CEO Christian Zipp plant den Ausbau von Nexspace Data Centers um bis zu zehn Standorte in Deutschland und Österreich. Im Fokus stehen dezentrale Strukturen, Energie-Integration und Nähe zu Mittelstandskunden.
Symbolbild: Mit Kälte as a Service versorgt und optisch an die Umgebung angepasst, so soll das geplante Nextspace-Rechenzentrum in Stuttgart sein.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Derzeit betreibt Nexspace drei Rechenzentren. Die Standorte sind Heidelberg, Stuttgart und Graz. Doch Christian Zipp, seit Juni 2026 CEO bei Nexspace Data Centers hat ein ambitioniertes Ziel für des Unternehmen: In den nächsten Jahren sollen bis zu zehn Standorte dazukommen, mit Fokus auf Deutschland und Österreich. Eine Expansion in die Schweiz ist vorerst nicht vorgesehen.
Zipp bringt rund zwei Jahrzehnte Erfahrung im IT-Sektor mit: Sein Weg startete im Telekommunikationssektor. 2014 wechselte er als Regional Vice President Sales zu Equinix und sammelte dort Erfahrung im Rechenzentrumsbetrieb.
Dezentrale Standorte jenseits der FLAP-Märkte
Die Expansionsstrategie orientiert sich an folgender Marktannahme: Die Ära der zentralisierten Großrechenzentren in den klassischen FLAP-Städten (Frankfurt, London, Amsterdam und Paris) ist nicht vorbei, aber sie reicht nicht mehr aus, sagt Zipp. Workloads wachsen, KI-Inferenz benötigt geringe Latenz, und Mittelständler bevorzugen Infrastruktur in räumlicher Nähe zu ihren Standorten.
Nexspace setzt deshalb auf das, was Zipp „das integrative Rechenzentrum um die Ecke“ nennt: Tier-2- und Tier-3-Städte, nah an den Kunden, mit Anschlussleistungen von bis zu 8 bis 10 Megawatt (MW) pro Standort. Große Standorte, wie Hyperscaler sie im Gigawatt-Bereich anstreben, ist nicht das Ziel des Rechenzentrumsbetreibers.
Der Zielmarkt ist ein anderer: Zipp schätzt, dass mindestens 50 bis 60 Prozent der Mittelständler und Enterprise-Kunden heute noch Infrastruktur im eigenen Gebäude, oft im Keller, oder in ausgelagerten Bestandsobjekten betreiben, und den Schritt in Richtung Edge-Rechenzentrum noch vor sich haben. Und genau hier setzt Nexspace an.
Eisspeicher und Kälte as a Service
In Heidelberg, einem Neubau, nutzt Nexspace einen Eisspeicher, der über Solarpanels auf dem Dach gespeist wird und das Rechenzentrum mit Kaltwasser versorgt. In Stuttgart kommt ein anderer Ansatz zum Einsatz: Ein Drittanbieter liefert Kälte-as-a-Service, oder „Pay-per-use“: Hier errichtet und betreibt ein Energiedienstleister eine Kältezentrale, deren Kapazität auch dem umliegenden Campus zugutekommt.
Konkret beauftragte Nexpace Engie Deutschland mit der Kälteversorgung des Rechenzentrums Stuttgarter Sternhöhe. Im Rahmen eines Energieliefervertrags liefert der Anbieter Kälte für die Wasserkühlung von Hochleistungsservern. Die anfängliche Kälteleistung beträgt 2,8 MW und lässt sich auf 3,8 MW erweitern. Der Lieferbeginn ist für Oktober 2026 geplant und der Vertrag läuft 20 Jahre mit Verlängerungsoption.
Das Rechenzentrum entsteht auf rund 1.800 Quadratmetern und stellt eine IT-Leistung von 3,4 MW bereit. Ziel ist eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,2 oder besser, um Anforderungen des Energie-Effizienzgesetzes zu erfüllen. Die Abwärme soll perspektivisch in eine zentrale Wärmeversorgung des Campus eingebunden werden.
Das Rechenzentrum als Bestandteil der Umgebung
Für Zipp bedeutet ein Rechenzentrum bauen, einen Bestandteil einer lokalen Community zu schaffen: Ein Rechenzentrum sei „kein hässliches graues Gebäude“. Er betont, dass Abwärme ins Wärmenetz einspeisen, Kältekonzepte mit Stadtwerken entwickeln, Bestandsgebäude auf einen modernen Standard bringen von großer Bedeutung sei.
Das rechne sich auch: Wer seine Infrastruktur lokal betreibt, muss seine Mitarbeiter nicht mehr von München nach Frankfurt ins Rechenzentrum schicken und spart dabei Reisekosten sowie CO2.
Das neue Rechenzentrum in Graz, dessen Erweiterungsbau Mitte nächsten Jahres fertiggestellt sein soll, ist auf unterschiedliche Rack-Dichten ausgelegt: Racks mit 45 Kilowatt Density neben solchen mit 20 bis 45 Kilowatt. Um das zu ermöglichen, sind Wasserkühlungs- und Luftkühlungsinfrastrukturen geplant, denn „wir wissen ja alle nicht, wohin die Reise geht“, sagt Zipp, „so können wir flexibel auf steigende Leistungsdichten und veränderte Kühlanforderungen reagieren.“
Christian Zipp, der CEO von Nexspace Data Centers, erzählt im Gespräch mit DataCenter-Insider, wie die Zukunft des Unternehmens aussieht.
(Bild: Nexspace Data Centers)
Carrier-Neutralität und Genehmigungsprozesse
Nexspace positioniert sich als Carrier-neutraler Betreiber ohne eigene Cloud oder Managed-Service-Angebote. „Wir sehen uns sozusagen als Gateway, oder als Autobahn“, sagt Zipp. Partner und Systemintegratoren sollen das Ökosystem füllen.
Das Rechenzentrum stellt die Infrastruktur bereit. Zertifizierungen werden so weit geholt, dass die größtmögliche Kundenschnittmenge abgedeckt ist, aber nicht um Stempel zu sammeln.
Doch einen Wermutstropfen benennt Zipp offen: Die größte Bremse bei der geplanten Expansion ist nicht das Kapital, nicht das Know-how und nicht der Markt. Es sind Baugenehmigungen und Stromanschlüsse.
Stand: 08.12.2025
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Konkret heißt das: Verbal werde alles zugesagt, sagt er, „aber sobald man es schriftlich haben möchte, wird die Zeitleiste des Stromanbieters auf einmal fünf Jahre länger als erwartet.“ Genehmigungsverfahren von zwölf Monaten und mehr seien schwer vereinbar mit den Zielen, die die Bundesregierung in ihrer nationalen Rechenzentrumsstrategie formuliert. „Theorie und Praxis“, so Zipp, „liegen da vielleicht nicht immer in einer Linie.“
Christian Zipp ist Teil des „Data Center Strategy Summit 2026“ Programmbeirats
Der Programmbeirat traf sich bei Vogel IT-Medien in Augsburg. Hinten V.l.: Christian Richter-Ferenczi (Hess. Ministerium für Digitales), Florian Wanner (Kite Consult), Eva Kanzler (Vogel IT-Akademie), Christian Zipp (nexSpace Datacenter), Erwin Breneis (HPE), Ronald Weise (Bechtle), Roland Wagner (GePlan). Vorne V.l.: Katharina Rimkus (Vogel IT-Akademie), Paula Breukel und Ulrike Ostler (DataCenter-Insider), Franziska Magai (Vogel IT-Akademie), Thomas von Wittern (Datahall), Steffen Breiter (Siemens).
(Bild: Vogel IT-Medien)
Der Data Center Strategy Summit 2026 der Vogel IT-Akademie findet am 1. Oktober im Atlantic Hotel Heidelberg statt. DataCenter-Insider ist Medienpartner.
Im Mittelpunkt stehen die infrastrukturellen Folgen von Künstlicher Intelligenz für Rechenzentren, von Leistungsdichte und Kühlung bis zur Energieversorgung.
Künstliche Intelligenz verändert Architektur, Betrieb und Ausbau von Rechenzentren.
KI-Workloads verschieben Anforderungen an Kühlung, Stromversorgung, Hardware-Planung und Effizienz.
Liquid Cooling, GPUs und Umbau im Bestand zählen zu den Schwerpunkten der Agenda.
Für Leser gelten vergünstigte Konditionen: Bis einschließlich 31. Mai ist die Teilnahme mit dem Code DSS694-DPT kostenfrei. In der Late-Bird-Phase gilt der Code DSS204-TSK mit diesem Code kostet das Ticket 49 Euro.