Die wichtige Rolle der Provider

Masters of Hybrid Cloud: Managed Service Provider

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Managed Service Provider sind aktuell schwer nachgefragt.
Managed Service Provider sind aktuell schwer nachgefragt. (Bild: gemeinfrei (Mysticartdesign / pixabay) / Pixabay)

Die Cloud ist heute Commodity. Die Technologie hat sich etabliert, ist aber durchaus herausfordernd. Service Provider spielen daher eine entscheidende Rolle.

Alleine in diesem Jahr wird der weltweite Markt für Public Cloud-Services rund 206,2 Milliarden Dollar ausmachen, so Gartner. Vergangenes Jahr waren es 175,8 Milliarden Dollar. Andere Analystenhäuser weisen sogar noch deutlich höhere Zahlen aus, klar aber ist: Das Wachstum wird vorrangig durch Multicloud- und Hybrid Cloud-Projekte befeuert.

Denn der nächste logische Schritt im Cloud Computing ist natürlich der Einsatz mehrerer Cloud Computing-Angebote. Vorausgesetzt, der Anwender ist dem berüchtigten Vendor- oder Cloud-Lock-in entgangen, der es ihm schwer macht, seine Daten, Workloads und Anwendungen aus einer Umgebung in die Cloud eines oder mehrerer anderer Anbieter zu verlagern, kann er die Vorzüge gleich mehrerer Clouds genießen.

Multicloud versus Hybrid Cloud

Wann aber spricht man von Multicloud, wann von Hybrid Cloud? Die verschiedenen Analystenhäuser definieren hier nicht einheitlich. Multicloud wird gerne als die Nutzung der Cloud-Services-Angebote unterschiedlicher externer Cloud Provider begriffen, oder als eine Nutzung verschiedener Cloud-Deployment-Modelle, d. h. Public und Private Cloud oder bei Bedarf die Bereitstellung von Infrastruktur-Kapazitäten aus einem definierten Private Cloud Pool in einen Public Cloud Pool.

Was ist eine Multi-Cloud und was ist eine Hybrid-Cloud?

Der feine Unterschied

Was ist eine Multi-Cloud und was ist eine Hybrid-Cloud?

18.09.18 - Die Begriffe Multi-Cloud und Hybrid-Cloud werden häufig synonym verwendet oder miteinander verwechselt. Während eine Hybrid-Cloud immer aus unterschiedlichen Cloud-Typen (Public und Private) besteht, handelt es bei einer Multi-Cloud immer mehr als eine Cloud-Implementierung des gleichen Typs (Public oder Private) von verschiedenen Anbietern, gegebenenfalls im Zusammenspiel mit Implemtierungen von Hybrid-Clouds. lesen

In der Regel gilt: Das Konzept der Multicloud sieht vor, dass mehrere Clouds zum Einsatz kommen, wobei jede Cloud genau eine Aufgabe übernimmt. Die Multicloud wird oft als Zwischenschritt hin zu einer Hybrid Cloud betrachtet.

Bei diesem Konzept werden ebenfalls mehrerer Clouds genutzt, die Funktionen der Clouds aber geteilt. In einer gut aufeinander abgestimmten, interoperablen Konfiguration lassen sich die Vorteile der unterschiedlichen Cloud Delivery Modelle nutzen– von Private Clouds, überwiegend On-Premise, bis hin zu externen Clouds, meist Public.

Die Begriffsdiskussion wird stellenweise sehr spitzfindig geführt, man könnte hier noch eine ganze Reihe an Definitionen verschiedener Analystenhäuser und Anbieter anführen, die sich nur um Nuancen unterscheiden. „Die ausgiebigen Diskussionen rund um die Unterschiede haben letztlich nur akademischen Charakter.

Aus Anwendersicht steht fest: Cloud ist Cloud. Die Herausforderungen sind vergleichbar, ob nun eine Hybrid oder Multicloud zum Einsatz kommt. Sie betreffen hauptsächlich das Thema Management“, fasst Matthias Pfützner, Senior Solution Architect, Account & Cloud – DACH bei Red Hat, den Stand der Diskussion zusammen.

Unzulängliche Cloud-Angebote fördern die Multicloud

Um es einfach zu machen: Die gebräuchlichste Variante der Multicloud ist die Erweiterung der bestehenden Umgebung um zusätzliche externe Rechen- und Speicherressourcen. Ob dies die eingangs erwähnten „echten“ Public Cloud-Ressourcen oder zusätzliche „Private Hosted“-Ressourcen sind, hängt vom Modell ab, das der IT-Leiter gewählt hat. Die Private Cloud ist in der Regel immer auf die Grundlast ausgelegt, zusätzlicher Bedarf - zuallererst ist hier an saisonale Lastspitzen oder gelegentliche Big Data-Analysen zu nennen - wird flexibel hinzu gebucht.

Managed Hosting verspricht kalkulierbare Kosten und garantierte Verfügbarkeit

Was ist Managed Hosting?

Managed Hosting verspricht kalkulierbare Kosten und garantierte Verfügbarkeit

12.06.17 - Managed Hosting bedeutet prinzipiell nichts anderes als die Bereitstellung standardisierter oder auch individuell maßgeschneiderter IT-Ressourcen - mit dem Unterschied, dass der Anwender dazu keine eigene technische Infrastruktur benötigt. lesen

„Das wahre Gesicht der Multicloud ist keineswegs ein Mix aus mehreren Public Cloud Infrastruktur-Plattformen, sondern eher ein Operations- und Orchestrierungsmodell zahlreicher unterschiedlicher IT-Deployment-Modelle“ fasst Maximilian Hille von Crisp Research seine Untersuchungsergebnisse in diesem Bereich zusammen.

Um detaillierte Einblicke in die Multicloud zu erhalten, hat auch IDC im August 2018 in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 200 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Alle befragten Unternehmen haben sich umfassend mit Cloud Services und Cloud-Technologie beschäftigt: Multiclouds befinden sich demnach noch immer in einer frühen Marktphase, aktuell nutzen derzeit gerade einmal 15 Prozent der Befragten eine Multicloud. Dies wird sich aber bis 2020 deutlich wandeln, denn 60 Prozent der befragten Unternehmen planten im vorgenannten Zeitfenster Multiclouds produktiv zu nutzen.

Der eigentliche Grund für die Nutzung mehrerer (Cloud)-Umgebungen ist eigentlich ein trauriger: „Keine einzige Cloud-Plattform erfüllt alle Workload-Anforderungen eines Unternehmens“, so Forrester Consulting in seiner Studie „Multicloud Arises from Changing Cloud Priorities“ aus dem vergangenen Jahr.

Komplexität und unklare Prozesse

Unternehmen sind also in der Regel zu einem gewissen Zeitpunkt gezwungen, mehrere Clouds anzuzapfen. Die so entstehende Komplexität ist eine große Herausforderung. Der Knackpunkt ist ganz offensichtlich das Managen der vielfältigen Prozesse, wie Matthias Zacher, Manager Research & Consulting und Projektleiter bei IDC, herausfand. „Dabei geht es um die passenden Betriebsmodelle, ausreichende Sicherheit und Compliance, Kostentransparenz, die Nutzerverwaltung und eine effiziente Orchestrierung von Cloud Services“, so der Analyst. Da Multiclouds ein noch junges Thema seien, kämen neben vielen Fragen bei der Um- und Neugestaltung der IT-Organisation, der Technologie, der Architektur und von Prozessen auch und gerade Herausforderungen bei der effizienten Steuerung unterschiedlicher Cloud-Provider und Cloud Services auf die Anwender zu.

„Viele Entscheider befinden sich gerade in einer herausfordernden Situation. Einerseits betrachten sie Multiclouds als den aktuell vielversprechendsten Ansatz für die Optimierung der erforderlichen IT-Ressourcen und IT-Infrastrukturen und erkennen die Vorteile, die das Konzept für die effiziente Steuerung unterschiedlicher Cloud-Provider und Cloud-Services mit sich bringt. Andererseits fehlen vielerorts schlichtweg Erfahrungen auf Organisations-, Technologie-, Architektur und Prozessebene für eine umfassende und strukturierte Transition zur Multicloud“, so Zacher.

Dabei geht es um Themen wie automatisches Provisioning, Orchestrierung und Automation, Workload-Balancing, Ressourcen-Optimierung oder Kapazitäts- und Lifecycle-Management, Service Request Management, Governance und Policy, Monitoring und Metering sowie Multi-Cloud-Brokering. Cloud-Management-Plattformen (CMP) versprechen Anwendern, heterogene Private-, Public-, Hybrid- und auch Multi-Cloud-Umgebungen unter Kontrolle zu halten. Laut dem Analystenhaus Gartner teilen sich diesen Markt etwa 20 verschiedene Anbieter.

Die CMP-Anwendung „Cloudforms“ von Red Hat ist eine der bekanntesten in diesem Bereich, IBM, das Red Hat kürzlich übernommen hat, hat selbst den IBM Multicloud-Manager im Programm, der auf der „IBM Cloud Private“-Plattform läuft, die wiederum auf der „Kubernetes“ Container-Orchestrierung basiert. Generell ist ein quasi natürlicher Übergang von den Cloud Management Plattformen hin zu Container Management Plattformen festzustellen, einfach weil sich Container weitgehend als „Transportmittel“ zwischen Clouds durchgesetzt haben – ausführlich wird diese Entwicklung im dritten Teil dieser kleinen Reihe betrachtet.

Andere Cloud Management Plattformen stammen beispielsweise von Ipswitch, Scalr, Pivotal, Rightscale/Flexera, Morpheus oder Embotics, um nur einige zu nennen. Ovum hat in seinem „Multicloud and Hybrid Cloud Management, 2018–19“-Report DXC, Micro Focus, Oracle und VMware zu Marktführern im Bereich Multicloud Management ernannt, CA Technologies, Cisco, IBM, Microsoft, Platform9 und Red Hat setzten aber ebenfalls zum Sprung an die Spitze an.

Für die Bedienung dieser großen Tools ist aber Erfahrung nötig – nicht nur mit den verschiedenen Management-Plattformen, sondern auch mit den stetig wachsenden Angeboten der Cloud-Provider aller Couleur.

Managed Service Provider

Woher aber die Erfahrung nehmen? Alleine AWS hat im vergangenen Jahr rund 1.400 neue Services veröffentlicht. Dabei den Überblick zu behalten können nur erfahrene Spezialisten leisten. Sie müssen die Angebote der Cloud-Anbieter bis ins Detail kennen und diese mit den Anforderungen und Geschäftsprozessen der Anwender in Einklang bringen. Das können die Unternehmen nicht allein stemmen, Managed Service-Anbieter sind hier schwer nachgefragt.

Provider verwalten Cloud-Systeme für Unternehmen

Was ist eine Managed Cloud?

Provider verwalten Cloud-Systeme für Unternehmen

22.09.17 - Managed Cloud nennt sich eine Cloud-Variante, bei der Dienstleister und Outsourcer im Auftrag eines Unternehmens einen Cloud-Service betreiben. Dies erleichtert den Cloud-Betrieb für die Unternehmen, da ein vertrauenswürdiger Dienstleister die Cloud-Instanzen ganz oder teilweise managt. Unternehmen, die sich für die Managed Cloud entscheiden, wollen vielfach die Zahl der eigenen IT-Mitarbeiter reduzieren und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. lesen

Bei einer so genannten „Managed Cloud“ verlässt sich der Kunde auf die Expertise des Anbieters, eigenes Cloud-Knowhow ist nicht erforderlich. Im Falle der Anbieter von Managed Services kommen verschieden ausgeprägte Dienstleister ins Spiel, um die Komplexität im digitalen IT-Betrieb zu reduzieren und zudem die wesentlichen Anforderungen der Unternehmen abzudecken. Die Analysten von Crisp unterscheiden zwischen Managed Public Cloud Provider (MPCP) und Managed Hybrid Cloud Provider (MHCP).

Managed Public Cloud Provider und Managed Hybrid Cloud Provider

Laut der aktuellen Studie „Managed Cloud Innovation” von Crisp übernimmt für über die Hälfte (52 Prozent) der befragten Unternehmen ein Managed Public Cloud Provider/ Managed Service Provider den Betrieb der Public Cloud-Infrastrukturen. 19 Prozent der Unternehmen vertrauen den Betrieb ihrer Cloud-Infrastrukturen sogar mehreren MPCP an.

Crisp nennt als „typische" Managed Public Cloud Provider (MPCP): Reply Group, Nordcloud, Tecracer, Cloudreach, Acentrix, Claranet, Direkt Gruppe, Nexinto, Accenture, IBM, T-Systems, Fritz & Macziol, HPE, Atos, Capgemini, CSC, All for one Steeb, Materna, 7P Group, Process Innovation, Adlon IT, Kreuzwerker, Netlution, ITM, Root360, Beck et al. und Rackspace.

Schwierige Abgrenzung

Die Managed Hybrid Cloud Provider unterscheiden sich von den MPCP durch eigene Infrastrukturen und die Bereitschaft, bestehende Infrastrukturen von Unternehmen – gerne auch deren Private Cloud - mit in die Architektur aufzunehmen. Die Analysten führen folgende Wettbewerber als MHCP auf: Accenture, T-Systems, IBM, DXC, Claranet, Cancom, Plusserver, Rackspace, Dimension Data, Bechtle, QSC, Arvato Systems, All for one Steeb, Atos, Adlon, Materna, Syseleven, BTC, Sysback, Datagroup, MT AG, Capgemini, Computacenter, Axians, Seven Principles, Akquinet, Comparex und Allgeier.

Als Kernkompetenz eines Providers spielt laut Crisp bei Unternehmen vorrangig der Betrieb hybrider IT-Cloud-Umgebungen eine wichtige Rolle (48 Prozent). Auch zählen Spezialwissen und die Erfahrung in Sachen IT-Integration (44 Prozent) zu den gefragtesten Eigenschaften eines Providers. Denn an dieser Stelle sind die MPCP im Vorteil, da ihre Mitarbeiter sämtliche Trainings- und Zertifizierungsprogramme durchlaufen und somit Experten auf einem speziellen Umfeld sind.

Auch was das Know-how und den Anforderungsbereich hinsichtlich neuartiger Themen wie Cloud-Orchestration, Internet of Things oder Container angeht, muss der MPCP Qualifikationen vorweisen können. Diese Themen werden wir im dritten und abschließenden Beitrag dieser kleinen Reihe eingehend beleuchten.

Beide Kategorien von Providern sind jedoch laut dem Crisp Vendor Universe Report 2018 breit aufgestellt und verfügen in der Regel über eine regionale Präsenz. „Historisch gesehen wurden die beiden Dienstleisterkategorien nicht nur in einem Atemzug genannt, sondern auch sehr stark vermengt. Die Schnittmenge der geforderten Kompetenzen ist grundsätzlich auch tatsächlich relativ hoch. So müssen auch reine Public Cloud-Architekturen Schnittstellen und Integrationen in Bestandssysteme vornehmen und in Hybrid Cloud-Architekturen sind Public Cloud-Infrastrukturen ein zentrales Element“, so Maximilian Hille von Crisp.

Dennoch sollen sich die Dienstleister in der Praxis stark voneinander unterscheiden. Den Markt der Managed Public Cloud Provider prägen die jüngeren und kleineren Service-Anbieter, die mit zahlreichen Cloud-Partnerschaften und agilen Methoden Cloud-native Projekte vorantreiben. Den Markt der Managed Hybrid Cloud Provider bestimmen hingegen diejenigen Anbieter, die über eine weltweite Delivery-Kompetenz, eigene Rechenzentren und jahrelange Erfahrung verfügen.

Hille geht davon aus, „dass die Unternehmen zukünftig eine Art Generaldienstleister für ihre IT und Hybrid Cloud Operations beauftragen und zusätzlich mehrere Managed Public Cloud Service Provider für kleine und größere Projekte beauftragen, um alle Vorteile der Cloud für ihre Digitalisierungsstrategie und Digital Customer Experience nutzen zu können.“

Neue Techniken nötig

Kommen wir kurz zurück zur Definition von Multicloud und Hybrid Cloud: Eigentlich zeichnet beide aus, dass zwischen den genutzten Clouds eine Infrastruktur eingezogen wurde, die die Portabilität der Workloads vereinfacht. Dafür sind spezielle Techniken nötig – eine Middleware, Virtualisierung, APIs oder – und hier kommen wir zur State oft the Art - Container. Diese und ähnliche Verfahren werden wir, wie nun schon öfter angekündigt, im fünften Beitrag dieser kleinen Reihe näher betrachten.

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