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IDC Futurescape - erste Prognosen über 2020 hinaus Wie sich die IT-Industrie 2021ff aufstellen muss

Redakteur: Ulrike Ostler

Die International Data Corporation (IDC) hat gestern ihre weltweiten Prognosen für die IT-Industrie für 2021 und Folgejahre veröffentlicht. Sie sind sind von den heftigen Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt.

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Angesichts der Pandemie Prognosen zu stellen, scheint dem Lesen von Tarotkarten zu gleichen. Dennoch wagen die IDC-Analysten im October 2020, „IDC Futurescape“ erste Ausblicke und Ratschläge für die weltweite IT-Industrie.
Angesichts der Pandemie Prognosen zu stellen, scheint dem Lesen von Tarotkarten zu gleichen. Dennoch wagen die IDC-Analysten im October 2020, „IDC Futurescape“ erste Ausblicke und Ratschläge für die weltweite IT-Industrie.
(Bild: Daniel Albany auf Pixabay)

Die diesjährigen Vorhersagen betreffen das globale Wirtschaftssystem in den nächsten zwölf bis 24 Monaten (und auch danach); es wird sich dramatisch verändern. Die Folgen von Corona sind omnipräsent und beeinflussen auch die externen Faktoren, die den Wandel vorantreiben.

Doch trotz der Störungen durch die globale Pandemie im Jahr 2020 ist die Weltwirtschaft nach wie vor auf dem Weg zu ihrem 'digitalen Ziel', da die meisten Produkte und Dienstleistungen auf einem digitalen Liefermodell basieren oder eine digitale Erweiterung benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Veränderung führt dazu, dass 65 Prozent des globalen BIP bis 2020 digital erwirtschaftet werden, was 6,8 Billionen Dollar an IT-Ausgaben von 2020 bis 2023 nach sich zieht.

Um diese Veränderungsphase erfolgreich zu meistern, müssen sich CIOs und digital ambitionierte Vorstände in den nächsten fünf Jahren auf drei Bereiche konzentrieren.

  • Sie müssen kurzfristig alle Schnellschüsse und Mängel in der IT beheben, die die während der anfänglichen Krisenreaktion entstanden sind.
  • Sie müssen ermitteln, wo die Krise und die Reaktionen darauf die IT-Transformation in ihren Unternehmen beschleunigt hat und an diesen Fortschritten festhalten.
  • Und am wichtigsten: Sie müssen nach Möglichkeiten suchen, neue Technologien einzuführen, um die branchenweiten Umbrüche zu nutzen und mit erweiterten Fähigkeiten das Geschäft in der 'Nächsten Normalität' auszubauen.

Rick Villars, IDC Group Vice President Worldwide Research, hat die Prognosen in einer Live-Web-Konferenz präsentiert. Er sagt: „Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die Fähigkeit, sich schnell anzupassen und auf ungeplante und unvorhergesehene Störungen des Geschäftsbetriebs zu reagieren, ein klarer Erfolgsfaktor in unserer zunehmend digitalisierten Wirtschaft sein wird.“ Somit hänge ein großer Prozentsatz des zukünftigen Unternehmensumsatzes von der Reaktionsfähigkeit sowie der Skalier- und Belastbarkeit der Firmeninfrastruktur, Anwendungen und Datenressourcen ab.

IDC Futurescape: Die Top 10 der IDC-Vorhersagen für die weltweite IT Industrie 2021 und darüber hinaus
IDC Futurescape: Die Top 10 der IDC-Vorhersagen für die weltweite IT Industrie 2021 und darüber hinaus
(Bild: IDC 2020)

Ein detaillierter Blick in die Top Ten der weltweiten Prognosen der IT-Branche von IDC zeigt:

Der Wandel zur Zentralisierung in der Cloud beschleunigt sich. Bis Ende 2021 werden 80 Prozent der Unternehmen aufgrund der jüngst gemachten Erfahrungen einen Mechanismus einführen, um doppelt so schnell wie vor der Pandemie auf Cloud-zentrierte Infrastrukturen und Anwendungen umzustellen. CIOs müssen den Übergang zu einem Cloud-zentrierten IT-Modell beschleunigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und das Unternehmen digital robuster aufzustellen.

Edge wird zur Top-Priorität. Bis 2023 werden die Reaktionen auf veränderte Arbeitsweisen und -orte während der Pandemie der dominante Faktor für 80 Prozent aller IT-Edge-orientierten Investitionen und Geschäftsmodellanpassungen in den meisten Branchen sein. Die Notwendigkeit, Infrastruktur-, Anwendungs- und Datenressourcen bei Endanwendern bereitzustellen, wird die Einführung neuer Cloud-zentrierter Edge- und Netzwerklösungen vorantreiben. Diese ermöglichen schnellere Reaktionen auf aktuelle Geschäftsanforderungen und bilden gleichzeitig eine bessere Grundlage, langfristig die “digitale Belastbarkeit” deutlich zu verbessern, das Business zu skalieren und eine größere geschäftliche Flexibilität zu gewährleisten.

Der intelligente digitale Arbeitsplatz. Bis 2023 werden sich 75 Prozent der 2.000 weltweit größten Unternehmen dazu verpflichten, ihre Arbeitnehmer technisch so auszustatten, dass sie von vornherein (und nicht erst gezwungen durch äußere Umstände) räumlich getrennt in Echtzeit zusammenarbeiten können. Das wird zu besser informierten, zusammenarbeitenden und produktiveren Mitarbeitern führen.

Das IT-Erbe der Pandemie. Bis 2023 wird das Aufarbeiten überhasteter IT-Aktionen während der Pandemie bei 70 Prozent der CIOs zu finanziellem Stress, geringerer IT-Agilität und erzwungenen Cloud-Migrationen führen. Erfahrene CIOs werden nach Möglichkeiten suchen, neue digitale Plattformen zu entwickeln, die Infrastruktur und Anwendungen modernisieren und aufeinander abstimmen, sowie gleichzeitig flexible Möglichkeiten für Produkte, Dienstleistungen und Anwendungen für Mitarbeiter und Kunden zu schaffen.

Widerstandsfähigkeit ist zukünftig entscheidend. Im Jahr 2022 werden Unternehmen mit einem Fokus auf digitale Widerstandsfähigkeit 50 Prozent schneller auf eine Disruption reagieren und ihre Dienste anpassen können, als solche, die sich auf die Wiederherstellung ihres bisherigen Business und IT-Ausfallsicherheit konzentriert haben. Führende Unternehmen müssen sehr schnell auf radikale Veränderungen reagieren können, digitale Fähigkeiten aufbauen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, und schnell die veränderten Bedingungen zu ihrem Wettbewerbsvorteil nutzen.

Ein Wandel zu unabhängigen IT-Diensten. Bis 2023 werden aufkommende Cloud-Systeme zur umfassenden Steuerung von IT-Ressourcen und Real-Time-Datenauswertungen die technische Grundlage für jegliche IT- und Business-Automatisierungsvorhaben bilden. Für diese Ziele bedarf es einer offensiven Integration proaktiver, KI/ML-gestützter Analysetechnik, der Einführung einer richtliniengesteuerten Automatisierung und stärkeren Nutzung von serverlosen Low-Code-Workflows, um eine einheitliche, selbststeuernde Infrastruktur zu schaffen.

Bevorzugter KI-Ausbau. Bis 2023 wird ein Viertel der G2000-Unternehmen – angetrieben von dem Ziel, mehr Intelligenz in Produkte und Dienste zu bringen – mindestens ein KI-Software-Startup erwerben, um sich spezifische Fähigkeiten und Wissen zu sichern. Erfolgreiche Unternehmen werden eventuell intern entwickelte branchenspezifische Software und Datendienste im Rahmen von Abonnements verkaufen und dabei ihr enormes Fachwissen einsetzen, um profitable neue Einnahmequellen zu erschließen.

Überprüfung von Geschäftsbeziehungen. Bis 2024 werden 80 Prozent der Unternehmen ihre Beziehungen zu Lieferanten, Anbietern und Partnern neu bewerten, um ihre Digital-Strategien eines universellen Ressourcen-Einsatzes und unabhängiger IT-Dienste umsetzen zu können. Die Neubewertung der Beziehungen zwischen Technologie, Diensten und Anbietern in einem IT-Ökosystem, das einen tiefgreifenden Wandel durchmacht, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg.

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Bis 2025 werden 90 Prozent der G2000-Unternehmen wiederverwendbare Materialien in IT-Hardware-Lieferketten, CO2-Ziele in der Produktion und einen geringeren Energieverbrauch als Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen vorgeben. In dem Maße, wie die IT mehr Verantwortung für positive Veränderungen innerhalb des Unternehmens übernimmt, wird es noch wichtiger werden, sicherzustellen, dass die IT-Anbieter und Rechenzentrumspartner ähnliche Ziele verfolgen und dazu beitragen, den Fortschritt zu beschleunigen.

Der Mensch bleibt wichtig. Bis 2023 wird sich die Hälfte der Anstrengungen, Geschäftsprozesse zu automatisieren, verzögern oder ganz scheitern, weil zu wenig in den Aufbau von IT/Sec/DevOps-Teams mit den richtigen Tools und Fähigkeiten investiert wird. Um den Mangel an Entwicklern und Datenanalyse-Fachkräften zu beheben, werden Unternehmen auf flexible Fachkräftequellen, Crowdsourcing und internes Personal zurückgreifen, um ihren Bedarf an Entwicklung und Automatisierung sowie fortgeschrittener Analytik zu decken und Innovationen voranzutreiben.

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