Equinix veröffentlicht einen Global Interconnection Index

Das Netz jenseits des Internets wächst um 45 Prozent

| Autor: Ulrike Ostler

Es ist die erste Ausgabe des „Global Interconnection Index“ von Equinix. Er soll Unternehmen als Entscheidungshilfe für ihre künftige IT-Strategie dienen.
Es ist die erste Ausgabe des „Global Interconnection Index“ von Equinix. Er soll Unternehmen als Entscheidungshilfe für ihre künftige IT-Strategie dienen. (Bild: Equninix)

Der von Equinix veröffentlichte „Global Interconnection Index“ ist ein Gradmesser für das Wachstum der digitalen Wirtschaft. Die Prognose geht davon aus, dass 2020 die genutzte Interconnection-Bandbreite auf über 5.000 Terabit pro Sekunde wachsen wird. Sie überholt damit traditionelle Konnektivitätsansätze, ist zweimal schneller als IP-Traffic und sechsmal umfangreicher sowie zehnmal schneller als MPLS-Netzwerke.

Inteconnection bezieht sich auf die physischen Verbindungen zwischen IT-Komponenten, insbesondere zwischen Rechenzentren und Internet-Exchange-Punkten aber auch Machine-to-Machine-Kommunikation. „Sie ist wie ein schnell wachsendes zweites Internet“, heißt es in dem „Global Interconnection Index“, der erstmals den Einsatz von Interconnection-Bandbreite analysiert und für die Zukunft prognostiziert. Sie wird definiert als die notwendige Kapazität, um Daten über direkte, private Verbindungen an Traffic Exchange Points innerhalb Carrier-neutraler Rechenzentren zu übertragen.

Interconnection löst bisherige Kommunikationsnetze wie Internet und MPLS in der Bedeutung für die Unternehmen ab, zumindest aber überrundet der hier getätigte Datenverkehr das Aufkommen in den herkömmlichen Strukturen. Dabei wird Interconnection-Bandbreite definiert als die notwendige Kapazität, um Daten über direkte, private Verbindungen an Traffic Exchange Points innerhalb Carrier-neutraler Rechenzentren zu übertragen.
Interconnection löst bisherige Kommunikationsnetze wie Internet und MPLS in der Bedeutung für die Unternehmen ab, zumindest aber überrundet der hier getätigte Datenverkehr das Aufkommen in den herkömmlichen Strukturen. Dabei wird Interconnection-Bandbreite definiert als die notwendige Kapazität, um Daten über direkte, private Verbindungen an Traffic Exchange Points innerhalb Carrier-neutraler Rechenzentren zu übertragen. (Bild: Equinix)

Die Messung der Interconnection-Bandbreite gibt Hinweise auf des Status der digitalen Transformation, denn Interkonnektivität bietet die Voraussetzung dafür, das Potenzial der Multi-Cloud voll auszuschöpfen, digitale Services zu nutzen, um so die Latenzen reduzieren und Geschäftsprozesse zu beschleunigen, aber auch um operative Kontrolle über zentralisierte und dezentrale digitale Plattformen zu erlangen. Schließlich lassen sich Sicherheitsrisiken reduzieren; denn das Internet wird umgangen und lokale Sicherheitsperimeter werden aktiviert.

Wachstum von über 40 Prozent jährlich

Die Studienmacher erwarten, dass sich deren Kapazität von derzeit 473 Terabit pro Sekunde (Tbit/s) auf 1.451 Tbit/s bis 2020 vervierfachen werden, beziehungsweise um 44 Prozent jährlich. Das entspräche mehr als einem Viertel der weltweiten Interconnection-Bandbreite. Im Vergleich der vier Regionen Europa, USA, Asien-Pazifik und Lateinamerika lässt sich feststellen, dass der erwartete Bedarf jeweils um mindestens 40 Prozent pro Jahr zunehmen wird. Den größten Gesamtbedarf werden die USA mit 1.795 Tbit/s ausweisen. Auf Rang drei rangiert die Region Asien-Pazifik mit 1.120 Tbit/s, und Vierter ist Lateinamerika mit 626 Tbit/s.

Um diese abstrakten Informationen zu verdeutlichen, bringt die Studie anschauliche vergleiche: Eine solche Bandbreite erlaubt:

  • „den gesamten gedruckten Inhalt der US-amerikanischen Kongressbibliothek in einer Sekunde dreimal zu transferieren
  • fast 550.000 elektronische Bezahlungen pro Minute zu verarbeiten – angenommen der durchschnittliche Wert liegt bei 50 Dollar, wären das 27,5 Millionen Dollar pro Minute oder 1,6 Milliarden Dollar pro Stunde
  • die DNA-Sequenz der gesamten menschlichen Bevölkerung in 2,5 Stunden zu analysieren und austauschen und mögliche neue medizinische Behandlungen und Durchbrüche entdecken.

Die Studie schlüsselt die Interconnction-Bandbreite nach Regionen, speziell noch einmal Ballungsräumen, Branchen und Anwendungsbereichen auf.

Installierte Interconnection-Bandbreite nach Branchen in der EU

  • Bei Banken und Versicherungen wird eine jährliche Wachstumsrate von 61 Prozent erwartet; die für 2020 , die prognostizierte Kapazität der Interconnection-Bandbreite liegt bei 955+ Tbit/s.
  • Für die Telekommunikationsbranche ist ein Wachstum von 27 pro Jahr prognostiziert. 2020 soll die Gesamtkapazität der Interconnection-Bandbreite die Marke von 825 Tbit/s übertreffen.
  • Die Wachstumsprognose für Cloud- und IT-Services liegt bei 39 Prozent jährlich, was zu einer erwarteten Interconnection-Bandbreitenkapazität von 820 Tbit/s in 2020 führt.
  • Der Einsatz von Interconnection in der Fertigungsbranche wird voraussichtlich bis 2020 um 54 Prozent pro Jahr wachsen und eine Interconnection-Bandbreitenkapazität von 540 Tbit/s erreichen.
  • Zu den Branchen mit hohen Wachstumsraten zählen auch noch Business & Professional Services, Energie, Einzelhandel und Gesundheitswesen. Hier liegt die erwartete jährliche Wachstumsrate bis 2020 bei mehr als 66 Prozent.

Installierte Interconnection-Bandbreite nach Anwendungsbereichen in der EU

Hier gilt dasselbe wie in der Aufschlüsselung nach Branchen: „In allen Anwendungsbereichen wird ein starkes zweistelliges Wachstum bis 2020 prognostiziert.“ (siehe: Tabelle)

Der Interconnection-Bandbereitenbedarf aufgeschlüsselt nach Anwendungsbereichen.
Der Interconnection-Bandbereitenbedarf aufgeschlüsselt nach Anwendungsbereichen. (Bild: Equinix)

Service-Provider, die Interconnection Services zu Clouds einsetzen, werden voraussichtlich jährliche Wachstumsraten von 70 Prozent erreichen. Dies ist in 2020 anteilig der zweitgrößte Anwendungsbereich bei der Nutzung von Interconnection-Bandbreite.

Für Service-Provider, die Interconnection im Bereich der digitalen Inhalte & Medien nutzen, liegt die prognostizierte jährliche Wachstumsrate bei 49 Prozent, da sich die Digitalisierung der Produktions- und Distributionsprozesse innerhalb der Wertschöpfungsketten weiter durchsetzt. Daraus resultiert bis 2020 eine Interconnection-Bandbreite von 170 Tbit/s.

Der Einsatz von Interconnection-Services für die Verbindung zu Anbietern von Cloud- und IT-Services wird bis 2020 – das sind jetzt gerade einmal zwei Jahre - um 160 Prozent zunehmen. Dies entspricht ab 2017 - die Untersuchung wurde im Vorjahr erstellt - einem Wachstum um den Faktor 18.

Voraussetzungen und Bedingungen für das Wachstum

Das Wachstum fällt aber nicht vom Himmel. Die Equinix-Studie suchte auch den bestimmenden Faktoren. So trage wesentlich auch die verbesserte lokale Verfügbarkeit der Cloud Service Provider (CSP) zum Wachstum bei. Denn diese erlaube Unternehmen den Zugang zu Märkten, die zuvor unerschlossen waren, sowie das Nutzen latenzoptimierter Verbindungen zu Cloud-Services von Angeboten der Marktführer wie AWS, Microsoft, Oracle, was deren Akzeptanz erhöhe.

Zudem würden Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen für die Mehrheit der Unternehmen zunehmend zu den bevorzugten Modellen. Denn dieses verspricht zum einen den kosteneffizienten Einsatz von Cloud-Services und zum anderen die vorhandene Kontrolle über Daten und Infrastruktur in einem Rechenzentrum.

Zugleich nehmen in dem Maße, in dem Big Data wichtiger wird und sich das Internet der Dinge etabliert, auch Volumina, Vielfalt und Frequenz der Daten zu, was traditionelle, vor Ort befindliche Infrastrukturen überfordere. Die notwendige Skalierbarkeit ist oftmals nicht gegeben, die Speicherung sehr großer Datenmengen äußerst kostspielig, und zentralisierte Architekturen führten zu signifikant hohen Latenzen. Cloud- Computing biete eine verteilte Architektur, die es erlaubt, die Daten am Rand des Netzwerkes zu speichern und zu analysieren.

London, Frankfurt, Amsterdam und Paris

Der Global Interconnection Index weist auch das beschleunigte Wachstum von Interconnection-Services in den europäischen Städten Metropolen London, Paris, Frankfurt und Amsterdam aus – unter Berücksichtigung des Brexit. Denn: „Trotz des Brexit wird London weiterhin in Hinblick auf die Kapazitäten an Interconnection-Bandbreite die europäische Spitze bilden.“

Auf den zweiten Platz rückt das Finanzzentrum Frankfurt vor. Für diesen Standort wird eine Kapazitätssteigerung von 51 Tbit/s in 2016 auf 252 Tbit/s in 2020 prognostiziert, was auf die zunehmende Nutzung von Cloud-Services in Deutschland, vor allem durch Finanzdienstleister, zurückzuführen sei.

Hinweis: Die Equinix-Studie Global Interconnection Index in Deutsch gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen:

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