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Kubernetes-Backup Veeam integriert Container-Backup-Technologie

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Am 6. Oktober wurde bekannt, dass Veeam Kasten kauft, ein Start-up, das eine applikationszentrierte Sicherungs- und Disaster-Recovery-Lösung für Container unter „Kubernetes 10“ entwickelt hat. Veeam-CTO Danny Allan äußert sich im Interview über die Integrationspläne des Softwarespezialisten, den Infrastrukturmarkt und die Rolle von Open Source.

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Veeam ist für Kubernetes-Backup und -DR gewappnet.
Veeam ist für Kubernetes-Backup und -DR gewappnet.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Sie haben soeben den Container-Backup-Spezialisten Kasten für 150 Millionen Dollar übernommen. Was hat Sie an diesem Unternehmen gereizt?

Danny Allan: Wir fanden es beispielsweise spannend, dass wir in unseren Anfangsjahren eine ganz ähnliche Herangehensweise an den Markt und die Technologie hatten: Wir haben uns an Open-Source-Technologien orientiert und steuern bis heute viel zur Open-Source-Community bei. Wir haben unsere Produkte in kleinen Versionen kostenlos zur Verfügung gestellt, damit die Kunden sich von ihrer Qualität überzeugen konnten. 'Kasten K10 Data Management Platform' macht das auch. Zehn Kubernetes-Pods kann man mit der Lösung kostenfrei sichern.

Welche Gründe gab es auf der technischen Seite für den Aufkauf?

Danny Allan: Wir haben auch da eine Art Verwandtschaft gesehen: Wie wir orientiert sich Kasten an den Applikationen, nicht an den Speichersystemen oder irgendwelchen anderen Kriterien, wenn es darum geht, wie die Daten verwaltet werden und was gesichert wird. Das war damals, als wir auf den Markt kamen, eine neue Denkweise, mit der wir Erfolg hatten. Deshalb passt Kasten sehr gut zu uns. Wir haben eine ganze Reihe Lösungen angesehen, aber außer Kasten hatte niemand diese Applikations- oder Workload-zentrierte Herangehensweise.

Sie haben für das junge Unternehmen 150 Millionen Dollar bezahlt. Wie viele Mitarbeiter kommen zu Ihnen?

Danny Allan: Kasten hat 21 Mitarbeiter, die nun zu uns stoßen werden. Es handelt sich um eine kleine, aber sehr strategische Akquise.

In der Open-Source-Community verwurzelt: Danny Allan, CTO Veeam.
In der Open-Source-Community verwurzelt: Danny Allan, CTO Veeam.
(Bild: Veeam)

Inwiefern?

Danny Allan: Wir sehen, dass die eigentliche Verschiebung in den Infrastrukturen von Servern zu VMs und jetzt zu Containern geht, nicht zur Cloud. Die Cloud-Angebote muss man eher als eine Weiterentwicklung des Servicegedankens sehen: Erst gab es nur die eigene IT, dann kamen die Managed-Service-Provider und nun die Public Clouds, die ebenfalls IT als Service bereitstellen, aber mit einem ganz anderen, kostengünstigeren Konzept.

Was glauben Sie, wie sehr sich Containerarchitekturen in Zukunft verbreiten werden?

Danny Allan: Container sind eine kritische Komponente von DevOps, also der Verzahnung zwischen Software-Entwicklung und Betrieb. Laut dem Marktforschungsunternehmen 451 Research nutzen bereits drei Viertel aller Organisationen Container oder haben es in den kommenden zwei Jahren fest vor, weil diese Architekturen den Übergang zu Software aus Mikroservices unterstützen wird. Das wird auch die Technologien für den Datenschutz stark verändern. Deshalb halten wir diese Übernahme für strategisch sehr bedeutsam.

Die mit Kasten gesicherten Daten erscheinen im Repository von Veeam Backup and Restore (VBR).
Die mit Kasten gesicherten Daten erscheinen im Repository von Veeam Backup and Restore (VBR).
(Bild: Veeam)

Wohin werden sich Backup und Disaster Recovery beziehungsweise das Daten-Management entwickeln?

Danny Allan: Es gibt durch die Dominanz von Kubernetes als Orchestrierungsplattform für den Containermarkt die Chance für eine integrierte Daten-Management-Plattform für virtuelle, physische, Cloud- und Kubernetes-Umgebungen.

Fürchten Sie nicht, dass virtuelle Maschinen, Ihre eigentliche Domäne, irgendwann verschwinden?

Danny Allan: Nein, das glaube ich nicht. VMs werden bleiben. Sie sind ein einfaches Modell für kleinere Applikationen, weil man alle Komponenten, die nötig sind, in eine VM stecken kann. Kubernetes ist da viel komplexer, hat aber zwei wichtige Vorteile: Skalierbarkeit und Portabilität.

So haben inzwischen alle Hyperscaler eine eigene Kubernetes-Implementierung, und On-Premises kann man mit 'Tanzu' von VMware arbeiten. Container und VMs werden, davon bin ich überzeugt, enger zusammenrücken. Zum Beispiel sind heute schon in der Hälfte der Container-Workloads persönliche Daten enthalten.

Glauben Sie, dass Kubernetes am Ende selbst Backup-Funktionen implementiert?

Veeam erscheint als Target in einer Kasten-Backup-Konfiguration für Container.
Veeam erscheint als Target in einer Kasten-Backup-Konfiguration für Container.
(Bild: Veeam)

Danny Allan: Das passiert schon, Kasten ist am Open-Source-Projekt 'Kanister' beteiligt. Dort wird eine Art Snapshot-Lösung für Container entwickelt, die zu Kubernetes passt.

Wie viel Prozent Ihrer Kunden nutzen Kubernetes, und wo sehen Sie Raum für Ihre eigene VM-zentrierte Lösung?

Danny Allan: Wir haben rund 375.000 Kunden, von denen schätzungsweise die Hälfte Container verwenden. Aber ich denke, dass uns auf jeden Fall genug Raum bleibt. Erstens wird es immer hybride Umgebungen geben, für die man eine Lösung wie Veeam benötigt. Zweitens reichen die Snapshot-artigen Funktionen, die für Kanister geplant sind, nicht aus.

Anwender brauchen ein echtes Daten-Management, mit dem sie Daten durch die gesamte Infrastruktur lotsen können: in die Cloud, auf einen Deduplizierer oder auf Tape. Und drittens bauen wir ja gerade eine integrierte Lösung.

Niraj Tolia, Gründer und CEO von Kasten, leitet jetzt eine innerhalb von Veeam neu geschaffene Geschäftseinheit.
Niraj Tolia, Gründer und CEO von Kasten, leitet jetzt eine innerhalb von Veeam neu geschaffene Geschäftseinheit.
(Bild: Veeam)

Wie wird die Integration angegangen?

Danny Allan: Zunächst einmal: Es wird die Lösungen von Kasten weiterhin als selbständiges Produkt geben. Kasten wird eine selbständige Geschäftseinheit unter Führung von Kasten-CEO und -Gründer Niraj Tolia. Niemand muss also Veeam kaufen, wenn eigentlich Kasten gewünscht wird.

Aber natürlich werden wir die Lösung in unsere Angebote für Backup und Replikation integrieren, um eine umfassende Daten-Management-Plattform anzubieten. Schon seit Mai kann ein Kasten-Backup in ein Veeam-Repository eingegliedert und von da aus weitergeschickt werden. Auf der VMworld, die ja kürzlich stattgefunden hat, haben wir vorgeführt, wie man eine Instant Recovery auch von Containerdaten aus dem Veeam-Repository durchführen kann. Das war aber noch kein Produkt, sondern ein Proof of Concept.

Gibt es schon Pilotkunden für den PoC?

Danny Allan: Nein, so weit sind wir noch nicht.

Wann wird man das kaufen können?

Danny Allan: Dazu kann ich noch nichts sagen. Es geht aber darum, am Ende zu einem zentralen Daten-Management zu kommen, so dass man beispielsweise sehen kann, welche Files es gibt und welche davon geschützt und nicht geschützt sind und wo die Daten einer Applikation liegen. Dabei sollte es egal sein, ob sich die App über eine oder mehrere VMs oder Container erstreckt, ob sie als SaaS bezogen wird oder auf einem physischen Server liegt.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger