Maincubes macht es vor Rechenzentrum heizt die Stadt

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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In Schwalbach am Taunus wird ab 2028 Realität, was anderswo noch Konzeptpapier ist: Die Abwärme des Maincubes-Rechenzentrums „FRA03“ fließt ins Fernwärmenetz der Süwag. Das bedeutet für 4.300 Abnehmer einen deutlich niedrigeren Preis für's Heizen.

Bald dürfen sich über 900 Haushalte über günstigere Heizkosten freuen. Hier bei der Vertragsunterzeichnung in Schwalbach am Taunus. Von links: Oliver Menzel (Geschäftsführer und Gründer von Maincubes), Alexander Immisch (Bürgermsiter der Stadt Schwalbach), Dirk Gerber (Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser), Thomas Wacker (CDO von Maincubes).(Bild:  Paula Breukel)
Bald dürfen sich über 900 Haushalte über günstigere Heizkosten freuen. Hier bei der Vertragsunterzeichnung in Schwalbach am Taunus. Von links: Oliver Menzel (Geschäftsführer und Gründer von Maincubes), Alexander Immisch (Bürgermsiter der Stadt Schwalbach), Dirk Gerber (Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser), Thomas Wacker (CDO von Maincubes).
(Bild: Paula Breukel)

Es war ein langer Weg bis zur Feier am 14. April 2026. Was bei strahlendem Wetter und Kuchen unterzeichnet wurde, ist das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses: ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Schwalbach und der Süwag Grüne Energien und Wasser über den Weiterbetrieb und Ausbau des Fernheizwerks Schwalbach sowie ein Abwärmenutzungsvertrag zwischen Süwag und maincubes.

Das Rechenzentrum „FRA03“ am Kronberger Hang wird künftig die Abwärme liefern, die über Großwärmepumpen auf dem Gelände von Maincubes auf Fernwärmeniveau angehoben und ins Netz der Süwag eingespeist wird. Die Inbetriebnahme: planmäßig Anfang 2028.

Das ist eine Operation am offenen Herzen.

Dirk Gerber, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser

Süwag-Geschäftsführer Dirk Gerber hat bei der Veranstaltung offen über das technische Risiko gesprochen. Denn das Fernwärmenetz in Schwalbach stamme aus den 1960er-Jahren. Nun werde in diese Bestandsinfrastruktur modernste Technologie integriert. „Das ist eine Operation am offenen Herzen“, so Gerber, weil die Versorgung der Haushalte während der Umbauphase nicht unterbrochen werden kann.

Dirk Gerber, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser (links) und Alexander Immisch, Bürgermeister der Stadt Schwalbach (rechts) bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung.(Bild:  Paula Breukel)
Dirk Gerber, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser (links) und Alexander Immisch, Bürgermeister der Stadt Schwalbach (rechts) bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung.
(Bild: Paula Breukel)

Bis Ende 2027 will die Süwag die Heizzentrale auf dem Maincubes-Grundstück errichten, Großwärmepumpen und Pufferspeicher installieren sowie neue Leitungen legen. Die Investition beläuft sich auf bis zu 22 Millionen Euro bis 2030, gefördert zu rund 40 Prozent.

Ziel ist ein Fernwärmenetz, das ab 2028 nach momentaner Planung zu fast 50 Prozent dekarbonisiert betrieben wird; mit Blick auf die vollständige Dekarbonisierung bis 2045. Für die Abnehmer ist das auch finanziell spürbar: Der Wärmepreis soll von aktuell 12,5 Cent auf 8,5 Cent pro Kilowattstunde sinken.

Besonders ist die Konstruktion: Die Wärmepumpenstation der Süwag wird auf dem Grundstück von Maincubes errichtet. Für beide Seiten ist das eine neue Konstellation. Gerber betont, dass auch für Süwag diese Art von Kooperationsvertrag eine Premiere ist.

Einmalig in Deutschland: Zumindest in dieser Größenordnung

Bürgermeister Alexander Immisch ist überzeugt: Was Schwalbach hier realisiert, gibt es in dieser Form noch nicht. Es gebe zwar Projekte, bei denen neu geplante Rechenzentren und neu geplante Wohngebiete räumlich zusammengeführt werden, doch Schwalbach sei ein anderer Fall: eine gewachsene Stadt mit rund 930 Anschlüssen und knapp 4.300 Abnehmern, einem Netz aus den 60er-Jahren und einem Rechenzentrum in einem benachbarten Gewerbegebiet, das nicht ursprünglich für diesen Zweck vorgesehen war.

„Mir ist nichts bekannt, ich habe im Netz gesucht, ich habe nichts gefunden auf dieser Größe“, sagte Immisch. Perspektivisch soll das Netz weiter wachsen: Ein industrieller Großkunde für das geplante vierte Versorgungsgebiet ist bereits in Gesprächen.

Maincubes stellt die Wärme zur Verfügung

Das Team von Maincubes (von links): Frank Riede (Senior-Projektleiter), Joachim Bohn (Energy Management Experte), Sven Krause (Projektmanager), Oliver Menzel (Gründer und Geschäftsführer), Gregor Gehrke (VP Construction), Thomas Wacker (Chief Development Officer).(Bild:  Paula Breukel)
Das Team von Maincubes (von links): Frank Riede (Senior-Projektleiter), Joachim Bohn (Energy Management Experte), Sven Krause (Projektmanager), Oliver Menzel (Gründer und Geschäftsführer), Gregor Gehrke (VP Construction), Thomas Wacker (Chief Development Officer).
(Bild: Paula Breukel)

Oliver Menzel, Gründer und Geschäftsführer von Maincubes, betonte bei der Veranstaltung die Nüchternheit seiner Rolle in diesem Projekt: „Wir sind eigentlich ein Attribut, das die Wärme zur Verfügung stellt. Es ist ein Abfallprodukt.“ Die Rechner im FRA03 erzeugen Wärme, dass dieser Überschuss die Stadt heizen soll.

Was Menzel und Maincubes strategisch von anderen Marktakteuren unterscheidet, wird im Gespräch deutlicher: Es ist das Verhältnis zu den Kommunen. Menzel beschreibt, wie sein Unternehmen es in 15 Monaten geschafft hat, aus einem Ackerland in Nauen Baurecht zu bekommen. Zustande kam das durch enge Zusammenarbeit mit der Stadt, durch einstimmige Satzungsbeschlüsse über alle Fraktionen, durch persönliche Präsenz beim Bürgermeister.

Dass andere Projektankündigungen scheitern, führt Menzel auf genau diesen Faktor zurück: Unternehmen, die ankündigen und bauen wollen, ohne die kommunale Ebene wirklich zu verstehen. Ankündigungen ohne gesicherte Netzanschlüsse, ohne Baurecht, ohne Kundschaft sieht er zum Scheitern verurteilt: „Kein Kunde unterschreibt einen Vertrag auf spekulativer Basis.“

Betriebsfremde Aufgaben als neue Normalität

Ein Thema, das Menzel sichtlich beschäftigt: Rechenzentrumsunternehmen übernehmen zunehmend Infrastrukturaufgaben, die ursprünglich nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Er nennt es „betriebsfremd“ und nennt Nauen als Beispiel: Dort investiert Maincubes rund 80 Millionen Euro allein in Strominfrastruktur: sechs Kilometer Hochspannungstrasse, ein 110-Kilovolt-Umspannwerk auf dem eigenen Campus.

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Der Baubeginn für das Fernwärmenetz in Richtung Rechenzentrum ist für Oktober 2026 geplant. Das erste Bauteil des FRA03 geht laut Maincubes am 1. August in Betrieb, das zweite Mitte 2027. Die Inbetriebnahme des integrierten Fernwärmesystems ist für Anfang 2028 vorgesehen.

Dirk Gerber, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser (links) und Alexander Immisch, Bürgermeister der Stadt Schwalbach (rechts) zeigen den unterschriebenen Vertrag: Die Wärme kommt aus dem "FRA03"-Rechenzentrum von Maincubes.(Bild:  Paula Breukel)
Dirk Gerber, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser (links) und Alexander Immisch, Bürgermeister der Stadt Schwalbach (rechts) zeigen den unterschriebenen Vertrag: Die Wärme kommt aus dem "FRA03"-Rechenzentrum von Maincubes.
(Bild: Paula Breukel)

Für Schwalbachs Bürgermeister Immisch, der in knapp zwei Monaten aus dem Amt scheidet, war die Unterzeichnung ein persönlicher Abschluss. „Ich wünsche uns allen und den Bürgerinnen und Bürgern in Schwalbach Wärme, die bezahlbar bleibt.“

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