40 Millionen für mehr Hardware aus dem Bayerischen Wald Die Thomas-Krenn AG weiht die Erweiterung des Produktionsstandorts Freyung ein

Von Ulrike Ostler 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nach einer ungewöhnlich langen Bauzeit von fünf Jahren, Krisen und einem 40 Millionen Euro Invest hat die Thomas-Krenn AG die Standorterweiterung in Freyung auf mehr als das Doppelte am vergangenen Donnerstag offiziell in Betrieb genommen. Warum das Sinn macht, hat jeder Festredner herausgestellt. Auch Vorstandsmitglied Christoph Maier äußert sich dazu im Interview.

Das rote Band ist geknüpft. Mit dem Durchschneiden wird die Erweiterung des Produktionsstandorts Freyung der Thomas-Krenn AG auf mehr als das Doppelte offiziell. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Das rote Band ist geknüpft. Mit dem Durchschneiden wird die Erweiterung des Produktionsstandorts Freyung der Thomas-Krenn AG auf mehr als das Doppelte offiziell.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

2002 hatten Max Wittenzellner und Namensgeber Thomas Krenn das Unternehmen gegründet. Am Anfang stand die Idee eines unkomplizierten Onlineshop für individuelle Server-Systeme: Die gewünschten Server sollten aus hochwertigen Komponenten individuell zusammenstellbar und mit wenigen Mausklicks zu bestellen sein.

Gestartet als eine Garagengründung in Form eines Zwei-Mann-Betriebes wuchs die damalige Thomas-Krenn Serverversand GmbH und ihre Mitarbeiterzahl rasch und zog ins Innovations- und Gründerzentrum Waldkirchen. Es folgten Zwischenstopps im benachbarten Röhrnbach und dem Gewerbegebiet Freyung mit 1.250 Quadratmeter (qm). Zu dieser Zeit wurde das Unternehmen zudem in die Thomas-Krenn AG umgewandelt.

Im Jahr 2007 fand sich mit dem jetzigen Standort in Freyung schließlich genug Platz, doch bereits 2012 musste das zunächst 2.500 qm große Firmengebäude dann schon auf die beinahe doppelte Fläche ausgebaut werden. Bis zum Baubeginn der jüngsten Erweiterung nahm der Hauptsitz rund 6000 qm ein, jetzt sind es 11.272 qm.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Im Jahr 2014 schieden die beiden Gründer aus. 2017 eröffnete die Thomas-Krenn AG eine Vetriebsniederlassung in Tübingen.

im Jahr 2018 haben von der Düsseldorfer VM Capital GmbH, hinter der die Familie Vorndran‑Sattelberger steht, beratende Investment-Gesellschaften in mehreren Transaktionen alle Anteile an der Thomas-Krenn AG übernommen. Nach damaligen Angaben hatte die Thomas-Krenn AG schon seit 2011 im Eigentum des PE-Fonds Ventizz Capital Fund IV, Limited Partners mit Sitz in Großbritannien, gestanden, ein institutioneller Investorenkreis unter der Führung von Helmut Vorndran, der auch Mitbegründer und Managing Partner von Ventizz/VM Capital ist.

Vorndran übernahm auch eine der ersten Festreden und kündigte für dieses Geschäftsjahr einen geplanten Umsatz von 200 Millionen Euro an. Seine Frau Elke und Mitglied der Geschäftsführung bei VM Capital durfte das rote Band zur offiziellen Eröffnung zerschneiden.

Im Januar 2022 übernahm das Unternehmen die Extra Computer GmbH (100 Prozent), deren Hauptsitz in Giengen an der Brenz (Hauptsitz) ist beziehungsweise im dortigen Ortsteil Sachsenhausen. Öffentlich wird der Schritt jedoch als Partner-Unternehmen-Modell bezeichnet und nicht als Fusion. Das heißt, dass die Extra Computer GmbH weiterhin eigenständig agiert und für die Marken „Exone“, „Pokini“ und „Calmo“ zuständig ist. Ziel war unter anderem Nutzung von Synergien beim Einkauf und den Lieferketten sowie Know‑how‑Transfer.

Im September 2024 haben die Thomas-Krenn AG und die Hochteig PPP Solutions ihre Zusammenarbeit bekannt gegeben und das Joint Venture Yorizon gegründet. Das erklärte Ziel besteht darin, ein Netz aus möglichst nachhaltigen „Yexio“-Rechenzentren aufzubauen.

Mit der Kooperation ändern sich nicht nur die Umsatzziele, sondern auch das Portfolio; so steht mehr denn je die Ausstattung von Rechenzentren im Fokus, unter anderem mit flüssiggekühlten Rechnern. Zwar ist das Unternehmen schon lange mit der Entwicklung einer Hochtemperatur-Flüssigkühlung für die Komponenten beschäftigt - 2025 kündigte das Unternehmen erstmals öffentlich die Entwicklung von „Hot Fluid Computing“ an, die Folge davon, dass es eine DLR‑Ausschreibung zur Energie-effizienten Serverkühlung gewonnen hatte, doch nach der offiziellen Vorstellung zur „Cebit 2026“, der Markteinführung 2020 und der Kooperation mit dem Unternehmen Cloud and Heat , war es dann recht ruhig geworden um diese Technologie - und jetzt ist sie wieder da, als Technik für KI-Rechenzentren.

Und damit muss die Thomas-Krenn AG, egal ob flüssiggekühlte Technik, Storage-Devices Appliances auch ein Stück weit von der auf Kundenwunsch hin Entwicklung maßgeschneiderter Rechner abweichen. Die Ausstattung von Rechenzentren erfordert standardisiertere Prozesse und die Produktion größerer Stückzahlen.

Ob die Kunden diesen Schritt mitgehen? Festredner und Regierungspräsident von Niederbayern Rainer Haselbeck bringt es zur Eröffnung auf den Punkt: „Die Thomas-Krenn AG steht für zuverlässige, maßgeschneiderte IT.“ Und die IT sei nicht nur solche Hardware, sondern zugleich Vertrauen in eine IT, die die Wirtschaft und die Gesellschaft benötige, um die Transformation durch die IT, die Künstliche Intelligenz zu gestalten. Die Thomas-Krenn AG sei quasi eine Blaupause für diesen Zukunftswillen, für lokale Verwurzelung bei gleichzeitigem Wachstumswillen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung
Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Ministerialdirektor und stellvertretender Amtschef im bayerischen Wirtschaftsministerium Frank Messerer fügt an: „Machen Sie weiter so und wir werden Sie unterstützen.“ Im Jahr hat das Land rund 35 Millionen Euro für die Region Niederbayern ausgegeben bei insgesamt einer Viertel Milliarde an Gesamtinvestitionen. Wie hoch die monetäre Hilfe für die Erweiterung der Thomas-Krenn AG war, wollte jedoch keiner genau benennen.

Jedenfalls erwartet Jürgen Greibl von der IHK Freyung-Grafenau von der Thomas-Krenn AG 300 neue Arbeitsplätze. Bürgermeister Olaf Heinrich lässt ebenfalls auf weiteres Wachstum hoffen; denn er verweist darauf, dass sich die Thomas-Krenn AG bereits ein weiteres Grundstück gesichert habe. Das passt auch zu der Eröffnungsrede von Vorstandsmitglied Maier, in der er bemerkt, er hoffe noch eine vierte, fünfte Erweiterung erleben zu dürfen.

Mit Vorstandsmitglied Christoph Maier beim Interview in der brandneuen Tee- und Kaffeeküche der Thomas-Krenn AG am 23. April 2026 im blauen Stockwerk. (Bild:  uo/Vogel IT-Medien GmbH)
Mit Vorstandsmitglied Christoph Maier beim Interview in der brandneuen Tee- und Kaffeeküche der Thomas-Krenn AG am 23. April 2026 im blauen Stockwerk.
(Bild: uo/Vogel IT-Medien GmbH)

Interview mit Christoph Maier

Auch mit der Versechsfachung des Umsatzes, seit die Familie Vorndran mit im Boot ist, wie Helmut Vorndran bemerkt, und trotz des Ausbaus und der Wachstumspläne der Thomas-Krenn AG, ist und bleibt Freyung ein Standort irgendwo im Nirgendwo. Wie lässt sich diese Loyalität zur Stadt, zur Region rechtfertigen, von der die Politiker gesprochen haben?

Christoph Maier: Ja, die Entfernung zur tschechischen Grenze beträgt per Luftlinie etwa zehn bis 12 Kilometer und nach Österreich 25 bis 30 Kilometer, wir liegen also in einem Dreiländereck und um uns herum ist viel schöne Landschaft. Man fängt halt dort an, wo man aufgewachsen ist und die Menschen kennt, die hier wohnen. Für sie ist es hier einerseits günstiger zu leben als beispielsweise in einer Metropole, andererseits geht es hier um "einfach 'mal machen'; herum gejammert wird nicht. Und die Verwurzelung ist die Grundlage und der Erfolgsfaktor für den Standort Deutschland.

Aber ja. Über kurz oder lang brauchen wir Satelliten, also weitere Büros und Niederlassungen.

In den Festreden wurde in verschiedenen Abwandlungen der Gedanke „Think global, act local“ bemüht. Wie viel Hardware verkauft die Thomas-Krenn AG ins Ausland?

Christoph Maier: Wir haben in diesem Sinne keine Vertriebswege ins Ausland, allerdings international tätige Kunden aus Deutschland, die überall unsere Produkte einsetzen. Unter diesem Aspekt ist der hiesige Markt noch groß und zudem stark gewachsen.

Spielen Sie auf die Ausstattung der Rechenzentren an und den Bedarf an KI-Ausstattung?

Christoph Maier: Wir haben tolle Anfragen und Aufträge. Das ist keine Frage. Aber der Rechenzentrumsmarkt ist derzeit super 'gehypt' und tatsächlich kommen auch die Großen auf uns zu ... Allerdings geht es hier oft nur darum, wer gerade lieferfähig und der günstigste Anbieter ist.

So möchten wir mit Rechenzentrumsausstattung dienen, aber die Kunden müssen auch zu uns passen. Das heißt sie fragen nach besonderen Ausprägungen der Technik. Und das - build to order' - ist das, was wir können und unsere Kunden schätzen.

Auch war OpenSource schon immer ein Steckenpferd von uns, etwa Proxmox und OpenStack anstelle von VMware. Und diese Schiene bauen wir eher noch aus.

Kommen wir zu den flüssig gekühlten Servern: Die Thomas-Krenn AG hatte doch einmal die "Hot Fluid"-Technik entwickelt. Gibt es die noch?

Christoph Maier: Die damalige Technik hat mehrere Iterationen erlebt. Heute ist unser Partner die Schäfer IT Systems. Und tatsächlich können wir mithilfe der Cold-Plate-Technik so ziemlich alles kühlen, bis auf die Netzteile.

Flüssigkühlung lässt wiederum auf HPC und, oder KI-Server schließen und weil das teuer ist auf eher großen Rechenzentrumskunden.

Christoph Maier: Tatsächlich: KI-Rechner können wir, liefern aber bislang nur auf Kundenbasis. Vom High Performance Computing dagegen halten wir uns fern. Es heißt, dabei zahlt man eher drauf als dass man gewinnt.

Ist denn nicht auch die Art der Fertigung, die eher an Manufaktur als an Fabrik erinnert, eine Behinderung? Das ist vielleicht für die Mitarbeiter angenehmer, macht die Produktion aber auch teuer. Wie lange wollen die Kunden sich so etwas leisten? Braucht es nicht Automatisierung und Standardisierung - auch für Ihre Expansion?

Christoph Maier: Automatisierung? Ja. Wahrscheinlich. Standardisierung? Ja, wenn es um Prozesse geht. Nein, wenn damit die Ausprägung der Hardware gemeint sein sollte.

Dazu kommt, dass wir auch ausprobieren wollen. etwa Technik, die aus Europa kommt. Wir haben im vergangenen Jahr einen Verein gegründet, bei dem es um Technik und Technologie aus Europa geht (siehe: Kasten).

Der Verein zur Förderung von IT aus Europa

Am 16. Mai 2025 haben Mitarbeiter der Extra Computer GmbH und der Thomas-Krenn AG, Vertreter der IT-Beratung Sysfacts AG, der Corecooling GmbH sowie der Mainboard-Sparte des Embedded-Experten Kontron AG in Giengen einen „Verein zur Förderung von IT aus Europa“ (ITE) aus der Taufe gehoben.

Diese Unternehmen und Personen haben sich der Charta verpflichtet, wie es gemäß Satzung auch künftige Mitglieder vornehmen müssen. Es geht um die Stärkung der Unabhängigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit im IT-Sektor durch europäische Lieferketten.

Dazu gehört, dass auch politische Initiativen wie der European Chips Act unterstützt erden sowie das Siegel „IT aus Europa“, das Belegbarkeit und Transparenz signalisieren soll. Es wird für Produkte aus den Bereichen IT-Hardware, IT-Dienstleistung und Software inklusive Cloud-Angeboten vergeben, die unter anderem einen hohen Anteil an Wertschöpfung im europäischen Wirtschaftsraum samt UK und der Schweiz enthalten.

Den Hintergrund lieferten die aktuellen Herausforderungen im transatlantischen Verhältnis, die die Rufe nach mehr technologischer Unabhängigkeit laut werden ließen - nicht nur für die Verteidigungsindustrie, sondern auch für das IT-Umfeld.

Häufig weiß man nicht einmal, was es alles schon gibt. Überhaupt sind Souveränitätsbestrebungen ein großer Treiber für die Abkehr von Massenware. Derzeit beschäftigt uns eine Anfrage von einem großen internationalen Player, der von Supermicro und Dell Technologies aus Souveränitätsbestrebungen weg will.

So ist das Streben nach mehr Souveränität ein Momentum, das wir nutzen sollten.

Christoph Maier, Thomas-Krenn AG: Was ist Digitale Souveränität?
Quelle: Vogel IT-Medien GmbH / YouTube

(ID:50827077)