Suchen

EMEA-Tagung von Panduit Rechenzentren im Fokus

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Im Oktober hat der Schaltschrank- und Verkabelungsspezialist Panduit zur virtuellen EMEA-Tagung geladen. Das Unternehmen hat zusammen mit ausgewählten Partnern Zukunftstrends und -produkte präsentiert. Ganz klar: Rechenzentren aller Art sind und bleiben einer der Kernmärkte des Unternehmens.

Firmen zum Thema

Panduit verlegte in diesem Jahr seine EMEA-Tagung in den virtuellen Raum
Panduit verlegte in diesem Jahr seine EMEA-Tagung in den virtuellen Raum
(Bild: Panduit)

Dennis Renand, CEO Panduit, freut sich wie alle Referenten der EMEA-Kunden- und Partnertage per Video darüber, dass sein Unternehmen bislang gut durch die Corona-Krise gekommen sei. „Im zweiten Quartal ging es abwärts, im dritten schon wieder aufwärts, und das setzt sich fort.“

Man habe den Betrieb aufrecht erhalten können, und der Umstieg der meisten der 4.600 Mitarbeiter aufs Homeoffice habe dank bereits praktizierter teilweiser Heimarbeit gut geklappt. Forschung und Entwicklung wurden trotz schlechter Geschäfte hochgefahren. „Wir haben hier mehr investiert als in den vergangenen drei Jahren“, sagt Renand. Der aktuelle Bandbreitenstress in den Netzen sei „gut für Kabelfirmen“.

"Wir haben 2020 mehr in R&D investiert als in den vergangenen drei Jahren": Panduit-CEO Dennis Renaud
"Wir haben 2020 mehr in R&D investiert als in den vergangenen drei Jahren": Panduit-CEO Dennis Renaud
(Bild: Panduit)

In der nächsten Zeit will Panduit unter anderem die Website optimieren, etwa durch länderspezifisch Seiten, die die lokal beliebtesten Produkte fokussieren. Das Produktportfolio ist bereits von ehemals 260.000 auf 70.000 Produkte gesundgeschrumpft. Für rund 4.000 Bestseller soll es zukünftig gezielte Nachfragesteigerungsinitiativen geben.

Der Datacenter-Markt im Fokus

Die Märkte für Rechenzentren und Erneuerbare Energien stehen in den nächsten Jahren im Fokus, letzteres passt gut zur übergreifenden Panduit-Nachhaltigkeitsinitiative. Das neue Firmengebäude in den USA wurde deswegen nach dem anspruchsvollsten verfügbaren Umweltstandard gebaut. Es verbraucht gut die Hälfte an Energie vergleichbarer Gebäude und kaum noch Wasser. Die größte Produktionsanlage von Panduit in Costa Rica arbeitet klimaneutral.

Man werde sich auf den Produktbedarf einer auf Energien wie Solar, Wind und Wasserstoff basierenden Wirtschaft einstellen, betont Ralph J. Lolies, Managing Director Panduit. Nachhaltigkeitsbemühen zeigten auch die Materialwahl, extrem lange Garantiezeiten und umfangreiche Beratung, um Kunden vom Kauf überdimensionierter oder unpassender Produkte abzuhalten.

Schutz vor Kurzschlussschäden

Zunächst ein Blick auf die Produkte für die Strominfrastruktur im Rechenzentrum und anderswo. Hier entwickelt Panduit etwa besonders haltbare und kurzschlussfeste Kabelbefestigungen. Sie werden nach einem eigenen strengeren als den Standardverfahren getestet.

„Die besonders zerstörerischen Energien treten bei Kurzschlüssen in den ersten Sekundenbruchteilen auf, während die Standard-Berechnungsformel mehrere Sekunden erfasst“, erklärt Andy Booth, Global Business Development Manager Cable Cleats. Die hauseigene Multiphysik-Software erfasse auch die veränderlichen Kräfte entlang des Kabels während des Kurzschlusses und andere Parameter und komme deshalb zu realistischeren Schlüssen.

Stromschlag am Schaltschrank vermeiden

Bei Tools für die Arbeit am Schaltschrank sei „Prevention by design“ die Devise, berichtet Frédéric Kalb, Senior Business Manager Panduit. So habe man die nötigen Krafteinsatz an der Kabelschneidezange um 15 Prozent gesenkt, die Stoßbelastung um 40 Prozent und an der Schere lasse sich zudem einfach die Kabelspannung einstellen. Außerdem im Angebot: Spezielle Kabelkanäle („Kabelmax“), mit denen sich ein Drittel Platz und 25 Prozent Materialkosten einsparen lassen.

KabelMax optimiert durch eine neue Anordnung den Platzbedarf von Kabelkanälen
KabelMax optimiert durch eine neue Anordnung den Platzbedarf von Kabelkanälen
(Bild: Panduit)

Mit dem Spannungsprüfer „Verisafe“ können Techniker erkennen, ob der Schaltschrank unter Spannung steht, ohne ihn zu öffnen. Der Messteil im Schaltschrank ermittelt die nötigen Werte, die ein Knopf außen am Schaltschrank anzeigt, nachdem er gedrückt wurde. Die Messung dauert nur einige Sekunden. Optional koppeln lässt sich das mit einem Verschlussmechanismus. So öffnet sich der Schrank nur spannungsfrei.

Gute Perspektiven durch CORD

Der Edge-Datacenter-Markt wird auch für Panduit wichtiger. Michael Akinla, Regional Business Manager Network Infrastructure, zitiert Michael Dell, demzufolge der Edge-Markt ein 100faches Volumen des Public-Cloud-Marktes erreichen werde. Besonders im Auge hat Panduit dabei die in den Regionen verteilten Netzwerkzentralen der Provider.

Hier setzt der Hersteller besonders auf das von der Open Networing Foundation propagierte Konzept CORD (Central Office Rearchitected as Datacenter). Solche Telco-Edge-Datacenter würden flächendeckend mit Technologien wie SDN (Software-Defined Networking), NFV (Network Funktion Virtualization), Leaf-Spine- oder noch stärker verflachten Vernetzungsstrukturen und Cloud ausgestattet, sagt Akinla.

40 Prozent der Provider unternähmen bereits praktische Tests mit dem CORD-Konzept, in einigen Jahren werde der Markt sich voll entfalten. Hier brauche man Panduit-Produkte wie Kabel, Patch-Felder, Schaltschränke und Werkzeuge. „Multimode-Glasfaser ist in CORDs die Infrastruktur der Wahl“, erläutert Akinla.

Physische Infrastruktur als Basis für funktionierende Netze

Eine Qualitäts-Verkabelungsinfrastruktur, so gleich mehrere Referenten, sei die Basis für datenintensive Applikationen wie KI oder IoT. So habe Gartner festgestellt, dass 59 Prozent aller Netzwerkprobleme in der physischen Infrastruktur begründet seien. In ihr steckten aber nur rund fünf Prozent der Kapitalinvestitionen, es lohne sich also, hier keine halben Sachen zu machen.

Bei den Standards läuft es immer mehr auf Ethernet/IP, wo möglich WLAN und die Stromversorgung vieler kleiner Geräte übers Datennetz via PoE (Power over Ethernet) hinaus. Das gilt etwa in der Industrie- oder Gebäudevernetzung.

Panduit stellt sich durch Kooperation und Aufkäufe auf diesen Markt ein: Partnerschaften bestehen etwa mit Axis, Cisco und dem LED- Spezialisten Signify, Panduit versorgt über seine im Feld terminierungsfähigen Adapter Axis-Sicherheitskameras, die auch ins Rechenzentrum passen, mit Strom und Daten-Connectivity. Atlona, ein Anbieter professioneller audiovisueller Lösungen, wurde aufgekauft.

Glasfaser ersetzt im Rechenzentrum Kupfer

Ansonsten werde in Rechenzentren Glasfaser Kupfer außer im Rack ablösen, meint Lars-Hendrik Thom, technischer Systemingenieur bei Panduit. Kupferkabel werde bei den gefragten Geschwindigkeiten immer dicker und unhandlicher.

Aktuelle Glasfaserstandards ermöglichten etwa engere optische Biegeradien. Hinsichtlich der Wahl zwischen Single- und Multimode-Faser gelte zwar, dass Single Mode als Faser günstiger sei. SM-Systeme seien aber durch Zusatzkomponenten wie genauere Laser doppelt so teuer wie Multimode. Der Preisunterschied zu Multimode-Faser werde wohl nie vollständig verschwinden.

Bald Produkte für MPO16/32

Für MPO16/32, einen in Arbeit befindlichen neuen Steckerstandard für Optiken mit acht Fasern, will Panduit ab November Produkte anbieten, etwa besonders dichte Kassetten für 192 respektive 216 Fasern pro Höheneinheit.

Alles mit allem vermascht: Wie Dragonfly könnten hochleistungsfähige DC-Netztopologien zukünftig aussehen
Alles mit allem vermascht: Wie Dragonfly könnten hochleistungsfähige DC-Netztopologien zukünftig aussehen
(Bild: Panduit)

Dominierende Vernetzungsinfrastruktur im Rechenzentrum ist aktuell wegen des vielen Ost-West-Verkehrs Spine-Leaf. „Core-Router sind dabei nur eine von vielen Komponenten“, sagt Thom. Der Trend gehe zu noch flacheren Vernetzungsinfrastrukturen bis dahin, dass letztlich alle Switches voll vermascht werden „wie beim Hochleistungsrechnen“.

(ID:46933799)

Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger