Compute-Instanzen für den schmalen Geldbeutel ARM von Ampere Computing wird Bestandteil des Oracle-Hardware-Angebots

Redakteur: Ulrike Ostler

Neue Weihen für ARM im Rechenzentrum: Oracle bringt mit sein erstes ARM-basiertes Compute-Angebot, „OCI Ampere A1 Compute“, auf der „Oracle Cloud Infrastructure“ (OCI) zum Fliegen. Damit erschließt die Leistung von ARM-basierten Prozessoren für einen Cent pro Core-Stunde. Vier "Ampere A1"-Kerne und 24 Gigabyte (GB) gibt es im „Always Free"-Service für die Entwicklung ARM-basierter Apps für lau.

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Die ARM-Prozessoren „Altra“ bilden die Grundlage für ein neues IaaS-Angebot von Oracle. Der Chiphersteller hatte jüngst mitgeteilt, dass auch die Cloud-Anbieter Microsoft und Tencent zu seinen Kunden zählt.
Die ARM-Prozessoren „Altra“ bilden die Grundlage für ein neues IaaS-Angebot von Oracle. Der Chiphersteller hatte jüngst mitgeteilt, dass auch die Cloud-Anbieter Microsoft und Tencent zu seinen Kunden zählt.
(Bild: Ampere Computing)

Oracle stellt Tools, Anwendungen und Support zur Nutzung der ARM-basierten Infrastruktur bereit. Jetzt können Kunden Cloud-native und Allzweck-Workloads auf solchen Instanzen ausführen, wie Oracle betont, „mit erheblichen Preis- und Leistungsvorteilen". Denn so günstig oder gar preiswerter als Cent pro Core-Stunde gebe es kein weiteres Angebot.

Kunden können nun ARM-optimierte Anwendungen auf Containern, Bare-Metal-Servern und virtuellen Maschinen (VMs) in der Oracle Public Cloud oder der „Dedicated Region Cloud@Customer“ bereitstellen. Das Angebot beinhaltet eine flexible VM-Größe von 1 bis 80 OCPUs und 1 bis 64 GB Speicher pro Core oder als Bare-Metal-Service mit 160 Cores und 1 Terabyte (TB) Speicher.

Clay Magouyrk, Executive Vice President, Oracle Cloud Infrastructure, liefert den Grund für das Angebot: „Wir sehen eine steigende Nachfrage nach serverseitigem ARM-Computing und das Hinzufügen von ARM-basierten Compute-Instanzen zu unserem umfangreichen Angebotsportfolio ermöglicht es Kunden, die richtigen Prozessoren für ihre Workloads auszuwählen.“ Außerdem mache Oracle es Entwicklern sehr einfach, ihre Apps zu verschieben und neue auf Oracle Cloud Infrastructure zu entwickeln.

Weg von dedizierter Hardware, hin zu dedizierten Hardware-Komponenten

Den Trend, sich auch in der Cloud die jeweilige für die einzelne Workloads bestmögliche Umgebung zusammenzustellen, gibt es schon eine ganze Weile. Ebenso ist die Eroberung der Datacenter durch ARM-Prozessoren längst keine Vermutung mehr. So läuft der leistungsfähigste SupercomputerFugaku“ auf von Fujitsu entwickelten ARM-Prozessoren „A64FX“ und AWS setzt seit Kurzem auf „Graviton“ für ein preisgünstiges Angebot.

Chris Bergey, SVP und GM, Infrastructure Line of Business bei ARM, erläutert: „Die Infrastrukturbranche war bisher an einen One-Size-Fits-All-Ansatz gebunden, aber die nächste Ära des Computing setzt auf sichere und leistungsstarke, zweckgebundene Verarbeitung.“

Drei Möglichkeiten des Einstiegs

Generell stehen Entwicklern für den OCI-Einstieg drei Angebote zur Verfügung. [Übrigens hat die Abkürzung des Oracle-Produkts nicht mit der Open Container Initiatve, OCI zu tun, Anm. der Red.] Mit dem „Oracle Cloud Free Tier“ erhalten Entwickler ein kostenloses Guthaben in Höhe von 300 Dollar für 30 Tage. Mit dem „Always Free“ ARM-Zugang erhalten Entwickler vier Ampere-A1-Cores und 24 GB Speicher. Mit dem neu gestarteten „ARM Accelerator“-Programm schließlich können Open-Source-Entwickler, ISV-Partner, Kunden und Universitäten mit ARM-basierten Entwicklungsprojekten, die mehr Ressourcen benötigen, sich für den Erhalt von Oracle Cloud Credits für einen Zeitraum von zwölf Monaten bewerben.

Renée J. James hat Ampere Computing 2017 gegründet. 2021 stand sie auf der „Fast Company“-Liste der "100 kreativsten Menschen in der Wirtschaft", auf Platz 21 der „Fortune's Most Powerful Women in Business“ und wird auf der „Forbes 100 Most Powerful Women“-Liste geführt.
Renée J. James hat Ampere Computing 2017 gegründet. 2021 stand sie auf der „Fast Company“-Liste der "100 kreativsten Menschen in der Wirtschaft", auf Platz 21 der „Fortune's Most Powerful Women in Business“ und wird auf der „Forbes 100 Most Powerful Women“-Liste geführt.
(Bild: Ampere Computing)

Für Renee James, Gründerin, Chairman und CEO von Ampere Computing, stellt sich das folgerndermaßen dar: „Ampere-Instanzen auf OCI sind ein Durchbruch für Entwickler. Oracles Free Tier ist ein großartiges Angebot, das es ihnen ermöglicht, die OCI Ampere A1 Compute-Plattform zu testen und den ersten Cloud-nativen Prozessor zu erleben, der vorhersehbare Leistung, Skalierbarkeit und die benötigte Energie liefert.“

Der Entwicklungs-Stack von Oracle ist auf den Ampere A1-Instanzen verfügbar, einschließlich „Oracle Linux“, Java, „MySQL“, „Graal VM“ und „Oracle Container Engine for Kubernetes“ (OKE). Oracle stellt etwa ein „Oracle Linux Cloud Developer Image" bereit, mit dem Kunden eine Entwicklungsumgebung installieren, konfigurieren und starten können, die OCI-Client-Tools, Dienstprogramme und gängige Programmiersprachen wie Java, Graal VM, Python, PHP, Node.js, Go und C/C++ enthält. Das Entwickler-Image lässt sich über die OCI-Konsole bereitstellen.

Einbindung von Dritt-Anbieter-(Open-Source-)Tools

Die Kunden haben die Möglichkeit, Tools von anderen Anbietern oder von Open-Source.Communities zu nutzen, etwa Gitlab, Jenkins, Rancher, Datadog, Onspecta, Nginx und Genymobile. Zudem beabsichtigt Oracle der der Continuous Delivery Foundation (CDF) beizutreten, einer anbieterneutralen Open-Source-Community zur Unterstützung der am schnellsten wachsenden CI/CD-Open-Source-Projekte.

Die Einsatzgebiete

ARM-Architekturen sind extrem effizient, skalierbar und flexibel, wodurch sich der Prozessor für alles eignet, von Smartphones, IoT-Geräten, PCs, Automobil- und Industrieanwendungen bis hin zu Supercomputern und Servern. Auch die Compute Shapes von Oracle seien wirklich universell einsetzbar, wirbt der Anbieter, und eignen sich für die Ausführung einer Vielzahl von rechenintensiven Workloads:

  • Allzweck: Mit Allzweck-Workloads sind etwa gemeint: Web-Server, Anwendungsserver und Container. Hier böten die Oracle-Services „ausgewogene Leistung und einen optimalen Preispunkt“ für Cloud-basierte Scale-Out-Workloads, wie Nginx und Web-Anwendungen.
  • In-Memory-Caches und Datenbanken: Von Datenbanken bis hin zu Analysen lieferten ARM-Prozessoren eine vorhersagbare Leistung für Datenbanken wie „Redis“ und „MySQL“ sowie überhaupt für speicherintensive Workloads und Multithreading-Anwendungen, In-Memory-Datenbanken und Key-Value-Stores.
  • Mobile Anwendungsentwicklung: Die hohe Core-Anzahl des „Ampere Altra“ (bis zu 160) istprädestiniert für die Dichte und Skalierung, die für die Entwicklung und das Testen mobiler Anwendungen benötigt wird. Darüber hinaus entfällt bei der Entwicklung von „IOS“- oder „Android“-basierten Anwendungen auf dem OCI Ampere A1 Compute die Notwendigkeit eines Emulators oder einer verschachtelten Virtualisierung.
  • Rechenintensive und wissenschaftliche Anwendungen, zum Beispiel: AI/ML-Inferenzierung, Medientranskodierung und die Ausführung von HPC-Stacks wie CFD, WRF, Openfam, Gromacs, Blast, BeeGFS und Namd.

Konfigurationsvarianten

OCI Ampere A1 Compute erlaubt die Anpassung von Speicher- und Kernanforderungen. Es handle sich, si der Anbieter um den "branchenweit ersten Penny-Core-Server in der Cloud mit einem Preis von nur 0,01 Dollar pro Core pro Stunde und 0,0015 Dollar pro GB RAM und Stunde“.

Die Wahl von Ampere, einen einzigen Threaded Core zu verwenden, sowie die anhaltende maximale Frequenz von 3,0 Gigahertz (GHz), führt zu einer linearen Skalierung in Bezug auf die Kerne. Das bedeutet, dass die Leistung pro Kern gut skaliert, wenn die Anzahl der Kerne zunimmt, was dazu beiträgt, dass Kunden genau das bekommen, wofür sie bezahlen.

Die Altra-Prozessoren von Ampere können alle Kerne mit der maximalen Frequenz betreiben, wodurch sichergestellt wird, dass jeder A1-Kern eine vorhersehbare Leistung bietet. Darüber hinaus sind die Kerne vollständig isoliert von den lauten Nachbarschaftseinflüssen anderer Workloads, die auf demselben Prozessor laufen.

Jeder Kern ist als Single-Thread-Prozessor ausgelegt und verfügt über einen eigenen 64 KB L1 I-Cache, 64 KB L1 D-Cache und einen 1 MB L2 D-Cache. Dies trägt dazu bei, so viel Isolation wie möglich zu gewährleisten und garantiert eine vorhersehbare Leistung.

Das Single-Thread-Design stellt auch sicher, dass jeder Thread seinen eigenen Kern und seine eigenen Ressourcen hat, wodurch die potenziellen Core-Sharing-Thread-Sicherheitsprobleme, die in letzter Zeit demonstriert wurden, eliminiert werden.

Leistungstests

In Bezug auf Benchmarks konnte Oracle bei der Ausführung von x264-Videocodierungs-Workloads auf OCI Ampere A1 eine Leistungssteigerung von bis zu 10 Prozent und einen Preis-Leistungs-Vorteil von bis zu 22 Prozent im Vergleich zu x86-basierten Systemen feststellen. Bei Nginx-Reverse-Proxy-Workloads auf OCI Ampere A1 hat Oracle eine Leistungssteigerung von bis zu 46 Prozent und einen Preis-Leistungs-Vorteil von bis zu 62 Prozent im Vergleich zu x86-basierten Systemen erhalten.

Ashish Nadkarni, General Vice President Infrastructure Systems, Platforms and Technologies Group bei IDC, fasst zusammen: „Heterogenes Computing ist die nächste Front für Cloud-Service-Provider. Da Kunden für ihre leistungsintensiven Computing-Anwendungen auf Cloud-native Ansätze umsteigen, werden sie zweifellos verstärkt in ARM-basierte Instanzen von solchen Anbietern investieren. Oracles Ankündigung von ARM-basierten Instanzen für OCI und Cloud@Customer ist ein rechtzeitiger Schritt, um Unternehmen zu erschließen, die sich mitten in diesem Wandel befinden."

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