Statische Inventardaten zeigen, was vorhanden ist. Erst Nutzungsdaten, Abhängigkeiten und Performance machen sichtbar, wie eine gewachsene IT tatsächlich arbeitet und wo Risiken und Einsparpotenziale liegen.
Mehrwöchiges Monitoring macht Auslastungen, Datenströme und Abhängigkeiten in heterogenen IT-Landschaften sichtbar.
IT-Architekturen in Unternehmen sind heute meist komplex: Oft über Jahrzehnte gewachsen umfassen sie unterschiedlich alte Technologien und sind vielfach auf verschiedene Standorte und Rechenzentren verteilt, darunter eigene ebenso wie die von – möglicherweise unterschiedlichen – Cloud-Anbietern.
Außerdem kommen auch immer wieder neue Systeme und Applikationen hinzu. Nicht selten wird diese technische Komplexität durch verteilte oder gar unklare Verantwortlichkeiten weiter erhöht, weil manche IT-Entscheidungen oder -Budgets bei der IT-Administration, andere bei den Fachabteilungen liegen.
So gestaltet es sich für IT-Verantwortliche schwierig, einen umfassenden Überblick über die genutzte IT-Architektur des Unternehmens zu bekommen oder zu behalten.
Warum CMDBs für IT-Transparenz nicht ausreichen
Im besten Fall dokumentieren regelmäßig gepflegte und aktualisierte Configuration Management Datenbanken (CMDB) den Bestand und Einsatz von Systemen und Elementen, die in der IT-Architektur eines Unternehmens genutzt werden, über deren gesamten Lebenszyklus hinweg.
Die Realität sieht allerdings leider häufig anders aus: Manches Systemwissen ist nur in den Köpfen von Mitarbeitenden vorhanden und verlässt das Unternehmen mit ihnen, wenn sie gehen. Oft liegen nur lückenhafte oder veraltete Dokumentationen der eingesetzten Systeme vor.
Gerade die Fachabteilungen legen ihren Fokus bei der Integration neuer oder Erweiterung bestehender IT-Systeme vor allem auf Innovation und bessere Unterstützung ihrer spezifischen Prozesse, so dass die Dokumentation, die für eine durchgängige IT-Administration unerlässlich ist, leicht mal ausgelassen wird.
Doch selbst wenn vorbildlich gepflegte CMDBs im Einsatz sind, greifen die Informationen, die sie liefern für einen aussagekräftigen Überblick über die eigene IT-Architektur zu kurz, denn: CMDBs zeigen keine Abhängigkeiten. Sie zeigen keine Auslastungen. Sie checken keine Sicherheitslücken.
Längeres Monitoring ergibt aussagekräftiges Bild
Damit IT-Verantwortliche fundierte Entscheidungen für ihre IT-Architektur treffen können, braucht es über statische Bestandsinformationen hinaus, echte Nutzungsdaten und eine Performance-Analyse sowie eine Prüfung von Abhängigkeiten und möglichen Sicherheitslücken.
Liefern kann das ein Monitoring der gesamten IT-Infrastruktur und ihrer realen Nutzung, das vier wesentliche Säulen automatisch erfasst: die Software, die Hardware, die Auslastung sowie Kommunikation und Abhängigkeiten.
Dabei empfiehlt sich, ein kontinuierliches Monitoring über sechs bis acht Wochen laufen zu lassen, damit alle IT-Zyklen wie Monatsabschlüsse oder Batch-Jobs realistisch erfasst werden und nicht durch Momentaufnahmen ein falsches Bild entsteht.
So lassen sich etwa folgende Metadaten erfassen:
Software: Betriebssystem und Version, Middleware und Services;
Inventory: RAM, Storage und CPU sowie Konfiguration;
Auslastung: RAM, CPU, Durchsatz über Zeit;
Datenbanken: eingesetzte Lizenzen und Engines;
Data Gravity: Netzwerk, Verkehrsanalysen und Abhängigkeiten.
Toolset für maßgeschneidertes Monitoring
Für die technische Umsetzung eines solchen IT-Infrastruktur-Monitorings stehen grundsätzlich zwei Kategorien von Lösungen zur Verfügung: die Toolsets der großen Cloud-Anbieter sowie cloud-agnostische Tools unabhängiger Anbieter.
Beide bringen in ihrer Reinform Einschränkungen mit sich: Anbieter-eigene Tools sind primär auf die Migration in die jeweils eigene Cloud ausgerichtet und liefern damit kein neutrales Lagebild. Unabhängige Tools hingegen sind – gerade für längere Laufzeiten – häufig mit erheblichen Lizenzkosten verbunden.
BTC hat daraus eine eigene Konsequenz gezogen: Mit „DataCenter Discovery“ (DCD) bietet die Aktiengesellschaft ein Monitoring, das cloud-agnostisch konzipiert ist und damit ein herstellerneutrales Lagebild unternehmenseigener IT-Infrastrukturen liefert – unabhängig davon, ob am Ende eine Migration geplant ist, Kosten optimiert werden sollen oder regulatorische Anforderungen erfüllt werden müssen.
Stand: 08.12.2025
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Ganz konkret nutzt DataCenter Discovery unter anderem die AWS-Dienste „Amazon S3“, „Amazon Athena“, „AWS Lambda“ sowie „AWS QuickSight“ als Infrastrukturgrundlage, während das Analyse-Know-how für die Auswertungen von BTC kommt:
Funktionen wie automatisiertes Matchmaking, Dependency-Clustering und Business-Case-Generierung sind BTC-Entwicklungen, die auf diesen AWS-Diensten aufsetzen und die interaktiven Dashboards mit aussagekräftigen Auswertungen versorgen – siehe Abbildungen.
Data Gravity: Die Analyse der Netzwerkbeziehungen macht Abhängigkeiten und Schnittstellen sichtbar
(Bild: BTC AG)
Ausstattung und Auslastung: Ressourcen werden gemeinsam mit ihrer Auslastung erfasst, so dass beispielsweise für Kostenoptimierung fundierte Entscheidungen getroffen werden können.
(Bild: BTC AG)
IT-Transparenz statt Inventarliste
Die Dashboard-Grafiken und ihre zugrundeliegenden Daten erlauben tiefere Einblicke und Erkenntnisse als einfache CMDBs und damit faktenbasierte Entscheidungen – beispielsweise: Server hat 16 Cores, nutzt durchschnittlich zwei, im Peak vier – hier ist ein Rightsizing auf vier Cores möglich. Oder: Server XY hat 67 abhängige Systeme, drei davon geschäftskritisch – hier weiß man nun: nicht abschalten ohne Impact-Analyse.
Insgesamt kann ein solches mehrwöchiges Monitoring der Unternehmens-IT also ein vollständiges Lagebild inklusive der Nutzungsdaten liefern. Es zeigt, wo Ressourcen ungenutzt oder überdimensioniert sind. Die Data Gravity offenbart zwischen welchen Systemen besonders viel und oft Datenströme fließen. Dependency-Maps geben Aufschluss über Abhängigkeiten zwischen Systemen. Sicherheitsrelevante Ereignisse, die ansonsten häufig unter dem Radar bleiben, fallen auf. Und oft erfahren Unternehmen durch ein solch gezielte Monitoring ihrer IT-Infrastruktur auch Überraschendes.
Ganz konkret: Migration sicher gestaltet und Betriebskosten deutlich gesenkt
2025 wurde bei einem Energieversorger mit 8.000 Mitarbeitenden ein DataCenter Discovery durchgeführt. Das Unternehmen wollte anlässlich eines auslaufenden Vertrags die organisch gewachsene IT-Landschaft mit ihren geschäftskritischen Prozessen vom bestehenden Rechenzentrumsanbieter in die Cloud migrieren.
Das Ziel war, IT-Transparenz für die bestehende IT-Infrastruktur und ihre Nutzung zu schaffen, um die Risiken für die geplante Migration zu minimieren und ihren Ablauf zu optimieren.
Das Monitoring wurde über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt und umfasste die gesamte IT-Landschaft des Unternehmens, darunter SAP-Systeme, spezifische Branchensoftware, Controlling-Anwendungen sowie SQL- und Oracle Server.
Zur Vorbereitung einer Wellenplanung für eine risikoarme Migration wurde besonderes Augenmerk auf die Data Gravity und die Abhängigkeiten zwischen den Systemen gelegt. Aber sie lieferte darüber hinaus auch überraschende Ergebnisse:
Um sicher über ausreichend Server-Kapazitäten zu verfügen, war ein Großteil der Server überdimensioniert worden, so dass mit der Migration in die Cloud ein Rightsizing vorgenommen und die Betriebskosten deutlich gesenkt werden konnten. Außerdem wurde gezeigt, dass die CPU-Auslastung für die geschäftskritischen Systeme zum Monatsabschluss in der Spitze mit 99,5 Prozent regelmäßig am Limit war.
Hier konnte mit dem Umzug in die Cloud eine gezielte Skalierung vorgenommen werden. Schließlich wurde festgestellt, dass in der professionell gemanagten Umgebung offene Ports existierten, die beispielsweise für Krypto-Mining hätten missbraucht werden können. Sie wurden schnellstmöglich geschlossen.
Mit den Ergebnissen des mehrwöchigen Monitorings konnte das Unternehmen also wie geplant eine risikoarme Migration in die Cloud durchführen und dabei die Migrations-Cluster so gestalten, dass sie in optimalen Wellen in die Cloud umgezogen werden konnten.
Gleichzeitig und zunächst unerwartet profitierte es aber auch noch von anderen Vorteilen, so dass sich die DataCenter Discovery aus mehreren Gründen gelohnt hat:
Risikominimierung durch Migrations-Cluster;
Deutlich geringere Betriebskosten;
Verbesserte Performance bei Lastspitzen;
Eliminiertes Sicherheitsrisiko.
IT-Transparenz als Erfolgsfaktor für dynamisches IT-Management
IT-Management wird auch in Zukunft eine komplexe Aufgabe bleiben, die den Spagat schaffen muss zwischen bestehenden heterogenen und verteilten IT-Infrastrukturen und der Aufgabe, sie dynamisch und flexibel an neue technologische, organisatorische, finanzielle oder regulative Anforderungen anzupassen. Wer als IT-Verantwortlicher dann genau weiß, was wann wo und wie in seiner IT-Architektur passiert, kann künftige Aufgaben gleichzeitig gelassener und effizienter angehen.
Über den Autor: Von Niklas Fabian ist Senior IT-Consultant Managed Cloud Services bei der BTC AG.
Sein Fazit lautet: „IT-Transparenz wird so für das IT-Management zum Erfolgsfaktor:
Sie schafft beste Voraussetzungen, um auf der Basis eines vollständigen Lagebildes mit konkreten Nutzungsdaten aus der eigenen IT-Landschaft faktenbasierte Entscheidungen zu treffen und für verschiedenste künftige Szenarien möglichst effizient, risikoarm und kostengünstig zu agieren.
Ganz egal, ob es dabei um Projekte zur Einsparung von Betriebskosten, zur digitalen Souveränität, zur Cloud-Migration oder um die Umsetzung von Cybersecurity oder gesetzliche Regulierung geht.“