Jerome Evans zur Zukunft der Virtualisierung Von VMware zu Open Source

Ein Gastkommentar von Jerome Evans* 3 min Lesedauer

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Viele VMware-Anwender suchen nach Alternativen. Jerome Evans, CEO von Firstcolo, sieht die Abkehr von VMware als Anlass für eine neue Infrastrukturstrategie. OpenStack soll mehr Kontrolle über Kosten, Architektur und Infrastruktur geben.

Offene Infrastrukturen verändern die Architektur moderner Rechenzentren.(Bild:  Gemini / Paula Breukel / KI-generiert)
Offene Infrastrukturen verändern die Architektur moderner Rechenzentren.
(Bild: Gemini / Paula Breukel / KI-generiert)

Eine im März 2026 veröffentlichte Umfrage des unabhängigen Analystenhauses Virtified kommt zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte der befragten VMware-Anwender ihre Nutzung der Plattform bis 2028 reduzieren will.

Befragt wurden 450 Anwender in 14 Ländern aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Auslöser sind vor allem die Folgen der Broadcom-Übernahme, veränderte Lizenzmodelle und steigende Kosten. Die Diskussion um VMware ist damit längst keine rein technische Debatte mehr.

Vielmehr stellt sie für viele Unternehmen und Managed-Service-Provider die grundsätzliche Frage, wie viel Kontrolle sie künftig über ihre eigene Infrastruktur behalten wollen.

Die eigentliche Herausforderung heißt Abhängigkeit

Über viele Jahre galt VMware als Quasi-Standard in der Enterprise-Virtualisierung. Die Plattform ermöglichte eine effiziente Konsolidierung von Serverlandschaften und bildete das Fundament zahlreicher Rechenzentren.

Die im Zuge der Übernahme durch Broadcom erfolgten strategischen Änderungen haben jedoch deutlich gemacht, welche Risiken entstehen können, wenn zentrale Teile der IT-Landschaft von den Entscheidungen eines einzelnen Herstellers abhängig sind. Für viele Unternehmen steht deshalb heute nicht nur die Höhe der Lizenzkosten im Mittelpunkt.

Viel wichtiger ist die Frage nach langfristiger Planbarkeit. Wer seine gesamte Infrastruktur auf ein proprietäres Ökosystem ausrichtet, macht sich zwangsläufig von dessen Produktstrategie, Preisgestaltung und Innovationszyklen abhängig. Genau diese Form des Vendor Lock-ins wollen viele Organisationen künftig vermeiden.

Open Source wird zur strategischen Option

Vor diesem Hintergrund gewinnen Open-Source-basierte Virtualisierungsplattformen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere OpenStack entwickelt sich für Managed-Service-Provider und ihre Kunden zu einer ernstzunehmenden Alternative. Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein im Wegfall klassischer Lizenzkosten.

OpenStack basiert auf offenen Standards, offenen Schnittstellen und einer unabhängigen Weiterentwicklung. Unternehmen erhalten dadurch deutlich mehr Kontrolle über ihre technologische Roadmap. Entscheidungen über Architektur, Erweiterungen oder Migrationen werden nicht mehr ausschließlich durch die Vorgaben eines Herstellers bestimmt.

Gerade für Organisationen mit langfristigen Investitionszyklen ist diese Planbarkeit ein wichtiger Faktor. Infrastrukturprojekte werden häufig für fünf bis zehn Jahre konzipiert. Entsprechend wichtig ist es, dass sich grundlegende Rahmenbedingungen nicht kurzfristig ändern.

Wirtschaftlichkeit umfasst mehr als Lizenzkosten

Bei der Bewertung von Virtualisierungsplattformen wird häufig ausschließlich auf die Lizenzkosten geschaut. Tatsächlich spielen jedoch die Gesamtkosten (TCO) eine Rolle. Neben Softwarekosten beeinflussen auch Betrieb, Automatisierung, Support, Skalierbarkeit und Personalaufwand die Wirtschaftlichkeit einer Plattform.

OpenStack ermöglicht hier einen anderen Ansatz: Statt Lizenzgebühren stehen Betriebskompetenz und Architektur-Know-how im Mittelpunkt. Ressourcen wie Rechenleistung, Arbeitsspeicher oder Storage lassen sich transparent bereitstellen und kalkulieren.

Für Managed-Service-Provider eröffnet dies die Möglichkeit, ihren Kunden klar definierte und nachvollziehbare Leistungsmodelle anzubieten. Gleichzeitig profitieren Unternehmenskunden von einer besseren Kostenkontrolle und höherer Planungssicherheit.

Moderne IT benötigt offene Architekturen

Ein weiterer Aspekt wird häufig unterschätzt: Die Virtualisierung ist heute nur noch ein Baustein moderner IT-Landschaften. Neben klassischen virtuellen Maschinen müssen Plattformen zunehmend Container-Technologien wie etwa Kubernetes, Automatisierungslösungen und Cloud-native Anwendungen unterstützen.

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OpenStack wurde von Beginn an als offene Infrastrukturplattform konzipiert und lässt sich flexibel mit modernen Technologien kombinieren. Unternehmen können dadurch bestehende Legacy-Anwendungen weiter betreiben und gleichzeitig neue Cloud-native Architekturen aufbauen, ohne parallele Infrastrukturen pflegen zu müssen.

Besonders in Hybrid- und Multi-Cloud-Szenarien bietet diese Offenheit erhebliche Vorteile. Anwendungen und Workloads lassen sich einfacher zwischen unterschiedlichen Umgebungen bewegen, wodurch die strategische Handlungsfreiheit steigt.

Datensouveränität wird zum Wettbewerbsfaktor

Neben wirtschaftlichen und technischen Überlegungen gewinnt auch das Thema digitale Souveränität an Bedeutung. Unternehmen möchten zunehmend nachvollziehen können, wo ihre Daten verarbeitet werden und welchen rechtlichen Rahmenbedingungen die zugrunde liegende Infrastruktur unterliegt.

Werden OpenStack-basierte Plattformen von europäischen Betreibern in europäischen Rechenzentren betrieben, unterstützen sie die Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Datensouveränität.

Gerade für Unternehmen aus regulierten Branchen oder mit sensiblen Datenbeständen wird dieser Aspekt zunehmend zu einem wichtigen Auswahlkriterium.

Über den Autor:
Jerome Evans ist Gründer und CEO von Firstcolo.

Bildquelle: Firstcolo

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