Beim Rechenzentrumsprojekt in Brandenburg trifft der Investor auf Widerstand 720 Megawatt-Großprojekt findet vor Ort keinen Rückhalt

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Die Akteure hinter dem geplanten 720-Megawatt-Campus in Brandenburg sind nun bekannt. Doch fehlende Anschlussplanung, offene Betreiberfrage und wachsender Widerstand vor Ort zeigen, wie früh Projekte an Kommunikation und Realitätssinn scheitern können.

So soll der Campus auf dem knapp 150 Hektar großen Areal aussehen. Serdal Güzel, der das Projekt auf einer Bürgerveranstaltung präsentiert hat, kann sich auch eine Umsetzung in „abgespeckter“ Form vorstellen.(Bild:  Noya Projects & Investments)
So soll der Campus auf dem knapp 150 Hektar großen Areal aussehen. Serdal Güzel, der das Projekt auf einer Bürgerveranstaltung präsentiert hat, kann sich auch eine Umsetzung in „abgespeckter“ Form vorstellen.
(Bild: Noya Projects & Investments)

Die Katze ist aus dem Sack: Die Frankfurter Firma Noya, Generalplanung und Projekt-Management, und die Münchner Serban DC planen ein Rechenzentrumscampus in Brandenburg, der in seiner Größe in Europa bislang keine Entsprechung hätte.

Auf einem 144-Hektar-Areal zwischen Freyenstein und Neu Cölln sollen 20 dreigeschossige Datenhallen entstehen, jede mit einer IT-Leistung von 36 Megawatt. Das ergibt im Vollausbau 720 Megawatt, und das bei einem Gesamtinvestitionsvolumen, das Noya-Geschäftsführer Serdal Güzel auf rund 25 Milliarden Euro beziffert: acht bis neun Milliarden für Bau und Infrastruktur, 16 bis 18 Milliarden für Servertechnik.

Zwei Drittel der Gesamtfläche sind als grüne Pufferzonen mit Logistikbereichen vorgesehen. Die Gebäude selbst würden bis zu 26 Meter hoch, die Kühlgeräte auf den Dächern eingerechnet. Serdal Güzel, der beide Firmen führt, stellte die Konzeptstudie am 20. April erstmals in Freyenstein vor: In der örtlichen Kirche, vor rund 200 Besucherinnen und Besuchern, wie die Märkische Allgemeineberichtet.

Die zentrale technische Hürde ist der Stromanschluss. Güzel geht von einem Bedarf von 1,1 Gigawatt (GW) aus, für den ein eigenes Umspannwerk nötig wäre. Ein Antrag beim zuständigen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission ist bislang aber nicht eingereicht.

50Hertz-Sprecher Volker Gustedt bestätigt: Selbst wenn der Antrag heute gestellt würde, stünden bereits fünf andere Rechenzentrumsprojekte mit zugesagter Anschlussperspektive in der Warteschlange. Baubeginn frühestens 2030 und das nur, wenn Strom, Baurecht und kommunale Zustimmung gesichert sind.

Auch einen Betreiber gibt es noch nicht. Der komme laut Güzel erst ins Spiel, wenn die Rahmenbedingungen weiter konkretisiert seien. Lässt sich der volle Energiebedarf nicht decken, sei eine kleinere Version des Campus denkbar.

Die Bürgerinitiative „Nein zum Rechenzentrum Freyenstein“

Die Bürgerinitiative „Nein zum Rechenzentrum Freyenstein“ lehnt das Vorhaben ab und rät den Investoren sich nach einem anderen Standort für das Rechenzentrum umzuschauen. Stefan Finke von der Bürgerinitiative betont dabei das Ausmaß: „150 Hektar, das ist etwa fünfmal die Wittstocker Altstadt, oder dreimal das Betriebsgelände von Swiss Krono in Heiligengrabe." Auch der Strombedarf sprenge den Rahmen; denn „allein die erste Ausbaustufe von 200 Megawatt entspräche dem 1000-fachen des Energiebedarfes von Freyenstein“, gibt Finke zu Bedenken.

Die Bürgerinitative befürchtet steigende Umgebungstemperaturen durch Abwärme, sinkenden Grundwasserspiegel sowie eine erhöhte Gefährdungslage als potenzielles Kriegsziel. Online ist auch eine Petition mit bereits weit über 1.000 Unterschriften (Stand 24. April). Die Initiatorin der Petition ist Simone Kilian.

Jens Möller, Geschäftsführer der Beraterfirma J-Nexus Consulting und Unterstützer des Projekts, widerspricht zumindest beim Wasserverbrauch: Das Kühlsystem sei geschlossen und werde nur einmal befüllt „ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung.“

Die anfallende Abwärme könnte laut Güzel zur Gebäudeheizung in der Region genutzt werden. Wie das konkret umgesetzt und an die Haushalte weitergegeben werden soll, sei aber noch offen.

Und was sagt die kommunale Politik?

Wittstocks Bürgermeister Philipp Wacker betont, der Ortsbeirat Freyenstein werde zwar beteiligt, habe aber kein Stimmrecht. Güzel machte die Abhängigkeit von der kommunalen Zustimmung deutlich: „Wenn die Stadtverordneten dagegen sind, werden wir das Projekt nicht ausführen.“

Ortsvorsteherin Christa Ziegenbein nennt das Vorhaben für Freyenstein „überdimensioniert“, auch wenn sie die wirtschaftlichen Argumente nicht grundsätzlich von der Hand weist.

Güzel stellt mindestens 1.200 Arbeitsplätze in Aussicht, nicht nur im Rechenzentrum selbst, sondern auch in angrenzenden Bereichen wie Security, Gastronomie, Handwerk und Gartenbau.

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