Der Mirantis-Gründer im Interview

Boris Renski: „ OpenStack geht den Linux-Weg“

| Autor: Ulrike Ostler

Boris Renski,Gründer und CMO von Mirantis, im Interview auf dem OpenStack Summit in Vancouver.
Boris Renski,Gründer und CMO von Mirantis, im Interview auf dem OpenStack Summit in Vancouver. (Bild: Ostler)

OpenStack mausert sich rasant zur einer ernstzunehmenden Integrations-Plattform für das (hybride) Cloud Computing und ist komplett OpenSource. Mirantis gehört zu den Hauptprotagonisten. Die Maßgabe der eigenen Distribution, die etwa in Konkurrenz zu denen von Suse und Red Hat steht, lautet „Pure Play“. Gründer und Chief Marketing Officer ist Boris Renski. Er sagt, was OpenStack ist, kann und was fehlt.

Boris Renski agiert als Mirantis-Sprecher und gehört damit zu den bekannten Gesichtern der OpenStack-Community. Das Unternehmen ist Sponsor der Bewegung und Renski hat gegenwärtig den Status „Gold Representative“ mit eigenem Blog.

Er ist seit 15 Jahren in der IT tätig und gründete bereits die Beraterfirma Selectosa Systems, die 2006 übernommen wurde. Außerdem war er Mitbegründer der AGroup.lv.

Was macht Mirantis eigentlich?

Boris Renski: OpenStack ist das einzige, was wir heute betreiben. Gegründet wurde das Unternehmen schon 2001, doch OpenStack machen wir seit 2011 und zwar ausschließlich. Insgesamt arbeiten rund 800 Menschen für die Erstellung und Vermarktung einer OpenStack-Distribution. Außerdem bieten wir Beratung und Training an.

Was unterscheidet die Mirantis-Distribution von anderen, zum Beispiel dem Red-Hat-Angebot?

Boris Renski: Bei uns gibt es zunächst einmal keine Subskription. Die Software bleibt frei. Alles, was wir entwickeln, bleibt zudem unter dem Dach der OpenStack Foundation. Wir sind darauf spezialisiert, OpenStack-Bestandteile nach dem Prinzip Best-of-Breed zusammenzustellen. Wenn Kunden hingegen OpenStack von Red Hat wollen, bekommen sie „OpenShift“.
Unsere Strategie ist es nicht zu erklären, warum Unternehmen auf OpenStack setzen sollen, sondern, wenn sie sich für OpenStack als Integrations-Plattform entscheiden, sollte Mirantis die erste Wahl sein, also „d i e OpenStack Services Company“.

Verdient das Unternehmen Geld mit dieser Strategie?

Boris Renski: Tatsächlich haben wir vom ersten Moment des OpenStack-Lebens Geld verdient. Unternehmen wie Comcast, Workday und Paypal sind unsere Kunden. Venture-Kapital haben wir erst nach zwei Jahren gebraucht, um das Geschäft auszuweiten. Die Finanzierungsrunde A brachte 40 Millionen Dollar, Runde B, ein Jahr später, rund 100 Millionen Dollar.

Wohin soll die Reise gehen?

Boris Renski: OpenStack wird sich entwickeln, wie Linux

Was meinen Sie damit? In verschiedene Richtungen?

Boris Renski: Linux ist weit mehr als ein Betriebssystem, es gibt Kernfunktionen auch auf viele Funktionen, die darauf aufsetzen und dann als Pakete von verschiedenen Anbietern angeboten werden. Der Clou aber ist und bleibt, dass Linux über ein Standard-Interface zugänglich bleibt.

Es wird auch weiterhin Kernmodule geben wie Nova, Cinder, Glance und eine Infrastruktur–Orchestrierung. Tatsächlich haben die OpenStack-Anbieter zu entscheiden und zu definieren, was ihre OpenStack-Distribution ausmacht. Um festzustellen, ob sich ein Angebot noch im Rahmen der OpenStack-Foundation bewegt, gibt es mit dieser Konferenz erstmalig die Möglichkeit der Zertifizierung.

Wir steigen darauf mit „Mirantis Unlocked“ ein. Es ist ein Programm für Geschäftspartner, ihre Produkte und Lösungen zu testen und zu zertifizieren. Das verschafft letztlich den Anwendern eine größere Sicherheit bei der Frage, ob alles zusammenpasst. Wir stellen 60 Personen bereit, die mit den Tests und der Unterstützung für die Partner betraut sind. Darauf eingestiegen sind bereits 47 Unternehmen, zum Beispiel Solidfire, EMC und Netapp. So können diese Firmen letztlich schlüsselfertige OpenStack-basierte Rechenzentren an ihre Kunden liefern.

Container sind ein großes Thema auf diesen Summit; wird auch Mirantis aufsatteln?

Boris Renski: Nein, aus der jetzigen Perspektive gehört etwa die Container-Administration „Magnum“ nicht zu unserem Portfolio, genauso wenig wie „Trove“, eine Technik für Datenbanken als Service oder „Mistral“; hier geht es um Workflow als Service.

Allerdings gibt es mit „Kolla“ ein Projekt, das unter anderem OpenStack-Funktionen in Container packen will. Ist es aus mit integrierten Releases wie „Kilo“?

Boris Renski: Ein solcher Ansatz ist zwar interessant, aber doch eher eine Diskussion am Rande. Allerdings könnte es sein, dass nur noch die Kernfunktionen von OpenStack in ein gemeinsames Release gepackt werde, während die Peripherie eigenen Zyklen folgen könnte.

Würden Sie OpenStack zu diesem Zeitpunkt als „enterprise-ready“ bezeichnen?

Boris Renski: Nun ja, um OpenStack erfolgreich im Unternehmen zu implementieren, braucht es viel Wissen. Aber um eine Oracle-Anwendung erfolgreich in Betrieb zu nehmen, braucht man auch viel Know-how. Andererseits ist OpenStack verglichen mit Linux viel jünger und weist mehr Bugs auf – jedoch nicht mehr als eine Oracle-Applikation.

Was ist notwendig für einen Schub Richtung Adaption in den Unternehmen?

Boris Renski: Es geht um die Durchdringung der verschiedenen Workloads. Die erste Druckwelle hat OpenStack erfahren, als immer mehr von den bedeutenden Unternehmen an Bord kamen und Unterstützung für OpenStack Kund taten.
Bei der zweiten Welle muss es um die richtigen Workloads gehen, Anwendungen, wenn man so will, also beispielsweise eine Oracle-Datenbank, die auf einer OpenStack-Infrastruktur läuft. Den Grundstein dafür hat die OpenStack Foundation jetzt gelegt: Es gibt nun einen Anwendungskatalog aus dem Projekt „Murano“, dem im Übrigen Entwicklungen von Mirantis zugrunde liegen.

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