An den öffentlichen Netzen vorbei

Was ist Interconnection?

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Internet im Abseits - Interconnection ist die Zukunft.
Internet im Abseits - Interconnection ist die Zukunft. (Bild: © djama - stock.adob.com)

Bislang wurde die Datenkommunikation zwischen Unternehmen hauptsächlich über das öffentliche Internet hergestellt. Doch das ändert sich. Interconnection entwickelt sich zum neuen Paradigma der Kommunikation - zwischen Unternehmen, Rechenzentren, Clouds und zwischen „Dingen“.

Interconnection ist, so schreibt es Equinix auf seiner Website, der private Datenaustausch zwischen Unternehmen. Dieser wächst im Moment rasant – im Durchschnitt laut dem aktuellen „Global Interconnection Index“ des Co-Location-Provider, um 48 Prozent bis 2021 im jährlichen Durchschnitt.

Prognosen aus dem Jahr 2018
Prognosen aus dem Jahr 2018 (Bild: Equinix - Global Interconnection Index)

Was genau bedeutet aber Interconnection? Manchmal besteht sie auch heute noch darin, dass lange Kabel zwischen den kommunikationswilligen Unternehmen gezogen oder zu meist sehr hohen Preisen von Providern angemietet werden. Doch dazu gibt es Alternativen.

Die haben wiederum mit der Cloud und der regen Nutzung von Co-Location-Angeboten zu tun. Denn was ist einfacher, als die Ressourcen von Unternehmen A beim Kolokateur X sozusagen auf dem kurzen Dienstweg mit den Ressourcen von Unternehmen B, ebenfalls beim Co-Locator X, zu verbinden?

Relativ einfache Realisierbarkeit

Dazu braucht man nicht viel. Erstens entsprechendes Equipment in den Schränken der beiden Unternehmen beim Co-Locator. Zweitens Glasfaser- oder Kupferkabel, das an das Equipment in den beiden Schränken angeschlossen wird. Drittens Software, die die Übertragung steuert. Und viertens Sicherungsmaßnahmen, die dafür sorgen, dass dieses Kabel oder dieser logische Übertragungsweg (bei mehreren Nutzern pro Kabel) nur denen zugänglich ist, die auch darauf zugreifen dürfen.

Natürlich ist es auch möglich, Daten am Interconnection-Punkt oder -Hub in das eventuell vorhandene eigene Netz des Co-Location-Providers einzuspeisen. Dann kann man die Daten über dessen Netz in ein anderes Co-Location-Rechenzentrum überspielen. Dort lassen sie sich auf die Rechen- oder Speicherressourcen des oder der Kommunikationspartner zu übergeben, die dort repräsentiert sind.

Die Grafiken verdeutlichen die Zunahme von Interconnection in den Rechenzentren auf dem Frankfurter Campus von Interxion von 2011 bis 2017: Die Zahl der Unternehmen, die sich direkt (gleich vor Ort) miteinander und mit den Cloud-Hyperscaler verbinden, wächst. 2011 waren noch einzelne Verbindunggsstränge voneinander unterscheidbar.
Die Grafiken verdeutlichen die Zunahme von Interconnection in den Rechenzentren auf dem Frankfurter Campus von Interxion von 2011 bis 2017: Die Zahl der Unternehmen, die sich direkt (gleich vor Ort) miteinander und mit den Cloud-Hyperscaler verbinden, wächst. 2011 waren noch einzelne Verbindunggsstränge voneinander unterscheidbar. (Bild: Interxion)

Die Vorteile von Interconnection

Interconnection hat unbestreitbare Vorteile: Es sind sehr große Bandbreiten realisierbar – schließlich ist es sehr viel einfacher, ausreichend viele Glasfaserstränge „über den Flur“ zu verlegen als, sagen wir mal, über den Atlantik. Die Verzögerung bei der Interconnection-Datenübertragung auf einem Campus ist mehr oder weniger gleich null.

Echtzeitübertragung ist aber die Basis vieler Anwendungen, von denen IoT-Protagonisten träumen. Andere Applikationen kommen aus dem Medien- oder dem transaktionsorientierten Bereich, beispielsweise Banking.

Damit nicht genug: Co-Location-Anbieter betreiben in der Regel ein sehr professionelles Sicherheits-Management. Dadurch sinkt das Risiko, dem die Daten beim Transport ausgesetzt werden. Und auch im Web jederzeit mögliche Bandbreitenengpässe werden durch dieses Verfahren umgangen.

Interconnection ermöglicht es Unternehmen, wesentlich einfacher als bislang Multipoint-Connectivity, also kurze und direkte Verbindungen zu ihrem gesamten geschäftlichen Ökosystem zu nutzen.
Interconnection ermöglicht es Unternehmen, wesentlich einfacher als bislang Multipoint-Connectivity, also kurze und direkte Verbindungen zu ihrem gesamten geschäftlichen Ökosystem zu nutzen. (Bild: Equinix)

Zudem geht plötzlich einiges, was aus datenschutzrechtlichen Gründen ohne Interconnection schwierig zu realisieren wäre. Beispiel Big-Data-Datenanalysen: Viele Daten dürfen, um den Schutzanforderungen des Gesetzes zu genügen, den Einflussbereich des Unternehmens, das sie gesammelt hat, nicht verlassen. Andererseits gibt es günstige Analytik-Services in der Cloud.

Die Lösung: Das Unternehmen, dessen Daten analysiert werden sollen, mietet eine Fläche direkt neben der analytischen Cloud-Lösung an. Es transportiert die Daten über einen Personal Network Interconnect dorthin. Dann lässt es analytische Algorithmen arbeiten. Schließlich transferiert es die Daten samt den Analyse-Ergebnissen über dieselben Kabel sofort wieder auf die eigene Infrastruktur.

Peers unter Druck

In Gefahr geraten durch die zunehmende Lust an Interconnection vor allem die Peering-Anbieter. Diese Unternehmen verdienen ihr Geld dadurch, dass sie Endkunden gegen Entgelt ans Internet anschließen. Mit anderen Peering-Unternehmen vereinbaren sie den wechselseitigen Zugang zu den vorhandenen Netzressourcen.

Ein Peer wird umso attraktiver, desto mehr solche Peering-Vereinbarungen er mit anderen Peers unterhält. Doch wer seine Daten über Interconnection an sein geschäftliches Ökosystem überträgt, braucht kein Peering.

Die Folge: Den Unternehmen mit reinem Peering-Modell bleiben vor allem wenig gewinnträchtige Privatkunden. Denn diesen steht die Möglichkeit der Interconnection nicht ohne Weiteres offen. Schließlich betreiben nur die wenigsten von ihnen Server-Schränke bei Co-Locator.

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