Software-Ausblick: Serverless, Funktionen und Unikernels

Was kommt nach den Containern?

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

Wir blicken in die nahe Zukunft: Was folgt in der Rechenzentrums-IT auf Container?
Wir blicken in die nahe Zukunft: Was folgt in der Rechenzentrums-IT auf Container? (Bild: gemeinfrei, geralt/Pixabay / CC0)

Bei der Suche nach weiteren Einsparungspotentialen – gerne als Effizienzsteigerung verkauft – haben sich die Betreiber von Rechenzentren nun der Software zugewandt. Microservices und Container schicken sich nämlich an, das Versprechen der Virtualisierung wahr zu machen und Server maximal auszulasten. Wir blicken eine Runde weiter: Wo führt das hin, was folgt auf Container?

Aus Microservices zusammengesetzte Container sind eine Technologie, die sich aktuell fast ausschließlich in Rechenzentren von Enterprise-Kunden finden. Sie dient zuallererst der leichteren Portierbarkeit von Anwendungen in Multicloud-Umgebungen, sorgen aber auch für eine höhere Auslastung von Server-Racks – wodurch unterm Strich einige Server eingespart und nicht mit Strom versorgt werden müssen.

Die Entwicklergemeinde dahinter ist jung, dynamisch und auf der rastlosen Suche nach Wegen, um die Effizienz noch weiter zu steigern. Wir haben uns bei Betreibern und Entwicklern umgehört, was für sie der nächste logische Software-Schritt ist.

Funktionen statt Container

„Das nächste große Ding nach Container ist Serverless“, kommt es wie aus der Pistole geschossen vom CTO von Suse, Dr. Thomas Di Giacomo. „Serverless im Sinne von Funktionen, die einen noch kleineren Fußabdruck hinterlassen als Microservices.

Denn Serverless tritt noch schmaler auf als Microservices, weil die Funktionen weder ein Betriebssystem wie bei Virtuellen Maschinen, noch Code, Laufzeit, Systemwerkzeuge, Systembibliotheken und Einstellungen wie bei Microservices benötigen. Für Serverless sind weder Funktionsaufrufe noch Container noch Maschinen erforderlich.

Die Funktionen selbst sind, wie der Oracle-Entwicklungschef Chad Arimura es unlängst auf DataCenter-Insider formulierte, „Codeblöcke, idealerweise klein und zweckbestimmt“. Sie werden über eine Functions-as-a-Service (FaaS)-Plattform koordiniert und terminiert, Beispiele dafür wären AWS Lambda, Azure Functions oder Google Cloud Functions, aus der Open-Source-Ecke kommen Frameworks wie das Fn-Flow-Projekt von Oracle, OpenWhisk oder OpenFaas.

Arimura spricht von „Serverless“ als das „das nächste SOA-Ding“ (SOA = Service Oriented Architecture). Der SOA-Hype der 0er-Jahre dürfte Brancheninsidern noch in (un)guter Erinnerung sein.

Serverless

Auch Jürgen Hoffmann, Teamleiter von Multi-Cloud-Entwicklern bei Pivotal, zeigt sich überzeugt, „dass wir in drei Jahren viel über Serverless sprechen werden.“ Serverless befreie die Funktion von der Anwendung – das komme Anwendern gerade beim Internet der Dinge (Internet of Things; IoT) zugute.

Ein typisches Einsatzszenario aus der Kfz-Branche sähe laut Pivotal so aus: Sensoren und Echtzeitanalysen informieren Mechaniker über Defekte und erforderliche Wartungsarbeiten. Vorausschauende Analysen sagen den Zielort voraus, berechnen den Kraftstoffverbrauch beziehungsweise den Aktionsradius elektrischer Fahrzeuge und lotsen sie im Bedarfsfall zur nächsten Tankstelle oder Ladestation.

„Durch Serverless kann ich auf einen Event im IoT flexibel reagieren, weil die Funktion dafür zwar laufen, aber keine Ressourcen verbrauchen, und somit immer bereitsteht. Im Falle von sehr vielen Sensoren, etwa in Autos auf der Straße, müssen Sie die horizontal skalieren, etwa durch Plattformen wie Google Cloud Functions - aktuell als Betas einsehbar -, eine ereignisgesteuerte Server-lose Computing-Plattform. Diese sorgt dafür, dass die Funktionen nicht nur im Rechenzentrum laufen, sondern durch Cloud-Busting auf Cloud-Level vor Ort gebracht werden können. Wir selbst können mit unserer Cloud-nativen Plattform sowohl Anwendungen, als auch Container und Funktionen beliebig verschieben.“

Unikernels

Chip Childers, Mitbegründer und aktueller CTO der Cloud Foundry Foundation, sieht Unikernels als den nächsten logischen Schritt nach Containern. „Container erhöhen die Auslastung von Servern, weil sie weniger OS benötigen. Diese Entwicklung wird von Unikernels auf die Spitze getrieben.“

Denn bei Unikernels würden nur die Funktionen geladen, die für eine Anwendung benötigt werden. Die Applikation werde dadurch buchstäblich bis auf den nackten Kern ausgezogen und lasse sich als ‚Image‘ auf einem Hypervisor oder direkt auf der Hardware ausführen, so Childers,

Heute: Diskussionen auf dem DataCenter Day

Container, Serverless und Unikernels stehen auch auf dem heutigen DataCenter Day in Würzburg auf dem Programm; denn das diesjährige Motto »IT-Strategy drives Infrastructure« greift die gerade abgehandelte Frage direkt auf und spiegelt die Dynamik auf den Rechenzentrumsmarkts zurück. Der Fachkongress bringt Rechenzentrums-Betreiber, -Administratoren und -Verantwortliche mit Energie- und System-Managern sowie mit Technologie-Anbietern und Co-Locator zusammen, um sich über die wichtigsten Themen und Entwicklungen auszutauschen.

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