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Immer 'mal 'was Neues Was ist ein Update?

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Software steht niemals still, sondern entwickelt sich stetig weiter. Beim Anwender kommen diese Veränderung als Updates an – für die Admins nicht immer ein Vergnügen.

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Updates halten Software längerfristig am Leben.
Updates halten Software längerfristig am Leben.
(Bild: © djama - stock.adob.com)

Wer Software kauft, erwirbt– anders als bei den meisten kommerziellen Produkten – keine fertige Lösung. Vielmehr folgen regelmäßige Updates. Das sind Nachlieferungen mit neuen oder aktualisierten Funktionen, veränderten (nicht immer verbesserten) Benutzerschnittstellen und Fehlerbehebungen.

Dient ein Update ausschließlich dazu, eine kürzlich entdeckte Sicherheitslücke oder einen Softwarefehler zu beseitigen, spricht man von Patch oder Bugfix. Beides sind aber im Grunde Updates, nur besonders dringliche und auf einen engen Bereich beschränkte. Auch in normalen Updates verstecken sich meist viele Dinge, die man eigentlich als Fehlerbeseitigungen bezeichnen könnte.

Das (eingestellte) Update als IT-Markttreiber

Die Zeit, während der Anbieter ihre Kunden mit Updates zu einer grundlegenden Softwareversion („Major Release“) beliefern, entscheidet letztlich, wie lange Anwender eine Software risikolos nutzen können. Manchmal ist dafür extra Geld zu bezahlen. Das Ende des Update-Zyklus, vor allem aber der Belieferung mit Sicherheits-Patches, markiert auch das Ende beliebter kommerzieller Produkte.

Paradebeispiel ist „Microsoft Windows“: Wird eine ältere Version, etwa „Windows 7“ nicht mehr sicherheitstechnisch aktualisiert, ist es dringend Zeit für den Abschied. Damit auch oft für eine neue Hardware, denn das neue Major Release stellt oft ganz andere, höhere Anforderungen als das alte Produkt mit demselben Label. Oft können auch ältere Programme mit einem renovierten Betriebssystem nicht umgehen und müssen ebenfalls ausgetauscht werden. So hält der Markt sich selbst in Schwung und die Anwender in Atem.

An diesem Zyklus sollen neue Regeln für „grüne Software“ etwas ändern: Möglichst lange Rückwärtskompatiblilität bei Software- und Hardware-Anforderungen wird hier zum Qualitätskriterium. Doch bislang ist davon in der Praxis noch nicht viel zu spüren.

Im Dschungel der Versionsnummern

Updates werden in der Regel durch hierarchisch geordnete Ziffernfolgen gekennzeichnet. Major Releases führen dazu, dass sich die erste (häufig) oder zweite Zahl (seltener) in der Versionsbezeichnung ändert. Und hinsichtlich der Software dazu, dass man sie manchmal gar nicht wiedererkennt. Windows beispielsweise befindet sich derzeit in der Hauptversion 10.

Daneben gibt es beliebig viele Unter-Hierarchie-Ebenen. Je tiefer die Hierarchie-Ebene, desto weniger umfangreich sind die Änderungen - bis hin zu Patches für einzelne Lücken oder Fehler.

Auf der Verpackung oder der Download-Seite einer Software steht die genaue Bezeichnung der erworbenen Version zum Zeitpunkt des Downloads/des Erwerbs. Die aktuell genutzte Version (einschließlich der zwischenzeitlich installierten Updates) findet sich meist bei den Eigenschaften der jeweiligen Software. Welche das ist, hängt davon ab, ob regelmäßig automatisiert wird – entweder automatisch, was jedem Home-User zu empfehlen ist, oder gesteuert durch den Admin.

Sisyphusaufgabe Aktualisierung

Die Aufgabe, sämtliche Software im Rechenzentrum und an den Arbeitsplätzen aktuell und auf demselben Stand zu halten, ist eine echte Herausforderung. Besonders prekär ist diese Aufgabe, wenn, wie beispielsweise bei Fahrzeugen, solche Aktualisierungen betriebswichtig und sicherheitsrelevant sind. Allerdings gibt es inzwischen Tools, die Patching und Updates richtliniengesteuert automatisieren, so genannte Software Update Management Systems (SUMS).

Knifflig werden Updates besonders in komplexen Umgebungen mit vielen Applikationen, die voneinander abhängen. Denn Software, die in der bisherigen Software-Architektur einwandfrei funktionierte, kann aktualisiert durchaus Kompatibilitätsprobleme aufwerfen.

Admins sollten daher vor Updates testen, ob die Kompatibilität auch mit der aktualisierten Software uneingeschränkt gewährleistet ist. Manchmal müssen aus Kompatibilitätsgründen alte Versionen gefahren werden, um die Stabilität der Gesamtumgebung nicht zu gefährden.

Auch Datenbestände brauchen Updates

Der Begriff Update wird nicht nur auf Software angewandt, sondern auch auf Datenbestände, etwa in Datenbanken. Sie müssen ebenfalls regelmäßig aktualisiert werden.

Der wichtigste Grund dafür ist oft das Hinzukommen neuer Daten. Außerdem ändern sich Datensätze häufig. Auch solche Änderungen lassen sich in Updates bündeln, meist werden sie aber ad hoch gepflegt. Natürlich gibt es auch bei Datenbanken daneben Updates der DB-Software selbst.

Das Update in Cloud-Native-Umgebungen

Der Begriff Update hat durch DevOps, agile Programmierung und Continuous Delivery eine vollkommen neue Bedeutung bekommen: Diese eng mit Cloud-Native-Umgebungen verbundenen Programmier- und Bereitstellungsmethoden ermöglichen Updates im Minuten- oder Sekundentakt.

Ein solches Update umfasst dann in der Regel allerdings nicht große Bereiche einer Software, sondern meist lediglich einzelne Funktionen. Diese können sogar in mehreren Varianten testweise jeweils an einen Teil der Anwender ausgespielt werden, um festzustellen, was am besten ankommt.

Zu viel Neues kann auch nerven

Dadurch „verflüssigen“ sich Anwendungen immer mehr. Möglich, dass das klassische Update auf dem Arbeitsplatzrechner oder im Rechenzentrum auf die Dauer durch solche Technologien überflüssig wird, wenn immer mehr Software als Service bezogen wird.

Das stellt Softwarenutzer vor ganz neue Probleme. Denn wer möchte schon täglich auf einer jeweils anders gestalteten Benutzeroberfläche herumirren? Wer will sich ständig durch neue Funktionen oder das veränderte Funktionieren von Bewährtem aus dem Arbeitstakt bringen lassen? Ein Gleichgewicht zwischen Development-Speed und dem Erhalt von Erhaltenswertem zu finden, dürfte eine wichtige Aufgabe für Software-Entwickler werden.

Bis es allerdings so weit ist, dass Dienstleister-Admins das Update-Management weitgehend abnehmen, dauert es wohl noch. So lange bleiben Update- und Patch-Management eine Hauptaufgabe professioneller Administratoren.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger