„Datacenter Strategy Summit 2026“ KI-Boom stellt die Re­chen­zen­t­rums­bran­che vor Grund­satz­fra­gen

Von Paula Breukel 4 min Lesedauer

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Die Rechenzentrumsbranche steht vor großen Umbrüchen: In Heidelberg wurde deutlich, warum Deutschland in Sachen Energieversorgung, Infrastrukturplanung und dem wirtschaftlichen Einsatz von KI neue Antworten braucht.

Die Paneldiskussion moderierte Roland Broch (2. v.r.). Es diskutierten  (v.l.) Dr. Ralph Hintemann, Stephan Ilaender, Christian Richter-Ferenczi und Roland Weise über das Thema idealer Rechenzentrumsstandort.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Die Paneldiskussion moderierte Roland Broch (2. v.r.). Es diskutierten (v.l.) Dr. Ralph Hintemann, Stephan Ilaender, Christian Richter-Ferenczi und Roland Weise über das Thema idealer Rechenzentrumsstandort.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Beim Datacenter Strategy Summit der Vogel IT-Akademie reichten die Diskussionen von der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland über neue Stromversorgungsarchitekturen bis zur Frage, welchen Nutzen Unternehmen aus KI ziehen und welche Infrastruktur sie dafür selbst betreiben müssen.

Datacenter Strategy Summit 2026
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Deutschland zwischen Standortvorteilen und Ausbaugrenzen

Zum Auftakt machte Ralph Hintemann vom Borderstep-Institut der Branche Mut und sagte über den Standort Deutschland: „Wir sind der Rechenzentrumsstandort!“. Er führte aus, dass der Markt hierzulande stark am wachsen ist, und die Branche von einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur profitiert, einer zentralen Lage in Europa und vergleichsweise hohen Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Gleichzeitig lässt sich das Wachstum nicht beliebig beschleunigen. Rechenzentren benötigen geeignete Flächen, technische Komponenten und vor allem verfügbare Stromanschlüsse.

Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Engpässe beim Netzausbau begrenzen das Tempo. Die Bundesregierung verfolgt zwar das Ziel, die Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 deutlich zu erhöhen. Ob sich die angestrebte Größenordnung tatsächlich erreichen lässt, hängt jedoch auch davon ab, wie schnell die notwendige Infrastruktur entsteht.

Hintemann stellte in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der passenden Größenordnung: Gerade für die industrielle Nutzung könnten kleinere und mittlere Infrastrukturen relevant sein, die KI mit den Daten und Anforderungen europäischer Unternehmen verbinden.

Digitale Souveränität wird zur Infrastrukturfrage

Wie eng Standortpolitik und technologische Unabhängigkeit zusammenhängen, zeigte der Beitrag von Stephan Ilaender von Stackit. Digitale Souveränität bedeute mehr als die Server in Deutschland stehen zu haben.

Abhängigkeiten können auf unterschiedlichen Ebenen entstehen: bei Hardware, Software, Plattformen und dem Betrieb digitaler Dienste.

Eigene Rechenzentren und Cloud-Plattformen können Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen mehr Kontrolle über ihre Daten und technischen Abhängigkeiten verschaffen. Das setzt allerdings voraus, dass die Infrastruktur wirtschaftlich betrieben werden kann und mit internationalen Angeboten konkurriert.

Ilaender machte deutlich, dass die europäische Zusammenarbeit dazu beitragen kann, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und leistungsfähige Infrastruktur bereitzustellen.

KI verändert die Stromversorgung…

Besonders greifbar werden die Veränderungen bei der technischen Infrastruktur. Die stark steigenden Leistungsdichten in den Racks und die damit verbundenen Anforderungen an Stromversorgung, Wärmeabfuhr und Schutzkonzepte sind ein Dauerthema in der Branche:

Daher wurde darüber diskutiert, wie der Umstieg auf 800 Volt Gleichstrom (VDC) ermöglicht werden kann, um die Leistungen effizienter zu verteilen und den Verkabelungsaufwand zu reduzieren.

Die Umstellung betrifft jedoch nicht nur die Stromwandlung am Rack. Auch Schutztechnik, Stromverteilung, Überwachung und Wartung müssen aufeinander abgestimmt sein.

Doch klar wurde auch: Eine einheitliche Architektur für alle KI-Rechenzentren gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem welche Anwendung läuft im Rechenzentrum, welche Verfügbarkeit wird benötigt und welche Infrastruktur ist am Standort vorhanden? Doch eine Sache ist klar: Bei Neubauten bestehen andere Voraussetzungen als bei der Erweiterung bestehender Rechenzentren.

Die Debatte um 800 Volt zeigte außerdem, dass technische Entwicklung und praktische Umsetzung nicht immer im gleichen Tempo vorankommen. Offene Fragen zu Normen, Sicherheit, verfügbaren Komponenten und Qualifikationen des Betriebspersonals müssen geklärt werden. Damit steht die Branche vor der Aufgabe, neue Konzepte frühzeitig zu erproben und damit belastbare Betriebs- und Sicherheitsverfahren zu etablieren.

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…und auch die Kühlung

Auch bei der Kühlung verschärfen sich die Anforderungen. Höhere Leistungsdichten machen neue Kühlkonzepte erforderlich. Die technische Entscheidung hängt dabei eng mit der Stromversorgung und dem jeweiligen IT-System zusammen. Eine isolierte Betrachtung einzelner Komponenten reicht deshalb nicht aus.

Stromverfügbarkeit wird zum strategischen Engpass

Wie stark die Energieversorgung den Ausbau prägt, zog sich durch mehrere Beiträge und Diskussionen: Dabei ging es nicht nur um den Strompreis. Auch der Zugang zu ausreichender Leistung und die Dauer des Netzausbaus bestimmen, wann neue Kapazitäten tatsächlich verfügbar sind.

Besonders relevant ist das für Bestandsrechenzentren. Steigende Leistungsdichten erhöhen den Strombedarf auch dort, wo Gebäude und IT-Flächen bereits vorhanden sind. Zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen, dauert oft lang.

Eigene KI-Infrastruktur muss sich am Nutzen messen lassen

Neben den technischen Anforderungen stand die Frage im Raum, wie Unternehmen KI sinnvoll in ihre Geschäftsprozesse integrieren. Der Beitrag von Michael Sauerzapf von der Rewe Group stellte dabei den Zusammenhang zwischen Menschen, Daten und Infrastruktur heraus.

KI verändert nicht nur die Anforderungen an Rechenleistung. Unternehmen müssen auch ihre Datenbestände erschließen, Kompetenzen aufbauen und Verantwortlichkeiten klären. Die Entscheidung für eigene Infrastruktur ist deshalb keine rein technische Frage. Sie hängt davon ab, welche Anwendungen einen messbaren Nutzen versprechen und welche Anforderungen an Datenkontrolle, Verfügbarkeit und Integration bestehen.

Auch die Diskussionen zu Private AI und industrieller KI zeigten, dass nicht jede Anwendung dieselben Infrastrukturbedingungen benötigt. Sensible Daten, regulatorische Anforderungen und die Nähe zu industriellen Prozessen können für lokale oder souverän betriebene Systeme sprechen. Andere Workloads lassen sich dagegen auch über externe Plattformen abbilden.

Für die Planung bedeutet das, dass Unternehmen ihre Infrastruktur stärker vom konkreten Einsatz her denken müssen. Nicht jede KI-Anwendung benötigt ein neues Hochleistungsrechenzentrum. Häufig kommt es darauf an, vorhandene Systeme sinnvoll zu erweitern, Daten zugänglich zu machen und den Betrieb an veränderte Anforderungen anzupassen.

Der Summit gab einen weiten Überblick über die unterschiedlichen Spannungsfelder und es stellte sich klar heraus, wie wichtig es für die Branche ist, diese Themen ganzheitlich anstatt isoliert anzugehen.

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