Interview mit Erik Lustgarten von Apprenda

Apprenda verspricht „Cloudifizierung“ im Rekordtempo

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska* / Ulrike Ostler

Erik Lustgarten, Senior Sales Engineer der Apprenda Inc., steht im Interview Rede und Antwort. Unter anderem geht es um die Besonderheiten der hauseigenen Anwendungs-Engine für containerisierte Cloud-Dienste und wie Datacenter-Konsolidierungs- und -Migrationsprojekte funktionieren.
Erik Lustgarten, Senior Sales Engineer der Apprenda Inc., steht im Interview Rede und Antwort. Unter anderem geht es um die Besonderheiten der hauseigenen Anwendungs-Engine für containerisierte Cloud-Dienste und wie Datacenter-Konsolidierungs- und -Migrationsprojekte funktionieren. (Bild: Apprenda)

Die Containerisierung des Datencenter schreitet fort. Apprenda ist eine noch junge Erscheinung auf dem deutschen Markt, macht aber durch eine Cloud-Plattform und erstaunlichen Erfolgsgeschichten zum Umwandeln von traditioneller Anwendungen in Microservices und Container von sich reden. Im Gespräch enthüllt Erik Lustgarten, Senior Sales Engineer von Apprenda, Inc., die Besonderheiten hauseigenen Anwendungs-Engine für containerisierte Cloud-Dienste.

Lustgarten verrät das Erfolgsrezept für erfolgreiche RZ-Konsolidierungs- und -Migrationsprojekte, gewährt Einblicke in den Ablauf der Modernisierung von Legacy für „cloudifizierte“ Datencenter, geht auf den Wettbewerb mit „Morpheus“ ein und die Antwort auf brennende Cyber-Sicherheitsfragen.

Die „Apprenda-Cloud-Plattform“ (ACP) verwandelt eine IT-Infrastruktur in eine richtliniengesteuerte hybride Cloud-Anwendungsplattform, indem sie auf „Kubernetes“ eine Software-Ebene aufsetzt. Was macht diesen Ansatz einzigartig?

Erik Lustgarten: Für die Apprenda-Plattform ist der Ansatz gewählt, interoperabel zu sein und den Kunden keine unnatürlichen Entscheidungen aufzuzwingen. Ihnen wird vielmehr erlaubt, die Bereitstellung und das Management durch Entwickler effizient im Selbstbedienungsverfahren anzubieten — sowohl bei nativen Cloud-Applikationen als auch bei Altlastensoftware. Was unseren Ansatz einzigartig macht, ist erstens die Unterstützung beliebiger Infrastrukturen, zweitens die Unterstützung [eines breit gefächerten Portfolios von Anwendungsarchitekturen] von Altlasten- bis zu Cloud-nativen Anwendungen, drittens eine gemeinsame Sprache [welche die IT- und die Entwicklungsabteilung auf den kleinsten gemeinsamen Nennen bringt — Anm. der Redaktion] und viertens die Offenheit und Erweiterbarkeit, die zwei Hauptpfeiler der Apprenda-Plattform.

Integrativ: In der Version 7 können Unternehmen ein Kubernetes-Cluster an die Apprenda-Cloud-Plattform als einen optionalen Cluster-Manager und Ressource-Provider anbinden.
Integrativ: In der Version 7 können Unternehmen ein Kubernetes-Cluster an die Apprenda-Cloud-Plattform als einen optionalen Cluster-Manager und Ressource-Provider anbinden. (Bild: Apprenda)

Was verstehen Sie unter „beliebigen Infrastrukturen“?

Erik Lustgarten: Die Apprenda-Plattform setzt auf Betriebssysteminstanzen auf, so dass unsere Kunden die Flexibilität haben, [ihre Workloads] wahlweise auf Public Clouds und/oder auf Private Clouds, entweder auf physischen Servern und/oder auf virtuellen Maschinen, auszuführen.

Wir bieten die einzige Plattform, die sowohl containerisierte, native Cloud-Workloads unterstützt als auch vorhandene Anwendungen modernisiert. So bietet Apprenda dem Anwender eine einheitliche Plattform und ein einziges Dashboard. Das Resultat ist die Fähigkeit von Apprenda, das umfassendste Portfolio von Anwendungsarchitekturen auf dem Markt zu unterstützen.

Die Apprenda-Plattform zielt es darauf ab, Entwicklern und IT-Abteilungen eine gemeinsame Sprache zu bieten; auf diese Weise kann die IT ihre Richtlinien, Kontrollen und Features konfigurieren und die Entwickler können dann die so bereitgestellten Dienste im Selbstbedienungsverfahren in Anspruch nehmen.

Was sind die typischen Nutzungsszenarien von Apprenda?

Erik Lustgarten: Es sind ganz viele. Datencenter-Dienste für Entwickler im Selbstbedienungsverfahren, DevOps, Modernisierung von Anwendungen, Migration und Konsolidierung von Rechenzentren, Container als Service-Angebot (Container-as-a-Service), Bereitstellung von Hybrid-Cloud-Diensten, CI/CD, also: kontinuierliche Integration und kontinuierliche Bereitstellung sowie agile Entwicklung.

Apprenda möchte Unternehmen dabei helfen, ihre bestehenden Rechenzentrumsinvestitionen zu maximieren, heißt es auf Ihrer Webseite. Können Sie ein oder zwei Erfolgsgeschichten mit konkreten Zahlen kurz vorstellen?

Kundenbeispiel: Datencenter-Konsolidierung im Apprenda-Stil bei einem amerikanischen Bundesstaat.
Kundenbeispiel: Datencenter-Konsolidierung im Apprenda-Stil bei einem amerikanischen Bundesstaat. (Bild: Apprenda)

Erik Lustgarten: Sehr gerne. Die Regierung eines Bundesstaates hat sich dank Apprenda durch die Transformation ihrer IT-Organisation zu einem weltklasse IT-Dienstleister entwickelt. Schauen Sie bitte auch auf die Infografik.

Vor Apprenda hatten siebzig verschiedene Bundesstaat-Behörden separate, isolierte IT-Stacks in insgesamt 50 gemeinsam genutzten Rechenzentren — fast eines pro Behörde — und dann jeweils eigene Mitarbeiter. Dieses Modell erwies sich als starr, ineffizient und äußerst kostspielig.

Die Regierung des Bundesstaates hat dann ein Projekt ins Leben gerufen, um ein zentrales IT-Dienstleistungsunternehmen zu schaffen. Die mehr als 3.000 IT-Mitarbeiter unterstützen jetzt insgesamt neun `Cluster´ an Behörden, denen sich alle übrigen Behörden anschließen. Nicht nur ist die Effizienz der Cluster massiv gestiegen, auch gemeinsame Technologien wie Private PaaS bieten technische Vorteile.

Welche Rolle hat bei dieser Umstellung die Apprenda-Technik gespielt?

Erik Lustgarten: Diese Bundesstaat-Regierung hatte begonnen, mit Apprenda zu arbeiten, um etwa 1.200 Altlasten-Anwendungen in .NET- und Java in ihrem Portfolio zu modernisieren. Der Antriebsmotor der Modernisierung dieser Anwendungen war in einigen Fällen die Zugabe von Cloud-Fähigkeiten, in anderen die Befreiung von der Abhängigkeit von alten Technologien.

Der Einsatz von Apprenda hat es erlaubt, diese Altlasten von der ihnen zugrundeliegenden Infrastruktur zu abstrahieren; dadurch kann die Regierung des Bundesstaates Windows Server 2003 mit seinen hohen Support-Kosten in den Ruhestand versetzen und Anwendungen problemlos zwischen Rechenzentren verschieben.

Diese neu gewonnene Agilität hat das Projekt angekurbelt, so dass die ehemals 50 Rechenzentren jetzt auf nur zwei reduziert werden: eines für Produktionsanwendungen, das andere für Disaster Recovery.

Darüber hinaus wird unsere native Container-Technik die Hosting-Dichte enorm verbessern. Eine vorsichtige Schätzung legt nahe, dass sich die Hosting-Dichte nach Abschluss des Projekts um 400 bis 500 Prozent verbessern wird.

Könnten Sie auch im Privatsektor auf eine solche Erfolgsgeschichte verweisen?

Erik Lustgarten: Sicher doch. Einer unserer Kunden im Privatsektor stieß auf einen großen und teuren Bremsklotz, als „Microsoft Windows Server 2003“ im Juli 2015 außer Betrieb gesetzt wurde und ein Großteil der Anwendungen, die speziell für dieses Betriebssystem geschrieben waren, auf einen erweiterten Support-Vertrag von Microsoft angewiesen war. Bei dem „Container“, der zum Bereitstellen der Anwendungen verwendet wurde, handelte es sich in fast allen Fällen um einen gesamten Windows Server, wodurch ein Verhältnis von 1:1 von Anwendung zu Server zu Stande kam.

Die Anwendungen nutzen außerdem Replikat-Server oder VMs und Load-Balancing zur Gewährleistung von Hochverfügbarkeit, so dass in einigen Fällen das Verhältnis eher 1:2 oder 1:3 war. Die erweiterten Support-Kosten für diese Klasse von Anwendungen [bei Deployments] in dieser Größenordnung liegen potenziell im Bereich mehrerer Millionen Dollar.

Anstatt sich für einen längeren Zeitraum auf die teure erweiterte Unterstützung von Microsoft zu verlassen, entschied sich das Unternehmen, seine Anwendungen mit Apprenda zu modernisieren. Das Unternehmen sah einen großen Wert in dem Umstand, dass die Plattform die On-Board-Apps von der zugrundeliegenden Infrastruktur abstrahiert und sie gegen ähnliche Szenarien zukunftssicher macht. Sie wollten sicherstellen, dass sie in zehn Jahren nicht wieder auf dasselbe Problem stoßen würden, wenn „Windows Server 2008“ oder „2012“ den gleichen Meilenstein des Produktlebenszyklus erreichen sollte.

Ein wichtiges Anwendungsszenario ist die Migration von Datencenter. Könnten Sie den Ablauf eines solchen Projektes auf Basis einer Kundenerfolgsgeschichte erläutern?

Erik Lustgarten: Einer unserer Kunden hatte eine massive Initiative zur Konsolidierung von Rechenzentren, bei der mehr als zehn Rechenzentren im gesamten Bundesstaat geschlossen und innerhalb von zwei neuen Zentren konsolidiert werden sollten. Apprenda wurde hierbei als neues Zuhause für diese Anwendungen und den Mechanismus für schnelle Modernisierung und Migration ausgewählt.

Anstatt für jede Anwendung beziehungsweise jede VM im Lift-and-shift-Verfahren zu portieren, verpackte das Team die Anwendungen für die direkte Bereitstellung in der Apprenda-Umgebung, die im neuen Rechenzentrum bereits lief. Das aber führte zu einer erheblichen Reduzierung des Infrastruktur-Footprint. Die Migration der Anwendungen wurde rasch durchgeführt und die Anwendungen laufen jetzt [in dem Zielrechenzentrum] in einer Cloud-Umgebung, völlig entkoppelt von der ihnen zugrundeliegenden Infrastruktur.

Derselbe Kunde hatte zuvor mit Splunk Millionen Dollar ausgegeben, konnte jedoch nicht die erwartete Auslastung erzielen; Apprenda ermöglicht es, Technologien bei der Bereitstellung einer Anwendung automatisch einzuspeisen. So haben wir auch eine Splunk-Integration konfiguriert, die es erlaubt, jede bereitgestellte Applikation für die Logfile-Aggregation automatisch mit Splunk zu vernetzen.

Was ist Ihr Rat für CTOs, wenn es darum geht, beim Umstieg auf eine Cloud-Plattform ein Vendor-Lock-In zu vermeiden?

Erik Lustgarten: Wenn Sie mit irgendeiner Technologie arbeiten, ist ein gewisses Maß an Vendor-Lock-In in der Praxis schlicht unvermeidbar. Entweder [besteht eine Abhängigkeit] von einer technischen Architektur oder aus der operativen oder geschäftlichen Perspektive. Der Schlüssel besteht darin, zu wissen, wo diese Abhängigkeit eintritt, und dann sicherzustellen, dass sie einer bewussten Entscheidung entspringt, mit der eine angemessene Fallback-Strategie einhergeht.

Dennoch gibt es ein paar gute praktische Leitlinien.

Erstens hat die technische Flexibilität, Workloads auf die effizienteste und wirtschaftlichste Weise zu betreiben, eine enorme Bedeutung. Der Wettbewerb im Infrastrukturbereich führt zu niedrigeren Preisen, so dass die Unabhängigkeit von der Infrastruktur ein wichtiges architektonisches Ziel eines Unternehmens darstellen sollte.

Zweitens ist auch die Interoperabilität ein Design-Kriterium von entscheidender Bedeutung. Heutzutage stellt kein System mehr eine Insel dar, und die Verfügbarkeit von dokumentierten APIs, die sich erweitern lassen und mittels herstellerübergreifender Systeme verbunden werden können, bietet viele Möglichkeiten, „Best-of-Breed“-Lösungen zu verwenden, anstatt sich von einem einzigen Anbieter auf einen einzigen Stack verpflichten zu lassen.

Wir unterstützen Legacy-Anwendungen, die lange vor der kommerziellen Verfügbarkeit von Apprenda geschrieben worden sind; im Übrigen ist die Einbindung von Legacy in jedem Fall ein guter Prüfstein, der zeigt, ob die Unternehmen in ihrer IT-Wahl einschränkt werden.

Darüber hinaus können die IT-Teams immer wieder zu ihrer eigenen, gewohnten Art und Weise zurückkehren, um Apps so laufen zu lassen. Doch wer nicht darüber hinaus geht, muss auch alternative Wege finden, die Vorteile, die unsere Plattform einfach mitbringt, abzudecken. Wir finden es beruhigend, dass die Loyalität zu unserer Plattform ausschließlich freiwilliger Natur ist und nicht etwa darauf basiert, dass wir zum Lock-in zwingen.

Wie lässt sich die Belastung im Zuge einer Datencenter-Migration mit etwaigen Vorteilen aufwiegen?

Erik Lustgarten: In großen, komplizierten Unternehmensprojekten ist sehr wichtig, dass sich der Erfolg frühzeitig einstellt. Wenn der Prozess an Dynamik gewinnt, wird es einfacher, auch skeptische Teams an Bord zu holen und den Projekt- und Ausführungsplan zu kalibrieren.

Wir möchten, dass unsere Kunden ihre erste App innerhalb von 30 bis spätestens 60 Tagen in Produktion in Betrieb nehmen können. Sie lernen dadurch viel und können die Erkenntnisse dann auf die nächsten 100 oder 1000 Apps anwenden.

Außerdem fühlen sich die meisten Entwicklungsteams nicht übermäßig von langfristigen unternehmensweiten Vorteilen tangiert; sie interessieren sich viel eher für ihre eigenen Kunden und Apps. Daher ist es wichtig, den langfristigen Erfolg von „von unten nach oben“ statt „von oben nach unten" aufzubauen. Wenn die kritische Masse einmal erreicht ist, kommen die Vorteile der wachsenden Größenordnung ins Spiel und stellen ein natürliches Resultat der Erfolge einzelner Entwicklungsteams.

Kundenbeispiel "Aufgefrischt": Eine der Big-4-Steuerberatungsunternehmen modernisierte 71 Legacy-Anwendungen an nur einem Tag.
Kundenbeispiel "Aufgefrischt": Eine der Big-4-Steuerberatungsunternehmen modernisierte 71 Legacy-Anwendungen an nur einem Tag. (Bild: Apprenda)

Zu den derzeitigen Nutzern von Apprenda gehören Konzerne wie JPMorgan Chase & Co. und Boeing. Ist das eine typische Deployment-Größe von Apprenda?

Erik Lustgarten: Apprenda-Kunden beginnen typischerweise mit relativ klein - im ersten Jahr mit etwa 40 bis 100 Anwendungen und weiten dann aus. Eine Bank im Nahen Osten etwa konnte auf der Basis von Apprenda im Laufe von nur drei Monaten mehr als 100 Anwendungen produktiv stellen. Eine sehr große Industrie-Organisation in den USA hatte sich die Installation, Konfiguration und Bereitstellung von 30 Apps in der Produktion innerhalb des ersten Monats vorgenommen.

Was ist das größte Hindernis im Hinblick auf die Bereitstellung containerisierter Anwendungen?

Erik Lustgarten: Ich denke, dass es Mensch- und Technikhindernisse gibt. Im Hinblick auf den Faktor Mensch haben wir im Laufe mehrerer Jahre gelernt, wie man Organisationen während dieser Reise am besten navigieren kann durch eine Methode mit der Bezeichnung „Cloud Rise“. Diese definiert Best Practices, um eine Container-Plattform zu implementieren, und die Art und Weise zu transformieren, wie Organisationen ihre eigene Software entwickeln und ausführen.

Im Hinblick auf den Faktor Technologie verfolgen wir mit der Apprenda-Plattform einen eigenen Ansatz zur Bereitstellung von Anwendungen in Containern. Andere Plattformen unterstützen nur Cloud-native, bereits containerisierte Workloads, was Unternehmen zwingt, ihre Anwendungen zuerst neu zu faktorisieren, bevor sie ihre Technologie nutzen können. Apprenda unterstützt sowohl native als auch vorhandene Cloud-Workloads, so dass wir Anwendungen schnell migrieren und modernisieren konnten, während wir gleichzeitig Entwickler in dieser neuen Art der Software-Entwicklung schulen können. Die Plattform containerisiert bestehende Workloads, so dass diese sich wie native Cloud-Anwendungen verhalten. Zudem werden Grundregeln für die Erstellung neuer Anwendungen festgelegt.

Wir haben gesehen, dass unser Ansatz die Umstellung „Customer Journey“ im Vergleich zu Angeboten der Konkurrenz stark beschleunigt.

Wie messen Sie den Erfolg in Bezug auf Time-to-Market und Vermeidung betrieblicher Diszenzen?

Erik Lustgarten: Zum einen verfügt die Apprenda-Plattform selbst über Richtlinien und Kontrollen, die es der IT-Organisation, den Infrastruktur-, Sicherheits-, Netzwerk- und DBaaS-Teams zum Beispiel, ermöglichen, Grundregeln für die Implementierung von Compliance-Anwendungen festzulegen. Vor dem Roll-Out der Plattform in der Produktion stellt zudem unsere Kundendienst-Abteilung sicher, dass die Plattform in das Rechenzentrum unserer Kunden integriert ist und standardmäßig alle erforderlichen Werkzeuge und Richtlinien einhält.

Sobald die Plattform als produktionsbereit gilt, können Entwickler einfach mit der Bereitstellung und Migration ihrer Anwendungen beginnen, entweder über Toolchains für Portale, CLIs, CI / CD oder DevOps. Aus der Sicht eines Entwicklers stellen sie Apprenda die Binärdateien ihrer Anwendung zur Verfügung und im Gegenzug wird die Anwendung in wenigen Sekunden bereitgestellt. Das Ziel besteht darin, das Verhältnis von Anwendungsentwicklung zur Administration explosionsartig zu verbessern; Automatisierung, Richtlinien und Erweiterbarkeit machen es möglich.

Was unterscheidet Apprenda von konkurrierenden Angeboten wie „Morpheus“ oder „Heptio“? Morpheus beispielsweise unterstützt Hyper-V, das Klonen von Datenbanken, integrierte automatische Sicherungen, integrierte Überwachung und integrierte Protokollierung. Kann Apprenda das Punkt für Punkt schlagen?

Erik Lustgarten: Morpheus ist eine Plattform, die Entwicklern IT-Dienste im Selbstbedienungsverfahren bereitstellt, bei denen eine virtuelle Maschine immer noch das Maß der Dinge ist. Apprenda hingegen erhebt ein Modell zu einer anwendungszentrierten Plattform. Entwickler stellen keine VMs bereit, denken nicht in VM-Kategorien und provisionieren auch keine VMs. Stattdessen stellen sie ihre Binärdateien bereit, die auf einer ohnehin von der IT zur Verfügung gestellten und verwalteten Infrastruktur ausgeführt werden.

Heptio wiederum bietet ausschließlich Dienstleistungen und Entwicklungen rund um Kubernetes an. Apprenda dagegen setzt zwar unter der Haube Kubernetes ein, bietet Unternehmens-IT bei den Kunden aber die Möglichkeit, Dienste auf einem oder mehreren Kubernetes-Clustern gemeinsam mit anderen zu nutzen.

Wo bleibt da der Sicherheitsaspekt?

Erik Lustgarten: Sicherheit für Container-Plattformen wird auf verschiedenen Ebenen angegangen und würde an sich ein eigenes Interview erfordern. Kurz gesagt unterstützt die Apprenda Cloud Plattform Security Best Practices im gesamten Stack, einschließlich Sicherheitskonfigurationsverwaltung, Infrastruktur- und Ressourcen-spezifische Zugriffskontrollen, Workload-Isolation, Transportschutz von Daten und -Inspection.

Die Plattform setzt oberhalb von Betriebssysteminstanzen auf, ermöglicht somit den Unternehmen ACP in ihren eigenen Infrastrukturkonfigurationen bereitzustellen. Dazu gehören auch solche, die vom Zentrum für Internet-Sicherheit (CIS) unterstützt werden. Durch die Fähigkeit, die Infrastruktur auf sichere Konfigurationen abzustimmen, können Unternehmen garantieren, dass jede Anwendungsimplementierung in ihrem Cloud-Service-Angebot auf einer gehärteten Infrastruktur läuft.

Welche praktischen Vorteile hat eine Infrastruktur- und Ressourcen-spezifische Zugriffskontrolle?

Erik Lustgarten: Die Planungs- und Skalierungsmechanismen der Plattform erlauben eine kontinuierliche Bereitstellung, die auf Server-Ebene weniger menschliche Interaktion erfordern als herkömmliche Hosting-Umgebungen. Indem der Zugriff auf die Infrastruktur der IT-Abteilung als dem Eigentümer übertragen wird, haben Unternehmen viel mehr Sicherheit, dass ihre ACP-Umgebungen gehärtet und [Richtlinien-]konsistent sind.

Wie läuft die Workload-Isolierung in ACP ab?

Erik Lustgarten: Die Apprenda-Cloud-Plattform ist die einzige Cloud-Engine, welche in der Lage ist, Steuerungsmechanismen für Workloads bereitzustellen, zu skalieren und zu konfigurieren, die sowohl auf Microsoft Windows- als auch auf Linux-Betriebssystemen laufen. ACP verwendet hierzu eine Vielzahl von „Container-ähnlichen“ Mechanismen zum Definieren von Zugriffsbeschränkungen und Ressourcenverbrauch für Enterprise-Workloads. So kann ein Workload, der von einem Angreifer kommt oder vom einem Nutzer einfach nur falsch konfiguriert wurde, nicht aus den definierten Grenzen übergreifen.

In welchem Umfang kann Apprenda den Transportschutz der Daten gewährleisten?

Erik Lustgarten: Im Hinblick auf den Transportschutz von Daten kann die Apprenda-Cloud-Plattform externe (Offloading) und interne Anwendungs-/Dienstkommunikationsverschlüsselung über TLS (Transport Layer Security) quasi ab Werk aktivieren. Die Plattform kann als eine Zertifizierungsstelle fungieren und Zertifikate signieren, ausstellen und die Möglichkeit bieten, Zertifikate hochzuladen, die von einem Unternehmen oder einer öffentlichen Zertifizierungsstelle bereits signiert wurden.

ACP unterstützt außerdem die TLS-Aktivierung für Anwendungen mit benutzerdefinierten URLs, so dass Entwickler ihre eigenen Zertifikate laden können, die nur an ihre Anwendungen gebunden sind. Durch die Verwendung von TLS für die gesamte Anwendungskommunikation mit ACP können sie somit die Vertraulichkeit und Integrität aller anwendungsspezifischen Daten während der Übertragung gewährleisten und das Risiko, dass ein Angreifer den Netzwerkverkehr an einem beliebigen Endpunkt im Kommunikationspfad erfasst, mindern.

Was ist aus das wichtigste Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Anwendungsinspektion?

Erik Lustgarten: Die Apprenda-Cloud-Plattform verfügt über ein Feature mit der Bezeichnung Bootstrap-Richtlinien. Dieses erlaubt der jeweiligen IT-Organisation, Anwendungen während ihrer Bereitstellung zu inspizieren und Features zu blockieren, neu zu konfigurieren, zu erweitern und selbst Funktionserweiterungen zu injizieren.

Gibt es im Apprenda-Ökosystem Platz für Integrationspartner und/oder Angebote von Drittanbietern?

Erik Lustgarten: Definitiv. Alle Kunden integrieren die Plattform auf die eine oder andere Weise in ihre wichtigsten IT-Stacks. Zu den Beispielen gehört die Gewährleistung von Elastizität auf Infrastrukturebene (IaaS) durch automatische Skalierung der Infrastruktur. Außerdem gehört dazu die Integration in Konfigurations-Management-Tools zur Installation und Konfiguration von Apprenda selbst und der zugrunde liegenden Infrastruktur (für DevOps). Zu nenen wäre auch noch die API-Unterstützung für agile und automatische Bereitstellung von Anwendungen (für CI/CD), eine Protokollaggregations-Engine für jede Anwendung mit Möglichkeiten zur Sicherung oder Übergabe von Protokollen an eine Drittanbieterlösungen wie Splunk und ELK.

Jeder Task wird von Apprenda geprüft und gespeichert. Kunden können diese Audit-Datensätze auch an eine Drittanbieter weiterleiten. Unsere Plattform genügt zudem einer Vielzahl an Metriken, auf die der Kunde über eine eigene Monitoring-Software zugreifen kann. Darüber hinaus stellt Ankerpunkte in den Bereitstellungsprozess ein, mit denen Change-Management-Systeme vor der Bereitstellung aufgerufen werden können, um eine Genehmigung einzuholen. Öffentlich zugängliche Integrationen sind auf unserer Github-Seite verfügbar. Zwar werden weitere von unserem Client-Services-Team bereitgestellt, aber nicht veröffentlicht.

Wie stellen Sie sich die Technologieplattform Apprenda im Jahre 2020 vor?

Erik Lustgarten: Unsere Aufgabe soll auch in Zukunft eine Anwendungsplattform für verschiedene Dienste sein. So haben wird in den vergangenen zwölf Monaten native Unterstützung für Docker und Kubernetes hinzugefügt.

Die Innovationskurve ist derzeit so hoch. Es ist daher schon schwer vorherzusagen, wie der IT-Park in den kommenden zwei bis drei Jahren aussehen wird. Daher ist Flexibilität, Erweiterbarkeit und 100 Prozent Kundenorientierung das Wichtigste, was wir im Blick haben.

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