Warum nicht GO statt Python?

Der optimale OpenStack-Stack

| Autor / Redakteur: Dr. Udo Seidel / Ulrike Ostler

Boris Renski, Gründungsmitglied und Chef-Marketier von Mirantis ist bekannt für seine klaren Aussagen über OpenStack-Belange. Er ist Mitglied des Vorstands der OpenStack Foundation.
Boris Renski, Gründungsmitglied und Chef-Marketier von Mirantis ist bekannt für seine klaren Aussagen über OpenStack-Belange. Er ist Mitglied des Vorstands der OpenStack Foundation. (Bild: Mirantis)

Zweimal im Jahr trifft sich die OpenStack-Gemeinde zu den bekannten „Summits“, tauscht dort Erfahrungen, Ideen und Visionen aus. In der dynamischem Umgebung der Open-Source-Wolke sind sechs Monate eine lange Zeit. Da kann viel passieren, im positiven und negativen Sinne. Zeit für ein Interview mit Boris Renski, Chief Marketing Officer von Mirantis.

Seit drei Jahren veranstaltet Mirantis die Konferenz „OpenStack Silicon Valley“, quasi zwischen den Halbjahres-Events, zwischen den Summits von Frühjahr und Herbst. Das Ereignis ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um den gegenwärtigen OpenStack-Status zu erfahren, zu diskutieren, zu evaluieren und gegebenenfalls korrektive Massnahmen zu ergreifen. DataCenter-Insider OpenStack-Anwender Udo Seidel beauftragt, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und Boris Renski, Chief Marketing Officer von Mirantis, zu einigen OpenStack-Themen zu befragen. Nachfolgend finden Sie quasi ein Protokoll des Gespräches.

Was sind die großen Entwicklungen seit dem Openstack Summit in Austin? Was hat der vergangene OpenStack-Summit an großen Veränderungen gebracht? Was ist seither geschehen?

Boris Renski: Die Stichwörter sind Kubernetes, Cloud-Native Applications und die Erweiterung einer Zusammenarbeit mit OpenStack. Die zunehmende Reife der Container-Technologie hat das Konzept von Microservices greifbar gemacht. OpenStack soll die Plattform dafür sein.

Damit ist Container-Orchestrierung ein wichtiges Thema und alles deutet darauf hin, dass Kubernetes die richtige Technologie ist. Aus ähnlichen Überlegungen heraus hat sich Mirantis jedenfalls dafür entschieden. Der starke Container-Fokus von Openstack zählt zu den wichtigen Veränderungen, mit Kubernetes zur Verwaltung.

Was hätte besser laufen können? Welches sind die „verpassten Chancen“?

Boris Renski: Auch wenn die Container-Technologie wichtig ist, darf man nicht vernachlässigen, dass es noch viel Arbeit auf der Ebene der virtullen Server zu tun gibt. OpenStack muss ein Plattform für den guten und skalierbaren Betrieb von VMs.

Aus Mirantis-Sicht sieht es etwas anders aus. Wir haben eventuell zu lange gebraucht, um uns für eine Container-Orchestrierung zu entscheiden. Als gute IT-Techniker haben wir die existierenden Lösungen wie „Swarm“, „Mesos“ und natürlich Kubernetes genau angeschaut und untersucht. Es ist aber nicht immer die beste Technologie, die sich durchsetzt. Das bestimmt letztlich der Markt, er setzt den de-facto Standard - und hier standen die Zeichen schon recht lange auf Kubernetes.

Interessanterweise hat Mirantis 2011 schon einmal etwas Ähnliches erlebt. Damals war die Frage, welche quelloffene Cloud-Lösung die zukunftssicherste ist. Einige hätten lieber CloudStack gewählt. Rückblickend war die Entscheidung für OpenStack die richtige.

Welches sind die großen Herausforderungen für Openstack als Projekt ... und für die OpenStack Foundation?

Boris Renski: Das sind vor allem interne Sachen. OpenStack hat den Kampf, wer die beste quelloffene Cloud-Lösung für den Betrieb im eigenen Rechenzentrum ist, gewonnen. Dank des Erfolges ist das Projekt, sein Ökosystem, die Community sehr groß geworden.

Damit geht aber auch ein Geschwindigkeitsverlust her. Große Projekte, meistens insbesondere Open-Source-Projekte, haben die Tendenz sich recht langsam zu bewegen. Die Anwender, Nutzer oder auch Entwickler fühlen sich dann manchmal ausgebremst und verlieren die Geduld.

Es ist auch ein Fehler, die Rechnung ohne Amazon zu machen. Es ist schon fast verrückt, was die alles entwickeln und anbieten. Ein wichtiger Nachteil: Diese Lösungen bekommt man nicht im eigenen Rechenzentrum. Solange die echt private Cloud wichtig ist, überlebt OpenStack.

Warum ist derzeit Bare Metal in OpenStack ein heißes Thema?

Boris Renski: Bare Metal ist zunächst einmal eine Komponente, die gleichberechtigt zu virtuellen Servern oder Container zu sehen. Der wichtige Aspekt bei OpenStack ist die API und die Möglichkeit der „Selbstbedienung“ (self service). Wenn die Anwendung auf physikalischer Hardware besser läuft, dann muss OpenStack diese Funktion quasi anbieten. Alles andere wäre ein Widerspruch zu den eigenen Ambitionen.

Zum zweiten gibt es ausreichend viele Firmen, die stark in die Entwicklung und Verwaltung einer nicht-virtualisierten IT-Umgebung investiert haben. Es macht daher Sinn OpenStack auch für diese Fälle passend zu gestalten, so wird es schwer in diesen IT-Landschaften Fuß zu fassen.

Mit welchen Herausforderungen sieht sich Mirantis konfrontiert?

Boris Renski: Eigentlich nicht anders, als die von OpenStack selbst. Dazu kommen der bereits genannte Container-Fokus und unsere Entscheidung für Kubernetes. Wir möchten, dass unsere Kunden erfolgreich sind und zwar mit OpenStack.

Gibt es einen präferierten Stack? (ähnlich wie LAMP früher) etwa Mesos, Mirantis, MariaDB, Docker, Kubernetes oder CoreOS, Mirantis, NeoJ4, Docker, Kubernetes?

Boris Renski: Ja, den gibt es. KVM, Ubuntu , Ceph, Opencontrail, Kubernetes und Docker.

Haben es Ubuntu, Suse oder Red Hat besser/einfacher als Mirantis? Wenn ja, warum?

Boris Renski: Für den Moment würde ich mit `ja´ antworten. Es ist viel einfacher eigenen Produkte zu integrieren - hier: Linux und OpenStack. Auf lange Sicht lautet meine Antwort nein. Die Betriebsunterstützung für Linux und OpenStack sind ganz unterschiedlich - das darf man nicht unterschätzen. Es wird auch immer schwieriger werden Linux als Produkt zu verkaufen.

Mit der schon mehrfach genannten Container-Technologie wird das Betriebssystem immer weniger relevant. Die IT-Firmen müssen und werden sich weiterentwickeln. Der Fokus wird von Linux-Level auf die Rechenzentrumsebene wechseln.

Welche Ratschläge haben Sie für die OpenStack-Anfänger?

Boris Renski: Der Fokus muss auf den (erwarteten) Resultaten der OpenStack-Implementierung liegen. Diese müssen klar messbar sein und aus geschäftlichen Überlegung Sinn machen. Wer sind die internen Nutzer? Was sind deren Anwendungsfälle, die Anforderungen, deren Ziele?

Es muss ein klares Verständnis davon geben, warum OpenStack zum Einsatz kommen soll. Technologie ist hier zweitranging und der Hype sowieso. Eine normative Referenz-Architektur sollte das Fundament bilden - idealerweise auf Herz und Nieren und auf Skalierbarkei getestet. Nicht jedes von OpenStack unterstütztes Backend kann das aufweisen.

Zu guter Letzt sollte der Betrieb im Alltag, wenn das Implementierungsprojekt schon lange beendet ist, gut durchdacht, getestet und geprüft sein. Da gilt es entweder die eigenen Leute entsprechend weiterzubilden oder sich externe Partner zu suchen.

Was raten Sie den IT-Entscheidern von mittleren und großen Rechenzentren?

Boris Renski: Ich habe hier keine anderen Ratschläge, als die gerade eben genannten.

Wenn Sie das Rad der Zeit drei Jahre zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen - sowohl innerhalb der Openstack Foundation als auch mit Mirantis?

Boris Renski: Ich starte mit dem Mirantis-Hut auf dem Kopf. Ich hätte ein anderes Produkt entworfen und gebaut. Eines sich daran orientiert, was `gereifte´ DevOps-Organisationen benötigen. Der klassische Ansatz ist, dass man aus einem Open-Source-Projekt eine Distribution baut. So war das bei Linux, Hadoop und auch OpenStack.

Das ist ok, um die klassischen Wettbewerber wie VMware zurückzudrängen. Zu oft müssen unsere Techniker die Distribution beim Kunden vor Ort anpassen, damit es passt. Grund dafür ist, dass das Produkt nicht mit Konsumverhalten übereinstimmt.

Amazon macht das besser und deswegen funktioniert der Distributionsansatz hier nicht. Der Fokus sollte auf der Unterstützung von CI/CD-Prozessen und den zugehörigen Arbeitsabläufen sein. Rackspace hat das quasi vorgemacht: OpenStack selbst in der Produktion benutzen und immer den neusten Code.

Aber das ist schwierig und komplex. Glücklicherweise hilft auch die Container-Technologie. Nun ist es möglich auf OpenStack basierende containerisierte Dienste auszuliefern.

Aus Openstack-Sicht würde ich das zunächst die Organisation rund um die PTLs (Project Team Lead) etwas ändern. Die zugehörigen Wahlen finden nur alle sechs Monate statt. Die Einarbeitungszeit eines Neulings ist leicht drei Monate. Das Resultat ist, dass es zu viele Zugeständnisse und unnötige Kompromisse gibt, weil man zu stark auf die PTLs angewiesen ist. Hier würde etwas mehr zentralisierte Richtungsvorgabe von oben gut tun. Da darf auch ein Hauch von Diktatur dabei sein.

Außerdem finde ich die Wahl von Python als die Implementierungssprache viel zu religiös und nicht immer zielführend. Was ist beispielsweise schlecht an GO? Jedes Werkzeuge sollte erlaubt sein, wenn es zum Ziel führt, und nicht die Kollaboration mit anderen Gruppen und/oder Projekten behindert.

Ich weiß zwar nicht, wie das zu ändern ist, aber weniger Hype wäre wohl auch besser für OpenStack gewesen. Zu oft wurde es als Werkzeug gesehen und übernommen - meine Ratschläge von weiter oben missachtend. Das Resultat waren zu viele gescheiterte Implementierungen und das ist selten gut für ein Software-Projekt.

Wie viel OpenStack (und was genau) nehmen Sie mit in den Sommerurlaub? Was steht danach an allererster Stelle?

Boris Renski: Warum sollte ich OpenStack überhaupt mit in den Urlaub nehmen. Ich habe das im Büro jeden Tag und dort bleibt es auch. Zurück kümmere ich dann um unser neues pro-aktives Support-Angebot: Wie können wir unsere Kunden im Alltagsbetrieb von Openstack unterstützen? Außerdem werde ich schauen, wie sich unser neues Managed-Service-Paradigma weiter entwickelt hat.

*Über den Autor:

Dr. Udo Seidel ist eigentlich Mathe- und Physik-Lehrer und seit 1996 Linux-Fan. Nach seiner Promotion hat er als Linux/Unix-Trainer, Systemadministrator und Senior Solution Engineer gearbeitet. Heute ist er Evangelist und Chef-Architekt bei der Amadeus Data Processing GmbH in Erding.

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Über den Autor

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