Nur 57 Prozent der deutschen Unternehmen haben eine Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang einschränkt. Das ist nur ein Ergebnis aus er Studie von Red Hat zur Abhängigkeit deutscher Unternehmen von globalen KI-Anbietern.
Zwar spricht man sich in 72 Prozent der deutschen Unternehmen dafür aus, dass die Politik Open-Source-Prinzipien zur Unterstützung der KI-Souveränität verpflichtend verankert, doch nur eine Minderheit hat selbst eine Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang einschränkt. Sie sitzen in der Falle.
Die Deutschen unternehmen würden gerne unabhängig sein, doch zeigt sich eine Lücke zwischen den vorhandenen Strategien und den tatsächlichen Fähigkeiten, den Geschäftsbetrieb im Ernstfall aufrechtzuerhalten: Nur 57 Prozent der deutschen Studienteilnehmer geben an, über eine definierte Exit-Strategie zu verfügen, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang zu seinen Diensten plötzlich einschränkt. Gleichzeitig erwarten 37 Prozent, dass ein Wechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf ihre Geschäftskontinuität hätte.
Grundlage dieser Angaben ist eine Befragung von Open-Source-Anbieter und IBM-Unternehmen Red Hat unter jeweils 100 IT-Entscheidern aus diversen Ländern initiiert:
Die Studie wurde von Censuswide unter einer Stichprobe von 500 IT-Entscheidungsträgern in den folgenden Märkten durchgeführt: 100 im Vereinigten Königreich, 100 in den Niederlanden, 100 in Frankreich, 100 in Deutschland und 100 in Italien (ab 25 Jahren). Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum vom 20.03.2026 bis 25.03.2026. Censuswide ist Mitglied der Market Research Society (MRS) und des British Polling Council (BPC) sowie Unterzeichner des Global Data Quality Pledge. Das Unternehmen hält sich an den MRS Code of Conduct und die Esomar-Prinzipien.
Die Ergebnisse der Studie deuten aber auch darauf hin, dass die meisten Unternehmen die Notwendigkeit einer echten KI-Souveränität erkannt haben und sowohl die Kontrolle über Daten und Infrastruktur als auch die Verwaltung von externen Anbietern inzwischen als operative Priorität ansehen.
Agentic AI weit verbreitet, Governance hinkt hinterher
Ein deutlicher Nachholbedarf besteht in Deutschland auch im Bereich Governance: Nur 30 Prozent der deutschen Befragten geben an, über entsprechend ausgereifte Strukturen für ihre Agentic-AI-Lösungen zu verfügen. 29 Prozent berichten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken und weitere 27 Prozent geben an, dass ihre Governance lediglich die Grundlagen abdeckt.
Länderübergreifend verfügen 64 Prozent der Unternehmen über zumindest teilweise oder umfassende Strukturen. Die Studienmacher schleißen: Die Gesamtheit der Antworten aller Teilnehmer zeigt deutlich, dass die Governance-Reife mit der schnellen Verbreitung von Agentic AI noch nicht Schritt halten kann.
KI-Souveränität und Open Source rücken in den Fokus
Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Geschäftsprozesse steigt auch die Bedeutung der Transparenz weiter an. So geben ganze 51 Prozent der deutschen Unternehmen an, vollständig nachvollziehen zu können, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind. Gleichzeitig räumen damit aber auch 46 Prozent ein, keinen vollständigen Überblick zu haben, lediglich bei 3 Prozent bestehen erhebliche Lücken.
Die Zahl der deutschen Entscheider, die sich eine vollständige oder zumindest teilweise Transparenz zuschreiben, liegt damit bei 97 Prozent. Mit diesem starken Wert rangiert Deutschland im direkten Vergleich an erster Stelle vor anderen europäischen Ländern, etwa den Niederlanden oder Italien mit jeweils 90 Prozent.
Um die weiterhin vorhandenen Lücken in Sachen Transparenz und Kontrolle zu schließen, sehen 69 Prozent der IT-Entscheidungsträger in Open Source den entscheidenden Hebel. Der Ansatz bietet ihrer Meinung nach mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie läuft. Das sind wichtige Voraussetzungen dafür, Abhängigkeiten zu vermeiden und die Souveränität zu stärken.
Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten die größten Beiträge von Open Source zu einem wachsenden Vertrauen in KI-Lösungen durch mehr Kontrolle über die Entwicklung und den Betrieb von KI (69 Prozent), eine größere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen (68 Prozent) sowie mehr Transparenz und eine bessere Prüfbarkeit (68 Prozent).
Deutsche Unternehmen zeigen sich zudem offen für politisch gesetzte Standards für vertrauenswürdige, souveräne KI: 72 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und entsprechende Lizenzmodelle vorgeben sollte, um Unternehmen beim Erreichen von KI-Souveränität zu unterstützen.
Hans Roth ist Senior Vice President & General Manager EMEA bei Red Hat. Er sagt zum Themenkomplex Künstliche Intelligenz: „In der gesamten EMEA-Region haben sich die Diskussionen auf Vorstandsebene weiterentwickelt.“
(Bild: Red Hat)
Hans Roth, Senior Vice President & General Manager EMEA bei Red Hat, kommentiert:
„Statt um erste Experimente geht es heute darum, wie sich KI so einsetzen lässt, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen hier eine klare Unterstützung für Open-Source-Prinzipien sowie für eindeutige regulatorische Rahmenbedingungen, die Transparenz und Prüfbarkeit fest in KI-Systemen verankern.“
Stand: 08.12.2025
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Allerdings machten die Antworten auch deutlich, „dass Unternehmen keine weiteren geschlossenen Einheitslösungen suchen, sondern die Freiheit, unterschiedliche Modelle, Beschleuniger und Cloud-Umgebungen zu kombinieren und dabei die Kontrolle zu behalten.“
Confirmed Sovereign Support von Red Hat
Und so stellt sich Red Hat die Unterstützung von Unternehmen der europäischen Gemeinschaft vor: Seit November 2025 gibt es den „Red Hat Confirmed Sovereign Support“.
Dieses Support-Angebot für die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurde speziell entwickelt, um einen dedizierten, von EU-Bürgern geleiteten technischen Support für Red Hat-Software-Abonnements aus der EU heraus bereitzustellen und damit ein neues Maß an nachweisbarer lokaler Kontrolle über kritische IT-Abläufe zu gewährleisten. Dazu gehört:
Speziell aus EU-Bürgern bestehendes Personal: Zugang zu Support-Fachwissen, das von verifizierten EU-Bürgern bereitgestellt wird, die ausschließlich innerhalb der 27 EU-Mitgliedstaaten tätig sind.
Lokalisierte operative Kontrolle: Stellt sicher, dass der technische Support der EU die Bereitstellung von Support-Dienstleistungen überwacht.
Technischen Support rund um die Uhr innerhalb der EU-Region. Das erfüllt die Anforderungen an Souveränität und Servicekontinuität.
Lokales Ökosystem: Der Ansatz von Red Hat wird durch ein Ökosystem aus mehr als 500 EU-Cloud-Partnern ergänzt, von denen viele bereits souveräne Clouds anbieten. Dieses Netzwerk trägt dazu bei, die Abhängigkeit von Hyperscalern außerhalb der EU strategisch zu verringern, und bietet Kunden robuste, lokale Alternativen, die direkt auf regionale regulatorische Vorgaben und wirtschaftliche Prioritäten abgestimmt sind.