch die Verschmelzung der digitalen und physischen Welt, die Schaffung neuer Möglichkeiten und Werte durch dynamische und vorübergehende Interaktionen zwischen Menschen, Unternehmen und Dingen, so Susan Nash, Senior Vice President, Strategische Allianzen bei VMware.

Sie setzt hinzu: „Cloud Computing hat Größe, Innovation, Verbindung und Flexibilität im Backend ermöglicht, aber Edge Computing wird das Cloud Computing ergänzen, indem es mehr Echtzeitwert, immersivere Interaktionen, mehr Datenproduktion und mehr Intelligenz im Frontend bietet - näher am Ort, wo Menschen und Dinge existieren.“

Equinix beabsichtigt, das Packet-Portfolio zu nutzen, um die Entwicklung und Bereitstellung seiner miteinander verbundenen Edge-Services zu beschleunigen. Interconnection und Bare-Metal soll es Kunden auf globaler Ebene ermöglichen, digitale Infrastrukturen innerhalb von Minuten zu implementieren. Immerhin kann der Anbieter mit einer globalen Präsenz von mehr als 200 Rechenzentren beziehungsweise „International Business Exchange“ (IBX) protzen, da er damit den höchsten Anteil an den öffentlichen Cloud-Zugängen bietet und die physisch sowie virtuell am stärksten vernetzten Ökosysteme.

Die Packet-Möglichkeiten

So sagt Kevin Ichhpurani, Corporate Vice President, Globales Ökosystem bei Google Cloud: „Wir glauben an die Wahlmöglichkeiten unserer Kunden und unterstützen sie nachdrücklich bei der Auswahl der richtigen Computerumgebung, die den Anforderungen ihres Unternehmens entspricht. Durch die Hinzufügung von Packet Bare Metal wird Equinix seinen Kunden noch mehr Auswahlmöglichkeiten bieten, ihre digitalen Transformationen beschleunigen und gleichzeitig Arbeitslasten nahtlos von der Vor-Ort-Umgebung in die Cloud mit Hilfe von Technologien wie ´Google Anthos` verbinden.“

Im Vergleich mit den Möglichkeiten die Packet biete, muteten die Angebote der Public-Cloud-Anbieter wie Maßanzüge und Standdard-Konfektion, heißt es von Packet. Die Kunden könnten mithilfe von Packet Server mit Intel, ARM, AMD und mit Nvidia-GPUs in beliebigen Konfigurationen erhalten. Zudem sei Bare Metal ein wichtiges grundlegendes Element, das es Kunden ermögliche, verteilte, hybride Multi-Cloud-Infrastrukturen nach Bedarf zu implementieren, fügt Aufkäufer Equinix hinzu.

Die proprietäre Technologie von Packet, die sich als führend in der Bare-Metal-Automatisierung erwiesen habe, automatisiert physische Server und Netzwerke ohne den Einsatz von Virtualisierung oder Multitenancy. Obwohl proprietär zeigt sich auch Dan Kohn, Geschäftsführer der Open-Source-Organisation Cloud Native Computing Foundation, beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich durch den Deal ergeben: „Packet hat die CNCF seit den ersten Tagen kritisch unterstützt, lange bevor die Projekte, die wir hosten - einschließlich Kubernetes - zum Industriestandard wurden. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren beträchtliche freie Server-Ressourcen zum Community Infrastructure Lab der CNCF beigetragen.“

Angebote für die Edge

Das sei dazu verwendet worden, die Entwicklungsgeschwindigkeit sowohl für die von der CNCF gehosteten Projekte als auch für andere Cloud-Native, Open-Source-Projekte, erheblich zu erhöhen. Auf der „KubeCon + CloudNativeCon“ in San Diego, November 2019, ist Equinix der CNCF als Goldmitglied bei, um, so Kohn, ihre Unterstützung für die Einführung der nativen Cloud-Technologien zu demonstrieren.

Konkret beabsichtigt Equinix durch die Übernahme von Packet wichtige und neue On-Demand-Bereitstellungsalternativen hinzufügen, insbesondere latenzarme Services an der Edge für Unternehmen und Service Provider. Dazu stehen die Alternativen selbst zu entwickeln und zu implementieren, entweder durch die Wahl eigener physischer Implementierungen oder durch die Nutzung des kombinierten Angebots, das den As-a-Service-Verbrauch nutzt, um den CAPEX und den Ressourcenbedarf zu reduzieren.

Neben dem als „entwicklerfreundlich“ bezeichneten Produkt, spielen dabei der Packet-Expertenpool, das lebendige Ökosystem von Software-Anbietern auf der Management-Ebene und der Kundenstamm eine große Rolle, der das Produkt heute für Live-Workloads nutzt. Equinix werde zudem eigene Produktentwicklungs- und Management-Kapazitäten um wichtige neue Fähigkeiten und Ressourcen erweitern.

Wie geht es weiter?

In einem Blog-Post, in dem der Deal angekündigt wurde, hat Zachary Smith, der Packet-Mitbegründer und -CEO den Kunden, die sich über den Eigentümerwechsel Sorgen machen könnten, mitgeteilt: „Wenn die Transaktion später in diesem Quartal abgeschlossen ist, wird Packet wie bisher weiterarbeiten: dasselbe Team, dieselbe Plattform, dieselbe Vision.“

Die Übernahme von Packet soll innerhalb des ersten Quartals im Equinix-Geschäftsjahr 2020 abgeschlossen sein. Der Kaufpreis bleibt ungenannt.

Equinix erreicht Zertifizierung verbindlicher interner Datenschutzvorschriften

Equinix hat nach nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen seine verbindlichen internen Datenschutzvorschriften nach der neuen DSGVO genehmigen lassen. Das Unternehmen hat den umfassenden Genehmigungsprozess die so genannten Binding Corporate Rules (BCR) durch die Regulierungsbehörden der Europäischen Union (EU) abgeschlossen. Verantwortlich dafür ist der Europäischen Datenschutzausschuss (EDPB), der im Rahmen der DSGVO gegründet wurde und sich aus Vertretern aller 27 Mitgliedstaaten zusammensetzt.

Die BCR ermöglichen es multinationalen Unternehmen, personenbezogene Daten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an ihre Niederlassungen außerhalb des EWR zu übermitteln und dabei die höchsten Standards einzuhalten, wie sie von den EU-Regulierungsbehörden gefordert werden. BCR-Konformität stellt sicher, dass die personenbezogenen Daten, die Equinix für den Betrieb seines globalen Unternehmens und die Unterstützung seiner globalen Kundenbasis benötigt, gemäß der DSGVO verarbeitet werden. Um diese Zertifizierung zu erhalten, ist es notwendig, Sicherheitsparameter für die Erhebung, Verarbeitung und Speicherung personenbezogener Daten unter Beweis zu stellen, die zur Erbringung von Dienstleistungen für Kunden auf seiner globalen Plattform angewandt werden.

Der Prozess zur Genehmigung der BCR durch das Information Commissioner‘s Office (ICO) als federführende Datenschutzbehörde in Großbritannien wurde vor dem Hintergrund der Unwägbarkeiten bezüglich des Brexit und der komplexen Fragestellung durchgeführt, da sich ein möglicher „No Deal“-Brexit auf die Rolle des ICO und den aktuellen BCR-Antrag auswirken könnte.

Wie und Warum?

Die BCR-Zertifizierung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Regierungen auf der ganzen Welt Datenschutzbestimmungen nach dem Vorbild der DSGVO prüfen und umsetzen, wie an Unternehmensstandorten von Equinix in Kalifornien und Brasilien. Das ist für die Equinix-Kundschaft nicht unerheblich, sind doch 86 Prozent in mehreren Märkten aktiv und 73 Prozent in mehr als einer Region tätig.

Eine von Equinix in Auftrag gegebene unabhängige Umfrage unter mehr als 2.450 IT-Entscheidern weltweit unterstreicht die daraus resultierende Notwendigkeit einer verstärkten Datenregulierung. 69 Prozent der IT-Entscheider weltweit haben die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen als höchste Priorität für ihr Unternehmen eingestuft, während 43 Prozent der IT-Entscheider weltweit, Änderungen von regulatorischen Datenschutzanforderungen als Bedrohung für ihr Unternehmen betrachten.

In der Vergangenheit hatte Equinix die EU-Musterklauseln in seinen Unternehmensverträgen verwendet, um Datenübermittlungen aus der EU zu erleichtern. Die BCR stellen jedoch einen zusätzlichen „Goldstandard“ dar, indem sie angemessene Garantien bieten, um konzerninterne Datenübertragungen unter Einhaltung betrieblicher Anforderungen zu ermöglichen und grenzüberschreitende Datenströme zu erleichtern, die heute für eine globale Unternehmensführung erforderlich sind.

Die BCR von Equinix beziehen sich auf personenbezogene Daten, die von juristischen Personen von Equinix in der EU weltweit übermittelt werden, einschließlich Mitarbeiter- und Geschäftskontaktinformationen, wie Kunden-, Partner-, Lieferanten- und Händlerinformationen.

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