Interview mit Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation

Viel Open Source für Clouds – Wirrwarr oder Stärke?

| Autor: Ludger Schmitz

Die Auswahl und Positionierung geeigneter Open-Source-Produkte für Open Clouds ist komplexer als Tetris.
Die Auswahl und Positionierung geeigneter Open-Source-Produkte für Open Clouds ist komplexer als Tetris. (Bild: Maik Schwertle by Pixelio.de)

Es gibt mehr als hundert Open-Source-Projekte mit direktem Cloud-Bezug; bei manchen scheinen sich die Ziele zu überlappen. Ist diese Vielfalt eine Stärke von Open Source, oder führt sie nur zur Verwirrung auf Anwenderseite?

Ein Anwender, der für seine Zwecke verschiedene Cloud-Formen und Anbieter evaluiert, trifft alsbald auf eine Hürde: Insbesondere wenn er sich nicht an kommerzielle Public-Cloud-Anbieter binden möchte, trifft er auf ein kaum überschaubares Angebot von Open-Source-Lösungen. Gerät das letztlich zum Nachteil von Open-Cloud-Computing? Chip Childers, Entwicklungsleiter der Cloud Foundry Foundation, stellte sich den Fragen von Ludger Schmitz*.

Wie unterscheiden sich die Projekte der Cloud Foundry Foundation (CFF) von denen anderer in der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und in der OpenStack Foundation (OSF)? Was ist der Zwecke all dieser Foundations und Projekte?

Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation
Chip Childers, CTO der Cloud Foundry Foundation (Bild: CFF)

Chip Childers: Die Foundations haben unterschiedliche Ziele. Die Cloud Foundry Foundation will die Community, Verbreitung und Kommerzialisierung einer Familie von Open-Source-Projekten unterstützen, die zusammen die Cloud-Foundry-Plattform bilden. Wir konzentrieren uns dabei darauf, die Effizienz der Entwickler und Administratoren in der Cloud-Native-Ära zu verbessern. Unsere technische Community verfolgt diese Ziele, indem sie neue Software entwickelt und Open-Source-Software integriert, die aus anderen Teilen des Open-Source-Eco-Systems kommen.

OpenStack startete ursprünglich mit dem Fokus auf Open-Source-Möglichkeiten im Bereich Infrastructure-as-a-Service. Kürzlich hat die Organisation ihren Aufgabenbereich in einem breiteren Sinn auf offene Infrastrukturservices erweitert.

Die Cloud Native Computing Foundation unterstützt diverse, manchmal in Wettbewerb zu einander stehende Projekte, welche die CNCF-Definition von „Cloud Native“ unterstützen. Wir sehen insbesondere die CNCF als die Heimat verschiedener Komponenten, die zur Cloud-Foundry-Plattform gehören.

Wenn ich richtig gezählt habe, gibt es in der CFF, der OSF, der CNCF, der Linux Foundation (LF) und der Apache Software Foundation (ASF) 105 Open-Source-Cloud-Projekte. Warum gibt es so viele, und was soll diese Vielzahl bezwecken?

Chip Childers: In gewisser Weise ist heutzutage der Begriff „Cloud Computing“ synonym mit „Computing“. Es ist das Allerweltswort für moderne Informationstechnologien, ob nun als Software, als Services, als Anwendungsplattformen oder Infrastrukturservices geliefert. Gleichzeitig zur Akzeptanz von Cloud Computing, ist Open Source eine massive Kraft in der Software-Industrie und vielen anderen Industrien geworden.

Die angesprochenen Projekte repräsentieren sowohl Gruppen einzelner Entwickler zur Lösung gemeinsame Probleme als auch Gruppen von Unternehmen, die auf gleiche Weise zusammenarbeiten. Open Source ist fast die De-facto-Herangehensweise für allgemeine Softwareentwicklung geworden.

Cloud Computing hat mehr als ein Jahrzehnt gebraucht, diesen Stand in der Evolution der IT-Industrie zu erreichen. Und in dieser Zeit haben viele unterschiedliche Open-Source-Projekte angefangen, um verschiedene Aspekte der Schaffung und Nutzung von Cloud-Services zu unterstützen. Das war und ist eine natürliche Konsequenz dieser zwei Industrietrends.

Noch einmal: Sind so viele Projekte notwendig, oder könnten ihre Zahl der Verbreitung von Open Source sogar schaden?

Chip Childers: Das ist eine sehr gute Entwicklung. Zum einen gibt es eine sehr große Zahl unterschiedlicher Anforderungen für die Einrichtung und Nutzung von Cloud-Services. Zum anderen eine der Stärken der Arbeitsweise des Open-Source-Ökosystems darin, dass es verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Ansichten über Architekturen und Herangehensweise an Problemlösungen geben kann.

Der technische Leiter der Cloud Foundry Foundation, Chip Childers, im vergangenen Jahr auf der Kopenhagerner Konferenz der Cloud Native Computing Fondation.
Der technische Leiter der Cloud Foundry Foundation, Chip Childers, im vergangenen Jahr auf der Kopenhagerner Konferenz der Cloud Native Computing Fondation. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Gibt es eine Rivalität zwischen den Foundations, unter ihrem Dach möglichst viele Open-Source-Projekte zu haben?

Chip Childers: Die Cloud Foundry Foundation sieht sich nicht im Wettbewerb mit anderen Foundations um Projekte. Wir haben einen deutlichen und einzigartigen Fokus. Vielleicht noch wichtiger: Wir sehen andere Open-Source-Projekte und Foundations als fruchtbaren Boden zur Entstehung vieler Architekturkomponenten, die wir für unsere Ziele brauchen.

Aus welchem Grund entscheidet sich ein Projekt für eine bestimmte Foundation?

Chip Childers: Das ist eine schwierige Frage. Eine der ersten Überlegungen ist, welche Art Unterstützung die Community eines Projekts sucht. Das kann eine Spektrum sein, vom einfachen Schutz geistigen Eigentums bis zur größeren Aufgabe, eine kommerzielles Ecosystems um ein Projekt zu schaffen.

Jedes Community-Projekt, das über den Anschluss an eine Foundation nachdenkt, sollte mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen beginnen und von da aus die Optionen abwägen. Auch ist es wichtig zu verstehen, dass jede Foundation andere Kriterien haben kann, welche Projekte sie akzeptiert. Am Ende muss es klar sein, dass es auf beiden Seiten passt.

Wie kommuniziert die Cloud Foundry Foundation mit der CNCF, OpenStack Foundation und der Apache Software Foundation? Wie verhindern Sie überlappende Projekte, und wie sprechen sie Projekte ab?

Chip Childers: Mitarbeiter der CFF sind in regelmäßigem Kontakt mit Ansprechpartnern vieler anderer relevanter Foundations. Allerdings findet die wichtigste Kommunikation zwischen den Entwickler-Communities der Projekte statt. Viele Hersteller, die Open-Source-Entwickler sponsern, haben spezifische Absichten und Ziele, für die sie Entwicklerzeit investieren. Und die meisten der größeren Unternehmen nehmen an zahlreichen Community-Projekten quer über verschiedene Foundations teil.

Zu Beginn eines Projekts mag es sich nicht mit anderen überschneiden, aber im Laufe der Entwicklung kann das passieren. Gibt es Mechanismen, das zu verhindern?

Chip Childers: Nein, und das braucht es auch nicht. Der Wert unterschiedlicher Herangehensweisen und Implementierungen im breiteren Open-Source-Ecosystem besteht darin, dass dies Innovation und Qualität vorantreibt. Es ist auch ziemlich akzeptiert, dass ein Projekt in Sachen Verbreitung ein anderes ablöst. Das ist natürlich und gesund.

Ein Kunde, der sich für eine offene Public oder Private Cloud interessiert könnte durch die Vielzahl der Projekte verwirrt sein und es einfacher finden, einen Verkäufer von Microsoft, Amazon oder Google einzubestellen. Wie kann man Kunden beratend helfen, welche Projekte für ihre Pläne zusammenpassen?

Chip Childers: Diese Frage geht an einem zentralen Aspekt des Ecosystems für Open-Source-Cloud-Software vorbei. Denn so weit ich weiß, versuchen diese Projekte nicht, mit kommerziellen Technologieanbietern zu konkurrieren. Schon der Begriff „Kunde“ beschreibt eine kommerzielle Beziehung, was zwischen einem Open-Source-Projekt und einem Enduser nicht der Fall ist.

Zum Beispiel läuft die Mehrzahl der Cloud-Foundry-Verbreitung über einen kommerziellen Anbieter dieser Plattform als Software oder über über den Betrieb als Service auf Rechnung eines Kunden. Das gilt für viele Open-Source-Projekte. In der Tat würde ich argumentieren, dass ein gesundes Open-Source-Projekt, insbesondere in der Cloud, zu seinem Bestehen einen kommerziellen Markt um sich herum benötigt, um sicherzustellen, dass in seine Software kontinuierlich investiert wird.

Mein Ratschlag für Enduser – statt „Kunden“ – ist, sich egal ob für On-Premise- oder Cloud-Betrieb einen Anbieter auszuwählen, mit dem sie eine verlässliche Beziehung aufbauen können. Sie sollten mit ihren Anforderungen beginnen und es den Anwendern zur Verpflichtung machen, sie durch die komplexe Umgebung zu navigieren. Schließlich sind es diese Anbieter, die in die Entstehung der jeweiligen Open-Source-Projekte investieren.

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