Interview mit Bernd Greifeneder, CTO von Dynatrace

„Wir haben den absoluten Fokus auf Use Cases“

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Viele Unternehmen wollen NoOps, wissen aber nicht wie: Interview mit Bernd Greifeneder, CTO von Dynatrace
Viele Unternehmen wollen NoOps, wissen aber nicht wie: Interview mit Bernd Greifeneder, CTO von Dynatrace (Bild: Dietmar Müller)

2005 gründete Bernd Greifenender in Linz das Unternehmen Dynatrace, von Anfang an spezialisiert auf Application Performance Management (APM). Damit lassen sich Probleme in der weltweiten verzweigten Business-Software von Konzernen aufdecken und nach Möglichkeit beheben. Greifenender steht dem Unternehmen auch heute noch als vordenkender Chief Technology Officer vor. Wir sprachen mit ihm auf dem Perform Summit Barcelona 2019.

Dynatrace, nach eigenem Bekunden eine „Software Intelligence Company“, wurde im Frühjahr von Gartner in seinem Magic Quadrant für APM am höchsten in den Bereichen „Ability to execute“ und „Completeness of vision“ positioniert. Die Vision: Dynatrace erlaubt es Unternehmen, auch sehr großen und diversifizierten, die Performance der teilweise globalen IT-Infrastruktur inklusive vieler Clouds in Echtzeit zu messen. Auf Basis dieser Informationen soll das System sich selbst heilen – möglichst noch bevor ein Problem auftritt. So in etwa definiert sich die von Dynatrace propagierte „Autonomous Cloud“. Ziel dabei ist und bleibt NoOps. IT-Systeme sollen sich ohne Zutun von Administratoren selbst strukturieren und in Ordnung bringen.

Ziel bleibt NoOps

Das Problem: Die Abhängigkeiten in globalen IT-Infrastrukturen sind mittlerweile so unüberschaubar verzweigt, dass das „Self Healing“ eine große Herausforderung darstellt. Dynatrace CTO Bernd Greifeneder nimmt sie aber an, nicht zuletzt mit meinem bereits im Dezember vergangenen Jahres erstmals vorgestellten künstlich intelligenten (KI) Cloud Infrastructure Monitoring mittels einer offene Engine namens „Davis“. Sie wird als Bestandteil der umfassenden Software Intelligence Plattform von Dynatrace sowie als unabhängig lizenziertes Produkt angeboten und bietet einen automatisierten Ansatz für das Monitoring von Cloud-Infrastrukturen.

Davis überwacht alle Infrastrukturschichten von Public, Private und Hybrid Cloud-Umgebungen inklusive Container und darin laufenden Microservices nativ und automatisch. Dabei muss der Container nicht manuell instrumentiert werden. Die Analysen umfassen Server-Metriken wie CPU, Speicher, Netzwerk-Performance und Prozesse, die auf diesen Hosts laufen, inklusive virtualisierter Komponenten. Mit Hilfe der KI-Funktionen und integrierten Log-Analysen erfasst Dynatrace relevante Log-Dateien und stellt sie in den Kontext einer Transaktion oder Problem-Analyse, um mehr Details für schnellere Entscheidungen bereitzustellen.

„Herkömmliche Lösungen erfordern eine manuelle Integration und Berichterstattung. Sie zeigen nur die Probleme auf und versetzten die Unternehmen so in einen ständigen Alarmzustand. Wir bieten mit unserem KI-basierten Cloud Infrastructure Monitoring eine einheitliche Sicht auf die Enterprise Cloud“, so Greifeneder, „Durch Partnerschaften mit den gängigsten Cloud-Technologien können wir automatisches Monitoring für Infrastrukturen auf Basis von AWS, Microsoft Azure, Google Cloud Platform, Pivotal, Redhat OpenShift und Kubernetes anbieten.“

KI-Engine Davis nutzt kein Machine Learning

Mittlerweile sind Greifeneders Engagement in Sachen KI weit fortgeschritten, Davis stöbert nun auch Probleme in Kubernetes-Umgebungen auf. Aber nicht nur das: Unternehmen können Kubernetes damit implementieren, Innovationen durch DevOps beschleunigen und so neue Services schneller auf den Markt bringen.

„Vor vier Jahren haben wir mit unserem deterministischen Ansatz für KI begonnen, den wir seither ständig verbessern. Kunden vereinfachen damit Enterprise Cloud-Umgebungen und erhalten mehr Zeit für Innovationen“, so Greifeneder. „Da Dynatrace Abhängigkeiten in der gesamten Enterprise Cloud automatisch erkennt und abbildet sowie alle Transaktionen analysiert, kann unsere AI Engine Davis die genaue Ursache von Problemen ermitteln – und nicht nur einfache Schätzungen auf Basis von Korrelationen ausführen.“

Greifeneder setzt bei Davis also keineswegs auf Machine Learning, der KI-Ansatz, der von den meisten anderen Unternehmen in diesem Technologiesektor verfolgt wird. „Unser Konzept wird durch die semantische Anreicherung externer Daten und deren Abbildung auf unsere topologischen Echtzeitmodelle verbessert. Zudem benötigt es im Gegensatz zu anderen Lösungen keine Lernzeiten, wodurch es für hochdynamische Clouds sofort effektiv ist.“

Davis nutzt das Wissen um Abhängigkeiten in Echtzeit mit Full-Stack-Kontext, um weit über Korrelationsmaschinen hinauszugehen und automatisch die Problemursachen zu liefern. „Unsere KI vermeidet unnötige Alarmmeldungen und zeigt nur deterministische Antworten für die automatische Wiederherstellung und letztlich für den autonomen Cloud-Betrieb“, so Greifeneder.

Seit Anfang des Jahres integriert Davis auch Daten und Ereignissen von Drittanbieter-Lösungen. „Mit den neuen Funktionalitäten hat sich die Leistungsfähigkeit von Davis deutlich erhöht. Die Lösung bietet jetzt präzise Antworten mit noch größerer Relevanz sowie zusätzlichem Kontext durch Daten und Ereignisse von Dritten wie CI/CD- und ITSM-Tools. Dies ermöglicht eine stärkere Automatisierung und führt hin zu einem autonomen Cloud-Betrieb“, so der CTO. Zu den Integrationen gehören F5, IBM DataPower, Citrix NetScaler, ServiceNow, Puppet, Chef und weitere.

Dashboards und erweiterten Filterfunktionen in Davis helfen Cloud-Teams Kubernetes-Workloads zu analysieren sowie den Zustand von Clustern und Nodes zu verwalten. Die KI-Engine lernt kontinuierlich die durchschnittliche Performance einer Kubernetes-Cloud-Umgebung, die Milliarden von Abhängigkeiten in Millisekunden verarbeitet. Sie offeriert Antworten auf Fehlerursachen, automatische Einblicke in die User Experience und das Nutzerverhalten sowie Geschäftsauswirkungen von Problemen in Echtzeit.

Nähe zu Business Intelligence

Damit kommt Dynatrace dem typischen Angebot von Business Intelligence-Spezialisten wie Teradata oder SAS sehr nahe, das sieht auch der CTO so. Aber: „Bei unserem BI-ähnlichen Ansatz geht es darum, wie man unsere einzigartige Datenbasis – wir haben die User-Sessions, wir haben die LogFiles, wir haben die Traces bis ganz runter – möglichst gut für Business-Use-Cases nutzen kann. Denn genau darum geht es: Business-Use-Cases! Wir wollen nicht irgendwelche Finanzdaten, die man nicht mal in einen User-Context setzen kann, mit Davis analysieren. Wir können unsere Forensik vielleicht mit Finanzdaten anreichern, aber grundsätzlich eröffnen sich durch unser Vorgehen und unsere einzigartige Datenbasis für Unternehmen völlig neue Möglichkeiten.“

Das Ziel von Dynatrace bleibt nichts desto weniger NoOps. Der Weg dorthin führt über „Demokratisierung“, so Greifeneder. „Früher nutzten in einer Firma nur eine Handvoll Leute Dynatrace – heute Hunderte. Dieser Informationsgehalt sorgt für einen Kulturwandel, er ändert die Art, BizDevOps zu denken. Das Spannungsfeld ist ja folgendes: Viele Unternehmen wollen NoOps, wissen aber nicht wie, daher haben wir einen Blueprint entwickelt, also ein Framework für Autonomous Cloud Management, in die unsere gesammelten organisatorische wie technologische Best Practises eingeflossen sind. Das Ergebnis ist 'Keptn', unsere quelloffene und sebstheilende autonome Cloud Fabric. Dabei handelt es sich nicht um ein fertiges Produkt, sondern mehr um eine Idee oder technologische Grundlage, mit der sich Unternehmen schnell Richtung NoOps bewegen können. Die Umsetzung können wir unseren Kunden nicht abnehmen, aber zumindest einen wertvollen Blueprint an die Hand geben.“

Partner immer wichtiger

Greifeneder macht auch einen Kulturwandel innerhalb seines eigenen Unternehmens aus: „Partner sind wichtiger für uns geworden denn je. NoOps ist das Ziel unserer Kunden, mit Hilfe unserer Partner lässt sich das schneller verwirklichen. Für Partner tun sich da riesige Möglichkeiten auf, indem sie unseren Blueprint über den jeweiligen Kunden legen und von unseren Erfahrungen profitieren.“

Ein spezielles Portal offeriert Dynatrace-Partnern u.a. Marketingressourcen mit eine Reihe von benutzerfreundlichen Assets, Richtlinien, Inhalten und Kampagnen. So sollen die Partner leichter die Dynatrace APM-Lösungen inklusive Beratung, Installation, Customizing, Migration, Schulung, Troubleshooting und VIP-Support in Unternehmen tragen können.

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