Cloud-Native und virtuelle Maschinen on premises Anwender wollen Private Clouds - im und außerhalb eigener Rechenzentren

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Trotz Cloud Native, DevOps und Kubernetes bleibt es in vielen Firmen beim eigenen Rechenzentrum. VMs behalten eine wichtige Rolle. Das zeigt eine aktuelle Studie.

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Viele Kunden wollen nach wie vor eine private IT-Umgebung und nutzen dazu doch Public-Cloud-Services.
Viele Kunden wollen nach wie vor eine private IT-Umgebung und nutzen dazu doch Public-Cloud-Services.
(Bild: Mirantis)

Container, Cloud Native und Kubernetes bedeuten mitnichten den Abschied von der hauseigenen Infrastruktur. Das ist das Ergebnis einer Studie von 451 Research, mittlerweile ein Teil von S&P Global Market Intelligence, im Auftrag von Mirantis.

Von den mehr als 500 international rekrutierten Umfrageteilnehmern sagen 24,2 Prozent, dass Private Cloud die primäre Umgebung für die unternehmensinterne DevOps-Implementierung sei. Weitere 20 Prozent entwickeln on premises auf Non-Cloud-Infrastruktur, 18,9 Prozent auf einer Hosted Private Cloud.

IaaS wird eher selten für DevOps verwendet

Einen Infrastrukturservice aus der Public Cloud nutzen für DevOps-Zwecke nur 12,2 Prozent der Umfrageteilnehmer, SaaS/Hosted Applications verwenden 11,4 Prozent und PaaS 4,7 Prozent. Die Public Cloud ist trotzdem, wie nicht anders zu erwarten, gut repräsentiert: So verwenden 70 Prozent der Anwender SaaS aus der Public Cloud, weitere 8 Prozent planen dies. 53 Prozent abonnieren Public-Cloud-IaaS, 14 Prozent haben dies demnächst vor.

Ungefähr gleich viele Firmen verwenden entweder eine Private Cloud on Premises (42 Prozent) oder nutzen für die Unterbringung ihrer IT Co-Location-Rechenzentren (40 Prizent). Jeweils acht Prozent planen derzeit diese Infrastrukturformen.

Ein Drittel hostet seine Private Cloud

Eine Hosted Private Cloud nutzen 31 Prozent, weitere 14 Prozent befinden sich in Planung. Und immerhin 25 Prozent verwenden eine gehostete Infrastruktur, die aber nicht als Cloud ausgeführt ist.

Viele Unternehmen betreiben Kubernetes in einer Private-Cloud-Umgebung.
Viele Unternehmen betreiben Kubernetes in einer Private-Cloud-Umgebung.
(Bild: 451 Research/Mirantis)

Auffällig ist, dass vier Prozent der Umfrageteilnehmer keine der oben angeführten Infrastrukturtypen verwenden, aber 54 Prozent gaben an, dass sie dies planen. Leider erschließt sich nicht, ob diese Anwender die Rückkehr zum Standardrechenzentrum vor Ort ohne Cloud-Technologien meinen oder was sie sonst vorhaben.

Kubernetes läuft überwiegend in einer Privat Cloud

Kubernetes läuft in den Unternehmen vor allem in der Private Cloud: 61,1 Prozent der Anwender gaben das an. 35,6 Prozent nutzen den Container-Orchestrator On Premises und ebenfalls knapp ein Drittel in einer Public Cloud. Multicloud-Umgebungen mit Kubernetes gibt es in 13 Prozent der Firmen.

Die Hybrid-Cloud-Implementierung schreitet voran. Schon 42 Prozent der Anwender verwenden diesen Infrastrukturtyp, jeweils 15 Prozent befinden sich in der Implementierungsphase oder plant gerade und 29 Prozent sind bislang Hybrid-Clou-abstinent.

Hybrid Cloud: Besser als erwartet

Hybrid Cloud scheint die Erwartungen der Anwender auf vielen Gebieten recht gut zu erfüllen“, meint Jay Lymen, Analyst bei 451 Research, teilweise sogar zu übertreffen. So sagten 17 Prozent der Anwender, dass ihre Erwartungen hinsichtlich der schnellen Skalierbarkeit von Anwendungen getoppt wurden, 63 Prozent erreichten hier, was sie sich vorgestellt hatten. Rund ein Fünftel wurde teilweise (12 Prozent) oder gänzlich (8 Prozent) enttäuscht.

Bei der plattformübergreifenden Unterstützung von Workloads in der Hybrid Cloud fanden 11 Prozent der Anwender, dass ihre Erwartungen übertroffen wurden, 53 Prozent sah sie bestätigt. Der Rest war entweder etwas oder komplett enttäuscht. Ähnlich sah es bei zwei anderen Aspekten aus: der zentralen Datenspeicherung für Applikationen in unterschiedlichen Umgebungen und den Kostenoptimierungsmöglichkeiten über alle Plattformen hinweg.

Verbesserungsbedarf bei Management und Migrationen

Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 54 Prozent, bemängeln allerdings das Fehlen einer plattformübergreifend einheitlichen Managementumgebung. „Hier muss der Markt noch mehr tun“, meinte Analyst Lymen.

Denn Entwickler haben, so Lymen, einen dringenden Wunsch: Sie wollen, dass Entwicklungsumgebungen, plattformunabhängig gleich aussehen und funktionieren. Der freie Cloud-Stack OpenShift auf Kubernetes könnte sich hier, wie sicher zumindest Mirantis sich erhofft, als vereinheitlichende Plattform erweisen.

Mirantis OpenStack on Kubernetes läuft auf Bare Metal.
Mirantis OpenStack on Kubernetes läuft auf Bare Metal.
(Bild: Mirantis)

Mirantis setzt auf Kubernetes als gemeinsamen Nenner in der Hybrid Cloud

Der Softwarespezialist kaufte zunächst „Docker Enterprise“ und brachte dann 2020 eine OpenStack-Plattform auf Kubernetes auf den Markt. Sie läuft auf Bare-Metal-Servern und dient als Basis für VMs.

„Für Mirantis ist OpenStack nichts weiter als eine Gruppe zusammengehöriger Mikroservices, die wir mit Hilfe von Kubernetes steuern“, erklärt John Allwright, Vice President Marketing des Anbieters.

Der Aufbau von Mirantis OpenStack on Kubernetes
Der Aufbau von Mirantis OpenStack on Kubernetes
(Bild: Mirantis)

Durch die Realisierung einer OpenStack-Umgebung auf Kubenetes-Basis verliere der offene Cloud-Stack viel von seiner Komplexität. Dadurch sei OpenStack für Unternehmen, die ihre eigene Cloud-Infrastruktur vorhalten möchten, handhabbarer.

Nicht jede Workload taugt für Public Cloud und Container

Denn längst nicht jede Workload passe, so Lymen, in eine Public-Cloud-Umgebung und in einen Container, oft genug laufen Container auch auf VMs. Entscheidend seien Sicherheit, Kosten, Zuverlässigkeit der Plattform und die Leistung der Applikationen.

Zumindest die beiden ersten Punkte sprächen häufig für eine eigene Umgebung,. Dies gelte auch, wenn Anwender Open-Technologien wie Kubernetes nutzen wollten, meint Lymen.

Public Cloud am Ende oft sehr teuer

Denn, so der Analyst weiter, oft erweise sich eine anfangs günstige Cloud-Umgebung bei Skalierung von Applikationen als unerwartet teuer. Dies wurde auch von Mayan Kapoor, Vice President Engineering des indischen Providers Reliance Jio bestätigt. „Unsere Teams dürfen ihre Arbeitsumgebung frei wählen. Viele entscheiden sich für unsere eigene Infrastruktur, weil sie das All-inclusive-Modell schätzen.“

Schließlich tauchten beim Hyperscaler Netzverbindungen, Sicherheitsfunktionen und auch das Loadbalancing am Ende als Kostenposten auf. „Wir legen nur die Investitionskosten auf die Nutzer unserer eigenen Infrastruktur um“, betont Kapoor.

Reliance Jio: Sprung in die LTE-Welt

Der indische TK-Provider ist innerhalb von nur vier Jahren von null auf 400 Millionen Anwender gewachsen und hat eigene Endgeräte für seine Kunden entwickelt. Das Unternehmen nutzt grundsätzlich eigene Datacenter-Infrastruktur, um seine auf dem Mobilfunkstandard LTE basierenden Services bereitzustellen. Als Reliance Jio startete, gab es noch keinerlei LTE auf dem indischen Subkontinent.

Viele seiner Services, insbesondere die grundlegenden, liefert Reliance Jio kostenlos aus. Frei erhältlich sind beispielsweise Bandbreite und der Daten-Download. Das hat Indien inzwischen von Platz 155 an die Spitze der weltweiten Download-Statistik katapultiert.

Kapoor: „Unser Wachstum funktioniert nur auf eigener Infrastruktur“

„Was wir leisten, lässt sich nur auf eigener Infrastruktur realisieren“, ist Kapoor überzeugt. Es habe ganz schlicht keinen externen Provider gegeben, der die Bandbreiten- und Kapazitätsbedürfnisse, die sich aus dem rasanten Wachstum ergeben, ausreichend und zuverlässig hätte erfüllen können.

Eigene Infrastruktur innerhalb einer Hybrid Cloud und der Betrieb virtueller Maschinen statt ausschließlich Containern bleibe essentiell. Das gelte besonders für Unternehmen, die auf Compliance, Sicherheit und Differenzierungsmerkmale vom Wettbewerb achten müssen, meint Kapoor, beispielsweise für 5G-Betreiber.

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lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger