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Schnelltests für unternehmenskritische Anwendungen BMC automatisiert das Testen auf dem Mainframe, ganz im Sinne von DevOps

| Autor: Ulrike Ostler

Die Integration von BMC und Compuware ist abgeschlossen und nun gibt es im Sinne von DevOps auf dem Mainframe ein automatisiertes „Shift-Left-Testing“. Die neuen Funktionen verbinden die Compuware-Produkte „Topaz for Enterprise Data“ und „Topaz for Total Test“. Das erlaubt, die Testdateneinrichtung direkt in automatisierte Tests einzubetten.

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Nach bedarf es beim Testen von Mainframe-Anwendungen vieler manueller Eingriffe; doch BMC möchte das mit der Weiterentwicklung von Compuware-Tools ändern können.
Nach bedarf es beim Testen von Mainframe-Anwendungen vieler manueller Eingriffe; doch BMC möchte das mit der Weiterentwicklung von Compuware-Tools ändern können.
(Bild: kalhh auf Pixabay)

Obwohl es Mainframe-Computing unbestritten schon so lange gibt, habe es im Bereich des Testens noch viele händische Schritte gegeben, erläutert BMC- Manager Chris o’Malley, früher Compuware-CEO. Das aber sei in einer Zeit, da sich die IT vom Wasserfallmodell verabschiede und sich die Messungen in Wochen oder gar Tagen wiederholten und nicht mehr in Monaten, einfach nicht mehr zeitgemäß.

Die neuen Funktionen, die helfen, Testdaten- und Testfallprozesse zu automatisieren und zu integrieren, können helfen IT-Teams eine höhere Qualität, Geschwindigkeit und Effizienz bei der Anwendungsentwicklung zu erreichen. Denn auch für die Anwendungen auf dem Mainframe gilt das Gebot der Geschwindigkeit, mit der neue Anforderungen umgesetzt werden müssen, ohne die mühsam erreichte Zuverlässigkeit und umfassende Funktionalität aufs Spiel setzen zu müssen. Aufgrund der Automatisierung der Shift-Left-Tests können Teams insbesondere die Konsistenz, Genauigkeit und Sicherheit der Testdaten gewährleisten.

Zum Teil dürften die Unternehmen, die Automatisierung ermöglichen, mit entsprechenden Tools und Services offen Türen einrennen. Denn die Nachfrage der Unternehmen nach schnelleren Innovationen übt Druck auf die IT-Abteilungen aus. Das bestätigt auch weltweite Umfrage unter 400 IT-Führungskräften, für die Anwendungsentwicklung in Unternehmen mit Mainframe-Nutzung und mehr als 1.000 Mitarbeitern verantwortlich sind. Die Vanson Bourne-Studie wurde im Auftrag von Compuware erhoben.

Schnelle Innovationen sind schwierig

Demnach halten es 85 Prozent für schwierig, Innovationen schneller zu liefern, ohne dabei Qualität, Sicherheit, Kundenerfahrung und betriebliche Effizienz zu beeinträchtigen. Die Testautomatisierung gilt dabei als wichtigster Einzelfaktor zur Überwindung dieser Risiken.

Gary Gruver, Autor und Berater für digitale Transformation, sagt stellvertretend: „Die gemeinsamen Bemühungen, Qualität so früh wie möglich in Software einzubauen, ist eine der größten und wichtigsten Veränderungen, die ich in der Branche sehe.“ Er sezt hinzu: „Häufig ist sie auch eine der schwierigsten, aufgrund all der Herausforderungen bei der Koordination und Automatisierung von Code-Änderungen, Testfall-Änderungen und Testdaten. Es ist gut, dass Compuware diesen Bedarf erfüllt.“

Durch die Integration von Topaz for Total Test und Topaz for Enterprise Data können Teams nun:

Die Testkonsistenz verbessern. Kontinuierliche automatisierte Tests erfordern konsistente Testdaten. Ungeeignete Testdaten können zu inkonsistenten oder falschen Testergebnissen, Zeitverschwendung bei der Fehlerbehebung oder – noch schlimmer – zur Einführung neuer Fehler führen. Mit der Integration gewährleisten Teams die Aufrechterhaltung der Testkonsistenz, indem sie den Datenladeprozess als Teil des Testfalls aufrufen und automatisch eine Teilmenge von Daten in eine Testumgebung laden. Falls der Test fehlschlägt, können Entwickler und Tester das Problem zuverlässig am Code und nicht an den Daten festmachen.

Reibungsverluste beseitigen und Entwickler befähigen. Entwickler verlassen sich oft auf ein spezialisiertes Team oder einen Datenbankadministrator, um Daten zu erstellen und in eine Testumgebung zu laden. Diese Praxis erfordert viele manuelle Prozesse, Wartezeiten und Übergaben, welche die Geschwindigkeit und Effizienz unnötig beeinträchtigen. Jetzt können die Entwickler selbst die richtigen Testdaten einrichten und nutzen, sobald sie diese benötigen.

Das kann laut o’Malley im Alltag eine ganz gravierende Erleichterung sein, da der IT-Prozess oftmals hake, wenn Datenbank-Administratoren eingeschaltet werden müssen. Der Grund: Es gibt einfach viel zu wenige davon: „Es gibt einfach nur Hunderte von DBAs, aber viele Tausende Entwickler.“

Weltweit sehe er, dass Hochleistungsunternehmen sich stark darauf konzentrierten, Engpässe bei der Softwarebereitstellung zu beseitigen, die Entwicklungszeit, Geld und Energie verschwendeten. „Durch das Vorantreiben der integrierten Automatisierung über die gesamte Mainframe-DevOps-Pipeline hinweg werden diese Entwicklungsressourcen freigesetzt. So können sich Teams zu 100 Prozent auf die schnelle und kontinuierliche Umsetzung von Ideen konzentrieren, die für ihre Kunden wichtig sind. Dies ist nicht länger ein IT-Ziel, sondern für das Geschäft absolut notwendig.“

Tests schrittweise automatisieren. Ein wiederholbarer Prozess zum Extrahieren und Laden von Daten kann Teil einer automatisierten Test-Toolchain sein. Dies erhöht die Datenkonsistenz und reduziert Komplexität. Um Entwicklern die Ablösung von manuellen Methoden zu erleichtern, lässt sich die Automatisierung schrittweise einführen. So können Unternehmen den Umfang und das Tempo der Umstellung steuern.

Sensible Daten schützen. Mit diesem integrierten Prozess können die Testdaten, sobald sie geladen sind, auch anonymisiert werden, um persönlich identifizierbare Informationen (PII) zu schützen. Die Automatisierung dieses Vorgangs als Teil der kontinuierlichen Tests verringert das Risiko eines Sicherheitsvorfalls.

Wollen die Kunden das überhaupt?

Generell besteht jedoch die Frage, ob die Mainframe-Kunden nach wie vor zu proprietären Tools greifen oder greifen wollen. Auf der „Enterprise Computing Conference“, die im März, kurz vor dem Lockdown stattgefunden hat, wünschten sich ein Teil der Teilnehmer eine Toolchain, die sich an dem DevOps-Microsservices-Kubenetes-Computing orientiert, das derzeit die Entwicklung und Administration Cloud-agnostischer Anwendungen bestimmt. Immerhin habe IBM Red Hat gekauft und ein Angebot von dieser Seite zu erwarten.

Der Grund, der diesen Wunsch bestimmt ist, klar: Am liebsten möchten die Unternehmen keine Mainframe-Spezialteams, die schwer zu bekommen und teuer sind, keine Abhängigkeit von den Werkzeugen und der Preisgestaltung der Lieferanten, zumal es mit der Fusion von Compuware und BMC noch einen unabhängigen Anbieter auf dem Markt weniger gibt.

O`Malley hat darauf vergleichsweise kurze Antworten: Zum einen ergänze sich das Portfolio der nunmehr integrierten Unternehmen in jeder Hinsicht, so dass das komplementäre Angebot an Tools nicht geschrumpft sein. Wo es sinnvoll sei, unterstütze und integriere man zudem auch modernste Software-Angebote, etwa die CI/CD-Werkzeuge von Jenkins.

Und ja, Red Hat sei wichtig – zumindest für die Linux-basierten Mainframe-Anwendungen. Doch nach wie vor sei „zOS“ eine „ganz andere Geschichte“. Er schließt: „Wir wollen, dass die Mainframe-Kunden eine Wahl haben.“

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider