Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts

Was ist Product Lifecycle Management, PLM?

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Ulrike Ostler

PLM gilt als grundlegender Baustein für die Digitalisierung.
PLM gilt als grundlegender Baustein für die Digitalisierung. (Bild: © djama/ Fotolia.com)

Die Disziplin Product Lifecycle Management, zu Deutsch: Produktlebenszyklus-Management (PLM), verwaltet sämtliche Informationen und Daten, die im Lebenszyklus eines Produktes anfallen.

Die digitalen Informationen über ein Produkt existieren nicht nur im CAD-System (Computer Aided Design), sondern in der gesamten Prozesskette hinweg vom PLM-System über das MES-System (Manufacturing Execution System) bis hin zum ERP-System (Enterprise Resource Planning). Die IT-Unterstützung beginnt bei der Konstruktion eines Produkts und reicht von dessen Fertigung über den Vertrieb bis hin zum technischen Kundendienst.

Noch vor zehn Jahren galten die Begriffe PLM und PDM (Product Data Management) als Synonyme. PDM-Lösungen waren damals oft nicht viel mehr als ein Repository für Produkt- und Konstruktionsdaten. Heute hingegen umfasst der Begriff PLM die Gesamtheit von der Konstruktion über die Verwaltung von Produktdaten bis hin zu Service-Anwendungen, beispielsweise Fernwartung, sowie die Fertigungssteuerung und die Fabriksimulation.

PLM gilt als Grundbaustein für die digitale Transformation

Die digitale Transformation von Unternehmen verschafft dem PLM Aufwind. Laut den Marktforschern von Forrester haben die Hersteller mit Produkten und Dienstleistungen rund um PLM im Jahr 2016 weltweit mehr als 17 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Im Rahmen dieses Marktwachstums haben sich die PLM-Lösungen ebenso wie andere Lösungen für Konstruktion und Produktentwicklung dramatisch verändert und ihren Fokus von der ehemaligen Silotechnologie hin zu einer kollaborativen Anwendung erweitert.

In den Blick gerät dabei die gemeinsame Nutzung von Produktinformationen entlang der Wertschöpfungskette. Von zentraler Bedeutung dabei sind die Verknüpfungen zu den Konzepten Internet of Things (IoT) sowie Industrie 4.0.

Bei den Herstellern von PLM-Lösungen haben über lange Jahre drei Anbieter dominiert: Dassault Systèmes mit den Produkten „Catia“/„Enovia“/„Delmia“, „EDS“ (später: „Unigraphics“/„UGS“, schließlich von Siemens aufgekauft) und PTC mit der CAD-Software „Creo“ und dem PDM-System „Windchill“. Inzwischen haben sich Dassault und PTC in Richtung IoT weiterentwickelt.

PTC bietet beispielsweise die IoT-Anwendung „Digital Twin“, die IoT-Plattform „Thingworx“ und die Augmented-Reality-Plattform „Vuforia“. Siemens hat den Anbieter Mentor Graphics aufgekauft, einen wichtigen Player im Bereich Chip- und Elektronikdesign, der über eine Entwicklungsplattform für Embedded-Geräte verfügt. Weiterhin haben auch SAP und Oracle PLM-Lösungen im Angebot.

Cloud und Software as a Service sind Experimentierfelder

Die meisten PLM-Lösungen werden aktuell im hauseigenen Rechenzentrum betrieben. Im Rahmen des allgemeinen Cloud-Trends experimentieren allerdings sowohl Hersteller als auch Anwender mit dem Betriebsmodell Software as a Service.

Hersteller von Inhouse-Software erweitern ihre Lösungen mit Cloud-Modulen um neue Funktionen. Ähnlich wie beim Customer Relationship Management (CRM), wo Salesforce.com seine Produkte ausschließlich aus der Cloud zur Verfügung stellt, sind auch im PLM reine Cloud-Anbieter aktiv. Ein Beispiel hierfür ist PropelPLM.

Anwender versprechen sich vom Betriebsmodell Software as a Service die Cloud-typischen Vorteile wie schnellere Implementierung, einfachere Skalierung kleinerer Projekte zu unternehmensübergreifenden Lösungen sowie eine verbesserte Unterstützung der Nutzung von Produktdaten in der gesamten Lieferkette. Als Stolpersteine von Cloud-Implementierungen gelten die Integration mit der vorhandenen Inhouse-Software sowie der Datenschutz.

Um mit einem überschaubaren Aufwand in das Betriebsmodell Software as a Service einzusteigen, installieren einige Unternehmen PLM-Software im so genannten Single Tenant Modus in einer Cloud, die im hauseigenen Rechenzentrum hinter einer Firewall läuft. Um die Sicherheit kümmert sich hierbei die eigene IT-Abteilung, während die Software-Hersteller teilweise das Application Management übernehmen.

* Jürgen Frisch ist freier Autor und lebt in Stuttgart.

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