Hedgehog: baut RZ-Fabrics auf Standard-Switches Mandantenfähige VPCs auf Sonic ohne Portlizenz

Von Thomas Joos 2 min Lesedauer

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Datacenter-Fabrics binden Betreiber oft an Betriebssystem und Lizenzmodelle. Hedgehog legt eine offene Steuerungsschicht vor über handelsübliche Switches mit dem freien Netzbetriebssystem Sonic.

Hedgehog: baut RZ-Fabrics auf Standard-Switches(Bild:  Thomas Joos)
Hedgehog: baut RZ-Fabrics auf Standard-Switches
(Bild: Thomas Joos)

Das Fabric-Projekt von Hedgehog steht unter der Apache-2.0-Lizenz frei zur Verfügung. Am 31.07.2026 hat das Team die Version 0.128.1 veröffentlicht, der Takt liegt bei mehreren Releases pro Monat. Kern ist ein Controller, der auf Kubernetes läuft und Netzwerkwünsche als Custom Resources entgegennimmt. Aus diesen Objekten erzeugt Hedgehog die konkrete Konfiguration für Spine- und Leaf-Switches.

Netzdefinition als Kubernetes-Objekt

Hedgehog überträgt das Modell der Virtual Private Cloud auf das eigene Rechenzentrum. Betreiber legen VPCs, Subnetze und Peering-Regeln als YAML-Manifeste an, die der Controller über die Kubernetes-API verwaltet. Mehrere Mandanten nutzen dabei überlappende private IPv4-Bereiche, ohne dass sich die Adressräume stören. Dienste für DHCP, DNS und NTP sitzen in der Steuerungsebene und lassen sich per API auf externe Server umleiten. Die Datenebene ist in Rust geschrieben und trennt die Weiterleitung der Pakete von der Kontrolllogik des Controllers.

Der Aufbau verteilt sich auf mehrere abgegrenzte Komponenten.

  • Fabricator: installiert und aktualisiert die Fabric per ONIE und SONiC-Image
  • Controller: nimmt VPCs und Peering als Kubernetes-Manifeste entgegen
  • Dataplane: leitet den Verkehr in Rust-Code getrennt von der Steuerung
  • Underlay: koppelt Leaf- und Spine-Switches über BGP
  • Overlay: isoliert Mandanten mit EVPN und VXLAN

Standard-Switches statt proprietärer Hardware

Als Unterbau dient SONiC, das Netzbetriebssystem der SONiC Foundation, in der Community-Fassung und als Enterprise SONiC 4.2.0 von Broadcom. Hedgehog zertifiziert dazu Switches von Edgecore und Dell, darunter das Modell AS7726-32X mit Broadcom-ASIC der Reihe BCM56870. Leaf-Switches binden die Server mit 25 GbE an, die Spine-Ebene koppelt diese Leafs mit 100 GbE, und darüber legt die Fabric ein BGP-Underlay mit EVPN und VXLAN im Overlay an, ein verbreitetes Muster für skalierbare Leaf-Spine-Netze im modernen Rechenzentrum. Der Herstellerzwang fällt weg. Per-Port-Lizenzgebühren fallen bei diesem Modell nicht an, der Ausbau auf hohe Portzahlen bleibt kalkulierbar.

Der Ansatz setzt Switches mit SONiC-Freigabe voraus, die Liste zertifizierter Modelle bleibt kürzer als bei den großen Herstellern klassischer Netzwerktechnik.

Rollout und KI-Fabrics

Den Erstaufbau übernimmt der Fabricator. Das Tool spielt das SONiC-Image per ONIE auf die Switches, ordnet jedem Gerät seine Rolle als Leaf oder Spine zu und bringt den Controller in Betrieb, sodass eine komplette Fabric ohne Handarbeit an der Kommandozeile jedes einzelnen Switches bereitsteht. Änderungen an VPCs oder Peering laufen anschließend über dieselbe API und landen als Commit im Kubernetes-Zustand. Seit dem NVIDIA-GTC im April 2026 unterstützt Hedgehog zudem Spectrum-X-Ethernet und richtet die Fabric an der Referenzarchitektur für KI-Cloud-Anbieter aus. Der Bedarf großer GPU-Cluster trifft damit auf ein deklaratives Netz.

Fazit

Hedgehog verlagert die Fabric-Steuerung in die Kubernetes-Welt und macht handelsübliche SONiC-Switches zur Grundlage mandantenfähiger Rechenzentrumsnetze. VPCs, überlappende Adressräume und ein BGP-EVPN-Underlay stehen über eine deklarative API bereit. Mit dem schnellen Release-Takt bis zur Version 0.128.1 und der Freigabe unter Apache 2.0 wird das Projekt für RZ-Netzwerkteams greifbar.

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