BMC sagt ITIL, Orchestrierung und Automatismen

Die Digitalisierung erfordert gut gewartete IT-Systeme

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Ulrike Ostler

Kurzanalyse der 451 Group von BMC Software: „BMC chases new customers with Intelligence analytics service“
Kurzanalyse der 451 Group von BMC Software: „BMC chases new customers with Intelligence analytics service“ (Bild: The 451 Group/Reprint BMC Software)

Stringentes System-Management ist laut BMC bei allen Projekten zur Digitalisierung unabdingbar. Um den aktuellen Markttrends zu begegnen, hat der Anbieter sich selbst und sein Produktportfolio neu aufgestellt.

„Die Digitalisierung findet gerade weltweit in großen Schritten statt. Unternehmen müssen sich an diese Veränderung anpassen, oder sie werden mittelfristig vom Markt verschwinden.“ Mit dieser Warnung eröffnet Paul Appleby, Executive Vice President Worldwide Sales and Marketing bei BMC, vor Kurzem die Konferenz BMC Exchange, auf der in Mainz rund 300 Anwender ihre Erfahrungen zum Thema System-Management austauschen.

„Einen reibungsloser IT-Betrieb mit einer hohen Systemperformanz ist die Grundvoraussetzung für alle Vorhaben der Digitalisierung“, hält Paul Appleby, Executive Vice Vice President Worldwide Sales and Marketing bei BMC, fest.
„Einen reibungsloser IT-Betrieb mit einer hohen Systemperformanz ist die Grundvoraussetzung für alle Vorhaben der Digitalisierung“, hält Paul Appleby, Executive Vice Vice President Worldwide Sales and Marketing bei BMC, fest. (Bild: BMC Software)

Als abschreckende Beispiele nennt Appleby den Fahrdienst Uber, der die Taxibranche durcheinanderwirbelt, sowie Fintechs, also die Verbindung von Finanzdienstleistungen mit IT-Technologie, die den Banken Kunden streitig macht. Einen reibungslosen IT-Betrieb mit einer hohen Systemperformanz betrachtet Appleby als Grundvoraussetzung für alle Vorhaben der Digitalisierung. Werkzeuge für Systemmanagement würden den Weg dorthin ebnen.

BMC stellt sich in vier Bereichen neu auf

BMC selbst hat vor drei Jahren eine durchgreifende Transformation gestartet, wie Deutschland-Geschäftsführer Ingo Marienfeld berichtet. Ausgangspunkt war der Abschied des Unternehmens von der Börse: „Wir haben das Unternehmen komplett umstrukturiert und unser Produktportfolio in vier Bereichen auf neue Beine gestellt: einmal das Thema Datacenter-Automation und Cloud, dann das Thema Workload-Automation, der Bereich Digital Service Management und IT Service Management und schließlich der Bereich Performance und Analytics, wo es um vorausschauende Systemwartung geht.“

Parallel dazu habe BMC auch den Vertrieb neu aufgestellt: „Früher waren Rechenzentren sehr ähnlich, egal ob sie eine Bank seine Behörde oder ein Automobilhersteller betrieben hat. Im Rahmen der Digitalisierung steht ein Automobilhersteller vor ganz anderen Herausforderungen als eine Bank.“ Diesen Umschwung vom Generalisten zur Spezialisierung habe BMC auch in seiner Vertriebsorganisation nachvollzogen.

Traditionelle Themen wie ITIL (IT Infrastructure Library), automatische Anwendungserkennung, Configuration Management Database (CMDB) und Business Service Management sind laut Marienfeld im System-Management Dauerbrenner, die nach wie vor aktuell sind. Hinzu komme neuerdings eine noch engere Verbindung zwischen dem eigentlichen Geschäft eines Unternehmens und der hauseigenen IT-Abteilung.

„Configuration Management Database und Business Service Management sind im Systemmanagement Dauerbrenner“, erläutert BMC-Deutschland-Chef Ingo Marienfeld. „Hinzu kommt neuerdings eine noch engere Verbindung zwischen dem eigentlichen Geschäft eines Unternehmens und der hauseigenen IT-Abteilung.“
„Configuration Management Database und Business Service Management sind im Systemmanagement Dauerbrenner“, erläutert BMC-Deutschland-Chef Ingo Marienfeld. „Hinzu kommt neuerdings eine noch engere Verbindung zwischen dem eigentlichen Geschäft eines Unternehmens und der hauseigenen IT-Abteilung.“ (Bild: Jürgen Frisch)

Als Beispiel verweist der Deutschland-Chef auf ein Projekt, bei dem ein Gebrauchtwagenhändler und ein Anbieter von Finanzierungslösungen eine gemeinsame Geschäftsplattform aufgesetzt haben. Interessenten könnten die Daten eines Gebrauchtwagens einscannen und erhielten nach der Eingabe einiger Daten zu den persönlichen Finanzen direkt ein Finanzierungsangebot. Eine Schufa-Abfrage stelle dabei die Seriosität des Interessenten sicher.

Ende zu Ende Monitoring versus Predictive Maintenance

Da die Wertschöpfungskette im beschriebenen Beispiel mehrere IT-Systeme umfasst und zudem über ein Mobilgerät angestoßen wird, fällt das Monitoring relativ kompliziert aus, wie Uwe Flagmeyer, Senior Manager Presales bei BMC, am Beispiel zweier Management-Ansätze erläutert: „Beim Ende zu Ende- Monitoring setzen wir synthetische Agenten ein, die Transaktionen über mehrere Systeme hinweg simulieren.“

Die zweite Alternative bestehe darin, dass statt Einsatz eines Agenten sämtliche verfügbaren Daten analysiert werden, um darin Muster zu erkennen. „Anhand der Korrelation der Logfiles mit der Nutzererfahrung erhalten wir Hinweise auf Engpässe“, so Flagmeyer. Die Muster in den Daten würden dabei helfen, den Grund eines Engpasses aufzudecken. Darüber hinaus dienten die Ergebnisse der Prävention: „Auf Basis von Predictive Analytics können wir im Idealfall schon eingreifen, bevor sich ein Engpass zu einem ausgewachsenen Störfall auswächst.“

Wo in Großunternehmen früher Inhouse-Systeme dominiert haben, kommen heute Hybrid Clouds hinzu. Dieses Betriebsmodell ist laut Marienfeld nicht auf Basis einer Planung entstanden, sondern dadurch, dass ungeduldige Fachabteilungen beispielsweise ein Salesforce-System für das Verwalten der Kundendaten gebucht haben, weil ihnen die Versorgung durch die hausinterne IT-Abteilung zu lange gedauert hat. Zu den offiziell eingerichteten Cloud-Systemen kämen jede Menge oftmals unbekannte Schattensysteme hinzu.

Hybrid-Cloud-Management konsolidiert den Skripte-Wust

Um die neu entstandene Systemlandschaft zu verwalten, haben Unternehmen laut Flagmeyer Orchestrierungs-Werkzeuge eingeführt, und nun versuchen sie deren Betrieb zu automatisieren: „Dieses Vorgehen kommt relativ schnell an einen Punkt, wo kein Administrator mehr den vorhandenen Wust an Skripten mehr sinnvoll verwalten kann.“

BMC hält mit einer Software für das Cloud Lifecycle Management dagegen. Hierbei werde die Definition eines Services von dessen Automatisierung getrennt. „Unsere Lösung beschreibt Services auf einer Meta-Ebene in einem Management-Layer. Diese Schicht liegt oberhalb der Cloud-Provider, wo die Services in einer virtualisierten VMware-Umgebung provisioniert und gewartet werden“, erläutert Flagmeyer.

Aus dem Gartner-Report: „Software 2020: Rearchitecting for the Digital World“ zur Nutzung von Open-Source-Software.
Aus dem Gartner-Report: „Software 2020: Rearchitecting for the Digital World“ zur Nutzung von Open-Source-Software. (Bild: Gartner (January 2016) /BMC Software)

Cloud Lifecycle Management verfüge über Anbindungen an Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und integriere auch OpenStack-Techniken. IT-Abteilungen könnten damit in großen Teilen auf Spezial-Know-How für das Management einzelnen Cloud-Provider verzichten.

„Viele Unternehmen sind beim Thema Virtualisierung mit VMware gestartet, und sie haben in der IT-Abteilung auch Experten für die VMware-Werkzeuge“, berichtet Flagmeyer. „Ein System in der Amazon-Cloud können diese Administratoren aber nicht ohne weiteres verwalten, denn dort sind völlig andere Tools nötig. Mit Cloud Lifeycle Management legen wir einen Layer über die verschiedenen Clouds und geben den Unternehmen ein universell einsetzbares Management-Werkzeug.“

Management-Tools von SAP bindet BMC funktional ein

Einen großen Bedarf an System-Management haben traditionellerweise SAP-Anwender. Die aus Walldorf kommenden System-Management-Werkzeuge „Solution Manager“ und „System Virtualisation Manager“ betrachtet Flagmeyer nicht als Konkurrenz zum BMC-Produkt „Remedy“.

Er sagt: „Wenn ein großes Unternehmen ein IT-Service-Management-Werkzeug sucht, dann findet sich nach unserer Beobachtung der Solution Manager ganz selten auf der Shortlist. Wir konkurrieren daher nicht mit der SAP-Lösung, sondern wir kooperieren. Wir liefern die Basistechnologie und binden die SAP-spezifische Funktionalität der Werkzeuge aus Walldorf in unsere Lösungen ein.“

„Unsere Lösung Cloud Lifeycle Management legt einen Layer über die verschiedenen Clouds und gibt den Unternehmen ein universell einsetzbares Management-Werkzeug dafür“, wirbt Uwe Flagmeyer, Senior Manager Presales bei BMC, für das Produkt.
„Unsere Lösung Cloud Lifeycle Management legt einen Layer über die verschiedenen Clouds und gibt den Unternehmen ein universell einsetzbares Management-Werkzeug dafür“, wirbt Uwe Flagmeyer, Senior Manager Presales bei BMC, für das Produkt. (Bild: BMC Software)

Integration und Koexistenz – so lautet auch das Flagmeyers Rezept für den Umgang mit Open-Source-Werkzeugen wie „Puppet“ und „Chef“, die BMC in die eigenen Produkte integriert: „Open-Source-Lösungen sind oft sehr preisgünstig zu bekommen, aber sie verursachen beim Management einen sehr hohen Aufwand. Wir legen ähnlich wie bei Hybrid Clouds einen Management-Layer oben drüber. Das vereinfacht die Verwaltung und entlastet die Unternehmen von der Notwendigkeit, für die Opensource-Werkzeuge Erweiterungen zu programmieren.“

Auch Anwendungs-Container wie „Docker“ oder „Cloud Foundry“ integriere BMC ins Cloud Lifecycle Management. Dank offener Schnittstellen könnten Unternehmen auch auf eigene Faust Services integrieren. Auf einer Community-Plattform ließen sich diese Eigenentwicklungen mit anderen Anwendern teilen.

Cloud-Lösung mit Rückweg zum Inhouse-Betrieb

Mit einer Cloud-basierten ITIL-Management-Lösung macht der Anbieter Service Now seit fünf Jahren von sich reden. BMC bietet dieses Betriebsmodell inzwischen auch an, wobei im Unterschied zur rein Cloud-basierten Lösung von Service Now auch ein Rückweg ins hauseigene Rechenzentrum möglich ist.

Deutsche Unternehmen sind allerdings laut Beobachtung von Marienfeld beim Thema Cloud deutlich konservativer als Betriebe in England oder in den USA, und sie wollen zudem im Detail wissen, wo ihre Daten lagern. Ein Grund für diese Cloud-Skepsis seien die strengen europäischen Datenschutz-Gesetze.

* Jürgen Frisch ist freier Journalist und lebt in Stuttgart.

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