IaaS und PaaS aus der öffentlichen Cloud Public-Cloud-Anbieter mit lokalen, nationalen Rechenzentren gewinnen in der Pandemie

Autor: Ulrike Ostler

Neben dem allgemeinen Trend zur Digitalisierung hat die aktuelle COVID-19-Pandemie das Geschäft der Public Cloud-Anbieter zusätzlich angefacht. Allerdings sind ihre Angebote kein Selbstläufer, da die Unternehmen in Deutschland eine Datenhaltung und -verarbeitung in Rechenzentren vor Ort erwarten.

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Im Teilmarkt der „Hyperscale Infrastructure & Platform Services“ hat ISG insgesamt 19 Anbieter untersucht, wovon sich sechs als „Leader“ positionieren konnten und einer als „Rising Star“.
Im Teilmarkt der „Hyperscale Infrastructure & Platform Services“ hat ISG insgesamt 19 Anbieter untersucht, wovon sich sechs als „Leader“ positionieren konnten und einer als „Rising Star“.
(Bild: ISG Reserach 2020)

Wegen dieses Public-Cloud-Booms suchen Unternehmen intensiv nach Partnern, die sie bei der Migration in die Cloud unterstützen, besagt der „ISG Provider Lens Public Cloud – Solutions & Services Report Germany 2020“ der Information Services Group (ISG), ein Marktforschungs- und Beratungsunternehmen im Technologie-Segment.

In der jüngsten Vergangenheit ist der von der ISG-Studie untersuchte Teilmarkt der „Hyperscale Infrastructure & Platform Services“ vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie noch stärker gewachsen als zuvor schon. Dies betreffe sowohl Infrastructure-as-a-Service (IaaS) als auch Software-as-a-Service (SaaS).

Zu den typischen Diensten im IaaS-Segment, heißt es im Report, gehören Computing- Dienstleistungen, Speicher- und Netzwerkressourcen, die alle in virtueller oder in Containern gespeicherter, softwaredefinierter Form bereitgestellt und durch serverlose Architekturen abgerundet werden. Das Hyperscale-PaaS-Segment bietet mehrere Micro-Dienstleistungen und Runtime-Engines für vordefinierte Cloud-basierte Anwendungsentwicklungsprozesse, die in der Regel den gesamten Lebenszyklus eines Entwicklers abdecken, der Anwendungen erstellen oder modernisieren muss.

Neben AWS, Microsoft und Google

Allerdings sei es den Kunden dabei wichtig, die Services aus der Nähe zu beziehen; denn neben regulatorischen Bestimmungen zum Ort der Datenhaltung spielten auch Latenz-Anforderungen eine Rolle. Zudem habe das jüngst erfolgte Ende des Datenschutzabkommens „Privacy Shield“ zwischen der EU und den USA die Forderung des Marktes nach Rechenzentren im Land noch einmal zusätzlich unterstrichen.

Im Teilmarkt der „Hyperscale Infrastructure & Platform Services“ untersuchte ISG insgesamt 19 Anbieter, wovon sich sechs als „Leader“ positionieren konnten und einer als „Rising Star“.

In Deutschland verfügen mittlerweile alle großen Cloud-Hyperscaler über eigene Rechenzentren, die sie entweder in Eigenregie oder über Co-Location-Partner betreiben. Dies trifft laut Studie auch auf das von ISG als „Rising Star“ des Marktsegments identifizierte Angebot „Ionos cloud“ zu. Dies ist nach ISG-Definition ein Unternehmen mit „vielversprechendem Portfolio“ und „hohem Zukunftspotenzial“. Die gesamte Ionos-cloud-Infrastruktur befinde sich in Deutschland.

Die Bewertungs- und Auswahlkriterien für den ISG-Report sind folgende:

  • Innovatives Portfolio an Infrastruktur-Services wie Rechenleistung, Speicher, Netzwerk, Backup und Container-Management-Funktionen
  • Leistungsstarke und belastbare Rechenzentrums-Infrastruktur
  • Einfacher Zugang, transparente Preise, dynamische beziehungsweise verbrauchsabhängige und feste, reservierte Abrechnungsmodelle
  • Anerkannte Standards und Zertifizierungen, starker Fokus auf Datenschutz und ausgeklügelter Cyber-Sicherheitsansatz
  • Unterstützung für Infrastructure as Code (IaC) und Serverless Computing in Kombination mit hochautomatisierter Bereitstellung, Event Triggering und Failover
  • Test- und Entwicklungsumgebungen, einschließlich Workloads und Protokoll-/Berichtsfunktionalität für Rollouts
  • Unterstützung für mehrere Entwicklungswerkzeuge, Betriebssysteme, Technniken und Automatisierungen des Plattform-Managements
  • Workflow-Unterstützung für agile Entwicklungsmethoden wie Scrum
  • Offene Architektur, Interoperabilität und gut dokumentierte (Web-Service-) APIs oder Middleware-/Integrations-Layer zur Verbindung mehrerer Clouds oder Dienste und Plattformen
  • Spezialisiertes Partnerprogramm mit einem breiten Partner-Ökosystem zur Unterstützung lokaler Kundenanforderungen

Hervorgehoben

AWS behauptet seine Führungsposition und ist global mit 45 Prozent Marktanteil bestens aufgestellt. Auch in Deutschland ist AWS die Nr. Eins. AWS sei hochgradig innovativ, agiere nah am Kunden und seinen Bedürfnissen und bringe ein sehr dynamisches Partnerumfeld mit tiefgehenden Qualifizierungen ein, so der Report.

Microsoft Azure hat sein Angebot und die Marktanteile nicht zuletzt durch die hohe Anzahl der langjährigen Microsoft-Anwender vergrößern können und versucht AWS-Kunden von dem Service-Angebot zu überzeugen.

Über den Anbieter Google mit der „Google Cloud Plattform“ (GCP) sagen die ISG-Analysten, der Anbieter sei sehr agil und könne nicht nur mit einem attraktiven Dienstleistungsangebot, sondern auch mit günstigen Preisen punkten.

Zu T-Systems bemerken sie, dass das Unternehmen die „OTC“-Plattform (OTC = Open Telekom Cloud) weiterentwickelt habe, welche von T-Systems betrieben wird. Mit dem umfangreichen Angebot an Services und der Sicherheit, dass die Datenhaltung hierzulande erfolgt,sei das Angebot eine echte Alternative zu den amerikanischen Wettbewerbern.

Auch IBM findet positive Beachtung:Die „IBM Cloud“ sei ein umfassendes IaaS- und PaaS- Angebot, welches zudem durch die Übernahme von Red Hat an Attraktivität gewonnen habe. Red Hat bietet, unabhängig von IBM, mit der quelloffenen Openshift-Plattform Softwareprodukte zur Entwicklung von Container-Lösungen, die in vielen Branchen gefragt sind.

Rising Star Ionos mit Ionos cloud biete ein leistungsfähiges, flexibles und preisgünstiges Angebot und fokussiere sich auf den Mittelstand im europäischen Raum. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, als es schon einmal der aufgehende Stern war, habe das Unternehmen seine Position noch einmal verbessern können. Die Ionos cloud sei eine einfache, vergleichsweise wenig komplexe Cloud-Plattform, biete aber ein breites Leistungsspektrum, sei zugleich jedoch weitgehend selbsterklärend und arbeite nicht mit Langfristverträgen.

„Beim Wechsel in die Cloud sind grundlegende Fragen zu klären“, sagt Heiko Henkes, Director & Prinicipal Analyst bei ISG. „Bei dieser Migration kommen die Unternehmen ohne die Partneranbieter der Hyperscaler kaum aus – etwa, um alte Großrechner-Applikationen mit dem notwendigen Know-how und geeigneten Werkzeugen Cloud-fähig zu machen.“
„Beim Wechsel in die Cloud sind grundlegende Fragen zu klären“, sagt Heiko Henkes, Director & Prinicipal Analyst bei ISG. „Bei dieser Migration kommen die Unternehmen ohne die Partneranbieter der Hyperscaler kaum aus – etwa, um alte Großrechner-Applikationen mit dem notwendigen Know-how und geeigneten Werkzeugen Cloud-fähig zu machen.“
(Bild: ISG Research 2020)

Mit Blick auf die Zukunft geht ISG davon aus, dass im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung das Speichern und die Strukturierung großer Datenmengen immer wichtiger werden. „Auch die großen Hyperscaler werden langfristig nicht mehr nur auf die Verfügbarkeit großer Rechenzentren zählen können“, sagt ISG-Analyst Heiko Henkes. „Sie entwickeln immer häufiger Technologien, um hybride Cloud-Lösungen zu ermöglichen und Kunden dabei zu unterstützen, lokale Appliances auf Basis von globalen Public Cloud-Standards zu betreiben. Dieser Trend hin zur ‚verteilten Cloud‘ lässt sich bei den Anbietern am Markt bereits beobachten.“

Der „ISG Provider Lens Public Cloud – Solutions & Services Report Germany 2020“ bewertet die Leistungen von 101 Anbietern in acht Marktsegmenten (Quadranten): Neben „Hyperscale Infrastructure & Platform Services” sind dies „Consulting & Transformational Services (Großunternehmen)”, „Consulting & Transformational Services (Mittelstand)”, „Governance, Risk & Compliance Services”, „Managed Public Cloud Services (Großunternehmen)”, „Managed Public Cloud Services (Mittelstand)”, „Secure Enterprise Filesharing Services” und „SAP HANA Infrastructure Services”.

Abbildung 2: Managed Public Cloud Services Anbieter (MSPs) offerieren professionelle und Managed Services zusätzlich zu IaaS- und PaaS-Hyperscale-Plattformen für öffentliche Clouds von Drittanbietern. Das ist das Rating von ISG im Bereich „Midmarket“.
Abbildung 2: Managed Public Cloud Services Anbieter (MSPs) offerieren professionelle und Managed Services zusätzlich zu IaaS- und PaaS-Hyperscale-Plattformen für öffentliche Clouds von Drittanbietern. Das ist das Rating von ISG im Bereich „Midmarket“.
(Bild: ISG Research 2020)

Consulting & Transformational Services

Beratungshäuser im Cloud-Umfeld stehen vor allem vor der Herausforderung, die mit der Cloud verbundene Transformation zum datenzentrischen Unternehmen zu begleiten und durch ein entsprechendes Change Management abzusichern. Bei der eigentlichen Cloud-Migration sind die Serviceanbieter laut ISG-Studie zudem beim Re-Engineering oftmals proprietärer oder monolithischer Altanwendungen gefragt. Begehrt seien dabei vor allem die rar gesäten Middleware- und Developer-Experten. Absolut im Trend liege auch das Aufbrechen von Mainframe-Applikationen beziehungsweise die Migration von SAP auf Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud Platform.

Governance, Risk & Compliance Services

Lange Zeit haben Datenschutzbedenken die Einführung von Cloud-Services im deutschen Markt gebremst. Dies hat sich laut ISG-Studie mittlerweile grundlegend geändert. Die ISG-Analysten beobachten zudem, dass gerade jene Service-Provider, welche die technische Implementierung durchführen, auch mit Beratungsleistungen rund um die technische Sicherstellung der Compliance für diese Cloud-Services beauftragt werden.

Auditierungen und Zertifizierungen würden in den meisten Fällen in den Händen der großen Unternehmensberatungen liegen. Diese hätten gerade im Bereich der Risiko-Evaluierung, -Bewertung und -Minderung aufgerüstet. Neben umfangreichen Frameworks zur Regelkonformität hätten die Berater zudem mit automatisierten Tools und implementierter künstlicher Intelligenz nachgezogen.

Abbildung 2: Managed Public Cloud Services Anbieter (MSPs) offerieren professionelle und Managed Services zusätzlich zu IaaS- und PaaS-Hyperscale-Plattformen für öffentliche Clouds von Drittanbietern. Das ist das Rating von ISG im Bereich „Midmarket“.
Abbildung 2: Managed Public Cloud Services Anbieter (MSPs) offerieren professionelle und Managed Services zusätzlich zu IaaS- und PaaS-Hyperscale-Plattformen für öffentliche Clouds von Drittanbietern. Das ist das Rating von ISG im Bereich „Midmarket“.
(Bild: ISG Research 2020)

Managed Public Cloud Services

Bei der Auslagerung von Public Cloud Services als Managed Services verfügen die führenden Anbieter der ISG-Studie zufolge in der Regel über Cloud-Management-Plattformen, um den Ansprüchen ihrer Kunden an Kostenoptimierung und Automation gerecht zu werden. Hyperscaler würden zudem dedizierten Managed Service Providern Akkreditierungen im Rahmen ihrer Partnerprogramme anbieten. Viele dieser Managed Service-Engagements würden auch Migrationen von Applikationen beinhalten, um diese initial zu optimieren beziehungsweise zu standardisieren.

Secure Enterprise Filesharing Services

In diesem von der ISG-Studie beschriebenen Spezialmarkt befinden sich Anbieter, die wichtige Dokumente und Prozesse statt auf lokalen Computern oder einem Intranet in geografisch verteilten Server-Clustern speichern. Die Daten werden zentral im Rechenzentrum des Cloud-Anbieters gespeichert und können von überall mit jedem Endgerät via Browser oder Login-Bildschirm abgerufen werden. Eine Reihe der Anbieter dieses Marktes kommt aus Deutschland. Sie garantieren, dass die hochsensiblen Daten hierzulande verarbeitet und gehostet werden und das Land nicht verlassen.

Abbildung 3: In diesem Quadranten hat ISG Cloud-Infrastrukturen untersucht, die sich am besten für das Hosting des SAP-Softwareportfolios eignen, wobei der Schwerpunkt auf „SAP S/4HANA“-Workloads und großen HANA-Datenbanken liegt. Die teilnehmenden Anbieter offerieren Infrastructure-as-a-Service (hyperskaliertes IaaS), einschließlich Infrastrukturbetrieb, Einrichtung, Bereitstellung und Skalierungskapazität, nach einem Pay-as-you-go (PAYG)-Modell.
Abbildung 3: In diesem Quadranten hat ISG Cloud-Infrastrukturen untersucht, die sich am besten für das Hosting des SAP-Softwareportfolios eignen, wobei der Schwerpunkt auf „SAP S/4HANA“-Workloads und großen HANA-Datenbanken liegt. Die teilnehmenden Anbieter offerieren Infrastructure-as-a-Service (hyperskaliertes IaaS), einschließlich Infrastrukturbetrieb, Einrichtung, Bereitstellung und Skalierungskapazität, nach einem Pay-as-you-go (PAYG)-Modell.
(Bild: ISG Reserach 2020)

SAP HANA Infrastructure Services

SAP ermutigt seine Kunden mittlerweile, ihre SAP-Anwendungen aus den eigenen Rechenzentren in die Public Cloud zu verlagern. Die darauf spezialisierten As-a-Service-Anbieter konnten sich laut ISG-Studie vor allem durch Analyseverarbeitung in Echtzeit, eine hohe Flexibilität in der Skalierbarkeit zu jeder Zeit, die Nutzung bestehender Anwendungen und die Auswahl aus einer Fülle von vorkonfektionierten Anwendungen profilieren. Der Markt vergrößere sich weiterhin fortlaufend, darunter zahlreiche Vor-Ort-Anbieter aus Deutschland, einem der größten SAP-Anwendermärkte weltweit.

Hinweis: Bearbeitete Versionen der Studie sind bei Ionos cloud, Rackspace und T-Systems verfügbar.

(ID:47078599)

Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider