Was ist eine Managed Cloud?

Provider verwalten Cloud-Systeme für Unternehmen

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Ulrike Ostler

Was ist eine Managed Cloud? Viele Infrastrukturanbieter und Outsourcer entdecken das Geschäft für sich. Sie adressieren mit dem Service Kunden, denen der Umgang mit einer oder vielen Clouds zu kompliziert wird.
Was ist eine Managed Cloud? Viele Infrastrukturanbieter und Outsourcer entdecken das Geschäft für sich. Sie adressieren mit dem Service Kunden, denen der Umgang mit einer oder vielen Clouds zu kompliziert wird. (Bild: © djama - stock.adob.com)

Managed Cloud nennt sich eine Cloud-Variante, bei der Dienstleister und Outsourcer im Auftrag eines Unternehmens einen Cloud-Service betreiben. Dies erleichtert den Cloud-Betrieb für die Unternehmen, da ein vertrauenswürdiger Dienstleister die Cloud-Instanzen ganz oder teilweise managt. Unternehmen, die sich für die Managed Cloud entscheiden, wollen vielfach die Zahl der eigenen IT-Mitarbeiter reduzieren und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Reduzierte Personalkosten sind nur ein Grund für die Managed Cloud: „Eine hohe Komplexität in der Nutzbarkeit - Stichwort: Cloud-Wissen - und eine bislang unklare Kommunikation der Verantwortlichkeiten – Stichwort: Self-Service/Shared-Responsibility - sorgen für Verwirrung und beeinträchtigen die Public Cloud Adaption“, erläutert René Büst, Director Market Research and Technology Evangelism beim Cloud-Provider Aragon GmbH in einem Blog-Beitrag in seiner damaligen Funktion als Analyst von Crisp Research: „Die weißen Ritter, die sowohl die Situation für die Anbieter als auch die Anwender entschärfen werden, sind die Managed Public Cloud Provider.

Sie entwickeln und betreiben die Systeme, Applikationen und virtuellen Umgebungen ihrer Kunden auf den Public Cloud-Infrastrukturen. Sie gleichen das fehlende Cloud-Wissen der Unternehmen aus und lösen damit das Problem der Shared-Responsibility.“

Zu Beginn des Cloud-Hypes haben überwiegend US-amerikanische Cloud-Anbieter hochstandardisierte Cloud-Services bereitgestellt. IT-affine Start-Ups kamen damit gut zurecht, während etablierte mittelständische Unternehmen sich stattdessen lieber einen modularisierten Baukasten weitgehend betriebsfertiger Cloud-Services wünschten.

Managed Cloud Services treten an, um diese Lücke zu füllen. Sie decken laut Büst ein breites Spektrum der Anforderungen des Mittelstandes ab. Hier stünden den Unternehmen Lösungen zur Verfügung, welche die spezifischen Anforderungen an Compliance, IT-Governance und IT-Sicherheit erfüllen. Hochstandardisierte Public Cloud Angebote seien hierzu nicht in der Lage.

Das sind die Anbieter

In der breit gefächerten Schar der Anbieter von Managed Clouds finden sich sowohl Marktriesen wie IBM, Rackspace, SAP als auch lokale Anbieter wie Arvato Systems, Adacor Hosting, Bechtle, BT Germany, Claranet, Concat, DTS-Systeme, Nexinto GmbH, Host Europe, Pironet Scaleup Technologies oder die Telekom-Tochter T-Systems.

Wegen der im kommenden Europäischen Datenschutz Grundverordnung müssen Unternehmen künftig verstärkt auf Datenschutz und Datensicherheit achten. In den Fokus geraten dabei Aspekte wie etwa die Speicherung der Daten und Deutschland, und Verträge nach deutschem Recht, die lokale Anbieter besonders gut abdecken. US-amerikanische Anbieter haben darauf reagiert, indem sie Partnerschaften mit deutschen Anbietern geschlossen haben, und versprechen nun Ansprechpartner vor Ort.

Besonders klar wird der Begriff der Managed Cloud in der Abgrenzung zu einigen anderen Cloud-Varianten.

  • Unmanaged Cloud: Hierbei mieten Unternehmen den Zugang zu IT-Infrastruktur über das Internet. Sie kümmern sich selbst um diese Infrastruktur und auch um die IT-Systeme, die auf den Cloud-Servern laufen. Im Gegenzug bezahlen Sie niedrigere Preise als bei einer Managed Cloud.
  • Multiple Cloud: Hierbei mieten Unternehmen IT-Infrastruktur von mehreren Providern und bezahlen einen weiteren Provider dafür, dass er diese Infrastruktur managt. Bei diesem Ansatz können nach Einschätzung von Marktbeobachtern zwar die Kosten für die Miete der Infrastruktur sinken, aber es steigen im Gegenzug die Kosten für Management und Support.
  • Outsourcing: diese klassische Form, den Betrieb von IT-Systemen zu Providern wie CSC, HP oder IBM zu verlagern, hatte ihren Höhepunkt vor rund 20 Jahren. Die Software kann dabei ebenso stark individualisiert werden wie beim Inhouse-Betrieb. Der Standardisierungsgrad fällt im Gegenzug eher gering aus, aus diesem Grund stellen sich auch geringere Skaleneffeke ein. Kritikpunkte an dieser Art des Auslagerns sind die vergleichsweise hohen Preise und die oftmals langsamen Reaktionen der Provider, wenn es darum ging, ein System zu großen Teilen neu aufzustellen.

Ebenfalls zu unterscheiden von der Managed Cloud ist der Begriff des Managed Hosting. Bei diesem Modell der IT-Bereitstellung vermietet ein Provider dezidierte Server und die dazugehörige Software an einen einzelnen Kunden. Die Hardware verbleibt in den Anlagen des Providers und wird auch von diesem gewartet. Der Kunde agiert mit dem gemieteten System über ein Web-Interface.

Eine Mischform mehrerer Cloud-Varianten bietet T-Systems unter der Bezeichnung „Managed Private/Hybrid Cloud“ an. Hierbei geht es die Verknüpfung zweier Produkte: ein Datacenter für virtualisierte Ressourcen beim Kunden vor Ort und ein Virtual Private Data Center beim Cloud-Provider. Da beide Systeme auf der gleichen Technologie basieren, verspricht T-Systems eine sehr enge Abstimmung. Die Unternehmen bekämen sämtliche IT-Systeme und Kommunikationslösungen aus einem Guss und könnten über ein Managed Self Service Portal festlegen, welche Ressource sind in welchem Teil der Cloud betreiben.

* Jürgen Frisch ist freier Journalist und lebt in Stuttgart.

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