DC/OS bei der Telekom, Royal Carribean und den IT-Awards 2018

Frisches Geld und Pestigekunden für Mesosphere

| Autor: Ulrike Ostler

Tobias Knaup, Mitbegründer und CTO von Mesosphere, auf der diesejährigen Doppelveranstaltung CNCFCon/KubeCon in Kopenhagen.
Tobias Knaup, Mitbegründer und CTO von Mesosphere, auf der diesejährigen Doppelveranstaltung CNCFCon/KubeCon in Kopenhagen. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Das 2013 gegründete Unternehmen Mesosphere hat in diesem Monat eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 125 Millionen Dollar bekannt geben können. Früher in diesem Jahr konnte das Unternehmen melden, dass die „Seamless Connectivity App“ der Telekom, die in Bälde elf Millionen europäische Anwender nutzen sollen, unter anderem auf seiner Technik, der Plattform Datacenter Operation System, „DC/OS“, basiert.

Zum diesjährigen „Mobile World Congress“ stellte die Deutsche Telekom seine Seamless Connectivity App vor: Die Anwendung soll Smartphones zuverlässig online vernetzen, indem sie automatisch immer die besten Zugriffspunkte auswählt, also die beste Konnektivität und das beste Kundenerlebnis. Zugleich soll die App einfach und sicher zu bedienen sein.

Das geschieht im Wesentlichen durch einen automatisieren Wi-Fi Login für die Nutzung von öffentlichen sowie Telekom WiFi Access Points und Hotspots. Eine intelligente Netzwerkauswahl achtet dabei anhand von Qualitätserfahrungen und maschinellen Lernalgorithmen darauf, dass immer der Zugang mit der optimalen Verbindung gewählt wird, egal ob per Wi-Fi oder über Mobilfunk.

Im Zweifelsfall wird per Hybridzugang die Zell- und Wi-Fi-Verbindung zusammengeschaltet für höhere Geschwindigkeiten und Stabilität - WLAN und Mobilfunk also gleichzeitig. Dabei hat es der Nutzer es anhand von individuellen Präferenzen selbst in der Hand, wie die App für ihn arbeitet: Immer die beste Verbindung oder doch lieber Datenvolumen schonen?

Vom Labor in den Feldtest

Die App basiert auf den Technologien von Hewlett-Packard Enterprise (HPE) und Mesosphere. „Über DC/OS von Mesosphere läuft die Realtime-Decisioning-Engine, die durch automatisches und nahtloses hin- und herschalten zwischen Mobilfunk- und Wi-Fi-Netzen das optimale Kundenerlebnis für Millionen unserer mobilen Nutzer ermöglicht“, erkläutert Thorsten Müller, SVP Products, Group Innovation, Deutsche Telekom AG. „Mit Mesosphere ist es einfach, containerisierte Anwendungen und Open-Source Data-Tools elastisch über verschiedene Rechenzentren und Cloud-Provider gleichzeitig zu skalieren“.

Mesosphere hat seinen Hauptsitz in San Francisco mit weiteren Büros in New York, Hamburg und Peking. Der Proof of Concept der Connectivity App startete auf Seiten der Telekom allerdings bereits 2016. Im Frühjahr 2017 verließ die Anwendung erstmals den Innovationsbereich der Telekom für erste Feldtests. Im Herbst 2017 begann die Zusammenarbeit der Telekom und Mesosphere.

Machine Learning ist eines der wesentlichen Bestandteile der „Seamless Connectivity App“; sie nutzt im Backend den so geannten Smack-Stack und kommt auf eine CPU-Auslastung von 75 Prozent.
Machine Learning ist eines der wesentlichen Bestandteile der „Seamless Connectivity App“; sie nutzt im Backend den so geannten Smack-Stack und kommt auf eine CPU-Auslastung von 75 Prozent. (Bild: Mesosphere)

Im Dezember 2017 folgte das erste Android App Roll-Out der Telekom. Das Rollout auf iOS folgte im Januar 2018. Mehr als 100.000 mobile Kunden nutzen die App momentan, in Kürze sollen es im Raum Europa, Afrika und dem Nahen Osten (EMEA) weit mehr als elf Millionen Anwender sein. „Die nächsten Schritte“ für die Seamless Connectivity App sind nach Telekom-Angaben Piloten der Beta-Version in verschiedenen Telekom-Landesgesellschaften. Anschließend wird die App nochmals anhand der Erfahrungen optimiert, bevor Ende des Jahres in den ersten Ländern die Markteinführung folgt.

Die technische Grundlage

Damit auch wirklich der beste WLAN- oder Mobile-Hotspot ausgewählt wird, optimiert sich die App kontinuierlich auf der Basis von Qualitätserfahrungen und maschinellen Lernalgorithmen. Sollte das Signal eines WLAN-Hotspots zu schwach werden, wechselt die App das Smartphone automatisch auf das mobile Netzwerk.

Wie Tobias Knaup, Mitgründer und CTO von Mesosphere erläutert geht es bei der App zum einem um die bestmögliche Nutzererfahrung aber zugleich auch darum, das Mobilfunknetz zu entlasten. Zugleich muss die Telekom sicherstellen, dass in den vielen Landesgesellschaften die jeweiligen Datenschutzbestimmungen eingehalten werden.

Um die Anwendungen stets zu trainieren und zu aktualisieren benötigt die Infrastruktur zahlreiche Messungen durch so genannte B-TAPs, die auf Einhundertausenden von Servern Daten zum Auswerten liefern. Das Machine Learning basiert im Wesentlichen auf „Apache Spark“ und die Daten werden in „Cassandra“ verteilt gesichert.

Für den Aufbau von gleichzeitigen und verteilten Anwendungen auf der Java Virtual Machine (JVM) kommt fernerhin das kostenlose Open-Source-Toolkit und Laufzeitumgebung „Akka“ zum Einsatz. Das Toolkit ist in der Programmiersprache Scala geschrieben.

Mesosphere DC/OS ist eine Plattform, die Anwendungs- und Daten-Workloads konsistent und sicher über hybride Cloud-Infrastrukturen hinweg automatisiert.
Mesosphere DC/OS ist eine Plattform, die Anwendungs- und Daten-Workloads konsistent und sicher über hybride Cloud-Infrastrukturen hinweg automatisiert. (Bild: Mesosphere)

Vorteile eine Hybrid-Cloud-Plattform

Letztlich könnten Anwender die Open-Source-Tools auch selber zusammenstöpseln, doch mit Mesosphere DC/OS können sie ihren hybriden Cloud-Betrieb automatisieren. Ganz wichtig ist heute zudem die Unterstützung von Cloud-nativen Services wie „Kubernetes“ für die Container-Orchestrierung und „Tensorflow“ für die KI-Anwendungsentwicklung. Laut CTO Knaup bieten das auch Public-Cloud-Provider wie AWS, Microsoft und Google. Aber die DC/OS-Plattform biete Cloud-basierte Services ohne Provider Lock-In, indem es möglich werde, Big Data und Kubernetes über verschiedene Cloud Provider elastisch zu skalieren, und ermögliche zudem, die eigenen Rechenzentren bis hin zum Edge in Clouds zu verwandeln.

Rhett Dillingham, Vice President und Senior Analyst von Moor Insights and Strategy, haut in dieselbe Kerbe: „In der Eile, den Stack zu modernisieren, wenden sich Unternehmen manchmal zuerst an öffentliche Anbieter, um das Rüstzeug für „as-a-Service"-Ressourcen zu erhalten. Dies hat allerdings einen hohen Preis, sowohl monetär als auch technologisch.“ Der Grund sei, dass jede Anwendung, die auf diese Art von Service entwickelt werde, an die jeweiligen proprietären APIs gebunden sei. „Die gleichen Datendienste können unter DC/OS laufen“, so Dillingham. „Gleichzeitig bietet die Plattform Organisationen die Freiheit, jede beliebige Kombination von Infrastruktur -- Public Cloud, Private Cloud oder Rechenzentrum – mit einer elastischen Skalierung auszuwählen".

Die derzeit aktuelle Version 1.11 widmet sich einer intelligenten Ressourcenbündelung und der effizienten Bereitstellung von datenintensiven, containerisierten Anwendungen wie Personalisierung, Machine Learning und IoT über eine einzigen Steuerungsebene beziehungsweise Mangement-Oberfläche. Diese soll den nahtlosen Edge- und Multi-Cloud-Betrieb erlauben und mit einem konsistenten Management Geschäftskontinuität, Notfallwiederherstellung und Cloud Bursting gewährleisten - egal, ob vor Ort oder an der Edge.

Außerdem ist nunmehr ein DC/OS Kubernetes Service jetzt produktionsreif und ermöglicht die Bereitstellung und Skalierung eines hochverfügbaren Kubernetes Cluster mit Versions-Upgrades. DC/OS 1.11 erweitert zudem den bestehenden Security Layer, um die Sicherheit des gesamten Anwendungs-Stacks inklusive Big Data Services zu gewährleisten

Edge- und Multi-Cloud-Operationen

Mesosphere DC/OS 1.11 kann beliebige Kombinationen von Cloud-, Rechenzentrums- und Edge Compute-Infrastruktur zum einem einzelnen logischen Ressourcenpool bündeln und über die Management-Ebene Workloads über eine einheitliche Benutzeroberfläche planen - und zwar ortsunabhängig. Diese Möglichkeit ist nicht nur für die Telekom wichtig, sondern auch für die Kunden Athena Health und Royal Caribbean erfreut.

Ihre Infrastrukturen lassen sich durchaus in Verbindung mit den Begriffen Edge-Datacenter und Private Cloud in Verbindung bringen. So benötigte das Kreuzfahrtunternehmen für seine 50 Schiffe etwa einen Dienst, der es ermöglichte, den Passagieren möglichst personalisiert und an Bord Ausflüge, Shows und andere Services anzubieten. Umgekehrt sollte auf Basis ihrer Wahl das Angebot optimiert werden. Das Unternehmen implementierte entsprechende Mikrodienste. Die Orchestrierung über Land und Meer war jedoch keine leichte Aufgabe.

  • Begrenzte Bandbreite für die Synchronisation von Daten: Der größte Teil der 300-Megabyte-Satellitenverbindung des Schiffes ist für Gästeservices vorgesehen, und die Systeme müssen weiterhin Echtzeitdienste wie Wetter und Gästebuchungen unterstützen.
  • Eingeschränkte IT-Unterstützung an Bord: Die Systeme, ein oder zwei Racks mit DC/OS, müssen selbstheilend sein und eine automatisierte Cloud-ähnliche Erfahrung haben, die es Administratoren erlaubt, sich aus der Ferne mit einem System zu verbinden, das sich genau wie erwartet verhält.
  • Die Funktionalität des Rechenzentrums ohne die Quadratmeterzahl: Die Erstellung von Kundenprofilen in Echtzeit erfordert eine hohe Rechenleistung, ohne dabei den Platz für die Ausstattung der Gäste zu opfern, um ein On-Board-Rechenzentrum zu errichten.
  • Keine Ausfallzeiten für Upgrades: Kreuzfahrtschiffe haben nur begrenzte Zeit im Hafen und brauchen diese Zeit, um Kundenprofile und Aufzeichnungssysteme an Land zu synchronisieren. Jede Ausfallzeit für ein Upgrade könnte die Reise verzögern und sehr kostspielig werden.

Dieses wird nun durch neue DC/OS Funktionen vereinfacht:

  • Edge- und Multi-Cloud-Verbund: DC/OS 1.11 ermöglicht es mehrere Cluster zu verknüpfen, um so ein konsistentes Management zu gewährleisten. Ein DC/OS-Cluster kann auch Knoten in verschiedenen Zonen verwalten. Dies bedeutet einen minimalen Footprint für Remote-Standorte oder Edge-Infrastrukturen.
  • Geschäftskontinuität und Disaster Recovery: Bereitstellung hochverfügbarer Dienste unter Verwendung von Fault-Domains, um ausfallsichere Services innerhalb von Racks, Verfügbarkeitszonen und sogar Cloud-Regionen zu ermöglichen.
  • Cloud Bursting: Einfaches Skalieren von zusätzlichen Ressourcen zu einem bestehenden Cluster. Das könnte zum Beispiel bedeuten, zu einem Cluster in einem lokalen Rechenzentrum Knoten eines Public Cloud Providers hinzuzufügen. So lassen sich spontan auftretende Nachfragespitzen ausgleichen und die Auslastung der Infrastruktur optimieren.
  • Kubernetes-as-a-Service: DC/OS ermöglicht es, ein hochverfügbares, produktionsreifes Kubernetes-Cluster auf jeder Art von Infrastruktur einzurichten und zu betreiben. Mit einem einzigen Klick automatisiert DC/OS mehr als 20 verschiedene Schritte und viele Arbeitsstunden, die für die Einrichtung eines sicheren und hochverfügbaren Kubernetes-Cluster erforderlich sind.
    Dazu gehört auch die unterbrechungsfreie Skalierung sowie ein automatisierter Upgrade Prozess zwischen verschiedenen Kubernetes Versionen. DC/OS 1.11 ist von der Cloud Native Computing Foundation für den neuesten Kubernetes 1.9 Release zertifiziert. Da DC/OS über eine modulare Architektur verfügt und Kubernetes rein als Open Source implementiert, steht jeweils die aktuellste Kubernetes-Version über DC/OS zur Verfügung.
  • Erweiterte Sicherheit: Big Data Services haben häufig viele Komponenten, deren Absicherung schwierig sein kann. Containerisierte Microservices sind darauf ausgelegt, neue Instanzen dynamisch zu skalieren und automatisiert das gesamte System inklusive Service Discovery und Load-Balancing anzupassen.
    Diese dynamische Skalierung verschärft die Herausforderungen in puncto Sicherheit weiter. DC/OS 1.11 wurde um neue Sicherheitsebenen für Datendienste und Container erweitert. So lassen sich gesetzliche Vorschriften jetzt einfacher einhalten. Zum einen sind damit sensible Informationen während des Übertragungsweges verschlüsselt. Zum anderen bietet DC/OS die Integration von Datendiensten mit gemeinsamen Mechanismen für die Authentifizierung, Autorisierung und Zugriffskontrolle wie Kerberos, LDAP und Active Directory.
    DC/OS 1.11 optimiert außerdem den Secrets Management Service, den autorisierte Anwendungen zum Austausch von sensiblen Informationen verwenden. Neu ist auch, dass Hierarchien und Multi-Team-Isolationen unterstützt werden. Die Secrets, auf die Anwendungen oder Teams zugreifen können, lassen sich so einfacher verwalten.

Kunden, die datenintensive Anwendungen in hybriden Cloud-Umgebungen laufen lassen wollen, setzen auf Mesosphere.
Kunden, die datenintensive Anwendungen in hybriden Cloud-Umgebungen laufen lassen wollen, setzen auf Mesosphere. (Bild: Mesosphere)

Geld und Geschäft

Die Bemühungen zahlen sich für Mesosphere aus. So haben sich bereits mehr als 125 Unternehmen, darunter dreißig Prozent der Fortune-50-Unternehmen, sich für Software und Services von Mesosphere entschieden, um den hybriden Cloud-Betrieb in der Produktion zu automatisieren. Darunter ist Tommy Hilfiger; das Unterenhmen stellte den Großhandel der Modelinie durch den Bau digitaler Showrooms auf DC/OS um. NBC Universal nutzt DC/OS, für seine Werbung und um sie mit Streaming und Publikumsanalyse in Echtzeit zu verbinden. Ein großer deutscher Automobilbauer, der zwar offiziell noch nicht genannt werden darf, der aber seine Logo aus vier Ringen mit Mesosphere auf der KubeCon/CNCFCon herzeigte, gehört auch zur Kundschaft, ebenso wie Uber und NIO.

So wundert es auch nicht, dass eine Finanzierungsrunde von 125 Millionen Dollar erfolgreich verlief. Sie wird von Fonds und Konten geleitet, die von T. Rowe Price Associates, Inc. und Koch Disruptive Technologies (KDT) unter Beteiligung von ZWC Ventures, Qatar Investment Authority (QIA) und Disruptive Technology Advisers (DTA) beraten werden. An der Runde nehmen auch die bestehenden Investoren Andreessen Horowitz, Two Sigma Ventures, Khosla Ventures, Hewlett Packard Enterprise, SV Angel, Fuel Capital und Triangle Peak Partners teil.

Connected-Car-Infrastruktur auf der Basis von Mesosphere.
Connected-Car-Infrastruktur auf der Basis von Mesosphere. (Bild: Mesosphere)

Ohnehin hatte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht. Mit dieser neuen Investition erhöht sich die Gesamtfinanzierung des Unternehmens seit der Gründung im Jahr 2013 auf mehr als eine Viertelmilliarde Dollar. Und die Prognosen scheinen nicht schlecht zu sein. So geht die Unternehmensberatung McKinsey davon aus, dass über 78 Prozent der leistungsstarken Unternehmen neue digitale Services entwickeln, um ihre Daten besser zu monetarisieren, und Gartner prognostiziert, dass 90 Prozent der Unternehmen bis 2020 eine hybride Cloud einsetzen werden.

Mesosphere hat mit DC/OS eine Plattform, die Anwendungs- und Daten-Workloads konsistent und sicher über hybride Cloud-Infrastrukturen hinweg automatisiert. DataCenter-Insider hat das Unternehmen für den Readers Choice Award gesetzt, in der Kategorie Multi-Cloud-Plattformen. Das heißt: Sie als Leser können dafür stimmen, dass Mesosphere einen der IT Awards 2018 in dieser Kategorie gewinnt, oder ein anderes Unternehmen.

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