Cybersecurity im Re­chen­zen­t­rum So gelingt ein sicheres DCIM in drei Schritten

Ein Gastbeitrag von Thorsten Eckert* 4 min Lesedauer

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Vernetzte DCIM-Systeme liefern Transparenz über die Re­chen­zen­t­rumsinfrastruktur. Aber sie erhöhen auch die Angriffsfläche. Um die Ausfallsicherheit zu erhöhen, müssen Betriebssicherheit und Cyber-Resilienz zusammengedacht werden.

DCIM vernetzt immer mehr Komponenten im Rechenzentrum. Damit steigen auch die Anforderungen an die Absicherung.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
DCIM vernetzt immer mehr Komponenten im Rechenzentrum. Damit steigen auch die Anforderungen an die Absicherung.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Die Anforderungen an Rechenzentren steigen stetig. So benötigen Künstliche Intelligenz (KI) und die weiter zunehmende Digitalisierung immer größere Kapazitäten. In der Folge steigen auch der Energie-, Kühlungs- und Wasserbedarf, um die Verfügbarkeit der Infrastruktur zu gewährleisten.

Hierbei spielt das Re­chen­zen­t­rums-Infrastrukturmanagement (Data Center Infrastructure Management, DCIM) eine Schlüsselrolle. Es erfasst Telemetriedaten von Strom­ver­tei­lungs­einheiten (PDUs), unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USVs), Kühlsystemen, Umgebungssensoren, Netzwerkhardware und physischen Sicherheitskontrollen und liefert den Betreibern einen Echtzeit-Überblick über den Betriebsstatus all dieser Anlagen. DCIM kann auch zur Risikominderung beitragen und wird so zu einem bedeutenden Bestandteil der Sicherheitsstrategie.

Steigende Vernetzung sorgt für steigende Risiken

DCIM-Plattformen sind unverzichtbare Werkzeuge zur Überwachung des operativen Betriebs der digitalen und cyber-physischen Systeme (CPS), die die Ausfallsicherheit und Integrität von Rechenzentren gewährleisten.

So teilen sich beispielsweise DCIM- und Gebäudemanagementsysteme (GMS) mittlerweile häufig die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und Workloads. Das Ge­bäu­de­ma­nage­ment­sys­tem überwacht den Betrieb und die Sicherheit der gesamten physischen Infrastruktur einschließlich Beleuchtung und Aufzüge, während DCIM aufzeigt, wie sich ein Ausfall in einem Segment der Re­chen­zen­t­rumsinfrastruktur auf andere Betriebsabläufe auswirken könnte.

Gemeinsam sind ihnen auch die steigenden Risiken, die durch die zunehmende Konnektivität und die Anbindung an das Internet entstehen. Vormals isolierte Systeme sind nun hochgradig vernetzt. Zusätzlich erhöht auch die Integration von DCIM mit KI-Analysen und Cloud-Plattformen das Cyberrisiko.

Entsprechend müssen Sicherheitsverantwortliche das Data Center Infrastructure Management in den Blick nehmen. Dies gilt insbesondere für den Zugriff. Angreifer mit Zugriff auf eine DCIM-Schnittstelle können sensible Informationen über die Abläufe im Re­chen­zen­t­rum erhalten, wie die Anordnung der Anlagen, die Stromverteilung, die Auslastung und die Konfigurationen.

Im Falle einer Kompromittierung verfügen die Cyberkriminellen über denselben Einblick in das System wie ein Betreiber und wissen folglich, welche Segmente des Re­chen­zen­t­rums im Falle einer Störung den maximalen Schaden verursachen könnten.

Malware, einschließlich Ransomware, und staatlich geförderter Schadcode wie beispielsweise „Wiper“ können ebenfalls die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Rechenzentren beeinträchtigen. Disruptive Angriffe zielen auf die Betriebskontinuität ab. Ein unberechtigter Zugriff auf das DCIM-System kann die Bereitstellung von Code ermöglichen, der kritische Systeme verschlüsselt oder Server, Switches und andere Infrastrukturkomponenten auf Kernel-Ebene löscht und sie damit dauerhaft außer Betrieb setzt.

Drei praktische Maßnahmen zum Schutz von Rechenzentren

Um die Ausfallsicherheit zu erhöhen, gilt es, operative Widerstandsfähigkeit mit Cyber-Resilienz intelligent zu kombinieren.

1. Asset-Management und Inventarisierung

Die Grundlage für den effektiven Schutz von DCIM-Umgebungen ist eine umfassende Bestandsaufnahme aller Assets im Re­chen­zen­t­rum. Diese muss kontinuierlich erfolgen und stets auf dem aktuellen Stand sein.

Sie muss zudem detaillierte Informationen enthalten, zum Beispiel Software- und Firmware-Versionen oder welche Kommunikationsprotokolle wo verwendet werden. Intelligente CPS-Lösungen sind hierzu in der Lage und können teilweise auf KI-gestützte Bibliotheken zurückgreifen.

Dies ist vor allem deshalb ein Vorteil, da in Rechenzentren häufig noch ältere Anlagen zur Stromerzeugung und -verteilung sowie Gebäudemanagementsysteme eingesetzt werden.

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2. Virtuelle Netzwerksegmentierung

DCIM können in aller Regel durch Netzwerksegmentierung die Ausfallsicherheit erhöhen. Die Strategie sollte darin bestehen, sensible Netzwerkzonen vom öffentlichen Internet und/oder von Unternehmensnetzwerken zu isolieren.

So werden die Möglichkeiten von Angreifern eingeschränkt, tiefer in das Netzwerk vorzudringen. Mittels Segmentierung kann der Datenverkehr durch Firewalls und SIEM-Systeme geleitet werden, um böswilligen Traffic zu blockieren und potenziell unzulässige Aktivitäten zu protokollieren. Ein noch höheres Maß an Sicherheit bietet die Mikrosegmentierung:

Hier werden Sicherheitstools näher an Workloads und Anwendungen herangeführt, um diese noch stärker von Backend-Systemen wie Datenbanken zu isolieren. Eine granulare Zugriffskontrolle ermöglicht die Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien, die festlegen, welche Geräte und Systeme miteinander kommunizieren dürfen. Auf diese Weise wird das Risiko einer lateralen Ausbreitung verringert.

3. Kontinuierliche Bedrohungserkennung

Herkömmliche IT-Sicherheitstools verstehen oft die in DCIM-Ökosystemen verwendeten industriellen und betrieblichen Protokolle nicht. Eine effektive Bedrohungserkennung und -überwachung muss unbefugte Konfigurationsänderungen oder ungewöhnliche Kommunikationsmuster erkennen, bevor es zu Störungen kommt.

Im Bereich der cyber-physischen Systeme kommt es deshalb auf eine tiefe Branchenexpertise an. Nur so lassen sich die Kommunikation verstehen und Risiken sicher identifizieren.

Moderne Rechenzentren sind längst nicht mehr nur eine Ansammlung von Servern und Kühlsystemen. Sie sind eng vernetzte cyber-physische Umgebungen, in denen Betriebssicherheit und Cybersecurity untrennbar miteinander verbunden sind.

DCIM bietet die erforderliche Transparenz und Kontrollstruktur, um die Verfügbarkeit und Datenintegrität zu gewährleisten.

Über den Autor:
Thorsten Eckert ist Regional Vice President Sales Central von Claroty. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in den Bereichen IT, Cybersecurity und Infrastruktur und hatte dabei verschiedene Managementfunktionen inne, unter anderem bei VMware, Splunk, Zscaler und Netskope.

Als Regional Vice President Sales Central von Claroty stärkt er nun die Cyber-Resilienz von Industrieunternehmen und Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Bildquelle: Claroty

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