Digitale Transformation im Rechenzentrum

Mit NoOps von DevOps zu BizDevOps

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Dynatrace-Mastermind Bernd Greifeneder: „Wir wollen als Partner Unternehmen zu einer autonomen Cloud in einem autonomen Rechenzentrum verhelfen.“
Dynatrace-Mastermind Bernd Greifeneder: „Wir wollen als Partner Unternehmen zu einer autonomen Cloud in einem autonomen Rechenzentrum verhelfen.“ (Bild: Dr. Dietmar Müller)

Dynatrace hat sich einen Namen mit „Application Performance Management” (APM) für Kunden wie Adobe, eBay, Swarovski, T-Mobile oder Verizon gemacht. Das Unternehmen ermöglicht quasi einen Röntgenblick auf die gesamten digitalen Assets und die Performance von Anwendungen. Da diese heute zum Teil im Sekundentakt veröffentlicht werden, hat sich APM zu einer Königsdisziplin im Rechenzentrum gemausert. Und Dynatrace verdient.

Die rasant steigenden Umsatzzahlen von Dynatrace sprechen für sich. Nach Auskunft von CEO John Van Siclen steht man kurz vor dem Erreichen der 1-Milliarde-Euro-Marke.

Dynatrace startete in Linz, Österreich, wo auch heute noch das 300-köpfige Entwicklerteam sitzt. Ihm steht der Chief Technology Officer Bernd Greifeneder vor, der das Unternehmen mitgegründet hat. Auf der „Perform Europe 2018“-Konferenz gab er DataCenter-Insider ein Interview. Er wird von seinen Mitarbeitern wohl nicht ohne Grund als „Mastermind“ bezeichnet. Er skizziert den Weg über DevOps hinaus.

Dem Auftreten von Dynatrace auf der Konferenz zufolge wollen Sie nicht mehr länger eine Performance Management-Firma sein, sondern sehen sich nun als „Software Intelligence“-Anbieter. Das geht einen Schritt weiter, wohin?

Bernd Greifeneder: Das ist richtig. 2016 haben Unternehmen einen Handlungsbedarf ausgemacht, es galt die digitale Transformation anzugehen. Allerdings wussten viele nicht wie, hatten aber eine Ahnung, dass dafür die Cloud notwendig ist. Im vergangenen Jahr dann starteten sie mit der Implementierung von Clouds einiger Hersteller. Sie richteten Teams für die digitale Transformation ein und baten uns als reinen Tools-Anbieter ihnen zu helfen. Und tatsächlich ist es nun unsere Aufgabe, unsere Partner zu einer autonomen Cloud in einem autonomen Rechenzentrum zu verhelfen.

Autonome Cloud? Kreieren Sie gerade ein neues Schlagwort?

Bernd Greifeneder: Nun, unser Ziel, und damit das Ziel für jedes Rechenzentrum ist es doch, Anwendungen mit Selbstheilungsautomatismen auszustatten. Denn damit kann die Zahl der mit Maintenance beschäftigten Mitarbeiter drastisch reduziert werden. Wir nennen das “NoOPs”. Wir bei Dynatrace haben tatsächlich gar keinen Operations-Mitarbeiter mehr. Und das wollen auch viele unserer Kunden bis in fünf Jahren erreichen. Wir sind also kein Anbieter von Monitoring-Lösungen mehr, sondern Cloud-Unterstützer und Unterstützer des kulturellen Wandels in Unternehmen.

Um den kulturellen Wandel umsetzen zu können, muss man Cloud-Experte sein?

Bernd Greifeneder: Ja klar. Der Schritt hinein in die Cloud wird ja unternommen, weil Unternehmen schneller und agiler sein wollen als die Wettbewerber – und einfacher in der Anwendung. Man vergisst ja gerne, dass die Cloud kein Selbstzweck ist. Gerade wir auf die Entwicklung fokussierten Typen vergessen das gerne mal.

Es gibt jedoch Gründe für den Schritt hin zur Cloud! Geschwindigkeit würde ich als den obersten Grund nennen. Dabei geht es allerdings nicht alleine um Technologie. Technologie bereitet nur den Weg. Laut Auskunft vieler unserer Kunden macht die Technologie bei der digitalen Transformation nur 20 Prozent aus, 80 Prozent läuft dagegen in der Unternehmenskultur und -organisation ab.

Hier kommt dann DevOps ins Spiel?

Bernd Greifeneder: Wir gehen einen Schritt weiter und sprechen lieber von BizDevOps. Bislang haben diesen Schritt aber nur wenige unserer Kunden vollzogen, die meisten sind noch damit beschäftigt, erste Gehversuche mit DevOps zu machen. Aber technikaffine Kunden wie etwa Media Saturn sind bereits mit BizDevOps zugange und bringen Dev, Biz und ja, auch Ops-Mitarbeiter zusammen, was Sinn macht.

BizDevOps bezieht eben auch die Business-Leute, die aus dem Marketing oder dem Vertrieb mit ein. Gemeinsam machen sie aus, was in einem nächsten Schritt geschehen soll, und in der Regel haben sie dann in weniger als zwei Wochen ein großes neues Release, nicht nur ein kleines, wie sie alle paar Tage vorkommen. Um BizDevOps umzusetzen, müssen Sie aber die Trägheit der Menschen überlisten.

Das Konzept der BizDevOps scheint mir nicht so sehr anders zu sein als das von DevOps…

Bernd Greifeneder: Die entscheidende Rolle kommt bei BizDevOps in zunehmenden Maße den Entwicklern zu. Sie müssen plötzlich Sicherheits-Features mit den Leuten aus dem Marketing oder dem Vertrieb besprechen. Und zwar kontinuierlich. Das genau ist die Krux an BizDevOps: Kontinuierliche Feedback-Schleifen zwischen Business, Ops und Dev. Und die Entwickler können dieses Feedback mittlerweile sogar selbst einholen, etwa durch Monitoring-Daten und Logfiles, am besten in Realtime.

So sehen sie von der ersten Sekunde an, ob eine Anwendung funktioniert und vom Endanwender akzeptiert wird - oder nicht. Woraus sich weiterer Handlungsbedarf ableitet – dieses kontinuierliche Feedback ist also der Schlüssel zur digitalen Transformation. Denn was ist, wenn Endbenutzer nicht das verwenden, was Entwickler bauen? Zum einen haben Unternehmen dann einen großen Kostenfaktor am Hals, zum anderen steigert es den geschäftlichen Erfolg nicht – das macht also keinen Sinn.

Kommunikation war und ist aber auch die Krux bei DevOps. Wo genau ist der Unterschied der Ansätze?

Bernd Greifeneder: Jahrelang war das Feedback zu neuen Anwendungen in Silos gefangen, im Dev-Silo, im Ops-Silo und im Business-Silo. Das Konzept der BizDevOps sprengt diese Silos auf und füttert wichtige Endbenutzer-Kundendaten schnell in die Entwicklungs-Feedback-Schleife. Zusätzlich zu den zufriedeneren Endnutzern, erhöht dies die Möglichkeiten für Innovation, neues Umsatzwachstum und potenziell mehr Marken Exposition jenseits der lokalen Märkte.

* Dr. Dietmar Müller ist freier Journalist und lebt in Niederbayern.

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