Kubernetes kommt nicht, es ist schon da

Die nächste IaaS-Generation könnte längst auch bei Ihnen laufen

| Autor / Redakteur: Chip Childers / Ulrike Ostler

Manche überlegen noch, ob sie den Kubernets-Zug nehmen sollen. Dabei rauscht er bereits durch.
Manche überlegen noch, ob sie den Kubernets-Zug nehmen sollen. Dabei rauscht er bereits durch. (Bild: gemeinfrei: Pexels/Pixabay / CC0)

Bei „Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS) denken Sie, wenn es Ihnen wie mir geht, wahrscheinlich an „Amazon Web Services“ (AWS), „Microsoft Azure“ und „Google Cloud Platform“ (GCP), sagt Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation. „Noch vor ein paar Jahren hätten Sie damit richtiggelegen, aber: „Kubernetes“ ist die nächste IaaS-Generation, jedoch nicht aus Gründen, an die Sie vermutlich denken. Lassen Sie mich das erläutern.

In den vergangenen Jahren hat die Popularität von Kubernetes und der damit verbundene Hype rasant zugenommen. Dies ist größtenteils dem Aufstieg von „Docker“ zu verdanken und der Idee, entwicklerfreundliche Linux-Container-Technologie anzubieten.

Das Interesse an Docker läutete eine explosive Innovationsphase im Bereich der „Container-Plattformen“ ein. Docker-Benutzer mussten sich von der Entwicklererfahrung der Docker-Befehlszeilenschnittstelle (CLI) in Produktionsumgebungen umstellen.

In diesem Zusammenhang tat sich Kubernetes hervor. Durch das Engagement der führenden Köpfe der Kubernetes-Community errang die Container-Orchestrierung, zunächst made by Google, die Spitzenstellung am Markt. Heute ist Kubernetes für die Branche jedoch mehr als eine reine „Container-Plattform“ zur Ausführung der Docker-Images.

Ein kurzer Rückblick

Geschichte spielt hier eine wichtige Rolle. In der Technologiebranche fühlt sich ein Jahr nicht selten wie eine Ewigkeit an. Da kann dem Begriff „Geschichte“ eine andere Bedeutung zukommen.

Gehen wir zurück zu den Ursprüngen, ins Jahr 2010. Damals wurde das größte Gebäude der Welt, das Burj Khalifa, in Dubai eingeweiht. Barack Obama hob das derzeit 17 Jahre alte „Don’t Ask, Don’t Tell“-Gesetz („Wir fragen nicht und du sagst nichts“) für das Militär auf. Das Grubenunglück im chilenischen Copiapó nahm ein glückliches Ende: Alle 33 Bergarbeiter konnten gerettet werden.

Die Technologiebranche hatte mit dem Aufstieg von Amazon Web Services (AWS) und der drohenden Gefahr eines Infrastrukturanbieter-Monopols zu kämpfen. Hosting-Anbieter stellten ihre bisherigen Hosting-Services auf Cloud-Services um. Traditionelle Anbieter von Software für die Infrastrukturautomatisierung gingen dazu über, Cloud-ähnliche Plattformen anzubieten, in der Hoffnung, dass sie sowohl bei Unternehmen als auch bei Service-Providern Anklang finden würden.

Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation, über den Siegeszug von Kubernetes.
Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation, über den Siegeszug von Kubernetes. (Bild: Cloud Foundry Foundation)

Mehrere Open-Source-Projekte, auch OpenStack, arbeiteten auf eine „kostenlose und offene Cloud“ hin. Normungsgremien setzten sich für die Entwicklung gemeinsamer Cloud-Anbieter-APIs ein. Zahlreiche „API-Abstraktionsbibliotheken“ wurden erstellt, um die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Cloud-Anbietern zu vereinfachen.

Zur gleichen Zeit...

Zur gleichen Zeit behaupteten viele „Cloud-Vordenker“, das Zeitalter des Commodity-Computing sei angebrochen, dass uns, wie von Zauberhand, nur wenige Augenblicke trennen würden von häufigen Preisschwankungen, einem Handel mit Provider-Kapazitäten und Nutzern, die der Realität in puncto Datengravitation trotzen. Doch die technischen Fakten konnten die Behauptung, Rechenkapazität aus „der Cloud“ sei ein „Produkt von der Stange, ein Massengut, geworden, nicht untermauern.

Massengüter sind nur dann Massengüter, wenn sie austauschbar sind. Mit anderen Worten: Alle Hersteller oder Anbieter, müssen im Wesentlichen das gleiche Produkt erstellen. In der Welt des Cloud Computing von 2010 wiesen die Anbieter von IT-Infrastruktur jedoch erhebliche Implementierungsunterschiede auf. Folglich war IT-Infrastruktur keinesfalls Commodity, kein allgemein verfügbares Handelsgut.

Computing in der Gegenwart

Doch kehren wir zurück in die Gegenwart. Heute gibt es zwischen den Cloud-Service-Anbietern immer noch große Unterschiede in puncto Implementierung, insbesondere im Hinblick auf Art und Ansatz der angebotenen technischen Möglichkeiten. Sogar grundlegende Compute-Services unterscheiden sich immer noch so sehr, dass sie nicht wirklich zu dem passen, was man sich unter einer Commodity vorstellt.

Allerdings ist das und genau genommen nicht mehr entscheidend. Und das ist auf das Phänomen „Managed Kubernetes-Cluster“ der meisten Public-Cloud-Anbieter zurückzuführen. Auch viele Private-Cloud-Anbieter setzen immer häufiger entweder auf eine „Kubernetes-first“-Architektur oder auf ein „und-Kubernetes“-Produktangebot.

Denn durch den Aufstieg von Kubernetes sind Linux-Container auf dem besten Weg, zur Währung des Commodity-Computing zu werden. Wohlgemerkt, im Hinblick auf die Implementierung unterscheiden sich die Cloud-Service-Anbieter darin, wie sie ihre Kubernetes-Services anbieten. Doch dank der weiten Verbreitung von und der starken Nachfrage nach Kubernetes ist der Weg zu einer anbieterübergreifenden Konsistenz klar vorgezeichnet. Dieser konsistente Computing-Ansatz - und somit IaaS mittels Kubernetes - ist heute schlichtweg die einzige Möglichkeit.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45152244 / Virtualisierung)