Lenovo-Hardware, -Software und Partnerleistungen als Service Von Hosentasche bis Cloud: Lenovo weitet Truscale auf das gesamte Portfolio aus

Autor: Ulrike Ostler

Auf dem hauseigenen Kongress „Tech World“, zu der rund 70.000 Menschen angemeldet waren, hat Lenovo die Weiterentwicklung seines verbrauchsbasierten Geschäftsmodells angekündigt: Lenovo baut „Truscale“ zum Portfolio-übergreifenden Everything-as-a-Service-Angebot aus. Das inkludiert auch Angebote wie „Azure Stack HCI“ und ein One-Stop Management zusammen mit Deloitte und SAP.

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Rund 70.000 Anmeldungen konnte Lenovo für seinen gestrigen Event „Tech World“ zählen.
Rund 70.000 Anmeldungen konnte Lenovo für seinen gestrigen Event „Tech World“ zählen.
(Bild: Lenovo)

Truscale läuft nach Angaben von Dieter Stehle, General Manager Lenovo Global Technology DACH, richtig gut, ist ein "wachsendes Segment - Quartal für Quartal", wie es überhaupt für Lenovo gut aussieht: Das vergangene Vierteljahr sei etwa bezüglich High Performance Computing (HPC) ein „Rekordquartal“ gewesen, die „tolle Partnerschaft“ mit VMware habe dem Softwaresegment ein 24prozentiges Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gebracht, die Kooperation mit Netapp trage weiterhin Früchte, so dass Lenovo in diesem Teilbereich rund 36 Prozent über dem Branchendurchschnitt liege.

Dieter Stehle, Executive Director & GM Data Center Group Germany, Lenovo
Dieter Stehle, Executive Director & GM Data Center Group Germany, Lenovo
(Bild: Lenovo)

Insgesamt ist der Gewinn von April bis Juni 2021 um mehr als das Doppelte auf 466 Millionen Dollar gestiegen. Der Umsatz lag in dem Ende Juni abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal bei 16,9 Milliarden Dollar ein Anstieg von 27 Prozent. Laut Stehle nimmt Lenovo im Bereich Infrastruktur vor allem Hewlett-Packard Enterprise (HPE) Marktanteile weg.

Allerdings ist das as-a-Service-Angebot von HPE „Greenlake“ bislang um einiges umfangreicher und bezieht Angebote der Partner mit ein. Doch jetzt gibt Lenovo richtig Gas: Das Unternehmen erweitert seine Marke Truscale über reine Infrastrukturdienste hinaus und fasst alle seine As-a-Service-Angebote unter einem Dach zusammen. Das reicht bis zum mobilen Device in der Hosentasche bis in die Cloud. Kunden, die Trusclae nutzen wollen, können das mit einem einzigen Rahmenvertrag abdecken.

Vereinfachung durch einen Rahmenvertrag

Ken Wong, President der Solutions & Services Group, erläutert: „Die digitale Transformation schreitet schneller voran als je zuvor, und Unternehmen haben Mühe, mit dem Innovationstempo Schritt zu halten. CIOs berichten uns täglich davon, dass sich die technischen Anforderungen ihres Unternehmens alle zwölf bis 18 Monate ändern. Mit Truscale bekämen die Kunden einen Rahmenvertrag und eine einzige zentrale Anlaufstelle für ihr Everything-as-a-Service Angebot.

Dieses soll Unternehmen jeder Größe genügend Flexibilität bieten; denn diese brauchten sie, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie bei Cloud-Angeboten steckt dahinter ein skalierbares Verbrauchsmodell. Lenovo weist aber auf von vorne herein klar definierte Zahlungsoptionen für Hardware und Services hin. Mit Truscale würden die Infrastrukturlösungen für IT-Leiter von Unternehmen vollständig gemanagt, so dass diese von den Vorteilen einer On-Premise-Cloud-Umgebung profitieren und sich gleichzeitig um die Datenverwaltung in einer hybriden Umgebung keine Sorgen mehr machen müssen.

Lenovo verweist auf Untersuchungen der Marktforschungsunternehmen Gartner und IDC. Diese haben ergeben, dass der As-a-Service-Markt derzeit viermal so schnell wächst wie der Gesamtmarkt für IT-Services. In drei Jahren werden As-a-Service-Modelle 12 Prozent der Ausgaben für x86-Server und über 50 Prozent der Ausgaben für neue Speicherlösungen in Unternehmen ausmachen, mit einer Compound Annual Growth Rate (CAGR) von 40 Prozent. Im gleichen Zeitraum wird der Anteil an den Ausgaben für kommerzielle PCs auf etwa 17 Prozent ansteigen, gegenüber 1 Prozent vor zwei Jahren und mit einer CAGR-Wachstumsrate von 50 Prozent.

Der Zielmarkt: Hybride IT

Die Kunden sollen nicht nur Flexibilität in puncto Geräte und Arbeitsplattformen bekommen, sondern auch einen On-Demand-Support, unabhängig davon wann und wo immer er benötigt wird. Einige Lenovo-Kunden kennen solche Vorteile bereits von dem seit Jahren bestehender Device-as-a-Service-Angebot (DaaS). Unternehmen können hier den Lebenszyklus der mobilen Geräte ihrer Mitarbeiter managen lassen. Dieser Service ist nun auch unter der Marke Truscale zu finden. Hier werden nun End-to-End-Techniken mit Lifecycle-Services und -Support sowie einer Finanzierung kombiniert. Das soll für die Kunden die Gesamtbetriebskosten senken.

Im Rahmen dieser neuen Plattform hat sich Lenovo mit den Infrastrukturpartnern Deloitte, VMware und Intel sowie den DaaS-Sicherheitspartnern Absolute Software und Sentinelone zusammengeschlossen. So kann Lenovo Unternehmen verschiedene dynamische Angebote – beispielsweise Hybrid-Cloud-Lösungen für Edge-to-Cloud-Umgebungen, erstklassige gemanagte Sicherheitslösungen und Zugang zu den aktuellsten Innovationen im Bereich der Speicherinfrastruktur – unterbreiten und zwar für die gesamte Lebensdauer ihrer Daten und mit der Möglichkeit, die Speicherkapazität nach Bedarf zu skalieren.

Vielversprechend ist beispielsweise eine vollständig verwaltete Lösung von Lenovo Truscale, SAP und vollständig verwaltete Lösung von Lenovo Truscale, SAP und „Deloitte Opencloud“. Unter anderem soll dadurch eine Lücke zwischen Cloud-Adaption und Infrastrukturbeschaffung auf der Unternehmensseite geschlossen werden. Punit Renjen, CEO von Deloitte Global, sagt: „Der As-a-Service-Ansatz von Lenovo trägt dazu bei, die Nachfrage des Marktes nach reaktionsschnellen, zuverlässigen Hybrid-Cloud-Operationen zu erfüllen. Einfach ausgedrückt: Unsere Organisationen helfen Unternehmen dabei, ihr Geschäft auszubauen und Risiken zu minimieren, um mehr Wert zu schaffen und der Gesellschaft besser zu dienen."

Außerdem im Angebot:

  • Lenovo Truscale für Thinkagile HCI: Microsoft und VMware arbeiten mit Lenovo zusammen, um Hybrid-Cloud-Angebote für Edge-to-Cloud-Umgebungen anzubieten. Bereits seit April 2021 bietet Lenovo eine entsprechende Lösung zusammen mit Nutanix und Citrix an.
  • Lenovo Truscale mit Silicon as-a-Service: Intel hat sich für diesen Dienst mit Lenovo zusammengetan, damit Kunden ihre Infrastruktur nicht selbst einrichten und verwalten müssen.
  • Lenovo Truscale Infinite Storage ist ein neues as-a-Service-Angebot, das unterbrechungsfreie Datenservices für die Speicherinfrastruktur ermöglicht.
  • Lenovo und SAP geben die weltweite Verfügbarkeit von „SAP S/4HANA Cloud“ und die „Customer Data Center Option“ (Private Edition) auf der „Lenovo Truscale IaaS Solution für On-Prem-Cloud“-Implementierungen bekannt.

Bis in die Kante

Doch die Infrastrukturangebote reichen bei Lenovo bis an die Edge. Das Unternehmen reklamiert für sich das erste Unternehmen zu sein, das die VMware-Software für die Edge mit auf x86-Servern vorinstallieren wird. Zuständig ist dafür die Lenovo Infrastructure Solutions Group (ISG).

Als Prozessor des SE350 dient der 1-Socket Intel Xeon D-2100 mit bis zu 16 Kernen.
Als Prozessor des SE350 dient der 1-Socket Intel Xeon D-2100 mit bis zu 16 Kernen.
(Bild: Lenovo)

Die Software läuft auf zwei robusten und sicherheitsoptimierten „Thinksystem SE350“-Systemen.Das Ensemble vereinfacht die Vernetzung durch integriertes Switching und drahtlose Konnektivität. Das erübrigt externe Netzwerkgeräte am Netzwerkrand und soll für eine Harmonisierung im Betrieb sorgen - er soll reibungsloser und nahtloser werden. Denn die VMware-Kunden sollen in der Lage sein, die gleiche Umgebung, die sie in ihrem Rechenzentrum vorfinden, direkt an ihren Edge-Standorten zu nutzen.

Gedacht wird dabei insbesondere an abgelegene Standorte, die in der Lage sein müssen, Daten näher an ihrer Entstehung und näher an den Benutzern zu verarbeiten, einschließlich Einzelhandelsgeschäften, Produktionsstätten und Schulen. Thinksystem SE350 kann extreme Temperaturen und starke Erschütterungen aushalten. Darüber hinaus sorgen die verschlüsselten Festplatten sowie die Bewegungs- und Manipulationserkennung für die Sicherheit der Daten und des Geräts.

Der „Thinkedge SE70“ und die KI-fähige Edge-Applikation werden von „Nvidia Jetson Xavier NX“ angetrieben, einem System, das in der Cloud verwaltet wird.
Der „Thinkedge SE70“ und die KI-fähige Edge-Applikation werden von „Nvidia Jetson Xavier NX“ angetrieben, einem System, das in der Cloud verwaltet wird.
(Bild: Lenovo)

Komplementiert werden die Server durch den Server „Thinkedge SE70“ vor. Die Edge-Plattform ist wiederum kombiniert mit Künstlicher Intelligenz (KI), um den wachsenden Anforderungen in den Bereichen Logistik, Transport und Smart Cities, Einzelhandel, Gesundheitswesen und Fertigung gerecht zu werden. Sie nutzt die Edge-Anwendung „AWS Panorama“ und die „Nvidia Jetson Xavier NX“-Plattform angetrieben.

Der IoT-Edge-Server ThinkSystem SE350 lässt sich an die Wand hängen oder in ein Rack montieren. Er kann Temperaturen von 0 bis 55 °C bewältigen und eignet sich für Standorte mit hoher Staub- und Vibrationsbelastung.
Der IoT-Edge-Server ThinkSystem SE350 lässt sich an die Wand hängen oder in ein Rack montieren. Er kann Temperaturen von 0 bis 55 °C bewältigen und eignet sich für Standorte mit hoher Staub- und Vibrationsbelastung.
(Bild: yoh4nn)

Eine Variante von Thinkedge SE70 ist vorab bereits mit „AWS Panorama Device SDK“ ausgesattet. Dieser ermöglicht, alltägliche IP-Kameras in „intelligente“ Kameras zu verwandeln, die CV-Apps am Edge ausführen. Unternehmen können AWS Panorama zum Beispiel zur Überwachung von Objekten einsetzen, um den Betrieb in Anlagen zu optimieren und den Lagerbestand in Einzelhandelsregalen zu überwachen, auch in Umgebungen mit begrenzter Internet-Bandbreite.

Die technischen Daten des ThinkEdge SE70
AI-Leistung CPU: 6-Ker NVIDIA Carmel Arm v8.2 64-bit CPU

GPU: 384-Kerne NVIDIA Volta GPU, 48 Tensor Kerne

Leistung: 21 TOPS (INT8)
Konnektivität 2 GbE

Konfigurierbar: bis zu 8 POE
Speicher PCIe Gen.4
Formfaktor Lüfterlos, Betriebstemperaturbereich bis zu -20 bis 60 Celsius
IP Rating IP51
DC Range 9-48v

Lenovo Open Cloud Automation

Zum as-a-Service- und Hybrid-Cloud-Angebot gehört auch unbedingt die Automatisierung in Multi-Cloud-Umgebungen. „Lenovo Open Cloud Automation“, kurz: LOC-A, automatisiert die zahlreichen Aufgaben, die für die Bereitstellung von Cloud-Infrastrukturen erforderlich sind, und weitet seine Unterstützung jetzt auf Tausende von Remote-Edge-Standorten aus;

Jetzt können Unternehmen ihre Cloud- und Edge-Infrastrukturlösungen für das Rechenzentrum mit derselben Management-Software planen. LOC-A hilft bei der schnellen Bereitstellung, Optimierung und Verwaltung der Cloud-Infrastruktur für Bare-Metall-Server, Container und VMs.

Das Diagramm zeigt die High-Level-Architektur von „Lenovo Open Cloud Automation“.
Das Diagramm zeigt die High-Level-Architektur von „Lenovo Open Cloud Automation“.
(Bild: Lenovo)

LOC-A bietet eine Automatisierungsplattform, die die gesamte Kette von Ereignissen und Werkzeugen von der Hardware-Konfiguration über Betriebssysteminstallationen bis hin zur Cloud- und Netzwerkschicht abdeckt. Die Lenovo-Software unterstützt Kubernetes, „Red Hat Openshift und „VMware Cloud Foundation“ sowie 3rd-Party-Netzwerke Netzwerkinfrastrukturen von Drittanbietern, wie „Cisco ACI“. Sie automatisiert sowohl die Bereitstellung als auch den Betrieb und besteht aus einer Reihe von Workload-, Service- und Laufzeitkomponenten.

LOC-A lässt sich zu in bestehende Management-Plattformen über verschiedene Schnittstellen wie REST APIs integrieren. Nun hat Lenovo das Tool um Edge-unterstützende Funktionen erweitert und ermöglicht nun die Planung, Bereitstellung und das Lebenszyklus-Management der physischen und virtuellen Infrastruktur, die für das Hosting von Cloud-Anwendungen im Rechenzentrum und an von Edge-Standorten erforderlich sind.

Die Abbildung zeigt, wie ein einziger Laufzeitdienst bei Bedarf andere Dienste einsetzt.
Die Abbildung zeigt, wie ein einziger Laufzeitdienst bei Bedarf andere Dienste einsetzt.
(Bild: Lenovo)

LOC-A-Kunde ist etwa T-Systems. Das Unternehmen wollte nach eigenen Angaben Kosten sparen und seine Infrastruktur mit einer offenen, durchgängig automatisierten Plattform modernisieren, die künftige Workloads für Kunden on- und off-premises hosten und gleichzeitig die bestehenden Umgebungen beibehalten kann.

Thomas Rumpf, CTO Private Cloud bei T-Systems, sagt: „Standard-Anwendungsfälle sind nun innerhalb der Plattform durch LOC-A zu 100 Prozent automatisiert. Wir sind aber weiterhin in der Lage, Services über hochautomatisierte Blueprints anzupassen, was zu einer Kosteneffizienz von 30 bis 40 Prozent für unsere Kunden geführt hat.“

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider