Softwarelieferant Splunk und das Accenture Cloud Innovation Center zeigen, wie sich das Energie-Management in und für Rechenzentren anders denken lässt. Eine Energiekarte, PUE-Werte, Lastenprofile und Clouds spielen eine Rolle.
Splunk und die Accenture haven evaluiert, wann und in welchem Aufwand sich aus Nachhaltigkeitsgründen eine Auslagerung in Clouds rechnet. Einsparungen von mindestens 80 Prozent sind machbar.
Der Stromverbrauch von Rechenzentren entwickelt sich zu einem zentralen Thema der globalen Energiepolitik. 2024 lag der jährliche Verbrauch bei rund 415 Terawattstunden (TWh), was etwa 1,5 Prozent des weltweiten Strombedarfs entsprach. Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) gehen davon aus, dass sich dieser Wert bis 2030 mindestens auf etwa 945 TWh verdoppeln wird.
Klar ist, dass die Datenverarbeitung nun einmal eine entscheidende Rolle für Unternehmen spielt. Sie macht etwa 60 Prozent des Energieverbrauchs eines Rechenzentrums aus. Gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen branchenübergreifend damit, dass sie keinen genauen Einblick in ihren Energieverbrauch und ihr Energie-Management haben.
Die Gründe dafür sind fehlende Transparenz und verstreute Daten, was einen umfassenden Überblick erschwert. Energie-Management ist daher auch eine Daten-Management-Frage.
Splunk und Accenture
In vielen Organisationen sind Daten über IT- und OT-Umgebungen fragmentiert, wodurch Potenziale zur Kostenreduktion, Effizienzsteigerung und CO₂-Minderung ungenutzt bleiben. Dies war auch Anlass für die Zusammenarbeit von Splunk, einem Unternehmen von Cisco, und Accenture, bei der sich technisches Know-how und Expertise im nachhaltigen Umgang mit Daten verbinden.
Im Accenture Cloud Innovation Center (ACIC) in Zürich lassen sich Cloud-Angebote wie das Sustainability Toolkit von Splunk live in hybriden Multicloud-Umgebung testen und weiterentwickeln – in diesem Fall zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks der Accenture On-Premise-Rechenzentren. Ziel war es, den CO₂-Fußabdruck durch die Verlagerung von On-Premise-Rechenzentren in die Cloud zu reduzieren und eine einheitliche und in Echtzeit verfügbare Sicht auf Energiedaten zu erhalten.
Für das gemeinsame Pilotprojekt wurde dazu im ersten Schritt der CO₂-Fußabdruck der On-Premises-Rechenzentren in mehreren Ländern bestimmt, visualisiert und überwacht, um eine End-to-End-Visibilität zu schaffen. Die Analyse stützt sich dabei auf Metriken wie den Stromverbrauch der Server in Kilowattstunden und die CO₂-Intensität, die mithilfe der Datenquelle „Electricity Maps“, einer Online-Plattform, die unter anderem Echtzeitdaten zur CO₂-Intensität der weltweiten Stromerzeugung visualisiert, erhoben werden.
Kilowatt und Terabyte
Außerdem berücksichtigt die Analyse dabei zahlreiche Parameter wie die Splunk-Datenaufnahme in Gigabyte (GB) oder Terabyte (TB), den PUE-Wert, den spezifischen Energieverbrauch (kWh/TB), Servertypen, die Auslastung und Datenspeicherung für die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks. Die Integration des Sustainability Toolkit von Splunk verlief dabei einfach, da dank der Standard-API-Schnittstelle, „Redfish“ API, problemlos auf den Stromverbrauch der Server zugegriffen werden kann. So ist beispielsweise Electricity Maps out-of-the-box per API bereits in das Toolkit integriert.
Im zweiten Schritt folgte die Optimierung des CO₂-Fußabdrucks durch zwei Hebel: Zum einen durch Workload Scheduling, also die Bestimmung des optimalen Zeitraums für Energie-intensive, aber nicht zeitkritische Workloads. Ziel dabei war es, diese in einem Zeitraum durchzuführen, in dem der Strommix den höchsten Anteil an erneuerbaren Energien aufweist. Zum anderen wurde auf Workload Shifting gesetzt, eine Verlagerung von Energie-intensiven, aber nicht zeitkritischen Workloads in Länder mit einem besseren CO₂-Fußabdruck wie Norwegen, wo vorwiegend Wasserkraft zur Energiegewinnung genutzt wird.
Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass Unternehmen eine massive Reduzierung ihres CO₂-Fußabdrucks mit mindestens 80 Prozent CO₂-Einsparungen erreichen können.
Auch Accenture entschied daraufhin, von den On-Premises-Rechenzentren in Zürich in die Cloud zu migrieren. Zudem ist eine Zusammenarbeit zwischen Splunk und Accenture zur Weiterentwicklung einer Observability-Energie-Management-Software mit den Metriken Energiekosten, Energie-Effizienz und CO₂-Fußabdruck für Rechenzentren, Gebäude und Fabriken aller Branchen geplant.
KI-First braucht Cloud-First
Während einige Unternehmen inzwischen einen „KI-First“-Ansatz verfolgen, zeigt das Projekt von Accenture und Splunk, dass dieser ohne eine parallele „Cloud-First“-Strategie nur schwer nachhaltig umzusetzen ist. Denn gerade KI-Workloads, insbesondere das Training und Feintuning von Modellen, erfordern enorme Rechenleistungen. Werden diese ausschließlich in On-Premises-Rechenzentren betrieben, steigt der Energieverbrauch massiv an.
Die Cloud hingegen bietet nicht nur die notwendige Skalierbarkeit, sondern auch die Möglichkeit, Workload Scheduling und Workload Shifting zu betreiben. Erst durch diesen Cloud-First-Ansatz kann ein KI-First-Modell sein volles Potenzial entfalten.
Stand: 08.12.2025
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ACIC als Blaupause für nachhaltige Rechenzentren
Das gemeinsame Projekt am Accenture Cloud Innovation Center unterstreicht, dass die Zukunft nachhaltiger Rechenzentren in der intelligenten Nutzung von Daten liegt. Erst die ganzheitliche Transparenz über Energieverbrauch und CO₂-Intensität ermöglicht es Unternehmen, gezielte Maßnahmen zu ergreifen und damit Effizienzpotenziale zu heben, die bislang verborgen blieben.
Energieverbräuche können systematisch erfasst, analysiert und in standardkonformen Berichtsformaten aufbereitet werden. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zur Erfüllung von Offenlegungs- und Nachweispflichten, sondern unterstützen auch die Umsetzung langfristiger Nachhaltigkeitsziele, indem sie Transparenz schaffen, Effizienzpotenziale identifizieren und Risiken durch volatile Energiekosten reduzieren.
*Der Autor Ewald Munz ist Head of Manufacturing, Automotive & Sustainability EMEA beim Cisco-Unternehmen Splunk. Er fasst zusammen: Das ACIC zeigt damit anschaulich, dass datengetriebene Innovation über reines Energiemanagement hinausgeht und eine neue Verantwortungskultur etabliert, in der Technologie als Katalysator für echte Nachhaltigkeit verstanden wird.