Liquid-Cooling-Konzepte sind auf robuste, dichte und materialverträgliche medienführende Komponenten angewiesen, weil die technische Leistungsfähigkeit nur dann wirtschaftlich nutzbar ist, wenn die Zuverlässigkeit über die gesamte Lebensdauer gesichert ist.
Prüfsysteme von der Poppe + Potthoff Maschinenbau GmbH stellen Kühlungen auf die Probe. Jüngstes Betätigungsfeld sind Rechenzentren. Philip Claussen beschreibt, warum das Testen notwendig ist.
(Bild: Poppe + Potthoff Maschinenbau GmbH)
Der steigende Bedarf an Rechenleistung durch Cloud-Services, künstliche Intelligenz und High Performance Computing verändert die Rahmenbedingungen in Rechenzentren spürbar. Mit wachsenden Rack-Leistungsdichten und immer kompakteren Serverdesigns geraten klassische Luftkühlkonzepte an Grenzen. In vielen Umgebungen ist nicht mehr die verfügbare IT-Fläche der limitierende Faktor, sondern die sichere Abführung von Verlustwärme.
Flüssigkeitskühlung entwickelt sich deshalb zunehmend vom Spezialfall zur Standardoption, insbesondere in Hyperscale- und Colocation-Rechenzentren, in denen hohe Verfügbarkeit und planbare Betriebskosten entscheidend sind. Gleichzeitig unterstützt Liquid Cooling Nachhaltigkeitsziele, da sich der Stromverbrauch für Kühlung reduzieren lässt und damit auch der CO₂-Footprint sinkt.
Ein zentraler Treiber ist die Energieeffizienz. Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren steigt weiter, während Betreiber gleichzeitig unter Druck stehen, Kosten zu senken und Nachhaltigkeitsziele einzuhalten. Kühlung spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Flüssigkeiten können Wärme deutlich effizienter aufnehmen und transportieren als Luft, da ihre Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit wesentlich höher sind. In der Praxis lässt sich der Energiebedarf für Kühlung je nach Auslegung deutlich reduzieren, was die Gesamtbetriebskosten senkt und die Leistungsdichte pro Rack erhöht.
Durch die direkte Anbindung des Kühlmediums an die Wärmequelle kann Wärme schneller abgeführt werden. Damit wird Liquid Cooling zu einem Hebel, um mehr Rechenleistung pro Fläche bereitzustellen, ohne die thermische Stabilität zu gefährden.
Zwei Fragen an den Autor
Welche Prüfbedingungen sind notwendig, damit die Ergebnisse tatsächlich auf den Betrieb im Rechenzentrum übertragbar sind?
Philip Claussen: Übertragbare Prüfergebnisse erfordern Prüfbedingungen, die den realen Betriebszustand im Rechenzentrum nachbilden: Original-Kühlmedium, Betriebstemperaturen und repräsentative Volumenströme statt reiner statischer Druckhaltung. Entscheidend sind zusätzlich dynamische Druckprüfungen (Pulsation, Druckspitzen bei Pumpenstart/Regelung und Schaltvorgängen) sowie Druckwechsel zur Ermüdungsbewertung. Auf der Temperaturseite sind thermische Zyklen und realistische Temperaturgradienten/Hotspots relevant, weil sie die thermomechanischen Spannungen an Fügestellen und Dichtungen bestimmen. Erst die Kombination aus Druck, Temperatur, Durchfluss liefert Ergebnisse, die belastbar auf den DLC-Betrieb übertragbar sind. Maßgeschneiderte Prüfstände ermöglichen es, Druck- und Temperatureigenschaften in einem integrierten Prüfsystem realitätsnah abzubilden.
Welche Rolle spielt das Kühlmedium bei der Validierung?
Philip Claussen: Das Kühlmedium ist ein zentraler Validierungsfaktor, weil es Wärmekapazität, Viskosität und Dichte bestimmt und damit Wärmeübertragung, Druckverlust, Strömungseigenschaften und die resultierenden Betriebszustände im Bauteil verändern können. Ein Medium wie PG25 kann sich gegenüber reinem Wasser deutlich anders verhalten, zum Beispiel höhere Viskosität sowie anderer Δp und weitere Pumpen-/Pulsationsbedingungen, weshalb die Validierung idealerweise mit dem originalen Fluid erfolgen sollte.
Medienführende Komponenten im Fokus
Mit der breiteren Einführung von Flüssigkeitskühlung verschiebt sich auch der Fokus in der Qualitätssicherung. Während früher vor allem Luftführung, Lüfterleistung und Wärmetauscher im Mittelpunkt standen, rücken heute medienführende Komponenten in den Vordergrund. Dazu zählen Kühlplatten, Verteiler, Rohrleitungen, Verbinder, Ventile und Dichtsysteme.
Diese Bauteile müssen über Jahre hinweg zuverlässig funktionieren, obwohl sie in unmittelbarer Nähe sensibler Elektronik betrieben werden. Schon kleinste Undichtigkeiten können zu Ausfällen, teuren Reparaturen oder im schlimmsten Fall zu Schäden an Serverhardware führen.
Für Betreiber sind Leckagen deshalb nicht nur ein Qualitätsproblem, sondern ein direktes Verfügbarkeitsrisiko. Gerade deshalb ist die Validierung medienführender Komponenten nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern eine betriebswirtschaftliche Voraussetzung.
Zwei dominante Kühlkonzepte im Serverumfeld
Technologisch haben sich zwei Ansätze besonders etabliert. Bei Direct Liquid Cooling zirkuliert das Kühlmedium durch den Server oder das Rack und führt die Wärme von mehreren Quellen ab, etwa von CPUs, GPUs, Speichermodulen und Leistungselektronik. Diese Systeme sind prädestiniert für Hochleistungsanwendungen, in denen Luftkühlung die entstehenden Wärmeströme nicht mehr beherrscht.
Daneben ist die Kühlplattenkühlung verbreitet, bei der eine Kaltplatte direkt auf dem Wärme-erzeugenden Bauteil sitzt. In integrierten Kanälen fließt das Medium nahe an der Wärmequelle entlang, was eine präzise Temperaturführung ermöglicht.
Genau hier setzt moderne Prüftechnik an. Komponenten müssen nicht nur im Neuzustand dicht sein, sondern auch nach tausenden Lastwechseln, bei wechselnden Temperaturen und unter mechanischer Beanspruchung. In der Praxis entstehen Druckschwankungen durch Pumpenbetrieb, thermische Ausdehnung, Lastsprünge der IT und Betriebszustände wie Start und Shutdown.
Einmal prüfen reicht nicht
Diese wiederkehrenden Belastungen wirken auf Kanäle, Verbindungen und Dichtstellen und können über die Zeit zu Ermüdung führen. Daher reicht eine einfache Dichtheitsprüfung unter statischem Druck oft nicht aus. Benötigt werden Prüfprofile, die reale Betriebsbedingungen möglichst nah abbilden.
Spezialisierte Prüfstände ermöglichen hierfür eine Kombination aus Druckprüfungen, Temperaturkonditionierung und dynamischer Belastung. Typische Methoden sind Berstdrucktests zur Bestimmung der maximalen Druckfestigkeit und zum Aufdecken konstruktiver Schwachstellen, Dichtheitsprüfungen zur Verifikation der Abdichtung sowie Druckwechselprüfungen, bei denen zyklische Druckbelastungen gezielt über lange Zeiträume aufgebracht werden.
Stand: 08.12.2025
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Für Direct Liquid Cooling sind Druckwechsel besonders relevant, da das System im Betrieb regelmäßig zwischen unterschiedlichen Druckniveaus arbeitet. Bei Kühlplatten steht zusätzlich die Bewertung von Ermüdungseffekten in Kanälen und Übergängen im Fokus, weil lokale Belastungsspitzen auftreten können.
Prüfmedien und Temperaturzyklen
In der Praxis kommen dafür Druckpulsationsprüfungen zum Einsatz, bei denen zyklische Belastungen realitätsnah nachgebildet werden. Prüfstände können dabei mit dem Kühlmedium PG25 arbeiten und Druckwechsel bis zu 20 bar bei Frequenzen bis zu 2 Hertz (Hz) abbilden. Zusätzlich lassen sich unterschiedliche Druckkurven wie Wellen- oder Trapezprofile nutzen, um reale Druckverläufe im Betrieb möglichst präzise zu simulieren.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Prüfmedium. In flüssigkeitsgekühlten Serversystemen kommen häufig Wasser-Glykol-Gemische oder Fluide wie PG25 zum Einsatz. Diese Medien unterscheiden sich in Viskosität, thermischem Verhalten und Materialverträglichkeit und beeinflussen damit direkt das Dicht- und Alterungsverhalten von Werkstoffen und Verbindungstechnologien. Realistische Tests setzen daher auf Medien, die dem späteren Einsatz entsprechen.
Zusätzlich werden Komponenten in professionellen Prüfumgebungen nicht nur bei Raumtemperatur bewertet. Üblich ist eine definierte Temperierung des Mediums und der Umgebung, etwa in einem Bereich von minus 20 bis plus 90 Grad Celsius.
Druckwechselprüfstand zur Simulation wechselnder Druckniveaus in Liquid-Cooling-Systemen
(Bild: Poppe + Potthoff Maschinenbau GmbH)
Damit lassen sich typische Betriebszustände ebenso abdecken wie Grenzfälle, etwa Kaltstarts, Shutdown-Phasen oder Störungen. Gerade Temperaturzyklen sind aufschlussreich, weil sie Ausdehnung, Kontraktion und Materialermüdung beschleunigt sichtbar machen und damit potenzielle Leckagerisiken frühzeitig aufdecken können.
Ergänzend gewinnt der Normbezug an Bedeutung. Eine hydrostatische Druckprüfung nach IEC 62368-1 G.15.2.1 kann dabei als methodische Grundlage dienen, um sicherzustellen, dass flüssigkeitsführende Komponenten definierte Druckbelastungen ohne Leckagen aushalten.
Für die Validierung zählt am Ende vor allem eines: Lebensdauerbelastungen reproduzierbar und wirtschaftlich nachzustellen.
Dynamische Prüfungen mit definierten Druckprofilen helfen, potenzielle Schwachstellen früh zu erkennen, etwa in Fügestellen, Dichtsystemen oder Übergängen zwischen unterschiedlichen Werkstoffen. Durch beschleunigte Druckwechseltests lassen sich Langzeiteffekte innerhalb sinnvoller Prüfzeiten sichtbar machen, bevor Komponenten in Serie gehen oder im Rechenzentrum installiert werden.
Für Betreiber ergeben sich daraus klare Vorteile. Validierte Komponenten erhöhen die Betriebssicherheit, verringern Wartungsaufwand und unterstützen eine stabile Performance. Gerade in Colocation-Umgebungen, in denen Verfügbarkeit unmittelbar an SLA und Umsatz gekoppelt ist, ist die technische Zuverlässigkeit der Kühlkreisläufe ein wirtschaftlicher Faktor. Gleichzeitig trägt eine effizientere Kühlung dazu bei, Energieverbrauch und Betriebskosten zu senken und höhere Rack-Dichten zu realisieren.
*Der Autor Philip Claussen ist Managing Director der Poppe + Potthoff Maschinenbau GmbH. Sein Fazit lautet: Mit jeder zusätzlichen Kilowatt-Leistung pro Rack steigen die Anforderungen an die Kühltechnik und damit auch das Risiko im Fehlerfall. Flüssigkeitskühlung ermöglicht höhere Leistungsdichten und bessere Energieeffizienz, setzt aber dichte, langlebige und materialverträgliche Kühlkreisläufe voraus. Aus diesem Grund wird professionelle Prüftechnik zum Schlüssel, um Liquid Cooling dauerhaft sicher und wirtschaftlich betreibbar zu machen.