Solarwinds implementiert Maßnahmen, um geschockte Anwender zurückzugewinnen Software-Tools für das komplette Hybrid-Cloud-Management

Solarwinds springt auf den fahrenden Hybrid-Cloud-Zug auf. Mit „Hybrid Cloud Observability“ bringt der Hersteller eine Lösung, die das Monitoring der privaten und der Cloud-Infrastrukturteile unter einem Dach erlauben soll.

Anbieter zum Thema

Die Hybrid Cloud steht im Mittelpunkt der aktuellen Produktankündigung von Solarwinds.
Die Hybrid Cloud steht im Mittelpunkt der aktuellen Produktankündigung von Solarwinds.
(Bild: gemeinfrei Gerd Altmann / Pixabay )

Seit 1999 bietet Solarwinds Anwendungen für das Monitoring von IT-Infrastrukturen an. Was das bedeutet, habe sich allerdings in der Zeit seit der Firmengründung stark verändert. Das meint Sascha Giese; Head Geek bei Solarwinds mit Sitz in der deutschen Niederlassung in Berlin.

Giese spürt in dieser für deutsche Firmen etwas ungewöhnlichen Position neue technologische Trends auf, versucht herauszubekommen, was Anwender tatsächlich brauchen und speist dies in die technische Entwicklung ein. Umgekehrt versucht er, die technischen Vorteile von Solarwinds an die Außenwelt zu kommunizieren.

Head Geek Sasche Giese vermittelt Anwenderbedürfnisse an die Entwicklung und erklärt Nutzern die Vorteile der Solarwinds-Anwendungen.
Head Geek Sasche Giese vermittelt Anwenderbedürfnisse an die Entwicklung und erklärt Nutzern die Vorteile der Solarwinds-Anwendungen.
(Bild: Solarwinds)

„Die IT ist heute essentiell für Unternehmen, kein Randbereich mehr, sondern oft genug Basis der Firmenaktivitäten. Dadurch ist auch das Monitoring wichtiger geworden“, sagt Giese.

Wachstum auf mittlerweile 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Das spiegelt sich in der Entwicklung von Solarwinds wieder: Die Firma hat mittlerweile mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Deutschland sind es 50 bis 60. Weltweit hat der Monitoring-Spezialist mehr als 300.000 Kunden.

Das Unternehmen ist bereits seit September 2018 börsennotiert. Die Umsätze beliefen sich im Geschäftsjahr 2021 auf rund 718 Millionen Dollar, etwa so viel wie 2017. Grund des Rückgangs von rund 300 Millionen Dollar gegenüber 2020 war eine Sicherheitspanne, die viele Kunden empfindlich beeinträchtigte. Der Schädling wurde ausgerechnet über ein Solarwinds-Patch ins Haus geliefert.

Die technische Philosophie von Solarwinds ist nicht die eines abenteuerfreudigen Vorreiters. Giese: „Wir wollen nicht Vorreiter sein, sondern es besser machen.“ Umso unangenehmer, dass ausgerechnet Solarwinds ein Sicherheitsproblem verursachte.

Solarwinds implementiert sicherheitsorientierten Entwicklungsprozess

Deshalb hat das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr kräftig in die Sicherheit des gesamten Entwicklungsverfahrens investiert „Wir haben den kompletten Entwicklungsprozess verändert. Deshalb kommt die jetzige Produktankündigung später als geplant“, erläutert Giese.

Um die Software sicherer zu machen, schreibt Solarwinds nun seine Software jeweils doppelt in zwei komplett voneinander getrennten Teams, die dieselbe Funktion in Sprints bearbeiten. Die Vorgaben sind dabei extrem eng gehalten und jeder Programmierschritt muss genauestens dokumentiert werden.

Ein drittes Team entwickelt anhand der Dokumentation der beiden Vorläuferteams noch einmal. Dabei muss dasselbe herauskommen. Eine Prüfsumme, die aus dem Code berechnet wird, dient dazu, das festzustellen. Stimmt sie nicht überein, muss von Manipulationen ausgegangen werden.

Außerdem nutzt Solarwinds jetzt „Tekton Chains“, eine Entwicklungshilfe von IBM und Google für Kubernetes-Umgebungen. Dabei werden nach Beendigung einer Aufgabe alle dafür verwendeten Container sofort zerstört, um unlauteren Elementen keinerlei Zugriffsmöglichkeit mehr zu bieten. Mit diesen Maßnahmen hofft der Hersteller, das Vertrauen der geschockten Anwender endgültig zurückzugewinnen.

Kunden wollen geschäftstaugliche Messparameter

Denen reiche es, so Giese, längst nicht mehr, wenn Monitoring-Plattformen irgendwelche technischen Parameter liefern. Vielmehr müsse möglichst jeder Messpunkt einen Geschäftsbezug haben.

Außerdem gebe es nur noch wenig IT-Personal und schrumpfende Budgets. Hands- on sei unter diesen Umständen keine Alternative mehr. „Benötigt werden Tools, mit denen sich beispielsweise die Leistung eines Business-Servers exakt messen lässt.“

Messungen müssten Werte liefern, mit denen sich vertragliche Vereinbarungen überprüfen ließen. Beispiele sind Service Levels oder Wiederherstellungszeiten.

Mit Hybrid Cloud Observability ändert sich das Vertriebsmodell

Nun kann Solarwinds beweisen, ob seine Bemühungen um mehr Sicherheit gefruchtet haben. Soeben kommt das neueste Produkt des Herstellers auf den Markt. Hybrid Cloud Observability zielt auf hybride Umgebungen mit privaten Clouds, Rechenzentren und Public-Cloud-Anteilen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Mit der Ankündigung ändert sich auch das Vertriebsmodell. „Wir verabschieden uns damit vom bisherigen Baukastensystem“, sagt Giese. Die Vorläuferprodukte der Serie „Orion“ waren modular. Anwender kauften nur die Module, die sie brauchten.

Bezahlt wurde eine Lizenz. Es gibt zwar für Orion inzwischen auch ein Abo-Modell, aber Softwarelizenzen dominierten bislang. Zudem unterschieden sich die Lizenzierungsmodelle der einzelnen Orion-Module voneinander, so dass Anwender erheblichen Verwaltungsaufwand mit der Lösung hatten.

Abo statt Lizenzen

Mit Hybrid Cloud Observability ändert sich das: Das Produkt wird als Plattform aufgefasst und umfasst immer den vollen Leistungsumfang, der sich im Takt der Entwicklungsabteilung bei Solarwinds durch neue Funktionen erweitert. Lizenzen gibt es nicht mehr.

Einen wichtiger Grund benennt Giese: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden leichter neue Funktionen ausprobieren, wenn die sowieso zum Lieferumfang gehören als wenn sie sie zuerst herunterladen oder kaufen müssen.“ Die neue Lösung kann vor Ort oder in einer Cloud installiert werden. Sie überwacht grundsätzlich die gesamte Infrastruktur.

Das Abo wird nach überwachten Knoten abgerechnet, also Servern, Switches und anderen Systemen in der Infrastruktur. Zwei Versionen sind verfügbar: „Essentials“ und „Advanced“. Dazu kommt die Skalierungsoption „Enterprise Edition“ für besonders große, weit verteilte Umgebungen wie etwa Einzelhandelsfilialisten.

Umfassendes Monitoring

Die Enterprise-Edition umfasst spezielle Services zur zur Skalierung in dezentralisierten Umgebungen. Damit können auch international tätige Unternehmen ihre IT unter einem Dach verwalten, selbst wenn sie mehr als eine Million Knoten umfasst.

Sie ist als Aufsatz sowohl zu den Essentials als auch zur Advanced-Version optional erhältlich. Zusätzlich zu den Grundfunktionen, die auch in Essentials vorgehalten werden, kann die Advanced-Version Konfigurationen verwalten, die Virtualisierungsleistung, Netzströme und Bandbreiten messen.

Beobachten kann die Software nahezu alles und überall, vom Server bis zur Datenbank und vom privaten Rechenzentrum bis zur Cloud-Instanz. Dabei erfolgt die Einbindung in AWS und Azure über ein Token. Für die Einbindung in andere Clouds müssen derzeit deren APIs adressiert oder die Netzverbindungen genutzt werden.

AIOps dauert noch

Die Lösung baut auf einem einheitlichen Datenpool auf, auf den alle Funktionen zugreifen. Noch in Arbeit befinden sich derzeit die Integration von Open Telemetry und den Funktionen für einen komplett AI-gesteuerten, autonomen Betrieb. Letzteres soll im kommenden Quartal integriert werden.

Die komplette Automatisierung und die Configuration Management Database folgen ebenfalls später, voraussichtlich im kommenden Jahr. Die Funktionen für Visualisierung von Beobachtungsdaten und das Monitoring selbst sind dagegen schon fertig.

Derzeit sind rund 100 Solarwinds-Pilotkunden dabei, Daten an die KI zu liefern. Sie sollen später fein ziselierte Analysen beliebiger Betriebszustände beim Kunden samt sinnvoller Korrektur- und Reparaturvorschläge zuliefern. Steigt beispielsweise die Auslastung eines virtuellen Hosts plötzlich ohne offensichtlichen Grund an oder arbeitet Outlook plötzlich zu langsam, soll das System ermitteln, woran das liegt, und liefert zugleich Reparatur- oder Verbesserungsvorschläge liefern.

„Solarwinds Hybrid Cloud Observability“ ist eine integrierte Plattform für die Überwachung der gesamten IT-Umgebung.
„Solarwinds Hybrid Cloud Observability“ ist eine integrierte Plattform für die Überwachung der gesamten IT-Umgebung.
(Bild: Solarwinds)

Ziel ist am Ende ein voll automatisiertes Monitoring- und Reparatursystem für Cloud-native und klassische IT-Umgebungen, das beides unter einem Dach vereint. Dahinter soll für alle Fälle auch noch ein klassisches Service Desk stehen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:48314272)