GenAI im Datenbankdesign Mit generativer KI zum Datenbankschema

Von Elena Bochkor und Veikko Krypczyk* 7 min Lesedauer

Datenbankmodelle entstehen oft unter Zeitdruck und kleine Designfehler können später teuer werden. Kann auch in diesem Aufgabenumfeld generative KI helfen? Ein Blick in die Tool-Landschaft zeigt, dass es hier interessante Ansätze gibt.

KI kann helfen, konsistente Datanbankschemata zu erstellen und weiterzuentwickeln. (Bild: ©  CreativeIMGIdeas - stock.adobe.com / KI-generiert)
KI kann helfen, konsistente Datanbankschemata zu erstellen und weiterzuentwickeln.
(Bild: © CreativeIMGIdeas - stock.adobe.com / KI-generiert)

Datenbankdesign gehört zu den Aufgaben in der Software-Entwicklung, bei denen Erfahrung besonders wichtig ist. Tabellenstrukturen müssen konsistent sein, Beziehungen korrekt modelliert werden und Änderungen am Schema dürfen keine Seiteneffekte im Anwendungscode verursachen. Gleichzeitig entstehen in vielen Projekten Datenmodelle unter Zeitdruck, beispielsweise bei der Entwicklung neuer Features oder beim Aufbau eines frühen funktionsfähigen Prototypen.

KI als Werkzeug im Datenbankdesign

Der Einsatz von KI eröffnet im Datenbankdesign neue Möglichkeiten, die den gesamten Entwicklungsprozess unterstützen können. Ohnehin entstehen Datenbankmodelle häufig aus fachlichen Anforderungen, die zunächst in natürlicher Sprache beschrieben werden. KI-Systeme können diese Anforderungen analysieren und daraus erste Vorschläge für mögliche Entitäten, Beziehungen und Attribute ableiten. Auf diese Weise lässt sich bereits in einer frühen Phase ein erster Entwurf eines Datenbankschemas generieren, der als Grundlage für die weitere Modellierung dient.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für KI liegt in der Analyse und dem Verständnis bestehender Datenbanken. In vielen Projekten arbeiten Entwickler mit Datenbankschemata, die über Jahre gewachsen sind und deren Struktur nicht immer vollständig dokumentiert ist. KI kann hier helfen, indem sie Tabellenstrukturen interpretiert, Beziehungen zwischen Datenbankobjekten analysiert und daraus verständliche Beschreibungen generiert.

Dadurch wird es leichter, komplexe Datenmodelle zu verstehen und sich schneller in bestehende Systeme einzuarbeiten. Typische Einsatzfelder sind beispielsweise:

  • Analyse von Tabellenstrukturen und Beziehungen
  • automatische Generierung von Beschreibungen für Tabellen und Attribute
  • Unterstützung beim Verständnis komplexer oder historisch gewachsener Datenmodelle.

Auch bei der Erstellung und Optimierung von Datenbankabfragen kann KI eine unterstützende Rolle spielen. Entwickler können gewünschte Auswertungen in natürlicher Sprache formulieren, aus denen die KI entsprechende SQL-Abfragen generiert. Diese Abfragen dienen häufig als Ausgangspunkt, der anschließend weiter angepasst oder optimiert wird.

Gerade bei komplexen Join-Strukturen oder umfangreichen Aggregationen kann dies den Entwicklungsprozess erleichtern. Darüber hinaus lassen sich durch KI auch Vorschläge zur Optimierung von Abfragen oder zur Nutzung bestimmter Datenbankstrukturen generieren.

Detektieren von Designbrüchen und Inkonsitenzen

Ein weiterer relevanter Bereich ist die Unterstützung bei der Wartung und Weiterentwicklung von Datenbankschemata. Datenbanken verändern sich im Laufe eines Projekts kontinuierlich, etwa durch neue Anforderungen oder zusätzliche Funktionen einer Anwendung. KI kann hier helfen, indem sie mögliche Inkonsistenzen oder strukturelle Probleme im Datenmodell identifiziert. Dazu gehören:

  • Hinweise auf redundante Tabellen oder Datenstrukturen
  • Analyse der Normalisierung eines Schemas
  • Unterstützung bei Refactoring oder Umstrukturierungen des Datenmodells.

Darüber hinaus bietet KI Potenzial bei der automatischen Erstellung von Dokumentation. Eine konsistente Dokumentation von Datenbankschemata ist für Wartbarkeit und Wissenstransfer im Team wichtig, wird im Projektalltag jedoch häufig vernachlässigt.

Ein weiterer praktischer Aspekt ist die Möglichkeit, aus dem Datenbankmodell HTML-Dokumentationen zu generieren. Diese Dokumentationen enthalten strukturierte Informationen zu Tabellen, Spalten, Beziehungen und Constraints und können als eigenständige Referenz für Entwicklerteams oder Stakeholder bereitgestellt werden. Gerade in größeren Projekten erleichtert dies den Wissenstransfer und die Einarbeitung in bestehende Systeme. In Kombination mit KI-gestützten Beschreibungen entsteht so eine weitgehend automatisierte und dennoch verständliche Dokumentation des Datenmodells, die den Wartungsaufwand reduziert und die Transparenz erhöht.

Abbildung 1: Unterstützungsoptionen von KI im Datenbankdesign (Bild:  Larinet.com)
Abbildung 1: Unterstützungsoptionen von KI im Datenbankdesign
(Bild: Larinet.com)

KI kann Beschreibungen für Tabellen, Spalten oder Beziehungen generieren und so dazu beitragen, Datenbankstrukturen besser nachvollziehbar zu machen (siehe: Abbildung 1). Insgesamt zeigt sich, dass KI im Datenbankdesign vor allem dort ihre Stärken entfaltet, wo große Informationsmengen analysiert, Strukturen interpretiert oder wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden müssen.

Ein Tool für visuelles Datenbankdesign mit KI-Unterstützung

Dbschema“ ist ein Werkzeug für das visuelle Design relationaler Datenbanken und richtet sich vor allem an Entwickler, Datenbankarchitekten und Teams, die Datenmodelle nicht ausschließlich über SQL-Skripte, sondern auch über grafische Modelle entwerfen und pflegen möchten (ER-Modelle). Im Zentrum des Ansatzes steht die Idee, dass komplexe Datenstrukturen leichter verständlich und wartbar sind, wenn sie als Diagramm dargestellt werden. Tabellen, Beziehungen und Constraints lassen sich dadurch nicht nur definieren, sondern auch im Kontext des gesamten Datenmodells betrachten (siehe Abbildung 2).

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Abbildung 2: Visuelles Datenbankdesign mit Dbschema.(Bild:  Larinet.com)
Abbildung 2: Visuelles Datenbankdesign mit Dbschema.
(Bild: Larinet.com)

Gerade bei größeren Anwendungen mit vielen Entitäten hilft diese Visualisierung dabei, Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen und strukturelle Fehler im Design zu vermeiden.

Dbschema unterstützt eine Vielzahl von Datenbanksystemen, darunter „PostgreSQL“, „MySQL“, „MariaDB“, „SQL Server“, „Oracle“ und „SQLite“, aber auch einige NoSQL-Systeme. Entwickler können damit Datenbankschemata unabhängig von der konkreten Zielplattform modellieren und später mit der jeweiligen Datenbank synchronisieren.

In heterogenen Systemlandschaften, in denen mehrere Datenbanksysteme parallel eingesetzt werden, kann dies den Entwicklungsprozess erheblich vereinfachen. Die Modellierung erfolgt dabei diagrammorientiert: Tabellen werden als Objekte in einem Diagramm dargestellt, Spalten als Attribute und Beziehungen als visuelle Verbindungen zwischen den Tabellen. Primary Keys, Foreign Keys und andere Constraints lassen sich direkt im Diagramm definieren. Das visuelle Modell bildet damit die zentrale Quelle für das Datenbankschema. Änderungen können zunächst im Modell vorgenommen und anschließend in SQL-Skripte übersetzt werden, die die eigentliche Datenbank aktualisieren.

Zusatzinfos

Neben der rein strukturellen Modellierung bietet Dbschema die Möglichkeit, zusätzliche Informationen direkt im Designmodell zu hinterlegen. Entwickler können ein zentrales Modell erstellen, das unabhängig von einer konkreten Datenbankinstanz gepflegt wird und anschließend auf verschiedene Datenbanksysteme ausgerollt werden kann.

Dadurch entsteht eine konsistente, plattformübergreifende Modellbasis, die insbesondere in heterogenen Systemlandschaften von Vorteil ist. Ergänzende Metadaten, wie fachliche Beschreibungen oder Designentscheidungen, können direkt im Modell dokumentiert werden und unterstützen so die Nachvollziehbarkeit und Wiederverwendbarkeit des Datenbankschemas.

Ein zentrales Konzept von Dbschema ist die Synchronisation zwischen Modell und realer Datenbank. Entwickler können bestehende Datenbankschemata in ein Diagramm importieren und dort analysieren oder weiterentwickeln. Ebenso lassen sich Änderungen am Modell wieder in die Datenbank übertragen. Dieser bidirektionale Ansatz erleichtert es, Datenbankstrukturen langfristig konsistent zu halten und strukturelle Änderungen kontrolliert umzusetzen.

Abbildung 3: In version 10 von Dbschema ist der KI-Assistent direkt  verfügbar. Der Arbeitsfluss wird daher nicht unterbrochen.(Bild:  Larinet.com)
Abbildung 3: In version 10 von Dbschema ist der KI-Assistent direkt verfügbar. Der Arbeitsfluss wird daher nicht unterbrochen.
(Bild: Larinet.com)

Mit Version 10 integriert Dbschema erstmals KI-Funktionen direkt in die Modellierungsumgebung. Anders als bei externen KI-Werkzeugen findet die Interaktion hier innerhalb der gewohnten Entwicklungsoberfläche statt. Entwickler können die KI unmittelbar im Kontext ihres Datenbankmodells nutzen, etwa während sie Tabellen entwerfen, Beziehungen definieren oder bestehende Strukturen analysieren. Dadurch wird die KI nicht zu einem separaten Werkzeug, sondern zu einer ergänzenden Funktion innerhalb des Datenbankdesign-Prozesses (siehe: Abbildung 3:).

Die KI-Unterstützung greift insbesondere in frühen Entwurfsphasen. Entwickler können beispielsweise fachliche Anforderungen in natürlicher Sprache formulieren und daraus einen ersten Strukturvorschlag für ein Datenbankschema erzeugen lassen. Dieser Vorschlag wird anschließend im visuellen Diagramm dargestellt und kann dort weiter angepasst werden.

Die Stärke dieses Ansatzes liegt weniger in der automatischen Generierung eines fertigen Datenmodells als vielmehr darin, schnell eine erste strukturelle Orientierung zu erhalten. Das visuelle Modell bleibt dabei weiterhin die zentrale Arbeitsgrundlage, an der Entwickler ihre Architekturentscheidungen treffen.

Die Heinzelmännchen im Tool

Ein weiterer Einsatzbereich ist die Unterstützung beim Umgang mit bestehenden Datenbanken. Wird ein vorhandenes Schema in Dbschema importiert, kann die eingebaute KI helfen, dessen Struktur besser zu verstehen. Beziehungen zwischen Tabellen oder mögliche funktionale Zusammenhänge lassen sich dadurch schneller erfassen. Gerade bei umfangreichen oder historisch gewachsenen Datenbanken kann dies den Einstieg erheblich erleichtern.

Darüber hinaus kann die KI kleinere Aufgaben übernehmen, die im Entwicklungsprozess regelmäßig auftreten. Dazu gehören beispielsweise das Formulieren von SQL-Abfragen oder das Erstellen erläuternder Beschreibungen für Teile des Datenmodells. Solche Funktionen reduzieren den Routine-Aufwand und können dazu beitragen, sich stärker auf die eigentliche Modellierung und Architektur zu konzentrieren.

Grenzen und Risiken von KI im Datenbankdesign

Trotz der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI-Systemen bleibt ihr Einsatz im Datenbankdesign mit bestimmten Einschränkungen verbunden. Die von KI generierten Ergebnisse sind in erster Linie Vorschläge, die auf allgemeinen Mustern, Trainingsdaten und typischen Best Practices basieren. Sie stellen keine fertigen Architekturentscheidungen dar. Das bedeutet, dass die KI zwar bei der Erstellung erster Entwürfe helfen kann, die Verantwortung für die Qualität und Konsistenz des Datenmodells jedoch weiterhin bei den Entwicklern liegt.

Ein mögliches Problem ist beispielsweise eine unzureichende oder falsche Normalisierung. KI-Systeme können zwar grundlegende Tabellenstrukturen generieren, berücksichtigen aber nicht immer alle fachlichen Anforderungen eines konkreten Projekts. In manchen Fällen entstehen dadurch redundante Datenstrukturen oder unklare Abhängigkeiten zwischen Tabellen.

Ein weiterer Aspekt sind fehlende oder unzureichende Constraints. Während KI häufig Tabellen und Beziehungen vorschlägt, werden wichtige Einschränkungen wie Unique-Constraints, Check-Constraints oder referenzielle Integritätsregeln nicht immer vollständig berücksichtigt. Diese sind jedoch entscheidend, um Datenkonsistenz und Datenqualität sicherzustellen.

Darüber hinaus neigen automatisch generierte Datenmodelle häufig zu einer generischen Modellierung. Die vorgeschlagenen Strukturen orientieren sich an allgemeinen Beispielen und spiegeln nicht immer die spezifischen Anforderungen einer Anwendung wider.

Fachliche Besonderheiten eines Geschäftsprozesses müssen daher weiterhin von Entwicklern und Datenbankarchitekten in das Modell eingebracht werden. KI kann als hilfreiche Assistenz dienen, etwa beim schnellen Erstellen von Entwürfen oder beim Analysieren bestehender Strukturen, jedoch die Expertise des Datenbankentwicklers nicht ersetzen.

*Die Autorin
Elena Bochkor arbeitet primär am Entwurf und Design mobiler Anwendungen und Web-Seiten. Beginnend bei einer systematischen Nutzerforschung, über visuelle Prototypen bis hin zu einem barrierefreien Design gestaltet sie die User Experience digitaler Produkte.

Bildquelle: Larinet.com

*Der Autor
Dr. Veikko Krypczyk ist begeisterter Entwickler und Fachautor.

Bildquelle: Larinet.com<



Bochkor und Krypczyk bieten bei Larinet.com Seminare und Workshops zu Themen der Software-Entwicklung an. Ihr Fazit und Ausblick lauten: Die KI-Funktionen von Dbschema zeigen, wie sich künstliche Intelligenz sinnvoll in Werkzeuge für die Software-Entwicklung integrieren lässt. Entwickler erhalten Unterstützung beim Entwurf von Datenbankschemata, bei der Erstellung von SQL-Abfragen sowie bei der Analyse und Dokumentation bestehender Datenbanken. Dadurch können insbesondere Routine-Aufgaben beschleunigt und erste Entwürfe schneller erstellt werden. Gleichzeitig bleibt die fachliche Expertise der Entwickler entscheidend.

Links

[1] Salem, N. u. a.: Generating database schema from requirement specification based on natural language processing and large language model, Computer Research and Modeling 16(7):1703-1713, https://www.researchgate.net/publication/387457163_Generating_database_schema_from_requirement_specification_based_on_natural_language_processing_and_large_language_model

[2] https://DbSchema.com/

[3] https://www.index.dev/blog/ai-tools-for-database-schema-generation-optimization

[4] https://mikesparr.medium.com/experimenting-with-generative-ai-for-database-design-development-a99d037cdc9f

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