Gartner: Der HCI-Markt besteht nicht nur aus Big Names

Magic Quadrant für Hyperconverged Infrastructure

| Autor: Ludger Schmitz

Hyperkonvergenz ist ein Moment zur Konsolidierung der IT
Hyperkonvergenz ist ein Moment zur Konsolidierung der IT (Bild: gemeinfrei, geralt, Pixabay / CC0)

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner hat die Hyperkonvergenz-Angebote von zwölf Herstellern unter die Lupe genommen. Die Analysten kommen in einigen Fällen zu durchaus überraschenden Feststellungen.

„Hyperconverged Infrastructure“, kurz HCI, ist so ein Trendbegriff, der industrieweit nicht sauber definiert ist. Dazu gehört zumindest ein Paket von virtualisierter Software, das Hypervisor, Storage- und Netzwerk-Virtualisierung umfasst.

Manchmal fehlen aber unter dem HCI-Label elementare Funktionen. Außerdem gibt es Lösungen, die mit Applikationen für spezielle Anwendungsziele aufwarten. In etlichen Fällen zählt zu einer „hyperconverged infrastructure solution“ auch Hardware, ob nun in Form einer Box oder als ein Paket mit Standard-Rack-Servern.

Nutanix führt das Feld deutlich an, doch Dell EMC und VMware sind starke Konkurrenten.
Nutanix führt das Feld deutlich an, doch Dell EMC und VMware sind starke Konkurrenten. (Bild: Gartner)

Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat früher solche Angebote in einzelnen Klassen unterteilt, ist aber davon abgekommen. Angeblich möchten die Gartner-Kunden einen breiteren Überblick.

Der gerät aber zumindest für europäische Interessenten nicht unbedingt zufriedenstellend. Denn es fehlen einige Anbieter, die hier am Markt bekannt sind. So fehlen Fujitsu, Hitachi Vantara und Lenovo, weil sie ihre Hardwaresysteme mit Software von anderen Hyperkonvergenz-Anbietern koppeln. Anwender müssen also nachhaken, von wem ein Anbieter seine HCI-Lösung bezieht; oft ist das VMware.

Die Hersteller auf dem Gartner-Radar im Einzelnen:

Cisco

Seit April 2016 bietet der Netzwerk-Spezialist unter dem Titel „Hyperflex“ seine HCI-Angebote an. Die Grundlage ist Ciscos Unified Compting System (UCS) plus UCS Manager sowie Daten- und Storage Management Software. Letztere kommt vom im September 2017 übernommenen Hersteller Springpath. „Hyperflex lässt sich für eine breite Spannweite von Applikationen verwenden“, konstatiert Gartner.

Cisco bringe als Netzwerk-Spezialist wichtiges Wissen mit, seine Marktposition und die Verbreitung von UCS verschafften Bekanntheit bei den Anwendern. Kritisch merkt Gartner an, mit der Beschränkung auf VMware ESXi in Sachen multi-virtualisierter Infrastruktur einschränke, bei Backup und Recovery als nicht so stark und überhaupt als teuer gelte.

Datacore

Das Unternehmen ist eigentlich bekannt für Software-defined Storage und die Produktreihe „SANsymphony“. Entsprechend sehen die Analysten hier die Stärken, vor allem wenn es um das zentralisierte Management von Direct-attached storage, SAN und Cloud Storage geht. Attraktiv seien aber auch die Erweiterungen für Hochverfügbarkeit, die sich schon mit einer Zwei-Nodes-Konfiguration schaffen lassen.

Wahrgenommen werde Datacore aber primär als Storage-Spezialist. Die nur aus Software bestehende Lösung biete keine vollständig integrierte Appliance, weshalb die Auswahl und das Fein-Tuning von Hardware oft die Einschaltung von Partnerfirmen erfordere. Die häufige Updates könnten den Betrieb stören.

Dell EMC

Von diesem Anbieter gibt es zwei Kernprodukte in diversen Varianten, die mit VMware entwickelt wurden. „VxRail“ ist die quasi schlüsselfertige Lösung einschließlich grundlegender Software. Dazu gibt es Software-Erweiterungen und verschiedene Lizenzformen. „VxRack SDDC“ ist die entsprechende Software-Ausgabe mit Cisco-Switches, VMware NSX, vSphere, vSAN ... Außerdem gibt es „VxRack Flex“, das auf ScaleIO aufsetzt. Auch dieses ist im Bundle mit Hardware zu haben und heißt dass „ScaleIO Ready Nodes“.

Gartner lobt die solide Verankerung am Markt für das seit Anfang 2016 angebotene VxRail und den dadurch erbrachten Praxisnachweis in diversen Anwendungsbereichen. VxRack SDDS sei eine „best-in-class rack-scale solution“. Der Zuschnitt auf "Poweredge"-Server sei zuverlässig. Allerdings hänge bei VxRail der Software-Release-Zyklus hinter dem von VMware zurück. Bei VxRack Flex gebe es die wichtigen Features für Replication, Deduplikation und native Kompression nur über Erweiterungen und der Manager lasse sich nicht für die Verwaltung multipler Cluster verwenden.

HPE

Im Februar 2017 übernahm HPE eine Firma namens Simplivity, und jetzt heißt das HCI-Kernangebot „HPE Simplivity“. Zusammen mit den Servern „Proliant DL380“ gibt es die Lösung in Konfigurationen von einem Node bis zu acht, plus 16 reinen Netzwerk-Nodes. Zusammen mit dem starken Partnernetz ist das Angebot offenbar erfolgreich. Gartner bescheinigt „robust data services“.

Die weite Verbreitung der DL380 mache Simplivity zu „one of the top choices“ auf dieser Plattform.

Die Analysten merken kritisch an, dass Überschneidungen mit anderen Lösungen aus dem HPE-Portfolio Interessenten verwirren könnten. Negativ bewerten sie auch, dass es beim Hypervisor nur Support für VMware ESXi sowie nur kostspieligere Flash-Konfigurationen gebe.

HTBase

Die HCI-Lösung dieses Anbieters ist ein Hardware-agnostisches Betriebssystem „Composable Operation System“ (COS). In dem sind elementare Funktionen integriert; erst in jüngster Zeit entsteht ein modulareres Konzept, das auch in Private und Public Clouds reicht und ausfallsicher arbeitet.

Allerdings fehlt es dem Anbieter an globalem Marketing und Support sowie Vertriebskanälen.

Huawei

Der chinesische Hersteller bietet „Fusioncube“ an, was auch die Grundlage seiner 2017 gestarteten Initiative „Boundless Computing“ ist. Die HCI-Lösung unterstützt bis zu 4096 Nodes, die Hypervisor KVM, Xen, VMware und Hyper-V sowie Storage-Konfiguration bis in die Amazon- und Microsoft-Clouds. Huawei hat eine gute Marktpräsenz in Asien und Europa, stößt in den USA aber auf Sicherheitsbedenken.

Gartner lobt eine starke Grundlage von Partnerschaften mit Oracle, SAP, VMware, Microsoft, Red Hat und Suse.

Einige Kunden hätten das Fehlen von Storage-Funktionen wie Deduplikation, Backup und Recovery sowie eine inkonsistente Administration beklagt. Die Huawei-Roadmaps entsprächen „nicht immer“ dem, was nachher tatsächlich komme.

Microsoft

Gartner zählt Microsoft seit „Windows Server 2016“ zu den HCI-Anbietern, zumal in der Datacenter Edition das Speichervirtualisierung-Tool „Storage Spaces“ dazu gehört. Auch wenn nach Ansicht der Analysten nur wenige Anwender dieses System für eine HCI nutzen, ergibt sich aus seiner gewaltigen Verbreitung bereits eine ansehnliche Marktposition. Als Upgrade ist der Win Server 2016 kostenlos, was andere HCI-Anbieter noch mehr unter Druck setzt, als die große Verbreitung es schon tut. Mit dem Release 2018 wird das „Resilient File System“ etwa auch noch Deduplikation bringen.

Allerdings ist Microsoft HCI Angebot eben an Windows Server und an „Azure“ gebunden, und die Datacenter Edition dürfe für kleinere Umgebungen zu teuer sein, kritisiert Gartner. Ein bockierender Faktor könnte sein, dass die Anwender bei den älteren Versionen, nämlich Windows Server 2003, 2008 und 2012 bleiben.

Nutanix

Diesen Anbieter zählen die Analysten „among the leaders in hyperconvergence with over 7800 customers“. In der Grafik zum Magic Quadrant steht Nutanix sogar deutlich an der Spitze. Er stehe mit seiner Software-defined HCI in direkter Konkurrenz zu Größen wie Dell EMC, Cisco und HPE, mit denen - und mit weiteren OEM-Hardwareherstellern - das Unternehmen gleichzeitig Partnerschaften hat.

Für „Nutanix“ und seine ergänzenden Produkte verzeichnet Gartner eine hohe Kundenzufriedenheit. Der Anbieter offeriere eine robuste Management-Umgebung vom Self-service „Palm“, über den KVM-basierenden „Acropolis“ Hypervisor (AHV) bis in ein Cloud Framework namens „Calm“ und die „Xi Cloud Services“.

Das Problem bestehe eher darin, dass Nutanix auf große Anwender ziele und noch keine Alternative für kleinere Umgebungen sei.

Pivot3

Dies ist einer der Pioniere im HCI-Segment. Aus dem Startprodukt „vStack“ ist nach der Übernahme von Nexgen im letzten Jahr „Acuity“ geworden. Das Produkt wird laut Gartner für seine einfache Anwendbarkeit gelobt, OEM-Partnerschaften mit mehreren Server-Anbietern könnten die Installationsbasis (2017: 1900) verbessern.

Allerdings bergen sie auch die Gefahr, mit denen in Konkurrenz zu geraten. Die Analysten kritisieren vor allem mangelnde Public-Cloud-Integration zwecks Recovery und Anwendungsportabilität, sowie schwache APIs.

Scale Computing

Auch „HC3“ gibt es schon länger, nämlich seit 2012. Das Produkt basiert auf dem „Hypercore“-Betriebssystem, das seit HC3 die wesentliche HCI-Fähigkeiten schon mitbringt. Scale Computing hebt sich dadurch von anderen ab, das die Firma eine fertige Lösung samt Hardware anbietet, die auch zu schmaleren Budgets passt. Die Hardwaremodelle reichen von drei bis acht Nodes und lassen sich unter einer Verwaltungsoberfläche auf bis zu 25 Cluster und kombinieren.

Seit kurzem gibt es HC3 auch als reine Softwarelösung für OEM-Partner. Laut Gartner leicht zu installieren und zu administrieren, dürfte die KVM-basierende Virtualisierung von Hypercore für Anwender von VMware- oder Microsoft-Hypervisorn wenig attraktiv sein. Außerdem fehlt es dem Unternehmen an Marktpräsenz in Europa.

Stratoscale

Dies ist der Anbieter der Softwarelösung „Symphony“, als deren Stärke Gartner zuerst die Fähigkeit nennt, dynamisch Workloads mit AWS auszutauschen. Es ist ein hardwareneutrales Produkt, vermeidet diesbezüglich also ein Vendor Lock-in. Symphony unterstützt die Migration von diversen Hypervisorn auf die eigene KVM-Basis, was aber einige Anwender abschrecken könnte.

Der weltweite Support ist löchrig, weshalb Interessenten zunächst nach regionalen Vertretungen und Partnern Ausschau halten sollten.

VMware

Bei diesem Anbieter kommen mehrere Produkte zusammen. Der Kern ist eigentlich „vSAN“, das im Hypervisor vSphere enthalten ist. Dazu kommen noch die Management-Suite „vCenter“ und die Netzwerk-Virtualisierung „NSX“. Alles zusammen ergibt dann „vSAN Ready Node“ als reine Software-Lösung, in Kombination mit Boxen und als Rack-Lösung.

Die genannten Einzelprodukte sind gut integriert, so dass Management und Support unproblematisch sind. Die Software-Release-Zyklen sind schnell.

Deduplikation und Kompression sind nicht Bestandteil der Standardedition, sondern benötigen die Enterprise Editions und Flash-Hardware, was die Sache teurer macht. Die Stabilitätsprobleme mit vSAN sollen in vSAN Ready Nodes nicht so häufig sein. Der schwerwiegendste Einwand von Gartner aber lautet: „The choice of VMware as a hyperconverged vendor limits the choice at every layer across compute, storage and management in the on-premise data center.“

VMware bietet HCI über Cloud-Provider wie IBM und OVH an, aber nur bei AWS steht direkter VMware-Support dahinter.

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